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Dr. Sabina Enzelberger WS 2008/09. Die historische Entwicklung westlicher Gesellschaften von der vorindustriellen Agrargesellschaft über die moderne Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft I. Teil: Vom Agrar- zum Industriestaat. Definitionen – Gesellschaft . Gesellschaft

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Presentation Transcript
dr sabina enzelberger ws 2008 09
Dr. Sabina EnzelbergerWS 2008/09

Die historische Entwicklung westlicher Gesellschaften von der vorindustriellen Agrargesellschaft über die moderne Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft

I. Teil: Vom Agrar- zum Industriestaat

definitionen gesellschaft
Definitionen – Gesellschaft
  • Gesellschaft
  • Sozialstruktur
  • Sozialer Wandel
  • Modernisierung
definitionen gesellschaft1
Definitionen - Gesellschaft

ENDRUWEIT:

„eine räumlich, zeitlich oder sozial begrenzte und zugleich geordnete Menge von Individuen, die in direkten wie indirekten Wechselbeziehungen verbunden sind …“

SCHÄFERS:

„Organisationsform des menschlichen Zusammenlebens“.

definitionen sozialstruktur
Definitionen – Sozialstruktur

Struktur (lat. struere = aufbauen, ordnen): Aufbau, innere Gefüge eines Phänomens bzw. die Untergliederung einer Erscheinung in verschiedene Elemente.

Ganz allgemein meint Sozialstruktur die „Struktur einer Gesellschaft“:

definitionen sozialstruktur1
Definitionen – Sozialstruktur

HRADIL:

„Gesamtheit der relativ dauerhaften sozialen Gebilde (Gruppie-rungen, Institutionen, Organisationen) einer Gesellschaft, der sozialen Beziehungen und Wirkungszusammenhänge innerhalb und zwischen diesen Gebilden sowie deren Grundlagen“.

(HRADIL)

Soziale Gebilde:

Soziale Schichten, Familien, Betriebe, Recht, Wirtschaftsord-nungen

definitionen sozialstruktur2
Definitionen – Sozialstruktur

GEISSLER:

Die Sozialstrukturanalyse zergliedert die Gesellschaft in ihre relevanten Elemente und Teilbereiche und untersucht die zwi-

schen den Einzelelementen bestehenden relativ dauerhaften Wechselbeziehungen und Wirkungszusammenhänge.

definitionen sozialstruktur3
Definitionen – Sozialstruktur
  • ENDRUWEIT:
  • Sozialstruktur als soziodemografische Grundgliederung der Bevölkerung:
      • Altersstruktur
      • Geschlechtsstruktur
      • Haushaltsstruktur
        • sozialstatistische Aspekt der Klassifikation
definitionen sozialstruktur4
Definitionen – Sozialstruktur
  • ENDRUWEIT:
      • b) Sozialstruktur als Grundgliederung der Bevölkerung
      • - nach der Verteilung zentraler Ressourcen
      • - Bildungsstruktur
      • - Berufsstruktur
      • - Einkommensstruktur bzw.
      • - als Zusammenfassung dieser Gliederungen in eine
      • Aufteilung nach Ständen, Schichten, Klassen, Lagen (oder
      • Sozialmilieus und Lebensstile)
      • Gleichsetzung von sozialer Schichtung und Sozialstruktur
      •  sozioökonomische Klassifikation
definitionen sozialstruktur5
Definitionen – Sozialstruktur

ENDRUWEIT:

c) Sozialstruktur als zusammenfassende Charakterisierung einer

bestimmten Gesellschaftsform

über die Zusammenfassung von spezifischen Einzelbefunden wird eine

konkrete historische Gesellschaftsform mit einem einzigen Begriff

typisiert

- Risikogesellschaft

- Multikulturelle Gesellschaft

- vorindustrielle Agrargesellschaft

- Industriegesellschaft

- nachindustrielle Dienstleistungsgesellschaft

definitionen sozialer wandel
Definitionen – Sozialer Wandel

HRADIL:

Nachhaltige und verbreitete Veränderung sozialer Strukturen (Strukturwandel)

Sozialstruktur: stabilen Muster der Gesellschaft

Sozialer Wandel: dynamischen Aspekte einer Gesellschaft.

definitionen modernisierung
Definitionen – Modernisierung
  • ZAPF/ENDRUWEIT:
  • Die Modernisierung bzw. die Entwicklung zur modernen Gesellschaften vollzieht sich in den letzten 250 Jahren in
    • -Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung (Industrialisierung)
    • - Stadien der politischen Entwicklung (Demokratisierung)
    • - weiterenkulturellen und individuellen Veränderungen
    • (Rationalisierung, Säkularisierung, Emanzipation, Pluralisierung der
    • Lebensformen, Individualisierung)
definitionen modernisierung1
Definitionen – Modernisierung

BENDIX:

„Unter Modernisierung verstehe ich einen Typus des sozialen Wandels, der seinen Ursprung in der englischen industriellen Revolution von 1760-1830 und in der politischen Französischen Revolution von 1789-1794 hat. (…) Modernisierung (…) besteht im wirtschaftlichen und politischen Fortschritt einiger Pioniergesellschaften und den darauf folgenden Wandlungsprozessen der Nachzügler.“

Industrialisierung und Demokratisierung sind die beiden zentralen Prozesse der Modernisierung.

definitionen modernisierung2
Definitionen – Modernisierung

Zumeist meint Modernisierung die Entwicklung in 3 Phasen

1. vormoderne einfache und arme Agrargesellschaft

2. moderne komplexe, differenzierte und reiche Industriegesellschaft

3. postindustriellen Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft

mit je typischer Ausformung der Sozialstruktur und der Arbeits-

und Lebensverhältnisse.

