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Akzente der Katholischen Soziallehre Von der Industrialisierung zur Globalisierung Die Krise des Kapitalismus

Akzente der Katholischen Soziallehre Von der Industrialisierung zur Globalisierung Die Krise des Kapitalismus. Inhaltsverzeichnis 1. Die Industrialisierung 2. Soziale Gerechtigkeit 3. Arbeit 4. Globalisierung 5. Die Krise des Turbokapitalismus 6. Perspektiven .

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Akzente der Katholischen Soziallehre Von der Industrialisierung zur Globalisierung Die Krise des Kapitalismus

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  1. Akzente der Katholischen Soziallehre Von der Industrialisierung zurGlobalisierung Die Krise des Kapitalismus

  2. Inhaltsverzeichnis 1. Die Industrialisierung 2. Soziale Gerechtigkeit 3. Arbeit 4. Globalisierung 5. Die Krise des Turbokapitalismus 6. Perspektiven

  3. 1 Die Industrialisierung - „Rerum novarum 1891“1000 Jahre feudalistisches System • Landwirtschaftlich geprägt • Feudalistische Struktur, die unteren Schichten hatten kaum Rechte • Armenfürsorge im Notfall • Krise durch Bevölkerungswachstum • (1780 hatte Deutschland 21 Millionen 1914 67 Millionen Bewohner) • und Freiheitsdenken Hambacher Fest: Großkundgebung der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung am 27. Mai 1832 mit 30.000 Teilnehmern

  4. Der Prozess der Industrialisierung • 1. Welle (Eisenbahn und Dampfmaschine) ab 1830 • Fahrt der ersten deutschen Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Kupferstich von C. Wießner ca. 1835/36. • 2. Welle (Elektrizität und Automobilbau) ab 1890

  5. Die soziale Lage • Von 1835 – 1873 • Die Arbeitsbedingungen waren schlecht, auch Kinder ab 4 Jahren mussten 13 Stunden am Tag arbeiten (1839 wurde in Preußen Kinderarbeit unter 9 Jahren verboten), für den normalen Wochenlohn waren 90 Stunden Arbeit fällig. Noch 1953 konnten zwei Drittel der Arbeiter einer Maschinenfabrik von ihrem Arbeitslohn mit ihren Familien nicht auskömmlich leben • Die Wohnungssituation war beengt und unsicher • Die Ernährung war schlecht • Nach 1880 verbesserte sich die Lage langsam, es blieben 12 Stunden Arbeitszeit

  6. Die Entstehung der Arbeiterbewegung • Arbeiterbildung • In den 30er Jahren des 19. Jh. entwickelte sich Arbeiterbildung und Lesezirkel. Es ging darum das Leben vernünftig und menschlich zu gestalten. „Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle“. Liebknecht sagte: Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“. • Die Arbeiter suchten aber weniger die politische als die berufliche Bildung. • Liebknecht und die Religion • Eine Religionsfeindlichkeit, die sich lange durchgehalten hat kam durch Liebknecht, der die Kirche als Instrument des Klassenstaates sah. Karl Liebknecht 1871-1919

  7. Die Gründung der Gewerkschaften • Die ersten Aufständen und ihre Gründe • Weberaustand in Peterswaldau 1844 bei den Gebrüder Zwanziger, Verleger, die Heimarbeiter verlangten höheren Lohn. Sie zerstörten die Gebäude, etwa 3000, die Polizei schlug den Aufstand nieder. Preußen verbot den Streik. • Vorkämpfer waren oft die Gesellen, sie kannten Organisation. • Viele Vordenker flohen nach Frankreich, dort wurde der Bund der Geächteten und davon abgespaltet 1847 der Bund der Kommunisten gegründet. Käthe Kollwitz, Weberaufstand

