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Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen. Dr. C. Luckhaus. ICD-10 F: Psychische und Verhaltensstörungen. F0 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen

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Presentation Transcript
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Neurotische, Belastungs- und somatoforme StörungenVerhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen

Dr. C. Luckhaus

icd 10 f psychische und verhaltensst rungen
ICD-10 F: Psychische und Verhaltensstörungen

F0 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen

F1 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen

F2 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen

F3 Affektive Störungen

F4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren

F6 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

F7 Intelligenzminderung

F8 Entwicklungsstörungen

F9 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend

F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

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Operationalisierte psychiatrische Diagnostik

  • Explizite Vorgabe psychopathologischer Ein- und Ausschlusskriterien einschließlich Anforderungen an das zeitliche Bestehen und den Verlauf
  • diagnostische Entscheidungs- und Verknüpfungsregeln
  • Phänomenologisch-symptomorientierte Störungsbeschreibung weitgehend frei von theoretischen und ätiologischen Annahmen
  • Komorbiditätskonzept als Abkehr von K. Jaspers Hierarchiekonzept: Es sind so viele psychiatrische Diagnosen zu verschlüsseln, wie für die Beschreibung des gesamten klinischen Bildes notwendig: Gewichtung von Haupt- und Nebendiagnosen
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Moderne psychiatrische Klassifikationssysteme

Zielsetzungen

  • „Statistische internationale Klassifikation als epidemiologische Forschungsgrundlage“
  • Sytematisierung empirischen Wissens
  • Oberfächliche Ähnlichkeitsrelationen sollen grundlegendere Relationen mit höherem Erklärungswert ersetzt werden.
  • Keine obligate Annahme von Krankheitseinheiten, Kategorisierung auch im Sinne von praktischen Prototypen
  • Ökonomisierung des Informationsflusses durch Verdichtung und Enkodierung relevanter Informationen
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ICD 10

Kapitel F3 und F4:Affektive (F3) bzw. neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (F4)

  • Traditionelle Unterscheidung von reaktiver, neurotischer und endogener Depressionaufgegeben zugunsten einer Operationalisierung nach Verlaufs-,Schweregrad- und Belastungs-Kriterien.
  • Klassischer Neurosebegriff nicht mehr verwendet, stattdessen „neurotische Störungen“.
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ICD 10

Kapitel F5:Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren

Deskriptive Kategorisierung von: psychosomatischen und somatopsychischen Störungen, psychischen Störungen im Wochenbett, Missbrauchssyndromen nicht-abhängigkeitserzeugender Substanzen.

neurose
“Neurose“

William Cullen (1769)

Störung der Sinne und Bewegung ohne Fieber und Lokal-befund (ohne bekannte organische Ursache).

u.a. Koma, Epilepsie, Asthma, Hypochondrie

Jean-Martin Charcot (1825-93)

Hysterie - Prototyp der Neurose: Ausdruck einer funktionellen, physiologischen Störung des Nervensystems

Sigmund Freud (1895)„Psychoneurose“ (Hysterie, Zwangsvorstellungen) bedingt durch psychogene Mechanismen (aktualisierte Erinnerung an ein reales sexuelles Trauma oder eine entsprechende Phantasie)

neurotische st rungen klassische erkl rungsmodelle
Neurotische Störungen – Klassische Erklärungsmodelle
  • Konfliktmodell (Psychoanalyse, Tiefenpsychologie)

Auslöser  aktueller Konflikt  Angst  Regression  Reaktualisierung infantiler (unbew.) Konflikt  verstärkte Angst 

Abwehr  Misslingen der „Verdrängung“ 

neurot. Kompromiss zw. Konfliktanteilen  Symptombildung, primärer und sekundärer Krankheitsgewinn

  • Lernmodell (Lernpsychologie)

Lerngeschichte  verfehlte Lernvorgänge  Symptom  symptomerhaltende Lernvorgänge  Symptomchronifizierung

