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Klassiker der empirischen Sozialforschung. 23.05.2003 Referentin: Caroline Lautenbach Dozent: Dr. Wittenberg. Robert S.Lynd & Helen M. Lynd: Middletown (1929). Überblick. Biographie: R. S. Lynd / H. Merrell Lynd Hintergrund der Studie „Middletown“ (1929) Forschungsziel

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Klassiker der empirischen sozialforschung
Klassiker der empirischen Sozialforschung

23.05.2003

Referentin: Caroline Lautenbach

Dozent: Dr. Wittenberg



Berblick
Überblick

  • Biographie: R. S. Lynd / H. Merrell Lynd

  • Hintergrund der Studie „Middletown“ (1929)

  • Forschungsziel

  • Erhebungsort und –rahmen in Muncie, Ind.

  • Methodik

  • Zentrale Ergebnisse

  • Middletown – ein Klassiker

  • Kritik – einige Überlegungen

  • Middletown II/III/IV


Biographie

Biographie

Robert Staughton Lynd

Helen Merrell Lynd


Robert staughton lynd

1892 geb. in New Albany, Indiana.

Studium in Princeton => Abschluss (B.A.) im Jahr 1914

1921 Heirat mit Helen Merrell Lynd

1924-1929 Mitarbeit am Institute for Social and Religious Research (Director of Middl. Studies)

1924-1926 Leben und Forschen in Muncie, Indiana.

1931 zum Ph. D. an der Columbia University, N.Y.

1931-1961 Professur an der Columbia University

Starb im Jahr 1970 in N.Y.

Robert Staughton Lynd


Robert staughton lynd1
Robert Staughton Lynd

Hauptwerke

  • Middletown: A study in Contemporary American Culture (1929)

    [zsm. mit Ehefrau H. Lynd]

  • Middletown in Transition (1937)

    [zsm. mit Ehefrau H. Lynd]


Helen merrell lynd
Helen Merrell Lynd

  • 1886 geb. in La Grange, Illinois

  • Studium am Wellesley College in Wellesley, Massach. => Abschluss (B.A.) im Jahr 1919

  • 1919-1921 Lehrerin an zwei Schulen in New York

  • 1921 Heirat mit Robert Lynd

  • 1921-1922 Philosophiestudium an der Columbia University, N.Y.

  • 1924-1929: Mitarbeit am Institute for Social and Religious Research (Assistant Director & Research Associate)


Helen merrell lynd1
Helen Merrell Lynd

  • 1924-1926 Leben & Forschen in Muncie, Indiana.

  • 1928-1964 Professorin für Philosophie und Psychologie am Sarah Lawrence College, N.Y.

  • 1964 Pensionierung; lehrte aber als Emeritus Professor in Social Philosophy bis kurz vor ihrem Tod.

  • Starb im Jahr 1972 in N.Y.


Helen merrell lynd2
Helen Merrell Lynd

Hauptwerke:

  • Middletown. A study in comtemporary American culture(1929) [zsm. mit R. Lynd]

  • Middletown in transition (1937) [zsm. mit R. Lynd]

  • England in the eighteen-eighties (1944) [Diss.]

  • Field work in college education (1945)

  • On shame and the search for identity (1958)

  • Toward discovery (1965)

  • Possibilities (1978)



Hintergrund der studie
Hintergrund der Studie

  • Angespannte Arbeitslage in 20er Jahren in USA

  • Kapitalisten suchten nach Wegen, um die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer zu reduzieren

  • John D. Rockefeller, Jr. : Religion als Lösung für Spannungsverhältnis zwischen Arbeiter – und Wohlstandsschicht?

  • => Gründung des „Institute for Social and Religious Research“

  • Forschungsauftrag an Robert S. Lynd

  • => Studie zu einer Gemeinde über Bedeutung von Religion


Klassiker der empirischen sozialforschung


3 forschungsziel

3. Forschungsziel

-> Grundidee

-> Konkrete Forschungsfragen


Grundidee
Grundidee

  • Forschungsauftrag vom Institute for Social and Religious Research:

    => Religion als „Heilmittel“?

Eine „typische“ amerikanische Gemeinde zu finden,

in der Religion in ihrem natürlichen Umfeld erforscht

werden konnte


Konkrete forschungsfragen
Konkrete Forschungsfragen

  • Lynd & Lynd entschieden, dass es nutzlos sei, die Bedeutung von Religion „isoliert“ zu erforschen => alle Teilbereiche des gesell. Leben erforschen !

a) Welche Rolle spielt Arbeit, Familie, politisches Leben,

Freizeit, Religion, und Erziehung/Bildung für Bürger einer

typischen amerikanischen Gemeinde?

b) Welchen Einfluss hatte die Industrielle Revolution auf diese

Teilbereiche des Lebens? => Vergleich 1890 und 1924


4 erhebungsort und rahmen

4. Erhebungsort und - rahmen

-> Muncie, Indiana (USA) als „middletown“

-> Untersuchungs-

rahmen


Anforderungen an middletown
Anforderungen an „Middletown“

  • Angenehmes Klima für das Forschen

  • Eine Stadt mittlerer Größe (ca. 25.000 – 50.000 Einwohner)

  • Bestimmtes Städtewachstum, um auch sozialen Wandel untersuchen zu können

  • Vorhandene Industriekultur mit moderner Maschinerie

  • Industrievielfalt, sprich: keine „one-industry“-Stadt

  • Unabhängige und aktuelle Aktivitätsmöglichkeiten im kulturellen Bereich (Musik, Lesungen etc.)