  8. Gründung von Gewerkschaften • Erste Gewerkschaften entstanden 1848 in Mainz. • Es lief eine zweite und eigentliche Welle der Gründung von Gewerkschaften ab 1861 mit den Leipziger Buchdruckern. Sie streikten nach erfolglosen Petitionen 1872 . • Es wurden dann verschiedene Gewerkschaften gegründet, eine mehr sozialistische und eine liberale Richtung in den Hirsch-Dunkerschen Gewerkvereinen. • In der Zeit der der Sozialistengesetze ab 1878 bis 1890 kam es zu Verboten. Ab den 80er Jahren wurden oft unter Decknamen wieder Zentralverbände gebildet. • 1920 gab es die Freien, die Hirsch-Dunkerschen und die Christlichen Gewerkschaften. • 1883 wurde das ersteSozialversicherungsgesetz geschaffen.

  9. Die Entwicklung der politischen Ideen und Parteien • Die geistigen Strömungen kamen vor allem von Frankreich und England. St. Simon (1760-1852) gilt als Begründer eines religiösen Sozialismus • Etienne Cabet (1788-1856) entwickelte einen romantischen Frühsozialismus, es beruhte auf der Vorstellung von der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen. • Robert Owen (1771-1858) war britischer Unternehmer und gründete Mustersiedlungen. Er wollte die Menschen soweit entwickeln, dass eine „Ordnung ohne Herrschaft (Anarchie) möglich wäre. • Karl Marx (1818-1883) war mit Friedrich Engels (1820-1895) in Frankreich im Bund der Kommunisten und entwarf mit diesem im Auftrag des Bundes das Kommunistische Manifest. Marx und Engels gelten als Begründer des „wissenschaftlichen Sozialismus.“ Karl Marx

  10. Sozialistische Parteien • Für die Entwicklung von sozialistischen Parteien setzten sich vor allem ein: • Ferdinand Lassalle (1825-1964), er entwickelte die Theorie vom „ehernen Lohngesetz“, das Existenzminimum würde nicht steigen, bei Mehrverdienst würden mehr Ehen geschlossen und mehr Kinder geboren und das Angebot an zusätzlichen Arbeitskräften den Lohn wieder senken. Er gründete 1963 den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. • August Bebel (1840-1913) gründete 1869 mit Wilhelm Liebknecht und einigen Lassallianern die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. • In der Zeit der Sozialistengesetzte (1878-1890)war sie verboten.

  11. Auf dem Weg zu einer Sozialenzyklika • Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler (1811-1877) wurde 1850 Bischof von Mainz. Als Pfarrer hatte er sich schon intensiv mit der sozialen Frage auseinander-gesetzt. • Er rief zur Organisation der Arbeiter auf. Die Arbeiter zu organisieren, um mit gemeinschaftlicher Anstrengung ihre Interessen und Rechte geltend zu machen, ist berechtigt und heilsam, ja selbst notwendig, wenn der Arbeiterstand nicht erdrückt werden soll von der Macht des Geldes. • Er sprach sich gegen die herkömmlichen Stände aus, die das Problem nicht mehr lösen könnten. Er trat für die Gewerkschaftsidee ein. Er gab auch Anregungen für die erste Sozialenzyklika.

  12. 1891 erscheint die Enzyklika von Leo XIII. Rerum novarum • 1. Der Geist der Neuerung (Rerum novarum), welcher seit langem durch die Völker geht, musste, nachdem er auf dem politischen Gebiete seine verderblichen Wirkungen entfaltet hatte, folgerichtig auch das volkswirtschaftliche Gebiet ergreifen. • Es war eine Sensation, dass ein Papst sich so auf die Seite der Arbeiter stellt. • Die wichtigsten Themen sind: • Eigentum, auch der Arbeiter muss Eigentum bilden können • Gerechter Lohn ist ein Anspruch, er sichert für den Arbeiter, seine Familie und die Zukunft das Leben • Koalitionsfreiheit hat der Arbeiter zur Bildung von Arbeitervereinigungen • Staatsintervention ist gefordert, wenn die Rechte der arbeitenden Menschen geschmälert werden

