Institut f r v lkerkunde universit t zu k ln einf hrungsseminar ws 2004 05 lioba lenhart
This presentation is the property of its rightful owner.
Sponsored Links
1 / 32

Institut für Völkerkunde, Universität zu Köln Einführungsseminar WS 2004/05 Lioba Lenhart PowerPoint PPT Presentation


  • 50 Views
  • Uploaded on
  • Presentation posted in: General

Institut für Völkerkunde, Universität zu Köln Einführungsseminar WS 2004/05 Lioba Lenhart. 25.10.2004 4. Sitzung: Kultur und Sprache. Peoples & Bailey, Kapitel 3: „ Culture and Language “. Themen: (1)Grundlegende Merkmale von Sprache

Download Presentation

Institut für Völkerkunde, Universität zu Köln Einführungsseminar WS 2004/05 Lioba Lenhart

An Image/Link below is provided (as is) to download presentation

Download Policy: Content on the Website is provided to you AS IS for your information and personal use and may not be sold / licensed / shared on other websites without getting consent from its author.While downloading, if for some reason you are not able to download a presentation, the publisher may have deleted the file from their server.


- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - E N D - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Presentation Transcript


Institut f r v lkerkunde universit t zu k ln einf hrungsseminar ws 2004 05 lioba lenhart

Institut für Völkerkunde, Universität zu KölnEinführungsseminar WS 2004/05Lioba Lenhart

25.10.2004

4. Sitzung: Kultur und Sprache


Peoples bailey kapitel 3 culture and language

Peoples & Bailey, Kapitel 3:„Culture and Language“

Themen:

(1)Grundlegende Merkmale von Sprache

(2) Grammatik (Phonologie, Morphologie, Syntax) und nonverbale Kommuni-

kation

(3) Sprache und Kultur

(4)Soziolinguistik

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


1 grundlegende merkmale von sprache

(1) Grundlegende Merkmale vonSprache

Sprache – das geteilte Wissen über Laute, Wörter, Bedeutungen und gram-

matikalische Regeln, das zum Senden und Empfangen von Botschaften ge-

nutzt wird – ist ein zentrales Merkmal, das den Menschen von anderen

Lebewesen unterscheidet.

  • Nur Menschen haben spezifisch entwickelte Stimmwege, d.h. Teile des Atmungssystems, die es möglich machen, bestimmte Laute zu bilden (Lunge, Luftröhre, Mund und Nasenwege);

  • Sprache ermöglicht den Menschen, unglaublich komplexe, präzise, detaillierte Informationen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu kommunizieren, selbst über Ereignisse, die nie stattfanden, Personen und Dinge, die nur in der Phantasie existieren;

    sowie Kommunikation über abstrakte Konzepte (z.B. Wahrheit, Gut und Böse, Gott, Männlichkeit, Wohlstand, Unendlichkeit, Recht, Demokratie, Hass usw.);

  • Ohne Sprachfähigkeit wäre soziales Lernen, durch das Kinder Kultur erwerben – Übertragung von Informationen von einem Individuen zu einem anderen, von einer Generation zur nächsten –, kaum möglich.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Sprache als f r den menschen charakteristisches merkmal

…Sprache als für den Menschen charakteristisches Merkmal

Auch andere Tiere – Honigbienen, Wale, Delfine, Schimpansen u.a –,

haben beeindruckende Kommunikationsfähigkeiten, sind aber nicht in der

Lage, vergleichbar komplexe, präzise Informationen zu kommunizieren.

Schimpansen (die mit dem Menschen am engsten verwandten Primaten) können Zeichensprache erlernen bzw. Symbole, die für Wörter oder Konzepte stehen, in Satzform bringen – aber kein Tier kann die Frage beantworten, was seine Pläne für den morgigen Tag sind!