i 2 die vorindustrielle feudale agrargesellschaft
I. 2. Die vorindustrielle feudale Agrargesellschaft

Struktur der Gesellschaft:

  • Vorwiegend agrarischer Charakter
  • Ständische Struktur
  • Zentrale Stellung von meist geheiligten Traditionen
  • Kirchliche Vormundschaft über kulturelle Normen, Lebensanschauung und -führung
a agrarische charakter bis 2 h lfte des 18 jh s
a) Agrarische Charakter(bis 2. Hälfte des 18. Jh.s)
  • 85-90% in Landwirtschaft tätig, in ländlichen Siedlungen lebend
  • Kleine Städte
  • V. a. Ackerbürgerstädte
a agrarische charakter bis 2 h lfte des 18 jh s1
a) Agrarische Charakter(bis 2. Hälfte des 18. Jh.s)
  • Agrarische Charakter betrifft auch:
    • Kultur
    • Lebenshorizonte und -führung
    • Wirtschaftsdenken (Haus- und Subsistenzwirtschaft)
    • Familienformen
    • Erziehungspraktiken
    • Berufsgliederung und -ausbildung
    • politische und religiöse Deutungen
b st ndische gesellschaftsordnung
b) Ständische Gesellschaftsordnung

Ständegliederung bestimmt die Sozialstruktur der feudalen Agrargesellschaft:

FRAGE:

Besonderheiten im Vergleich zur modernen Sozialstruktur einer Industrie- bzw. Dienstleistungsgesellschaft?

b st ndische gesellschaftsordnung1
b) Ständische Gesellschaftsordnung

Feudalismus (lat. feudum = Lehngut):

  • Form der sozialen, wirtschaftlichen, politischen und recht-lichen Gesellschaftsordnung in West- und Mitteleuropa seit dem Frühmittelalter
  • Grundelement: Lehnswesen
b st ndische gesellschaftsordnung2
b) Ständische Gesellschaftsordnung
  • Sozialstruktur: differenzierte Lehenspyramide
    • König
    • Adlige Oberschicht als Kronvasalle
    • After- bzw. Untervasalle
    • Bauern:
      • Zins und Abgaben an Grundherren

(Naturalien, Fron-, Kriegsdienste)

      • Persönliche Abhängigkeit, Treueid
b st ndische gesellschaftsordnung3
b) Ständische Gesellschaftsordnung

Stände:

„Relativ scharf umrissene, durch Tradition, Sitte und Recht festgelegte soziale Gruppen. Die durch Geburt – oder auch seltener durch Verdienst (Ministeriale) – erworbene Standeszugehörigkeit ist mit bestimmten Verpflichtungen, Privilegien oder Benachteiligungen verbunden, die die gesamte Lebensführung umgreifen. Von ihr hängen Ansehen und ‚Ehre’ ab; sie verpflichtet zu bestimmten Berufen und regelt die berufliche Tätigkeit; sie schreibt einen ‚standesgemäßen’ Lebensstil, die Formen der Geselligkeit und die Erziehung der Kinder vor; sie greift in die Wahl des Ehepartners und in das Religiöse ein und bestimmt die politischen Rechte.“ (Geißler 2006, S. 27)

b st ndische gesellschaftsordnung4
b) Ständische Gesellschaftsordnung

Wechsel zwischen den Ständen nicht von persönli-cher Entscheidung, Ausbildung oder Leistung des einzelnen Individuums abhängig

Abstammungsgesellschaft statt Leistungsgesell-schaft

l ndliche sozialstruktur
Ländliche Sozialstruktur
  • Adel (1,5-2% der Bevölkerung)
  • Geistlichkeit bzw. Klerus
  • Bauern (85-90% der Bevölkerung)
  • Unterbäuerliche Schichten
      • Heimarbeiter
      • Tagewerker, Tagelöhner
      • kleine Katenbesitzer
      • Vagabunden, Bettler
st dtische sozialstruktur
Städtische Sozialstruktur

Vorbereitung der Modernisierung durch die politi-schen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen in der Stadt:

  • Bürgerlich-rechtliche Freiheit (Stadtluft macht frei)
  • Berufsverbände (Zünfte, Gilden)
  • Ausgeprägter Erwerbssinn
  • Funktionsdifferenzierte Einrichtungen

(Ämter, Schulen, spezialisierte Handwerker, Händler)

  • Güter- und Leistungsmärkte
  • Zweckrationale, anonyme und sachliche Sozialbeziehungen
  • Individuelle Unabhängigkeit
st dtische sozialstruktur1
Städtische Sozialstruktur
  • Patrizier
    • Adlige und geistliche Stadtherren und ihre Ministeriale
    • Fernhandelskaufleute (Magistrat)
    • freie Grund- und Hausbesitzer
  • Bürger
    • Handwerker (z.T. über 50% der Erwerbstätigen)
    • Einzelhändler
    • Städtische Beamte
  • Ackerbürger
  • Unterbürgerliche Schichten
  • Sondergruppen
    • Geistlichen
    • Juden
st ndische sozialstruktur
Ständische Sozialstruktur

Leben der Individuen kontrolliert durch

  • Grundherrschaft
  • Ständische Unterschiede
  • Stadt- und Dorfgemeinde
  • Familie
vergleich mit der gegenw rtigen gesellschaft
Vergleich mit der gegenwärtigen Gesellschaft
  • Immobilität
  • Statik
  • Fehlende Individualisierung

FRAGE:

Wann beginnt Prozess der Individualisierung?