  13. 2.Soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Subsidiarität • 40 Jahre später (1931) kommt Quadragesimo anno (40 Jahre) von Pius XI. heraus • Vorausgegangen war eine Weltwirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit (D 1932 ca. 5,5 Millionen). • Der Entwurf ist von Oswald von Nell-Breuning S.J. • Themen sind vor allem: • Soziale Gerechtigkeit • Gegen Massenarbeitslosigkeit • Gerechte Verteilung der Erdengüter • Subsidiarität, die Basis in ihren Anliegen stützen

  14. Soziale Gerechtigkeit erstmals in einem kirchlichen Dokument: Der Begriff ist ein urkatholischer Begriff, der 1840 von dem Jesuiten Taparelli in Sizilien erstmals verwandt wurde. • „126. ..die Wir hier in feierlicher Weise von neuem als Losung ausgeben, das soziale Reformprogramm der Kirche verwirklichen, in sozialer Gerechtigkeit und sozialer Liebe die Gesellschaft zu erneuern!“ • Was ist soziale Gerechtigkeit • Die Güter der Erde sind für alle da • Jeder ist ein Geschöpf Gottes • Gott will Gerechtigkeit unter den Menschen • Eine absolute Gleichheit ist hier nie zu schaffen • Sie muss aber immer wieder Option sein, die unser Handeln hier immer unter die Frage stellt, wie trifft das die Armen und Schwachen, ist eine gerechtere Lösung machbar? • Allzu große Unterschiede sind nicht zulässig • Allen sind nach Möglichkeit die Beteiligungsrechte zu geben, die sie zur Realisierung eines Lebens in Anstand und Würde benötigen • Der Staat ist der Garant der sozialen Gerechtigkeit, er muss ggf. durch Ausgleich für eine bessere Gerechtigkeit sorgen • Soziale Gerechtigkeit umfasst vor allem Verteilungsgerechtigkeit Taparelli SJ 1793-1863

  15. 3. Arbeit – Laborem exercens 1981 Johannes Paul II Armut trotz Arbeit Viele Haushalte sind arm, obwohl mindestens eine Person einer Beschäftigung nachgeht. Dies ist ein Grund für die zunehmende Ungleichheit in vielen Staaten, die auch die wachstumsstarken Staaten betrifft.

  16. Ende 2005 sind weltweit 2,85 Milliarden Menschen einer Beschäftigung nachgegangen. Die absolute Zahl der Beschäftigten hat sich erhöht und ist seit 1995 um etwa 440 Millionen (16,8 Prozent) gestiegen. • Der relative Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung ist im selben Zeitraum von 62,8 Prozent (1995) auf 61,4 Prozent (2005) gesunken. Dramatisch ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit • 2008 September sind bei uns über 3Millionen arbeitslos, bei nach wie vor hoher Sockelarbeitslosigkeit und wachsenden prekären Arbeitsverhältnissen, die Billiglöhner lagen im April bei 22,2%.

  17. Mit die wichtigste Sozialenzyklika (1981) von Johannes Paul II. ist Laborem exercens (durch die Arbeit) Hier wird Arbeit zur Menschenwürde deklariert. Arbeit hat Personcharakter, Kapital ist ein Werkzeug Es gilt deutlich zu machen, dass es einen Vorrang der Arbeit vor dem Kapital gibt. „12... . Dieses Prinzip betrifft direkt den Produktionsprozess, für den die Arbeit immer eine der hauptsächlichen Wirkursachen ist, während das Kapital, das ja in der Gesamtheit der Produktionsmittel besteht, bloß Instrument oder instrumentale Ursache ist. Dieses Prinzip ist eine offensichtliche Wahrheit, die sich aus der ganzen geschichtlichen Erfahrung des Menschen ergibt.“ Es gilt deutlich zu machen, dass es einen Vorrang der Arbeit vor dem Kapital gibt.