  • Defizitmodell

Frühe Störung (z.B. Trauma, Deprivation) Entwicklungsschaden („Ich-Defekt“)  Persistenz oder Ersatzbildung  Symptom

neurotische st rungen klassische therapiemodelle
Neurotische Störungen – Klassische Therapiemodelle
  • Konfliktmodell (Psychoanalyse, Tiefenpsychologie)Therap. Beziehung  therap. Regression  Übertragung  Bewusstmachung, Analyse des infantilen unbew. Konflikts  Angstreduktion  Auflösung des neurot. Kompromisses  Symptomreduktion
  • Lernmodell (Verhaltenstherapie, kogn.-behav. Th.)Verhaltens- und Kognitionsanalyse  Reizkonfrontation, Rollenspiel, Training sozialer Kompetenzen, Entspannungs-methoden, kognitive Umstrukturierung, etc.  Symptomreduktion
  • DefizitmodellAffektkontrollstörung  Dialektisch-behaviorale. Th. (n. Linehan)Posttraumat. Belastungsstörung  Adaptierte Traumatherapie
neurobiologische hypothesen zur tiologie neurotischer st rungen 1
Neurobiologische Hypothesen zur Ätiologie neurotischer Störungen (1)

Neurotransmitter haben potentiell Einfluss auf 3 Grunddimensionen der Persönlichkeit (n. Cloninger)

  • Dopaminerges System - „novelty seeking“ (Explorationsverhalten, Neugierde)
  • Serotonerges System - „harm avoidance“ (Vermeidungsverhalten gegenüber negativen Stimuli)
  • Noradrenerges System - „reward dependence“ (Abhängigkeit von Belohnung)
neurotische st rungen aktuelles erkl rungsmodell drei faktoren modell n margraf 1996
Neurotische Störungen – Aktuelles Erklärungsmodell(Drei-Faktoren-Modell n. Margraf, 1996)
  • Prädisposition, Vulnerabilität:

Bestehende genetische, somatische, psychische oder soziale Merkmale machen das Auftreten einer Störung möglich bzw. wahrscheinlicher.

  • Auslösende Bedingungen:

Somatische, psychische oder soziale Bedingungen (Belastungen, Erfahrungen, Ereignisse, „Stress“) führen auf dem Boden der individuellen Vulnerabilität zur Erstmanifestation.

  • Aufrechterhaltende Bedingungen:

Anhaltende Belastung oder Fehlreaktionen (des Betroffenen oder der Umgebung) verhindern die Remission und führen zur Chronifizierung.

neurotische st rungen aktuelles therapiemodell
Neurotische Störungen – Aktuelles Therapiemodell
  • Bio-Psycho-Soziale Entität
    • Psychopharmakotherapie
    • Psychotherapie
    • Soziotherapie
  • Psychotherapieforschung:

Bester Prädiktor für Therapieerfolg ist die Qualität der therapeutischen Beziehung

 Störungsspezifische, schulenübergreifende Integration der verschiedenen Therapieansätze

icd 10 f psychische und verhaltensst rungen1
ICD-10 F: Psychische und Verhaltensstörungen

F0 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen

F1 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen

F2 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen

F3 Affektive Störungen

F4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren

F6 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

F7 Intelligenzminderung

F8 Entwicklungsstörungen

F9 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend

F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

f4 neurotische belastungs und somatoforme st rungen
F4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

F40 Phobische Störung

F40.0 Agoraphobie

F40.00 Ohne Angabe einer Panikstörung

F40.01 Mit Panikstörung

F40.1 Soziale Phobien

F40.2 Spezifische (isolierte) Phobien

F40.8 Sonstige phobische Störungen

F41 Andere Angststörungen

F41.0 Panikstörung [episodisch paroxysmale Angst]

F41.1 Generalisierte Angststörung

F41.2 Angst und depressive Störung, gemischt

F41.3 Andere gemischte Angststörungen

F41.8 Sonstige spezifische Angststörungen

F42 Zwangsstörung

F42.0 Vorwiegend Zwangsgedanken oder Grübelzwang

F42.1 Vorwiegend Zwangshandlungen [Zwangsrituale]

F42.2 Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt

F42.8 Sonstige Zwangsstörungen

f4 neurotische belastungs und somatoforme st rungen1
F4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