Das menschliche Kommunikationssystem Sprache unterscheidet sich von

Kommunikationssystemen anderer Lebewesen durch

(1) Multimediales Potenzial (multimedia potential),

  • Diskretheit/Kombinierbarkeit der Elemente (discreteness),

  • Willkürlichkeit/Arbitrarität (arbitrariness),

    (4) Produktivität (productivity),

    (5) Loslösung/Entbundenheit (displacement)

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


1 multimediales potenzial multimedia potential

(1) Multimediales Potenzial (multimedia potential)

  • Sprachliche Botschaften bedürfen eines Mediums der Übertragung vom Sender zum Empfänger.

  • Das Übertragungsmedium kann variieren:

    -Schrift,

    -Sprechen,

    -Gebärden (z.B. Gehörlosensprache),

    -Morsen,

    -Internet,

    -und anderes.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


2 diskretheit kombinierbarkeit der elemente discreteness

(2) Diskretheit/Kombinierbarkeit der Elemente (discreteness)

  • Sprache besteht aus gesonderten Einheiten (Laute, Wörter), die in verschiedener Reihenfolge kombiniert werden und jeweils verschiedene Bedeutung haben.

  • Wörter sind Bedeutungsträger. Diese werden aus getrennten Lauten (die für sich genommen keine Bedeutung haben) zusammen gesetzt. Sätze werden aus getrennten Wörtern/Bedeutungsträgern kombiniert.

    Wenige Elemente können zu vielen Endprodukten kombiniert werden (wenige Laute zu vielen Wörtern, wenige Wörter zu vielen Sätzen) – dieselben Elemente werden immer wieder in jeweils unterschiedlichen Kombinationen verwendet.

  • Dem liegen spezifische Regeln – Grammatik – zugrunde.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


3 willk rlichkeit arbitrarit t arbitrariness

(3) Willkürlichkeit/Arbitrarität (arbitrariness)

  • Die Beziehung zwischen Lautketten, die Wörter darstellen, und den Bedeutungen dieser Wörter ist arbiträr Wörter sind Symbole, die Wahl der Zeichen ist willkürlich  die spezifischen Zeichen/Wörter haben keinen direkten Bezug zu den Dingen, für die sie stehen.

  • Bedeutungen sind ausschließlich über Konventionen festgelegt, die Sender und Empfänger teilen (die Verknüpfung von Bedeutungen mit Wörtern wird im Verlauf des frühkindlichen Sozialisationsprozesses gelernt).

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


4 produktivit t producticity

(4) Produktivität (producticity)

  • Produktivität meint die Fähigkeit der Sprecher/innen einer Sprache, intuitiv, unbewusst und auf kreative Art und Weise die Laute und Wörter so zu kombinieren, dass eine unendliche Anzahl von bedeutungs-vollen Sätzen gebildet - also eine unendliche Anzahl von Botschaften gesendet/verstanden werden können.

    Sprecher/innen und Zuhörer/innen kennen die individuelle Bedeutung der einzelnen Wörter und die Regeln, auf deren Basis sie bedeutungs-voll kombiniert werden können.

    Sender und Empfänger sind sich ihres dies bezüglichen Wissens nicht bewusst, obschon sie es routiniert immer dann anwenden, wenn sie kommunizieren.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


5 losl sung entbundenheit displacement

(5) Loslösung/Entbundenheit (displacement)

  • Sprache ermöglicht Kommunikation über Objekte, Personen und Ereignisse, die räumlich/zeitlich weit auseinander liegen und/oder abstrakt sind und daher imaginiert werden müssen.

    Dies steht in Zusammenhang mit der symbolischen Natur von Wörtern und Sätzen – wir müssen Dinge nicht unmittelbar sichtbar vor Augen haben, um über sie zu kommunizieren.