  18. 4 Globalisierung und Soziallehre sondern um die ganze Welt Nicht mehr nur um Europa • Unter Globalisierung wird die Veränderung der Weltwirtschaft verstanden, die zu mehr länderübergreifenden Transaktionen führt. Auch im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich findet eine Globalisierung statt. • Negativen Folgen: • Schuldenkrise • Öffnen der Schere zwischen arm und reich • Korruption • Belastung der Umwelt (z.B. Kohlendioxyd) • Überforderung der Nationalstaaten gegenüber Global-Players • Krise des Finanzsystems 18

  19. Globalisierung hat nach U. Beck zwei Zielrichtungen Globalität heißt wir leben schon längst in einer globalen Welt, dahinter gibt es kein zurück mehr. Globalisierung ist hier der Versuch, die Weiterentwicklung der Globalität zu steuern durch internationale und nationale Aktivitäten Globalismus meint die vorherrschende Ideologie für den Weltmarkt, den Neoliberalismus mit seiner Tendenz zum Abbau des Sozialen, ist gewissermaßen eine weite verbreitete Leitidee der Globalität. • Unter heutigem Neoliberalismus kann verstanden werden: • Die Arbeitskraft wird wie jede andere Ware betrachtet. Je billiger diese Ware ist, • desto mehr wird davon gekauft, heißt es. Massenarbeitslosigkeit ist für die • Neoliberalen demnach eine Folge zu hoher Lohn(neben)kosten. • Wenn die Löhne nur stark genug sinken, wird sich Vollbeschäftigung einstellen. Die neoliberale Therapie läuft daher auf Lohnsenkung, Lohndifferenzierung und Sozialabbau hinaus. • Gesamtwirtschaftlich geht es um eine Umverteilung • des Volkseinkommens von den Arbeits- hin zu den Gewinn- und Vermögenseinkommen.

  20. Das Phänomen der Globalisierung • Die Ursachen: • Die Industrialisierung agiert weltweit • Die Kapitalströme kennen keine Grenzen • Der Shareholder value (Verdienst aus Aktienbesitz) ist offensichtlich das Wichtigste, spekulieren macht mehr Gewinne als Produzieren, so fließt in der Spekulation täglich das mehrfache an Kapital um die Welt als tatsächlich benötigt würde. Dies führt immer wieder zu Krisen. • Die Weltwirtschaft und der -handel nehmen zu aber unsymmetrisch zu. Im Jahr 1980 gab es etwa 17.000 Multinationale Unternehmen. Bis zum Jahr 2000 stieg die Gesamtzahl auf über 63.000 an und hat sich bis 2004 noch einmal deutlich auf 70.000 erhöht. Die Zahl der Tochterunternehmen der Multinationalen Unternehmen lag im selben Jahr bei etwa 690.000. 20

  21. Am schlechtesten stehen die subsaharischen Staaten Afrikas da, deren BIP pro Kopf von 1990 bis 2000 erneut rückläufig war.

  22. Klimaänderung • Beim Treibhauseffekt wird die Wärmestrahlung die von der Erdoberfläche zurückgeworfenen wird , durch reflektierende Gasmoleküle in der Atmosphäre (z.B CO 2 ) behalten . • Der Treibhauseffekt ist im Grunde ein völlig normaler Vorgang, der dafür sorgt, dass es auf die Erde nicht zuviel Wärme abgibt und erkaltet . Problematisch wird es nur, wenn durch Abgase zu viele Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen und dadurch zu viel Wärme reflektiert wird. • Ähnlich wie in einem Treibhaus steigt dadurch die Temperatur auf der Erde immer weiter an, was zu einer Klimaveränderung führt. Das fordert uns heraus

  23. Neue technologische Entwicklungen entgrenzen (z.B. Internet, arme Länder haben kaum Anteil) • 80 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule/ Millenniums-Ziel „Bildung für alle" kaum noch zu schaffen. In Subsahara Afrika gibt es 40% Analphabeten. • Das Millenniums-Ziel „Bildung für alle Kinder bis zum Jahr 2015" ist in Gefahr. Die reichen Industriestaaten und auch Deutschland halten ihre Zusagen an die Entwicklungsländer nicht ein. • Jährlich fehlen rund 16 Milliarden Dollar, damit bis 2015 alle schulpflichtigen Kinder tatsächlich eingeschult werden können. Gerade einmal „ausreichend" bewertet die Globale Bildungskampagne die Bemühungen der Bundesregierung 23