  • Keine lokal auftretenden Probleme


Muncie indiana usa
Muncie, Indiana (USA)

  • Robert und Helen Lynd gingen nach Muncie, Indiana und lebten dort von 1924-1926

  • Muncie = Synonym für „Middletown“, die als typische repräsentative US-amerikanische Stadt seit den 20er Jahren galt

  • „A full-bodied portrait of a so-called `typical´ American community“

  • groß genug, um verschiedenste Aktivitäten und Lebensbereiche zu erforschen

  • Klein genug, um von einer kleinen Forschungsgruppe erforscht zu werden


Untersuchungsrahmen
Untersuchungsrahmen

  • Anthropologischer Rahmen:

  • Getting a living (Arbeit)

  • Making a home (Familie)

  • Training the young (Bildung und Erziehung)

  • Using leisure (Freizeit)

  • Engaging in religious practice (Religion)

  • Engaging in community activities (Politisches und gesellschaftliches Leben

  • Zeitlicher Rahmen: Vergleich der Daten von 1890 mit 1924


5 methodik

5. Methodik

Lokales Leben

Dokumentationsanalysen

Interviews

Statistiken

Fragebögen


Teilnahme am lokalen leben
Teilnahme am lokalen Leben

  • Forschungsteam-Mitglieder lebten zur Untermiete in privaten Haushalten

  • Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten, wie z.B. Kirchgänge, Lesungen; Schulversammlungen; Dinners; etc.

  • Individualinterviews; spontane Mitschriften; Beobachtung & subjektive Einschätzung


Analyse von dokumentationsmaterialien
Analyse von Dokumentationsmaterialien

Vergleich von ....

  • Zensus-Daten,

  • Zeitungen,

  • Jahrbüchern,

  • städt. Daten,

  • juristischen Materialien etc.

    aus den Jahren 1890 und 1924 (sofern vorhanden)


Interviews
Interviews

  • Neben „alltäglichen“ Interviews vom Busfahrer bis zum Minister, auch persönliche Interviews von Familien, zugehörig zur „business class“ (40), und zur „working class“ (124).

  • Anforderung an Haushalte: in Muncie geboren; weiße Bevölk.; beide Elternteile am Leben; nicht geschieden & zusammenlebend; mindestens 1 Kind im Alter von 6 bis 18 Jahren

  • Interviewte Personen meist Hausfrauen bzw. High-School-Schüler

  • Interviewlänge: ca. 2 bis 3 Std.

  • Erfolgsquote: 4 von 5 Haushalten nahmen teil


Auswertung von statistiken
Auswertung von Statistiken

Sofern vorhanden, Auswertung von Informationen über z.B.:

- Einkommen

- Beschäftigungszeitraum

- Mitgliedschaften

- Bibliotheksbestände

- Kinobesuche

- Besitz eines Automobils

usw.


Frageb gen fragenkataloge
Fragebögen / Fragenkataloge

  • Als Ergänzung bzw. Ausweitung zum persönlichen Interviews

  • Fragebogen zur Vereins-/Clubmitgliedschaft und Vereins-/Clubaktivitäten => Fragebögen wurden an 400 Clubs und Vereine verschickt

  • Fragebogen zum Leben der High-School-Schüler => ¾ der High-School-Schüler (700-800) von Muncie wurde befragt

  • Richtig/Falsch-Fragebogen für Junior-High-School-Schüler => ca. 550 Schüler wurden befragt


Frageb gen fragenkatalog
Fragebögen / Fragenkatalog

  • Beantwortung des Fragbogens: ca. 50 min

  • Anonyme Angaben

  • Aufforderung, Fragen nicht zu beantworten, die man nicht ernsthaft und sicher beantworten kann



Zentrale ergebnisse
Zentrale Ergebnisse

Von der Industrialisierung und Verstädterung ausgehende soziale Effekte =>rapider sozialer Wandel

  • 1924 größere Anzahl an Konsumgütern als noch 1890:

    Möbel, fließend warmes&kaltes Wasser, Klospülungen, Toaster, Staubsauger, Waschmaschinen, Telefon etc.