politische macht im feudalismus
Politische Macht im Feudalismus
  • Das Recht, im Staat zu regieren, war auf den Adel - in manchen Ländern nur auf den absoluten König - beschränkt
  • England:
    • Absolutismus durch Revolution unter

O. Cromwell (1649) verhindert

    • Glorreiche Revolution (1688/89): Königsmacht durch Parlament begrenzt
    • Regierung: König, Adel, Teile des städtischen Großbürgertums
politische macht im feudalismus1
Politische Macht im Feudalismus
  • Frankreich:
    • Absolutismus seit (1614)
    • Höhepunkt 1661-1715 unter Ludwig XIV
    • Ende 1789 mit Französischen Revolution
i 3 die franz sische revolution und auf l sung der st ndischen gesellschaft
I.3 Die Französische Revolution und Auf- lösung der Ständischen Gesellschaft
  • Aufhebung
    • der Steuerfreiheit des Adels
    • des Erbadels
    • der Leibeigenschaft
    • der Frondienste der Bauern
    • des geistlichen Zehnten
    • der Zünfte
  • Einziehung der Kirchengüter (Verwendung als Nationalgüter)
  • Ende des Absolutismus (Ancien Regime)
  • Beseitigung der politischen und sozialen Macht des Adels
die franz sische revolution
Die Französische Revolution
  • Deklaration/Verankerung der Menschen- und Bürgerrechte 1789
    • Prinzipien des modernen liberalen westlichen Verfassungsstaates
    • Freiheit und Rechtsgleichheit
die franz sische revolution1
Die Französische Revolution
  • Beginn des modernen Prozesses der Demokratisierung
    • Verfassungsgebende Nationalversammlung
    • Beseitigung der feudalen Standesrechte
    • 1792 Republik
    • Demokratische Prinzipien in Verfassung
    • Abschaffung des Zensuswahlrechts
die franz sische revolution2
Die Französische Revolution
  • Auflösung der ständischen Sozialordnung!
  • Begründung bürgerlichen Zeitalters (1789-1918)!
i 3 die franz sische revolution
I.3 Die Französische Revolution

Weg in die moderne Gesellschaft:

  • Voraussetzungen für freie Marktwirtschaft/

Industrialisierung

  • Eröffnung des Weges von der Agrar- zur Industrie-

gesellschaft

  • Demokratisierung der Gesellschaft
i 3 die franz sische revolution und deutschland
I.3 Die Französische Revolution und Deutschland
  • Preußischen Staats- und Verwaltungsreformen (1808-1812):
  • Aufhebung aller Privilegien und innerer Schranken
  • Staatsbürgerliche Gleichheit
  • Einheitliches Recht (Code Napoléon 1804)
  • Motive:
  • Aufbrechen der ineffektiven Strukturen des absolutistischen Staates

mit Ziel des Wiederaufstieg des preußischen Staates zur Großmacht

nach der Niederlage Preußens (Schlacht Jena und Auerstedt 1806)

  • Mitwirkungsmöglichkeiten für Staatsbürger (nicht mehr Untertanen)

zur Gewinnung für den Befreiungskrieg

i 3 die franz sische revolution und deutschland1
I.3 Die Französische Revolution und Deutschland
  • Die Liberalisierung der preußischen Wirtschaft:
  • Bauernbefreiung
  • (ländliche) Gewerbefreiheit
  • Aufhebung der ständischen Zunftverfassung
  • Säkularisierung des Kirchengutes
  • Judenemanzipation
  • Wirtschaftsliberalismus (ADAM SMITH, 1723-1790)
  • zur Stärkung der wirtschaftlichen Potenz

Aufstieg des Bürgertums

begriff industriegesellschaft
Begriff „Industriegesellschaft“

HENRI DE SAINT-SIMON (1760-1825):

Neue industrielleProduktionsweise als wesentliches Merkmal:

Methodisch-systematische Anwendung technischen Wissens auf die Güterproduktion

Erhöhung von Präzision und Effizienz

begriff industriegesellschaft1
Begriff „Industriegesellschaft“

R. GEISSLER 2006: Erweiterter Begriff

Nicht nur auf neue maschinen-orientierte Produktion von Massengütern in arbeitsteiligen Großbetrieben bezogen, sondern auch auf die durch den technisch-ökonomischen Wandel hervorgerufenen sozialen, kulturellen, politischen Veränderungen in den außerökonomischen Bereichen (Familien, Erziehung, Ausbildung, Berufsgliederungen, Ideologien und Sozialstruktur).

1 4 1 der technisch konomische wandel
1.4.1 Der technisch-ökonomische Wandel

Vorformen der industriellen Produktionsweise

  • Das Verlagssystem
  • Die Manufaktur

Fehlen des entscheidenden Elements der industriellen Produktionsweise: Einsatz von Maschinensystemen als Schlüsseltechnologie der Industrialisierung

1 4 1 der technisch konomische wandel1
1.4.1 Der technisch-ökonomische Wandel

Vorformen der industriellen Produktionsweise

  • Das Verlagssystem
  • Die Manufaktur

Fehlen des entscheidenden Elements der industriellen Produktionsweise: Einsatz von Maschinensystemen als Schlüsseltechnologie der Industrialisierung

entwicklungen im zeitalter atemberaubender technischer innovation
Entwicklungen im Zeitalter atemberaubender technischer Innovation
  • 1705: Dampfmaschine von Newcomen
  • 1762-1775:Verbesserungen der Dampfmaschine durch James Watt
  • 1765: "Spinning Jenny" (v. engine), Spinnmaschine v. J. HARGREAVES
  • 1769: Baumwollspinnmaschine von ARKWRIGHT (Beginn maschineller Garnproduktion in England)
  • 1779: Mule (Maultier) - Spinnmaschine von CROMPTON (Universalmaschine, die feine bis grobe Garne herstellte)
  • 1784: Puddelverfahren bei Eisengewinnung von CORTE
  • 1784: Mechanischer Webstuhl von CARTWRIGHT (mit Dampfmaschine motorisiert)
  • 1792: "Cotton Gin", Baumwollreinigungsmaschine von Whitney in USA
  • 1800: Drehbank von MAUDSLEY
begriff industrielle revolution
Begriff „Industrielle Revolution“