    Wir können über jemanden reden, der nicht anwesend ist, da die sprachlichen Symbole – in dem Fall ein Name – jemanden ins Gedächtnis rufen. Wir können über zukünftige Ereignisse spekulieren, da die Sprache Symbole hat, die für die Zukunft stehen und andere, die ein mentales Image etwaiger Ereignisse ermöglichen. Vergleichbares gilt auch für nicht fassbare Phänomene oder Phantasien (z.B. Geister, Gnome) oder räumlich oder zeitlich Entferntes (z.B. Exploration von Mars und Jupiter, Kämpfe im Nahen Osten) usw.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


2 grammatik phonologie morpholo gie syntax und nonverbale kom munikation

(2) Grammatik(Phonologie, Morpholo- gie, Syntax) und nonverbale Kom- munikation

Grammatik

  • Grammatik meint das Wissen über die Elemente einer Sprache (Laute,

    Wörter) und die Regeln, nach denen diese kombiniert werden können,

    um eine unendliche Zahl bedeutungsvoller Sätze zu bilden.

  • Grammatikalisches Wissen ist äußerst komplex, trotzdem aber in der

    Regel unbewusst und intuitiv

    Muttersprachler/innen sind nicht in der Lage zu erklären, was sie dazu befähigt, in der ihnen eigenen Art zu sprechen und sich gegenseitig zu verstehen.

    Sprecher/innen und Zuhörer/innen denken nicht lange darüber nach, auf welche Art und Weise intendierte Botschaften in Sätze trans-formiert bzw. Sätze im Hinblick auf die intendierten Botschaften dekodiert werden können.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Grammatik

…Grammatik

  • In der Linguistik wird der Begriff ‚Grammatik‘ nicht wertend verwendet:

    Im linguistischen Sinne gibt es keine höher oder niedrig stehenden

    Sprachen bzw. Dialekte einer Sprache – sie alle sind geeignete Vehikel,

    Botschaften zu kommunizieren.

    Es gibt also keine „schlechte“ Grammatik, keinen „schlechten“ Sprachstilu.ä. Solche Wertungen sind kulturelle Wertungen.

    Auch regionale Dialekte oder schichtenspezifische Sprachen (Soziolekte) folgen bestimmten Regeln und sind damit genauso grammatikalisch „richtig“ wie die jeweilige Standardsprache.

  • Teilbereiche der Grammatik sind

    (1) Phonologie, Lautlehre

    (2) Morphologie, Wortlehre

    (3) Syntax, Satzlehre

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


1 phonologie lautlehre

(1) Phonologie, Lautlehre

  • Phon – ein unterscheidbarer sprachlicher Laut

  • Phonem – kleinster, Bedeutungsunterscheidender Laut einer

    bestimmten Sprache

  • Phonologie – Untersuchung des Lautsystems einer Sprache

    Phoneme können gebildet/unterschieden werden durch

  • den Ort und die Art und Weise, an dem und in der sie entstehen

    (Stimmapparat)  stimmhaft - stimmlos,

  • Atmung  aspiriert – nicht-aspiriert,

  • Tonhöhen.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Phonologie

…Phonologie

Stimmhafte und stimmlose Laute (Beispiel: Deutsch und Kosraen)

d – t: beide Laute haben mit der Beschaffenheit des menschlichen Stimmapparats

zu tun, d ist stimmhaft (Vibrieren der Stimmbänder), t ist stimmlos (Nicht-Vibrieren

der Stimmbänder)

d und t sind immer unterschiedliche Phone, nicht aber unbedingt unterschiedliche

Phoneme

 Im Deutschen werden d und t sie als bedeutungsunterscheidend wahrgenommen (z.B. in den Wörtern Dank – Tank).

 In der mikronesischen Sprache Kosraen werden d und t nicht als bedeutungsunterscheidend wahrgenommen (z.B. bedeuten die Wörter tan und dan beide „Farbe“)

Aspirierte und nicht-aspirierte Laute (Beispiel: Deutsch und Thai)

Im Deutschen sind aspirierte und nicht-aspirierte Phone nicht bedeutungs-

unterscheidend; in Thai aber sehr wohl (z.B. paa – „Wald“, Phaa (h steht für

aspiriert) – „trennen“

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Phonologie1

…Phonologie

Tonsprachen

Wenn Tonverlauf und Tonhöhe zur Bildung von Phonemen verwendet werden,

spricht man von einer Tonsprache.