F43 Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

F43.0 Akute Belastungsreaktion

F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung

F43.2 Anpassungsstörungen

F43.8 Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung

F44 Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)

F44.0 Dissoziative Amnesie

F44.1 Dissoziative Fugue

F44.2 Dissoziativer Stupor

F44.3 Trance- und Besessenheitszustände

F44.4 Dissoziative Bewegungsstörungen

F44.5 Dissoziative Krampfanfälle

F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen

F44.7 Dissoziative Störungen, gemischt

F44.8 Sonstige dissoziative Störungen

F44.80 Ganser-Syndrom

F44.81 Multiple Persönlichkeit(sstörung)

F44.82 Transitorische dissoziative Störungen in Kindheit und Jugend

F44.88 Sonstige dissoziative Störungen

f43 skala psychosozialer belastungen erwachsene
F43: Skala psychosozialer Belastungen (Erwachsene)

akut (Typ I)chronisch (Typ II)

leicht Verlust einer Freundschaft, Familienstreitigkeiten,

Verlassen des Elternhauses, Unzufriedenheit m. Arbeitsplatz,

Ausbild.beginn, -abschluss Im Umfeld hoher Kriminalität

mittel Heirat, Partnerprobleme,

Trennung vom Partner, Alleinerziehend,

Fehlgeburt, Finanzielle Probleme,

Arbeitsplatzverlust, Berentung Konflikt m. Vorgesetztem

schwer Scheidung, Arbeitslosigkeit,

Erste Geburt Armut

extrem Tod des Partners, Schwere körperliche

schwer Diagnose einer schweren Erkrankung (eigene, Kind),

körperlichen Erkrankung, Anhaltende Misshandlung,

Vergewaltigung Sexueller Missbrauch

katastophal Tod eines Kindes, Geiselhaft

Suizid des Partners, Konzentrationslagerhaft

Verheerende Naturkatastrophe

(nach DSM-III-R, Achse IV)

f43 0 akute belastungsreaktion
F43.0 Akute Belastungsreaktion
  • Stressorkriterium
    • Außergewöhnliche psychische oder physische Belastung
  • Zeitkriterium
    • Symptomatik unmittelbar nach Belastung (Minuten)
    • Wegfall Belastung  schnelle Remission (Stunden)
    • Weiterbelastung  weitgehende Remission nach max. 3 Tagen
  • Symptomatik
    • Initiale „Betäubung“, dann Depression, Angst, Ärger, Verzweiflung, Hyperaktivität oder Rückzug
  • Ausschlusskriterium
    • Keine Exazerbation einer vorbestehenden psychischen Störung (außer Persönlichkeitsstörung)
f43 1 posttraumatische belastungsst rung
F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung
  • Stressorkriterium
    • Kurz oder lang anhalt. Ereignis außergewöhnlicher Schwere
  • Zeitkriterium
    • Symptomatik innerhalb von 6 Monaten
    • Bei typischer Symptomatik und Ausschluss anderer psychischer Störungen auch Latenz von mehr als 6 Monaten
  • Symptomatik
    • Intrusionen des Ereignisses in Flashbacks, Tag-, Nachtträumen
    • Vermeidungsverhalten (Themen, Orte) seit dem Ereignis
    • Anhaltende Hypervigilanz mit Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit und Wutausbrüche, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Schreckhaftigkeit
  • Verlauf
    • Bis zu 2 Jahren. Symptomatik > 2 J.  F62.0 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
f43 2 anpassungsst rung
F43.2 Anpassungsstörung
  • Stressorkriterium
    • entscheidende Lebensveränderung, belastendes Lebensereignis, nach schwerer körperlicher Erkrankung, Unversehrtheit des sozialen Netzes, der sozialen Werte beeinträchtigt
  • Zeitkriterium
    • Symptomatik innerhalb eines Monats
    • Symptomatik typisch bis 6 Monate, selten länger
  • Symptomatik
    • F43.20 Kurze depressive Reaktion (< 1 Monat)
    • F43.21 Längere depressive Reaktion (< 2 Jahre)
    • F43.22 Angst und depressive Reaktion gemischt
    • F43.23 Vorwiegende Beeinträchtigung anderer Gefühle
    • F43.24 Vorwiegende Störung des Sozialverhaltens
    • F43.22 Vorwiegende Störung von Gefühlen u. Sozialverhalten
  • Ausschlusskriterium
    • F3, F91 (KJP: Störungen des Sozialverhaltens)
f43 pr valenzen
F43 Prävalenzen
  • Akute Belastungsreaktion14% nach Verkehrsunfall mit leichtem SHT (PunktP.)