ARNOLD TOYNBEE (1889-1975)

bezogen auf die bisher nicht gekannte Geschwindigkeit und Radikalität der wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen im Zuge der technischen Umwälzungen (Chemie-, Optik- und Elektrizitätsbereich)

P. A. SOROKIN (1889-1968):

Zahl der Erfindungen zwischen 1700 und 1900 übersteigt um das Sechsfache die Zahl der Erfindungen der 1.700 Jahre vorher.

neue merkmale der industriellen technik
Neue Merkmale der industriellen Technik?
  • Neue Apparate und Maschinen: Kokshochöfen und Dampf-maschine
  • Neue Energiegewinnung und -produktion
  • Neue Apparaturensysteme
  • Verwissenschaftlichung der Technik
  • Moderne Organisation der Arbeit und Produktion
taylorismus frederick winslow taylor 1856 1915
Taylorismus – FREDERICK WINSLOW TAYLOR 1856-1915

Ziel:

  • Rationalität
  • Effektivität
  • Produktivität

Zielereichung durch:

  • System der wissenschaftlichen Erfassung und Gliederung der Arbeitsabläufe mittels Zeitstudien( Standardisierung)
taylorismus frederick winslow taylor 1856 19151
Taylorismus – FREDERICK WINSLOW TAYLOR 1856-1915

STANDARDISIERUNG:

  • kollektive Arbeits- und Anstellungsbedingungen
  • immer wieder kehrende Arbeits- und Produktionsabläufe
  • Synchronisierung wie „rush hour, Fabriksirene, gemeinsamer Feierabend

FRAGE:

Veränderungen in der Dienstleistungsgesellschaft?

taylorismus frederick winslow taylor 1856 19152
Taylorismus – FREDERICK WINSLOW TAYLOR 1856-1915

„Wissenschaftliche Betriebsführung“:

  • Trennung von Planung und Durchführung der Arbeit 
  • Loslösung der Kontrolle des Arbeitsprozesses von (handwerklichen) Kenntnissen und Fertigkeiten des Arbeiters
  • Wissensmonopol um die beste Arbeitsdurchführung allein beim Management 
  • Analyse und Planung des Arbeitsprozesses durch das neuehierauf spezialisierte moderne professionelle Management
taylorismus frederick winslow taylor 1856 19153
Taylorismus – FREDERICK WINSLOW TAYLOR 1856-1915

Rationelle, systematisch-wissenschaftliche Unter-nehmensführung und -planung:

  • unternehmerisches Rationalitätsprinzip
  • höherer Grad an Arbeitsteilung
  • Bürokratisierung (s. Angestellte)

Abb.: Werbeplakat für Taylorismus, Deutschland 1920er-Jahre

folgen des taylorismus als moderne arbeitsorganisation f r die arbeiterschaft
Folgen des Taylorismus als moderne Arbeitsorganisation für die Arbeiterschaft
  • Standardisierung
  • Spezialisierung
  • Entzug der Kontrolle über die Produktion (Machtverlust)
  • Verlust des Arbeitsstolzes
  • Anreiz nur noch durch Leistungslohnsystem
  • DEQUALIFIZIERUNG
  • Psychische Belastung und Entfremdung
moderne verkehrswege und transportmittel
Moderne Verkehrswege und Transportmittel
  • 1807 Erster regelmäßiger Dampfschiffverkehr in USA (FULTON)
  • 1814 Erfindung der Lokomotive durch STEPHENSON

(von Stockton nach Darlington)

  • 1816 Erstes Dampfschiff von Nordsee den Rhein hoch
  • 1818 Erste Dampfschifffahrt von New York nach Liverpool
  • 1825 Dampfschifffahrt auf dem Rhein
  • 1825 Erste Eisenbahn in England
  • 1834 Elektromotor durch JACOBI
  • 1835 Erste Eisenbahn in Deutschland
die eisenbahn als wachstumsmotor der industrialisierung
Die Eisenbahnals Wachstumsmotor der Industrialisierung
  • Verbilligung der Transportkosten
  • Wachsende Geschwindigkeit von Rohstoff-, Güter- und Personaltransport

Sombart: 1800: Postkutsche 50km/Tag

1900: Eisenbahn 800 km/Tag

  • Entstehung industrieller Ballungszentren
  • Förderung von Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie, Maschinenbau (1850: 5.000 km 1910: 63.000 km Schienennetz)
bedingungen der fr hzeitigen industrialisierung in england
Bedingungen der frühzeitigen Industrialisierung in England
  • 17. Jh.: Absolutismus, Grundherrschaft, Zunftzwang gelockert
  • Früh Voraussetzungen für freiere Marktwirtschaft (Gewerbefreiheit)
  • Günstige Lage am Meer
  • Landzersplitterung früh aufgehoben
  • Systematischer Fruchtwechsel
  • Viehzucht (Stallfütterung, Düngung) 
  • 18. Jh. verbesserte Lebensstandard 
  • Bevölkerungsanstieg 
  • Erhöhte Nachfrage nach gewerblichen Gütern (Textilien)
bedingungen der fr hzeitigen industrialisierung in england1
Bedingungen der frühzeitigen Industrialisierung in England
  • Steigendes Angebot an leistungsstarken Arbeitskräften
  • Produktionsüberschuss in Landwirtschaft, positive Handelsbilanz 
  • Kapitalanhäufung, Kolonialbesitzes (Rohstoffe, Handel) 
  • Finanzierung neuer Gewerbe und industrieller Maschinen
  • Calvinismus: kapitalistischer Wirtschaftsgeist
  • Wenig Einmischung des Staates