Im Deutschen spielen Tonhöhe und Variationen der Tonhöhen kaum eine Rolle –

Ausnahmen sind Fragen und Imperative (z.B. Du gehst? Du gehst!)

In anderen Sprachen (u.a. Chinesisch, Thai, einige afrikanische Sprachen)

werden durch Tonhöhen auch Phoneme gebildet.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


2 morphologie wortlehre

(2) Morphologie, Wortlehre

  • Morphem - eine bedeutungstragende Einheit innerhalb eines Worte; es gibt zwei Arten von Morphemen:

    -freie Morpheme können alleine als Wort stehen,

    - gebundene Morpheme können nicht alleine als Wort stehen, sondern in Kombination mit einem freien Morphem  verändern die Bedeutung eines freien Morphems (Prä- und Suffixe, Tempus, Numerus, Genus).

  • Morphologie beschäftigt sich damit, wie aus Phonen/Phonemen Worte gebildet werden

  • Lexikon – das gesamte Wortinventar einer Sprache

    Bsp. freie Morpheme, Deutsch: Frau, Kind, Auto

    Bsp. gebundene Morpheme, Deutsch: Lehrer-in, tief-er, un-gleich, Auto-s

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


3 syntax satzlehre

(3) Syntax, Satzlehre

(im Lehrbuch nicht thematisiert!)

  • Syntax beschäftigt sich damit, wie aus Wörtern Sätze gebildet werden

  • Worte nehmen hier bestimmte Funktionen ein: Subjekt, Prädikat, Objekt, etc.

     es gibt nicht für alle Sprachen einheitliche Grundeinheiten – Objekte

    oder Adverbien gibt es z. B. nicht immer, Wortfolge in Sätzen kann

    unterschiedlich sein (Bsp. Deutsch, Wortfolge: Subjekt - Prädikat - Objekt; dagegen Indonesisch i.d.R. Objektfokus: Objekt - Prädikat - Subjekt) usw.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Nonverbale kommunikation

Nonverbale Kommunikation

Zur Übertragung von Botschaften (senden, empfangen) benutzen Menschen

nicht nur Laute, Wörter und Sätze.

Hinzu kommen

  • Bewegungen des Körpers oder von Teilen des Körpers – untersucht im Forschungsfeld Kinesics ;

  • räumliche Nähe bzw. Distanz zum/r Gesprächspartner/in – untersucht im Forschungsfeld Proxemics.

    Die damit verbundenen Botschaften sind dem Sender oft unbewusst, werden

    aber auch bewusst eingesetzt.

    Auch diese Formen der Kommunikation sind meist symbolisch: Die Botschaf-

    ten, die mit einer bestimmter Berührung, Körperbewegung oder Distanz

    zum Gesprächspartner zum Ausdruck gebracht wird, beruhen auf Konventi-

    onen – sind jeweils kulturspezifisch!

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Nonverbale kommunikation1

… nonverbale Kommunikation

Im Bereich der nonverbalen interkulturellen Kommunikation sind Missverständnisse häufig.

 Beispielsweise gelten Berührungen der Gesprächspartner/innen

in einigen kulturellen Kontexten als angemessen, in anderen nicht

(“high touch“- vs. „low touch“- Kulturen);

mitunter geht dies mit Status- und Machtunterschieden einher

(in einigen Kulturen dürfen Personen mit höherem Status solche

mit niedrigerem Status berühren, Umgekehrtes wird aber als

Affront aufgefasst).

 Ähnliches lässt sich für die Einhaltung bestimmter Distanzen zu

Gesprächspartnern konstatieren, die in verschiedenen Kulturen

sehr unterschiedlich festgelegt sind.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


3 sprache und kultur

(3) Sprache und Kultur

  • Die kognitive Ethnologie (cognitive anthropology) beschäftigt sich mit der Beziehung von Sprache und Kultur, die in engem Zusammenhang stehen: kulturelle Klassifikationen der Realität sind ähnlich wie Sprache organisiert.