33% nach Überfall mit Schusswaffengebrauch (PunktP.)

  • Posttraumatische Belastungsstörung7,8 % (5,0% Männer, 10,4% Frauen) (LebenszeitP.)

3 Monate nach Vergewaltigung: 47% (PunktP.) 15 Jahre nach Vergewaltigung: 16,5% (PunktP.)

Unerwarteter Tod eines Angehörigen: 30% (PunktP.)

  • Anpassungsstörung4,9% (5-Jahres-P.)

Verlauf: 81% einmalig, 6,9% rezidivierend, 12,1% chronisch

13 – 65% bei Patienten mit Suizidversuch

f43 therapie
F43 Therapie
  • Psychotherapeutische Krisenintervention, Fokal- oder Langzeittherapie
  • Psychopharmakotherapie
    • Antidepressiva (Depression, Suizidalität, Schlafstörung)
    • Tranquilizer, Anxiolytika (Suizidalität, Angst, Schlafstörung)
    • Sedierende Neuroleptika (Schlafst., Erregung, Aggressivität)
    • Hypnotika (massive Schlafstörung)
  • Soziotherapie
f4 neurotische belastungs und somatoforme st rungen2
F4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

F43 Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

F43.0 Akute Belastungsreaktion

F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung

F43.2 Anpassungsstörungen

F43.8 Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung

F44 Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)

F44.0 Dissoziative Amnesie

F44.1 Dissoziative Fugue

F44.2 Dissoziativer Stupor

F44.3 Trance- und Besessenheitszustände

F44.4 Dissoziative Bewegungsstörungen

F44.5 Dissoziative Krampfanfälle

F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen

F44.7 Dissoziative Störungen, gemischt

F44.8 Sonstige dissoziative Störungen

F44.80 Ganser-Syndrom

F44.81 Multiple Persönlichkeit(sstörung)

F44.82 Transitorische dissoziative Störungen in Kindheit und Jugend

F44.88 Sonstige dissoziative Störungen

slide23

F44 Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)

  • Dissoziation:
  • Teilweiser oder völliger Verlust der normalen psychischen Integrationsfähigkeit in bezug auf:
  • Erinnerungen an die Vergangenheit
  • Identitätsempfinden
  • Trancephänomene
  • unmittelbares Empfinden u. Kontrolle von Körperbewegungen
  • Konversion:
  • Unwillkürlicher, psychogener Verlust oder Veränderung einer körperlichen Funktion
  • organisches Krankheitsbild nahegelegt (oft pseudoneurologische Symptomatik)
  • Zeitlicher Zusammenhang mit psychosozialer Belastung bzw. innerseelischem Konflikt (Symptom als Symbol)
f4 neurotische belastungs und somatoforme st rungen3
F4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

F45 Somatoforme Störungen

F45.0 Somatisierungsstörung

F45.1 Undifferenzierte Somatisierungsstörung

F45.2 Hypochondrische Störung

F45.3 Somatoforme autonome Funktionsstörung

F45.30 Nicht näher bezeichnetes Organ oder System

F45.31 Herz und Kreislaufsystem(Herzneurose)

F45.32 Oberes Verdauungssystem(Dyspepsie, Pylorospasmen)

F45.33 Unterer Verdauungssystem(Colon irritabile, Diarrhoe)

F45.34 Atmungssystem (Hyperventilation, Aerophagie)

F45.35 Urogenitalsystem(Dysurie, erhöhte Miktionshäufigkeit)