  24. Korruption • Wie kam es zur Schuldenkrise? • Die Schuldenkrise der Dritten Welt fiel nicht vom Himmel. • 1980 betrug die Schuldlast der Länder Schwarzafrikas 60 Mrd. US-$, im Jahr 2000 hatte sich die Schuldenlast auf 216 Mrd. US-$ erhöht und steigt weiter. • Armut ist die Folge, weiterhin Hunger, Reduzierung der Sozial- und Bildungssysteme. 24

  25. Weltweite Rüstungsausgaben und Krieg -meist in den armen Ländern- verhindern oft positive Entwicklungen. • Die weltweiten Ausgaben für Rüstungsgüter sind nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) im vergangenen Jahr gegenüber 2004 um 3,4 Prozent auf 1118 Milliarden US-Dollar gestiegen. • Das waren 173 Dollar pro Erdenbürger, 14 Mal soviel wie für Entwicklungs-hilfe. Auf die USA entfallen laut SIPRI fast die Hälfte der weltweiten Rüstungsausgaben von 2005. Die ganze Welt ist ein Netzwerk von Beziehungen, es gilt sie positiv zu gestalten 25

  26. 4. Globalisierung – weltweite Solidarität „Mater et Magistra“ (Mutter und Lehrmeisterin) erscheint unter Johannes XIII. 1961 Die Soziallehre wird weltweit Sie wendet sich neuen Themen zu, vor allem der Entwicklungshilfe Entwicklungshilfe entsteht, Kirche war einer der ersten Impulsgeber! In der ersten großen Friedensenzyklika der Kirche von Papst Johannes XXIII. 1963 Pacem in terris (Friede auf Erden) „109. Anderseits sehen Wir nicht ohne großen Schmerz, daß in den wirtschaftlich gut entwickelten Staaten ungeheuere Kriegsrüstungen geschaffen wurden und noch geschaffen werden und daß dafür die größten geistigen und materiellen Güter aufgewendet werden.

  27. „Gaudium et spes“ (Konzil 1965) geht auch von der Menschenwürde aus und entwickelt ein umfassendes Bild von einer menschenwürdigen Welt. Dazu gehören Gerechtigkeit und Frieden. GS 80: Deshalb macht sich diese Heilige Synode die Verurteilung des totalen Krieges, wie sie schon von den letzten Päpsten ausgesprochen wurde3, zu eigen und erklärt: Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist. Populorum progressio – über die Entwicklung der Völker Die Enzyklika von Paul VI. erschien 1967. Sie ist ganz dem Thema der Entwicklungshilfe gewidmet. Sie ist auch aus der unmittelbaren Anschauung des Papstes erwachsen, 1960 nach Lateinamerika und 1962 nach Afrika. Er entwirft eine christliche Vision von Entwicklung. Die Enzyklika will aber mehr als die Schreiben vorher zum unmittelbaren handeln anregen.

  28. Octogesimo adveniens - 80jährige Jubiläum von Rerum novarum 1971 Johannes Paul II. Ein 2. Schreiben zur Entwicklung • Infolge seines Tuns bahnt sich eine neue Katastrophe an. Verschmutzung, Abfälle, neue Krankheiten, absolute Zerstörungsgewalt drohen: • „21... plötzlich wird der Mensch sich heute bewusst, infolge seiner unbedachten Ausbeutung der Natur laufe er Gefahr, dies zu zerstören und Opfer ihrer auf ihn selbst zurückschlagenden Schändung zu werden. • Sollicitudo rei socialis – die soziale Sorge der Kirche • Die Enzyklika über die Soziale Sorge der Kirche erscheint im Dezember 1987 20 Jahre nach Populorum progressio, der ersten Enzyklika zur Entwicklungshilfe. Was den Papst bedrängt, ist das sich in dieser Zeit die Lage der meisten Entwicklungsländer nicht verbessert hat. In vielen Ländern kam es zum Stillstand, in anderen sogar zum Rückschritt. • Eine vierte Welt ist entstanden. Das ist die Ausgangslage dieser Enzyklika.