    Kultur wird als ein Set mentaler Modelle erachtet, die sprachlichen Ausdruck finden. Aufgabe des/r Ethnologen/in ist der Nachvollzug dieser Modelle aus Sicht der Sprecher/innen einer Sprache und Kulturteilnehmer/innen.

     Informant/innenaussagen werden mit Methoden der Linguistik aufbereitet.

    Schwerpunkte der Betrachtung sind Lexikon und semantische Domänen.

    Lexikon (wie gesagt): das gesamte Wortinventar einer Sprache

    Semantik: Lehre von den Bedeutungen sprachlicher Zeichen

    Semantische Domänen: Wortfelder, bestehend aus der Bedeutung nach zusammen gehörigen Wörtern; Wörter, die zu einer gemeinsamen Klasse gerechnet werden

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Semantische dom nen

Semantische Domänen

  • In den Bereichen, die in einer Kultur oder subkulturellen Gruppe von besonderer Bedeutung sind, sind Lexikon und Klassifikationen äußerst detailliert.

    Beispiel:Bauern in USA: Wissen über Nutztiere/Tierbezeichnungen

    – Rind, Pferd, Schwein

    Den unterschiedlichen Bezeichnungen für Rind, Pferd und Schwein liegen dieselben differenzierenden Merkmale zugrunde: Geschlecht, Alter/ Ent-wicklungsstand.

    Diese semantische Domäne lässt sich folgendermaßen darstellen 

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Semantische dom nen1

… Semantische Domänen

Hier:horse,Pferd

Geschlecht

weiblich männlich

nicht-kastriert kastriert

Alter/neugeboren foal

Entwicklungs-nicht

Standgeschlechtsreif filly colt

geschlechtsreif marestalliongelding

Entspricht der deutschen Klassifikation:

foal – Fohlen, Füllen, filly – Stutenfohlen, mare – Stute, stallion – Hengst,

colt – Hengstfohlen, Hengstfüllen, gelding – kastriertes Pferd, Wallach

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Semantische dom nen2

… Semantische Domänen

  • Jede Kategorie kann durch die Merkmale beschrieben werden, durch welche die Bauern sie in ihrer Klassifikation von anderen Kategorien unterscheiden:

     z.B. ist ein „Fohlen (filly)“ ein „noch nicht geschlechtsreifes weibliches

    Pferd (an immature female horse)“

  • Die Klassifikation „Pferd“ folgt einem Muster (pattern) – dieselben Unterschiede und Gemeinsamkeiten (Geschlecht, Alter) werden auch benutzt, um andere Nutztiere (Schwein, Rind) zu beschreiben.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Semantische dom nen3

… Semantische Domänen

Eine andere Darstellungsweise einer semantischen Domäne ist das

Baumdiagramm.

Beispiel: Semantische Domäne „Pflanze“

Pflanze

BaumStrauchBlume

Buche Eiche Holunder Johannisbeere Rose Tulpe

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Semantische dom nen4

… Semantische Domänen

Studie zu Farbtermini von Berlin, Brent O. und Paul D. Kay. 1969.

Basic Color Terms. Berkeley: University of California Press.

Dieser Studie zufolge gibt es je nach Sprache/Kultur eine unter-

schiedliche Anzahl von basalen Farbtermini. Es wurden aber

nichtsdestotrotz in Bezug auf Farbterminologien klare Gesetz-

mäßigkeiten festgestellt:

  • wenn 2 Termini, dann schwarz/dunkel und weiß/hell differenziert,

  • wenn 3 Termini, dann auch rot,

  • wenn 4 Termini, dann auch grün oder gelb,

  • wenn 5 Termini, dann auch gelb und grün,

  • wenn 6 Termini, dann auch blau,

  • wenn 7 Termini, dann auch braun,

  • erst dann folgen violett/lila, pink/rosa, orange und grau.

    Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind im Wesentlichen bis heute

    bestätigt – obschon einige Ausnahmen inzwischen bekannt sind.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Semantische dom nen5

… Semantische Domänen

  • Die meisten semantischen Domänen sind hierarchisch strukturiert

    – so z.B. die Domäne „Farben“: blau – himmelblau, azurblau usw., gelb –

    zitronengelb usw., rot – rosarot usw. usw.