  • Zunehmend mehr Haushalte verfügten über ein Automobil

  • mehr Kinder konnten Schulbildung genießen

  • Der Sonntag wurde vom „Sabbath“ zum Feiertag.


Zentrale ergebnisse1
Zentrale Ergebnisse

  • R. & H. Lynd teilten die Stadtbevölkerung in „business class“ und „working class“ auf.

= Zwei-Klassen-Gesellschaft

mit unterschiedlichen Werten, Erwartungen,

und finanziellen Budgets

Die Industrialisierung führte zu einer

Verbesserung der Lebenssituation der „Armen“

  • am Ende der Forschung: zusammenfassender und ausführlicher Report.



Middletown ein klassiker
Middletown – ein Klassiker

  • Erstmals wurde in den USA eine Gemeinde / Stadt in ihren unterschiedlichsten Lebensbereichen so ausführlich untersucht.

  • Middletown als Portrait einer „typisch amerikanischen Stadt“

  • Sehr gut konstruierte Fragebögen => konnten in den nachfolgenden Studien Middletown II (1977) und Middletown III (1999) fast wortwörlich übernommen werden

  • Overnight-bestseller; bis heute stetig gedruckt und auch heute noch zu erwerben


8 kritik

8. Kritik

Einige Überlegungen:

Inhalt

Methodik


Kritik einige berlegungen
Kritik: einige Überlegungen

Inhaltlich:

  • Ursprünglicher Forschungsauftrag  Ergebnisse => Religion rückt etwas in den Hintergrund

  • Ist das „perfekte“ Middletown wirklich ein Abbild einer amerikanischen Stadt? Soziale Wünschbarkeit?

    D.h. Anforderung an befragte HH, „one-industry“-Stadt, niedrige Kriminalitätsrate usw.


Kritik einige berlegungen1
Kritik: einige Überlegungen

Methodik:

  • Teilnahme am lokalen Leben => Objektivität möglich?

  • Datenvergleich nicht immer möglich, da nicht immer Daten von 1890 vorhanden

  • Schüler machten Angaben über politische und religiöse Ausrichtung der Väter => Korrekt?

  • Interviewlänge => zu lang? => eventueller Motivationsverlust bei Beantwortung der Fragen?



Middletown ii
Middletown II

  • Im Jahr 1935 kehrt R. Lynd alleine zurück nach Muncie, um die Auswirkungen der Great Depression auf das Leben von Middletown zu erforschen.

  • Ergebnis: Great Depression hatte keinen Einfluss auf die optimistische Haltung von Middletown-Bürgern

  • => Im Jahr 1937 erschien Middletown in Transition, das Robert Lynd gemeinsam mit seiner Frau verfasste.


Middletown iii
Middletown III

  • Theodore Caplow, ehemaliger Student der Soziologie von Robert Lynd, griff die Studie im Jahr 1977 wieder auf.

  • Zusammen mit Howard Bahr und Bruce Chadwick wollte er die Veränderungen der letzten 50 Jahre seit Middletown I erforschen.

  • Unterstützung durch die National Science Foundation

  • Forschungsergebnisse erschienen 1982 in zwei Werken:

    All Faithful People & Middletown Families


Middletown iv
Middletown IV

  • T. Caplow, H. Bahr und B. Chadwick reisen erneut nach Muncie, um die Daten von Middletown zu erneuern.

  • Sie nannten die zweite Aufarbeitung „Middletown IV“


Middletown i iv
Middletown I – IV

  • Über alle 4 Studien hinweg zeigt sich eine kontinuierliche und konstante Bedeutung von Familie und Religion im Leben von Middletown-Bürgern.

  • Bedeutung von Religion ist seit 1924 leicht gestiegen


Literaturangabe
Literaturangabe

  • www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/lynd/27bio.htm

  • www.bartleby.com/65/ly/Lynd-Rob.html

  • www.bsu.edu/pres/library/thelibraries/units/archives/middletown_introduction.html

  • www.memory.loc.gov/ammem/coolhtml/coolengl.html

  • www.pbs.org/fmc/timeline/dmiddletown.htm

  • www.pbs.org/fmc/timeline/plynds.htm

  • Bahr, H. M. & Chadwick, B. A.(1985): Religion and Family in Middletown, USA. In: Journal of Marriage and the Family (Mai 1985): 407-414.

  • Hanson, S. L. (2000): Classic Book review. In: Journal of Marriage and the Family. 62 (August 2000): 847f.

  • Lynd, R. & Lynd, H. (1929): Middletown. A study in contemporary American Culture.



Diskussion
Diskussion

Was macht das Werk Ihrer Ansicht nach zu einem Klassiker?

Wie erklären Sie sich das über so viele Jahre anhaltende Forschungsinteresse an Middletown (von 1924 bis 2000)?

Welche positiven / negativen Aspekte der Studie sind hervorzuheben?