  29. Dies alles muss zusammenwachsen auf eine neue Weltordnung und Weltordnungspolitik (Global Governance) hin. 1975 fordert der Papst eine Zivilisation der Liebe aufzubauen. 1991 sagt dies auch Johannes Paul II. Bendikt XVI. betont in seiner 1. Enzyklika „Gott ist die Liebe“ (25.12.05) immer wieder, wie wichtig die Liebe zum Aufbau einer gerechten Gesellschaft ist. Johannes Paul II. zum Weltfriedenstag 1. JANUAR 1999 „In der Achtung der Menschenrechte liegt das Geheimnis des wahren Friedens Globaler Fortschritt in der Solidarität 9. Die rasch zunehmende Globalisierung der Wirtschafts- und Finanzsysteme weist ihrerseits darauf hin, dass dringend festgeschrieben werden muss, wer das globale Gemeinwohl und die Anwendung der ökonomischen und sozialen Rechte gewährleisten soll. Der freie Markt allein ist dazu nicht imstande, da es in Wirklichkeit viele menschliche Bedürfnisse gibt, die keinen Zugang zum Markt haben. »Noch vor der Logik des Austausches gleicher Werte und der für sie wesentlichen Formen der Gerechtigkeit gibt es etwas, das dem Menschen als Menschen zusteht, das heißt auf Grund seiner einmaligen Würde.“ Es geht darum wie Johannes Paul II. sagt: "...der Globalisierung des Profits und des Elends eine Globalisierung der Solidarität entgegenzuhalten...“

  30. 5. Die Krise des Turbokapitalismus (10.08) • Welche Auswirkungen hatte die Liberalisierung der Weltmärkte auf Armutsregionen der Welt? • Das hat unter anderem dazu geführt, dass alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren verhungert. Täglich sterben über 100 000 Menschen am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen. 923 Millionen Menschen auf der Welt sind permanent schwierst unterernährt. Letztes Jahr waren es noch 854 Millionen Menschen. • Wie funktioniert diese Spekulation genau?Die Schweizer Großbank UBS hat für ein Zertifikat auf Reis. Im Prospekt heißt es, dass dieses Zertifikat auf Reis außergewöhnlich hohe Profite verspricht. • Die großen Hedgefonds haben auf der Suche nach profitablen Anlegemöglichkeiten die Agrar-Rohstoffbörsen der Welt angesteuert und dort ihre Termingeschäfte aufgebaut. Sie haben auf Mais, Getreide und so weiter gewettet. Der Reispreis ist innerhalb von nur sechs Monaten um 83 Prozent gestiegen. Mais um 67 Prozent und Getreide um 111 Prozent. • Vor allem die Slumbewohner hat das weltweit zuerst getroffen. Die Spekulanten sollten jetzt vor ein Tribunal kommen, wie die Nazi-Verbrecher nach dem Krieg in Nürnberg angeklagt wurden. Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler fordert Strafen für Wetten auf Nahrungsmittel und warnt vor den Wirkungen der Finanzkrise auf die armen Regionen der Welt.