England als Mutterland der Industrialisierung und 1. Industrie- und Handelsmacht

versp tete industrialisierung in deutschland
Verspätete Industrialisierung in Deutschland

Gründe:

  • Schwächung durch den Dreißigjährigen Krieg
  • Religiöse Spaltungen
  • Viel- und Kleinstaaterei (Zollgrenzen)
  • bis in 1. Hälfte des 19. Jh.s Hörigkeit der Bauern
  • schwach entwickeltes Bürgertum
  • absolutistische Regierungsformen – keine freiere Markwirtschaft
  • großen Entfernungen zu maritimen Handelswegen

( Zapf, Schäfers)

versp tete industrialisierung in deutschland1
Verspätete Industrialisierung in Deutschland

Beförderung der Industrialisierung durch

  • Stein-Hardenbergsche Reformen (1808-1812)
  • Deutschen Zollverein von 1834
  • Revolution von 1848
  • Gründung des deutschen Nationalstaates
  • Sieg über Frankreich 1870/71
  • Vereinheitlichung des Geld- und Münzwesens 1873
st rmische industrialisierung in deutschland gr nderperiode ab 1848
Stürmische Industrialisierung in Deutschland (Gründerperiode ab 1848)
  • Dt. Schwerindustrie
  • Kohlebergbau
  • Eisen-, Stahlindustrie
  • Maschinenbau
  • Eisenbahnbau
deutschland wird industrielle weltmacht
Deutschland wird industrielle Weltmacht
  • überholt England um die Jh. wende
  • Verfünffachung der industriellen Produktion zwischen 1870 und 1913
  • Neue (auch welt-)führende Industrien Ende des 19. Jh.s:
    • Metallindustrie
    • Chemieindustrie (BASF)
    • optischen Industrie
    • Elektrotechnikindustrie
    • Energiegewinnung (Verbrennungsmotor, Elektrizität, elektrische Motoren)
  • „Made in Germany“
gr nderkrise
Gründerkrise
  • Organisation von Konzernen
  • „Organisierter Kapitalismus:
    • Konzentration
    • Kartellierung
    • Verbandsbildung
voraussetzung der industrialisierung in deutschland
Voraussetzung der Industrialisierung in Deutschland
  • Modernisierung der Landwirtschaft:
    • neue Anbaumethoden (Fruchtwechsels)
    • rationellere Ausnutzung des Bodens
    • Ausweitung der Futterpflanzung und des Kartoffelanbaus
    • Verbesserung der Düngung (Chemie), Viehzucht
    • Maschinelle Ausrüstung
  • Steigerung der Erträge der Landwirtschaft zwischen 1874 und 1914 um 73%
  • Steigerung der Nahrungsmittelproduktion
  • Verbilligung der Lebenshaltung
  • Bevölkerungswachstum
konomische indikatoren f r bergang zur industriegesellschaft
Ökonomische Indikatoren für Übergang zur Industriegesellschaft
  • Anteile der Produktionssektoren an der Wertschöpfung
  • Anteil der Produktionssektoren an den Beschäftigten

Zu 1. Wertschöpfung:

Kurz vor 1890 hatte das produzierende Gewerbe die landwirtschaftliche Produktion überholt.

konomische indikatoren f r bergang zur industriegesellschaft1
Ökonomische Indikatoren für Übergang zur Industriegesellschaft

Zu 2. Beschäftigte:

  • Beginn der 1890er Jh.: sekundäre Sektor (Industrie, Handwerk) überholt Landwirtschaft zahlenmäßig
  • 1907: Anteil über 40%
  • Beginn des 19. Jh.s.: 80% der dt. Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig; Beginn des 20. Jh.s: ca. ein Drittel
  • Lohnarbeiter immer dominanter (64% 1882; 75% 1907) (Geißler)
industriekapitalismus
„Industriekapitalismus“

Wichtigste Charakteristika des Kapitalismus:

  • Privateigentum an Produktionsmitteln
  • Erzeugung von Mehrwert
  • Gewinnstreben („Profitmaximierung“)
  • Marktkonkurrenz (K. MARX 1818-1883)