  • Es gibt Grenzfälle und Uneindeutigkeiten bei der Einordnung

    – so z.B. die Domäne „Farben“ – violett, kann rot und blau zugeordnet sein

  • Nicht in allen Kulturen existieren für alles Wahrgenommene auch Be-zeichnungen

    – so z.B. die Domäne „Farben“ - einige Kulturen differenzieren mehr als

    andere; es gibt Kulturen, die nur „hell“ und „dunkel“ unterscheiden, andere

    differenzieren gegenüber unserer Kultur sehr viel stärker, legen der Kate-

    gorisierung von Farben und Farbnuancen andere Kriterien zugrunde (z.B.

    nicht Brechung von Lichtwellen/Länge von Lichtwellen, die ein Objekt

    reflektiert, sondern Grade von Trockenheit und Feuchtigkeit).

  • Der Differenzierungsgrad semantischer Domänen hängt von ihrer Wichtigkeit ab

    – so kennen z.B. Fischer mehr Termini für Fische als Nicht-Fischer.

  • Es gibt semantische Domänen, die in allen Kulturen vorhanden sind

    – z.B. Domänen „Verwandtschaft“, „Körper(teile)“, „Farben“).

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Sprache wahrnehmung und kultur

Sprache, Wahrnehmung und Kultur

Die Analyse semantischer Domänen lässt begründete Schlüsse auf die

Struktur und Relevanz bestimmter kultureller Bereiche zu.

Folglich spiegeln bestimmte Aspekte von Sprache die Kultur ihrer

Sprecher/innen wider.

Eine bekannte Hypothese zum Zusammenhang von Sprache, Wahrnehmung

und Kultur - dieSapir-Whorf-Hypothese - geht noch weiter:

Sprache beeinflusst die Wahrnehmung und die Gedankenstruktur ihrer Sprecher/innen und bestimmt daher ihre Kultur bzw. wesentliche Teilbereiche von Kultur – z.B. Vorstellungen über Zeit und Raum.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Sapir whorf hyothese

… Sapir-Whorf-Hyothese

  • Die Sapir-Whorf-Hypothese wurde nie von Sapir und Whorf gemeinsam formuliert!

  • Sapir: Worte, die wir verwenden, implizieren konzeptuelle Kategorien; sie prägen die Art und Weise, in der wir die Welt wahrnehmen.

    Denk- und Wahrnehmungsprozesse werden durch die Eigenheiten der Sprache, die man spricht, strukturiert und in gewisser Weise gesteuert. Jede Sprache ist ein Spiegel der sozialen Wirklichkeit und exklusiv; keine Sprachen sind sich so ähnlich, dass sie dieselbe soziale Wirklichkeit widerspiegeln

  • Whorf ging einen Schritt weiter und behauptete, dass die Weltsicht einer Person von ihrer Sprache nicht nur beeinflusst, sondern determiniert wird.

    Die Wirklichkeit, wie sie uns erscheint, ist dass Produkt der Kategorien, die unserer Wahrnehmung und unserem Denken von der Sprache, die wir sprechen, aufgezwungen werden.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Sprache wahrnehmung und kultur1

… Sprache, Wahrnehmung und Kultur

  • Beispiel: Zeitvorstellungen (Whorf, Studien der 1930/40er Jahre)

    Annahme: Durch Sprache wird die Zeitvorstellung bestimmt

    Vergleich: Westliche Vorstellung von Zeit und Vorstellung der Hopi von Zeit

    Westliche Welt: wir denken über Zeit in räumlichen Metaphern (eine lange Zeit, eine kurze Zeit), legen Zeiteinheiten fest (Tage, Stunden), als ob diese Einheiten die gleichen Messqualitäten hätten wie abgrenzbare, sichtbare Einheiten (z.B. Äpfel und Birnen); und wir klassifizieren auf einem linearen Kontinuum Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft.