  31. Jeden Tag werden derzeit in den USA etwa 10 000 Familien aus ihren Häusern ausgewiesen, weil die Kredite platzen. Da kommt die Polizei, klopft an die Tür und sagt: ihre Wohnung wird in 24 Stunden geräumt. 25 Millionen Familien haben in den USA in diesem Jahr ihre Wohnung verloren. • Auf diese Kredite wurde vor allem von den Investmentbanken spekuliert, obwohl der Wert der Aktien nicht gesichert war. Als die Zinserhöhung kam, platzten viele Kredite und damit auch Investmentbanken wie Lehmann Brothers und rissen andere mit in den Strudel wie die Real Hypo Estate bei uns. • Welche Lehren müssen aus der Finanzkrise gezogen werden? • Es muss ein neuer Gesellschaftsvertrag durchgesetzt werden. Der Finanzmarkt bleibt ein Instrument. Es geht ja nicht um Kollektivierung im DDR-Stil. Der freie Markt ist nur eine Maske für die unglaubliche Gier weniger Menschen. • Der Chef von Lehman Brothers, Richard Fuld, hat sich in den letzten Krisentagen 20 Millionen Dollar Bonus angeeignet. Das ist Banken-Banditismus, Kriminalität mit Hilfe einer Bank.

  32. Kann die Erste Welt die Krise auch als Chance zur Neubestimmung begreifen? • Ja, genau. Der Zusammenbruch der neoliberalen Wahnidee macht die Sicht frei auf die Notwendigkeit einer ganz anderen Gesellschaft, eines planetaren Gesellschaftsvertrages. Wenn die Menschen in der Herrschaftswelt begreifen, was für ein Irrweg diese spekulative globalisierte Kapitalismus-Ordnung war. • Absurd und mörderisch zugleich. Mörderisch, weil sie tötet, und absurd, weil sie unnützerweise tötet. Weil man ja alle materiellen Probleme lösen könnte mit diesem einzigartigen Überfluss an Ressourcen. Wenn diese Sicht sich in der westlichen Öffentlichkeit durchsetzen würde, dann wird auch die Sicht auf die Dritte Welt ganz anders. Dann kommt es zu einem Dialog, zu gemeinsamem Widerstand.

  33. Was sagt ein Sozialethiker aus seiner Sicht dazu? Formal hält Hengsbach fünf politische Vorent-scheidungen für grundlegend:1. Die globalen Finanzmärkte sind erstens wie die Güter- und Arbeitsmärkte ein gesellschaftliches, kulturelles Geschehen, von Menschen geschaffen und gesellschaftlich eingebettet, den Normen der Gerechtigkeit und Fairness unterworfen. 2. Zweitens sind alle Finanzgeschäfte, also neben den bilanzierten auch solche, die im Schatten ausgewiesener Bilanzen versteckt sind, einer solchen öffentlichen Aufsicht und Kontrolle zu unterwerfen. Die angeblich innovativen Finanzdienste sind in einer Positivliste zu erfassen und einer öffentlichen Prüfung zu unterziehen. Spekulative Finanzgeschäfte, die darauf abzielen, Kursschwankungen zum eigenen Vorteil auszunutzen, in der Wirkung diese jedoch ausgleichen, sind nicht verwerflich. • Friedhelm Hengsbach S.J. • Eine Chance vertan • Er bemängelt, dass die Brandstifter den Löschzug leiteten. (Sie saßen im Gremi-um der Bundes-regierung.) • Hier wäre nach dem Ende des liberalen Kapitalismus die Chance für einen Neuanfang gegeben gewe-sen.

  34. 3. Drittens sind alle Plätze, an denen grenzüberschreitende Finanzunternehmen operieren, der öffentlichen Aufsicht und Kontrolle zu unterwerfen oder ganz zu schließen, das sind die bisher freien Bankzonen, die sich häufig als Geldwaschanlagen herausgestellt haben. Finanzunternehmen, die Steuerflüchtigen Anlagemöglichkeiten bieten, sind international zu sanktionieren. 4. Viertens sollten alle kurzfristigen und spekulativen Kapitalströme mit einer Steuer (Tobin-Steuer) belegt werden, um das Tempo der Finanztransaktionen zu entschleunigen bzw. den Handel mit Wertpapieren wie den mit Gütern zu belasten, um öffentliche Aufgaben zu finanzieren. Auch die Vergütungsnormen der Finanzmanager sind zu korrigieren, die derzeit so angelegt sind, dass sie kurzfristige Gewinne ohne Verlustrisiken bieten. 5. Fünftens ist der nachhaltigen Rückkopplung der finanz- und güterwirtschaftlichen Sphäre eine erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Die global und regional weit geöffnete Schere der Einkommens- und Vermögensverteilung sollte durch eine solidarische Tarif- und Sozialpolitik geschlossen werden. Ebenso sollten die strukturell verfestigten Zahlungsbilanzungleichgewichte, die sich häufig in asymmetrischen Spannungen entladen, abgebaut werden.