(Geißler 2006)

kennzeichen eigentlicher industrieproduktion
Kennzeichen eigentlicher Industrieproduktion
  • Effektivere, Kosten sparende Verfahren der Stahl- und Eisen-erzeugung (Kokshochöfen)
  • Massenhafte Nutzung bisher wenig verwendeter Rohstoffe (Kohle, Eisen)
  • Neue Formen der Energienutzung (künstliche Kraftstoffgewinnung: Dampfkraft, Elektrizität)
  • Neue technische Maschinensysteme und Großapparaturen
  • Rationalisierung 
  • Erhöhung des Produktionsvolumens 
kennzeichen eigentlicher industrieproduktion1
Kennzeichen eigentlicher Industrieproduktion
  • Groß- und Massenproduktion
  • Erfindergeist
  • Fortschrittsglaube
  • Verzahnung wissenschaftlicher Forschung und Produktion
kennzeichen eigentlicher industrieproduktion2
Kennzeichen eigentlicher Industrieproduktion
  • Rationalisierung nicht nur als Ersatz menschlicher Arbeit durch Maschine, sondern
  • auch im Sinne aller Maßnahmen zur Erhöhung der Rentabilität durch rationale Organisation und Planung der menschlichen Arbeit (Taylorismus) 
  • Bürokratisierung und Verwissenschaftlichung kaufmännischer und verwalterischer Tätigkeiten (Management, Büroangestellte)
kennzeichen eigentlicher industrieproduktion3
Kennzeichen eigentlicher Industrieproduktion
  • Neue standardisierte Muster von Arbeits- und Zeitdisziplin
  • Spezialisierung (Auffächerung der Berufe und Tätigkeiten) und Arbeitsteilung
  • Maximierung (immer höhere Produktionszahlen)
  • Produktion statt in Kleingruppen (Familie, Heimindustrie) in Großgruppen/-betrieben
  • Modernes Verkehrswesen
  • Einsatz von immer mehr Kapital
  • Konzentration- und Zentralisationsprozesse im Produktionsbereich
  • Erschließung neuer Märkte
kennzeichen eigentlicher industrieproduktion4
Kennzeichen eigentlicher Industrieproduktion
  • Bezüglich NIP, NSP, Beschäftigungsanteil, Gesamtproduktion, Kapitaleinkommen und -stock, Wertschöpfung, Nettoinvestition: Industrie an 1. Stelle
  • Kapitalistische Eigentums- und Produktionsverhältnisse
  • Privateigentum an Produktionsmittel
  • Erzeugung von Mehrwert
  • Gewinnstreben (Profitmaximierung)
  • Marktkonkurrenz

FRAGE

Kennzeichen der Postindustrieller Produktionsweise?

von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft
  • Aufhebung der Grundherrschaft
  • Bauernbefreiung
  • Aufhebung des Zunftzwanges
  • freier Handel und Gewerbe
  • Einschränkung der Adelsvorrechte
von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft1
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft
  • Kapitalistische Marktwirtschaft bzw. der Arbeitmarkt entschei-den anstelle familialer Herkunft über die Lebenschancen 
  • Umschichtung der Sozialstruktur von der Ständegesellschaft

zur Klassengesellschaft

  • Expansion der marktbedingten sozialen Klassen (M. WEBER) im Wilhelminischen Kaiserreich (aus Ständen werden Klassen)
von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft2
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft

Stände sind „relativ scharf umrissene, durch Tradition, Sitte und Recht festgelegte soziale Gruppen. Die durch Geburt – oder auch seltener durch Verdienst – erworbene Standeszugehörigkeit ist mit bestimmten Verpflichtungen, Privilegien oder Benachteiligungen verbunden, die die gesamte Lebensführung umgreifen. Von ihr hängen Ansehen und ‚Ehre’ ab; sie verpflichtet zu bestimmten Berufen und regelt die berufliche Tätigkeit; sie schreibt einen ‚standesgemäßen’ Lebensstil, die Formen der Geselligkeit und die Erziehung der Kinder vor; sie greift in die Wahl des Ehepartners und in das Religiöse ein und bestimmt die politischen Rechte.“ (Geißler 2006, S. 27)

von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft3
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft

Die Zugehörigkeit zu den Klassen, die Stellung einer Klasse in der Sozialstruktur und damit die klassenspezifischen Lebenschancen sind dagegen in erster Linie von ökonomischen Faktoren bestimmt von:

  • von der Stellung im Produktionsprozess
  • Besitz und Einkommen
die neue klassengesellschaft h u wehler
Die neue Klassengesellschaft (H.-U. WEHLER)
  • Adel (1% der Bevölkerung):
    • Einbußen in wirtschaftlichen Stellung und rechtlichen Privilegien
    • Behauptung der Führungsrolle in Gesellschaft, Politik,

Bürokratie, Wirtschaft und Militär (Dt. Spezifikum)

  • Bürgertum (höchstens ca. 15% der Gesamtgesellschaft)
  • Wirtschaftsbürgertum/ Bourgeoisie (5 % der Bevölkerung)
    • Oberschicht mit großer wirtschaftlicher und politischer Macht
    • teilweise Feudalisierung
    • Korporatismus (dt. Spezifikum)
    • Verzicht auf demokratische Mitbestimmungsrechte
    • Defizit an Bürgerlichkeit
    • „Herr im Hause-Stil„ (dt. Spezifikum)
von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft4
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft
  • b) Bildungsbürgertum (ca. 1 % der Bevölkerung)
    • obere Mitte der Gesellschaft
    • Ambivalenz von Bedeutungsgewinn und Prestigeverlust gegenüber

Wirtschaftsbürgertum

    • Bedrohungsgefühl durch Aufstieg des organisierten Proletariats
    • Statusängste, Identitätsverlust
    • Anfälligkeit für Reichsnationalismus, Militarismus, Sozialdarwinis-

mus, Antisemitismus

von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft5
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft

Kleinbürgertum (10-15 % der Bevölkerung)

  • Gewerbefreiheit, Industrialisierung  Zerfall des Stadtbürgertums

Alter Mittelstand

  • Untere Mitte der Gesellschaft
  • Mittlere und kleinere selbständige Handwerker und Kaufleute
  • Auf- und Abstiegsdynamik
  • Gewinner und Verlierer
von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft6
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft

Neuer Mittelstand

a) Beamte

b) Angestellte (1%) als neue Sozialfigur, bedingt durch

  • Unternehmenskonzentration
  • Wachstum der Handels-, Warenhäuser und Filialketten
  • Moderne Verkehrswesen
  • Wachstum der Banken und Versicherungen
  • Wachstum der staatlichen und kommunalen Verwaltung
  • Schriftlichkeit und Arbeitsteilung in Produktion
  • Trennung von Kopf- und Handarbeit (TALORISMUS)
  • Büromäßige Organisation der Verwaltung, des Lohn- und Rechnungswesens:
    • Arbeitsvorbereitung
    • Kontrolle
    • Koordination
    • Kaufmännische Tätigkeiten
    • Verwaltung
  • Verwissenschaftlichung der Produktion
die angestellten als neue sozialfigur
Die Angestellten als neue Sozialfigur

Klare gemeinsame Abgrenzungskriterien gegenüber der Arbeiterschaft:

  • Nichtkörperliche Arbeit
  • Bessere Ausbildung
  • Höherer Verdienst
  • Größere Arbeitsplatzsicherheit
  • Bessere Aufstiegsmöglichkeiten
  • Bessere Behandlung durch Unternehmer
  • Eigenes Renten-Versicherungssystem
  • Innerbetriebliche Privilegien (Urlaub, Prämien, kürzere Arbeitszeiten)
  • Höheres Prestige
  • Kein Arbeitnehmerbewusstsein
  • Mittelstandsbewusstsein
  • Orientierung am bürgerlichen Lebensmodell
  • Aufstiegsorientierung
von der alten st ndeordnung zur modernen industriegesellschaft klassengesellschaft7
Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft

Bäuerliche Besitzklassen und Landproletariat

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Von der alten Ständeordnung zur modernen Industriegesellschaft/Klassengesellschaft

Arbeiterklasse (1907 69%)

  • Aufstieg zur dominanten Klasse
  • Sehr heterogene Unterschicht
  • Marx: „Proletariat“
  • Unselbstständigkeit
  • Kein Eigentum
  • Gezwungen, Arbeitskraft gegen Lohn und Gehalt am Markt denen anzubieten, die über die wichtigsten Produktionsmittel verfügen
arbeiterklasse
Arbeiterklasse

Arbeits- und Lebensbedingungen:

  • 1. Hälfte des 19. Jh.s: Pauperismus
arbeiterklasse 1907 69
Arbeiterklasse (1907 69%)
  • 2. Hälfte des 19. Jh.s Verbesserung des Lebensstandards
    • Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität
    • verbilligte Handelswaren aus Übersee
    • neue Nahrungsmittelindustrie, Konserven, industriell erzeugte langhaltbare Lebensmittel
    • Sozial- bzw. Interventionsstaat
    • Verdoppelung der Reallöhne zwischen 1871 und 1913
    • Verbesserung der Wohnungen
    • Senkung der Arbeitszeit
    • 1903: Verbot der Kinderarbeit in Deutschland
    • Senkung der Arbeitslosenquote unter 3 %
    • Gewerkschaften, Arbeitervereine
    • Produktionssteigerung in der Landwirtschaft (Kunstdünger)

soziale Frage nicht beseitigt  Arbeitskämpfe

die b rgerliche gesellschaft 1789 1918
Die bürgerliche Gesellschaft (1789-1918)

SCHÄFERS 2002:

„Bürgerliche Gesellschaft ist … diejenige Organisation des Zu-sammenlebens“, die entstanden ist durch die Innovationen der Industriellen Revolution, „von den Bürgern getragen“ ist und in den bürgerlichen Revolutionen des 17.-19. Jahrhunderts durchgesetzt“ wurde.

die b rgerliche gesellschaft 1789 19181
Die bürgerliche Gesellschaft (1789-1918)
  • Politische, soziale, ökonomische Emanzipation
  • Politische Mitbestimmung
  • Menschen- und Grundrechte
  • Bürgerliches Recht
  • Verfassungs- und Rechtsstaat
  • Liberalismus - staatsfreie Sphäre
  • Institutionalisierte Konfliktlösungen
  • Säkularisierung
  • Rationalisierung – methodische Lebensführung
  • Autonomie
  • Sachkompetenz
  • Freie, nicht-zünftige Markt- und Konkurrenzwirtschaft
  • Absicherung des Privateigentum
die b rgerliche gesellschaft 1789 19182
Die bürgerliche Gesellschaft (1789-1918)
  • Individuelles Leistungsprinzip  gegen Adel
  • Handlungsraum autonomer Individuen (Freisetzung der Individuen)
  • Tugendhaftigkeit (Arbeitsethos, Fleiß, Nützlichkeit)  gegen Adel
  • Unternehmerischer Wagemut und Gewinnstreben
  • Arbeitsteilung
  • Rationell-funktionell-sachliche Beziehungen
  • Moral und Sittlichkeit  gegen Adel
  • Bildung statt Herkunft
  • Materieller Wohlstand
  • Soziale und geografische Mobilisierung
  • Diesseitigkeit
  • Intimsphäre der Kleinfamilie (Wohnstil)
  • Bejahung von Wissenschaft und Technik
  • Autonomes Wissenschaftssystem
  • Hochkultur
deutsches spezifikum der b rgerlichen gesellschaft
Deutsches Spezifikumder bürgerlichen Gesellschaft
  • Umsetzung bürgerlicher ökonomischer Prinzipien
  • Defizit an Bürgerlichkeit im politischen Bereich:
      • Keine Vertretung liberaler und parlamentarischer Ideale
      • Reichseinheit nicht unter bürgerlicher Führung
      • monarchieorientiertes Bürgertum

halbe Macht des Bürgertums!