    Hopi: Der Begriff der Zeit wird in der Hopi-Sprache eindeutig anders aufgefasst als beispielsweise im Deutschen oder Englischen. Zeit wird nicht in Tempi (Imperfekt, Perfekt usw.) und nicht in räumlichen Metaphern ausgedrückt, sondern Ereignisse werden als sich kontinuierlich entfaltend formuliert und wahrgenommen.

    ? Aber: Determiniert die Sprache der Hopi tatsächlich ihre konkrete, tagtägliche Zeitvorstellung?

    !  sicher nicht absolut  es besteht vielmehr eine wechselseitige

    Einflussnahme!

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Sprache wahrnehmung und kultur2

… Sprache, Wahrnehmung und Kultur

Weitere Beispiele dafür, dass Sprache, Wahrnehmung und Kultur sich

wechselseitig beeinflussen:

 räumliche Vorstellungen

z.B. australische Aborigine-Gruppe, die keine relativen Präpositionen ("vor", "hinter", "neben" usw.) kennt, sondern nur vier unseren Himmelsrichtungen grob analoge Himmelsrichtungen, um die Position zweier Dinge zueinander zu beschreiben;

z.B. Sprachen von Inselbewohnern, in denen es oft nur „meerzugewandt“und „meerabgewandt“ als Termini für Positionsbestimmung gibt.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Sprache wahrnehmung und kultur3

… Sprache, Wahrnehmung und Kultur

Kritische Reflexion zur Sapir-Whorf-Hypothese:

Es besteht eine nachgewiesene Beziehung zwischen Sprache,

Denken, Wahrnehmung und Kultur/Weltsicht.

Die Frage ist allerdings, wie wichtig der Faktor Sprache ist.

Sicher prägt nicht Sprache allein Kultur. Insofern sie es tut, handelt es

sich um Einflussnahme, nicht um Determinierung! Auch sind umgekehrte

Richtungen der Einflussnahmen (Kultur Sprache) und Wechselwirkun-

gen zu berücksichtigen.

Denn

  • Weltbilder wandeln sich schneller als Sprachen.

  • Unterschiedliche Weltbilder gibt es auch bei sprachlicher Verwandtschaft.

  • Ähnliche, gemeinsam geteilte Weltsichten sind auch im Falle von Bi- und Multilingualität gegeben.

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


4 soziolinguistik

(4) Soziolinguistik

Die Soziolinguistik untersucht, in welcher Form das Sprechverhalten von

kulturellen Faktoren und dem sozialen Kontext (einschließlich Ziele der

Sprecher/in, Anwesenheit Dritter, u.a.) beeinflusst wird.

Sprechweisen können benutzt werden, um sich selbst darzustellen und in subtiler Weise

Rang- und Statusunterschiede deutlich zu machen (z.B. zwischen ethnischen Gruppen,

unterschiedlichen Klassen, Männern und Frauen usw.)

Beispiele:Soziale Dimension von Sprache

  • Anredeformen (z.B. Anreden, wie z. B. „Du“ und „Sie“ im Deutschen, im Kreise von Gleichaltrigen, Jüngeren und Älteren, Freunden, Geschäftsleuten usw.);

  • Männer-/Frauensprachen (z.B. bestimmte Gruppen in China - Männer und Frauen benutzen unterschiedliches Vokabular);

    -Respekt- und Höflichkeitssprachen (Bsp. Java: unterschiedliche Sprachniveaus von Adeligen/hochrangigen Personen und einfachen Bürgern, Älteren und Jüngeren usw.);

  • Namentabus (Namen von Verstorbenen dürfen nicht genannt werden).

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


Institut f r v lkerkunde universit t zu k ln einf hrungsseminar ws 2004 05 lioba lenhart

Zur nächsten Stunde Kapitel 4 des Lehr-

buchs (Seiten 65-82) lesen !

„Enculturation and the Life Cycle“

Einführungsseminar WS 2004/05 (L. Lenhart): Kultur und Sprache


  • Login