  35. 6. Handlungsperspektiven • Aus politischer Sicht • Der sogenannte Raubtierkapitalismus muss ein Ende haben. • Wie 1944 in Bretton Wood die Weltwirtschaft auf die Basis des US-Dollars gestellt wurde, so muss heute eine verbindliche Weltwirtschaftsordnung entwickelt werden • Sie beinhaltet nationale, internationale und weltweite Elemente • Ihre Einhaltung bedarf der intensiven staatlichen Kontrolle, die Finanzkrise darf nicht zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise werde. • Rein spekulative Bank-Geschäfte bedürfe der Einschränkung • Hedgefond (von hegde=schützen) spezielle Art von Investition, die durch eine hohe spekulative Anlagestrategie gekennzeichnet sind. Hedge-Fonds bieten dadurch die Chance auf sehr hohe Rendite, sind aber dementsprechend auch mit hohen Risiken behaftet. Sie spekulieren nur auf hohe Rendite. sie kaufen oft schwaches Aktienkapital (um es zu schützen!) auf und plündern dann diese Firmen und ihre Patente aus (Heuschrecken). Ihre Sitz haben sie meist rechtlich nicht erreichbar in Offshore-Zentren (Steueroasen). Sie sind zu verbieten. • Spekulation auf Lebensmittel ist zu verbieten • Haftungsverbund aller deutschen und europäischen • Banken. Wenn eine Bank sich verzockt, zahlen die • Wettbewerber und nicht die Steuerzahler die Zeche. • Wie funktionieren Leerverkäufe? • Ein Beispiel: Die Hedge Fonds glauben, dass die Aktie der • Lehmann Brüder nächste Woche im Wert sinken wird - z.B. • von 100 Dollar auf 50 Dollar. Deshalb verkaufen sie sie heute • auf Termin zu 90 Dollar. Das scheint dem Käufer ein • günstiger Preis zu sein. Aber der Hedge Fonds besitzt die • Aktien gar nicht (eben ein „Leerverkauf“). Wenn der Preis eine • Woche später tatsächlich auf 50 Dollar gesunken ist, • kauft der Hedge Fonds die Aktie zu diesem Preis und liefert • sie seinem Käufer für 90 Dollar. 40 Dollar pro Aktie sind sein • Gewinn. Es zeigt sich einmal mehr: an den Finanzmärkten • wird nichts produziert. Der Hedge Fonds hat nur gewonnen, • was der dumme Käufer der Lehmann Aktie verloren hat. • Inzwischen in USA, London und Ffm verboten.

  36. 6. Handlungsperspektiven • 2. Es wird in Zukunft darauf ankommen die Ethik wieder zur Grundlage zu machen dazu gehören: • Soziale Gerechtigkeit • Wahrhaftigkeit und Treue • An die Stelle von Gier muss wieder Verantwortung treten • Keine Korruption • Kapital ist nur ein Instrument, der Mensch ist ein Wesen mit Würde • Ziel alle Wirtschaft ist der Mensch • Die wirtschaftliche Entwicklung muss allen Menschen dienen • Spekulieren auf Lebensmittel ist sündhaft • Für die Weltwirtschaft brauchen wir ein Weltethos (Küng • Es gilt „eine Zivilisation der Gerechtigkeit und Liebe aufzubauen“ (Johannes Paul II.) • Dieser Vortrag ist für die Bildungsarbeit bestimmt und dient keinen kommerziellen Interessen.

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