die versp tete demokratie
Die verspätete Demokratie

WEHLER: „Deutsche Sonderweg in die Moderne“:

„Deutschland ist nicht nur eine verspätete Nation“ und eine verspätete Industriegesellschaft, sondern erst recht eine verspätete Demokratie. In Deutsch-land kann man trotz Bauernbefreiung, Gewerbefrei-heit, Schulpflicht, kommunaler Autonomie nicht vor Mitte des 19. Jh.s vom Beginn der gesellschaftlichen Modernisierung sprechen:

die versp tete demokratie1
Die verspätete Demokratie

WEHLER: „klassisches Modernisierungsdilemma“:

  • überaus dynamische und innovative Industriewirtschaft (weltweite Spitzenposition)
  • erstaunliche Urbanisierungsleistungen
  • modernstes Sozialversicherungssystem
  • herausragende Leistungen in Wissenschaft und Technik

ABER

  • erstarrtes autoritäres obrigkeitsstaatliches politisches Herrschaftssystems
  • Fehlen der politischen Modernisierung: des bürgerlichen Liberalismus, Parlamentarisierung und Demokratisierung
  • Militarismus und Nationalismus
die versp tete demokratie2
Die verspätete Demokratie

H.-U. WEHLER: „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“

F. NAUMANN (1860-1919): „Industrievolk im Kleide

des Agrarstaates“

Problemstau  1. Weltkrieg und Nationalsozialismus

bev lkerungsentwicklung migration und urbanisierung
Bevölkerungsentwicklung, Migration und Urbanisierung
  • Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft:
    • größtes Bevölkerungswachstum in der dt. Geschichte (demografische Revolution)
    • größte Bevölkerungsbewegung in der deutschen Geschichte
    • Urbanisierung
industrialisierung
Industrialisierung

Der sozioökonomische Wandel im 19. Jh. beruht auf einem komplexen Wirkungszusammenhang und nicht nur auf technischen Entwicklungen, auch wenn diese einen „Knotenpunkt in dem vielschichtigen Wirkungsgefüge“ darstellen, von dem entscheidende Impulse für Veränderungen in allen gesellschaftlichen Sektoren ausgingen. (Geißler 2006).

kennzeichen von modernen industrie gesellschaften
Kennzeichen von modernen Industrie-gesellschaften
  • Freisetzung und Marktabhängigkeit
  • Individualisierung
  • Urbanisierung und Urbanität
kennzeichen von modernen industrie gesellschaften1
Kennzeichen von modernen Industrie-gesellschaften
  • Konzentration der Arbeitskräfte (große Produktionszentren)
  • Stark differenzierte Berufsstruktur
  • Umschichtungsprozesse im Sozialgefüge
      • Mehrzahl: unselbständige Arbeitnehmer
      • Angestellte entstehen
  • Individuelle Leistungsgesellschaft
kennzeichen von modernen industrie gesellschaften2
Kennzeichen von modernen Industrie-gesellschaften
  • Soziale und regionale Mobilisierung
  • Trennung von Haushalt und Arbeitsstätte
  • Ausdifferenzierung autonomer funktionsspezifischer gesellschaftlicher Teilsysteme Komplexität der Gesellschaft
  • Rollendifferenzierung
  • Anonyme Beziehungen
  • Konsumgesellschaft - Trennung Produktion und Konsum
  • Wandel der Familienstrukturen
  • Rechtsgesellschaft (Rechtsgleichheit, Universalistische Normen)
1 phase der individualisierung mit beginn des industrialisierungsprozesses
1. Phase der Individualisierung mit Beginn des Industrialisierungsprozesses
  • Aufbruch in die Moderne
  • Jahrhunderte alte Gefüge von Kontinuität und Beständigkeit zerstört
  • Die einzige Konstante ab jetzt: Veränderung
1 phase der individualisierung mit beginn des industrialisierungsprozesses1
1. Phase der Individualisierung mit Beginn des Industrialisierungsprozesses

Auf das Individuum bezogen meint Individualisie-rung die fortschreitende Freisetzung und Heraus-lösung des Individuums aus traditionellen kollek-tiven Lebenszusammenhängen und Bindungen und den Verlust von traditionalen kollektiven Vorgaben und Sicherheiten der Lebensführung aufgrund der Auflösung traditioneller soziokultureller Milieus (Stände-, Nachbarschaftszugehörigkeit) und kon-ventioneller Moralvorstellungen und Glaubens-systeme.

1 phase der individualisierung mit beginn des industrialisierungsprozesses2
1. Phase der Individualisierung mit Beginn des Industrialisierungsprozesses
  • Das Schwinden alter Bindungen schafft Wahlfreiheit in Bezug auf
      • Wohnort
      • Beruf
      • Ehepartner
      • Selbstbestimmung des Lebens

und befreit von Fesseln

      • des Ständesystems
      • der Zünfte
      • der ländlichen Armut
      • der Kontrolle der großen Haushaltsfamilie
      • der Dorfgemeinschaft
      • der Naturkräfte

und bringt für alle mehr Wohlstand

1 phase der individualisierung mit beginn des industrialisierungsprozesses3
1. Phase der Individualisierung mit Beginn des Industrialisierungsprozesses

Individualisierung schafft aber auch

  • Unsicherheit aufgrund des Verlusts an

- alten Gewissheiten

- traditionellen Sicherheit gebenden Zweckgemeinschaften (Ganze Haus)

  • neue Abhängigkeiten z.B. vom

- Takt der Maschinen

- Markt

- dem Unternehmer.