F45.38 Sonstige Organe und Systeme

F45.39 Mehrere Organe und Systeme

F45.4 Anhaltende somatoforme Schmerzstörung

(Psychalgie, Kopfschmerz, Rückenschmerz)

F45.8 Sonstige somatoforme Störungen

(Dysphagie, Pruritus, Tortikollis, Zähneknirschen)

F48 Andere neurotische Störungen

F48.0 Neurasthenie(Chronic Fatigue Syndrom)

F48.1 Depersonalisations- und Derealisationssyndrom

F48.8 Sonstige neurotische Störungen (Psychogene Synkope)

f45 somatoforme st rungen
F45 Somatoforme Störungen
  • Wiederholte Darbietung körperlicher Symptome ohne ausreichende körperliche Erklärung
  • Hartnäckige Forderung nach medizinischen Unter-suchungen trotz wiederholter negativer Befunde

Cave: Iatrogene Fixierung und Chronifizierung!

  • Hartnäckige Weigerung, den Rat oder die Versicherung mehrerer Ärzte anzunehmen, dass für die Symptomatik keine körperliche Erklärung zu finden ist.
  • Häufig besteht ein Aufmerksamkeit suchendes Verhalten.
  • Beeinträchtigung familiärer und sozialer Funktionen
f45 0 somatisierungsst rung
F45.0 Somatisierungsstörung
  • Multiple und häufig wechselnde körperliche Symptome

> 2 Jahre

ohne ausreichende somatische Erklärung

f45 2 hypochondrische st rung
F45.2 Hypochondrische Störung
  • Anhaltende Überzeugung vom Vorhandensein einer oder mehrerer ernsthafter körperlicher Erkrankungen als Ursache für vorhandene Symptome

ohne ausreichende somatische Erklärung

oder

Anhaltende Beschäftigung mit einer vermuteten Entstellung

ohne ausreichende somatische Erklärung

f45 3 somatoforme autonome funktionsst rung
F45.3 Somatoforme autonome Funktionsstörung
  • Symptome werden so geschildert, als beruhten sie auf der Erkrankung eines Organs oder eines Organ-systems, das weitgehend vegetativ innerviert wird:

Häufig: Kardiovaskuläres, respiratorisches, gastrointestin. System

  • Zusätzlich Symptome einer vegetativen Dysregulation:

Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, ...

  • Intensive Beschäftigung mit einer vermuteten ernsthaften Erkrankung des betreffenden Organsystems
  • Keine ausreichende somatische Erklärung
f45 4 anhaltende somatoforme schmerzst rung
F45.4 Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
  • Anhaltender, schwerer und quälender Schmerz

ohne ausreichende Erklärung durch physiologische Prozesse oder körperliche Störungen

  • Der Schmerz tritt in Verbindung mit emotionalen oder psychosozialen Belastungen auf.
f45 pr valenzen
F45 Prävalenzen
  • F45 20% der Patienten einer Allgemeinarztpraxis
  • F45.0 Somatisierungsstörung

2,8% der Bevölkerung (PunktP.)

  • F45.1 Undifferenzierte Somatisierungsstörung

10% der Bevölkerung (PunktP.)

  • F45.2 Hypochondrische Störung

5 - 20% der Patienten einer Allgemeinpraxis (PunktP.)

25% der Patienten psychosomatischen Klinik (PunktP.)

  • F45.3 Somatoforme autonome Störung

– Kardiovaskulär ?

– Respiratorisch ?

– Gastrointestinal 20% der Bevölkerung (PunktP.)

  • F45.4 Somatoforme Schmerzstörung

9% der Patienten einer psychiatr. Ambulanz (PunktP.)

f45 behandlungsempfehlung
F45 Behandlungsempfehlung

Primärarzt:

  • Klare Diagnosestellung
  • Validierung des Leidensdrucks des Patienten
  • Aufklärung über die Natur der Störung, erste Angebote eines psychosomatischen Krankheitsverständnisses
  • Antidepressiva, keine Neuroleptika, Cave Tranquilizer

Überweisung an Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,

wenn / bei

  • Keine Besserung nach 6 Monaten psychosomatischer Grundversorgung
  • Arbeitsunfähigkeit > 4 Wochen
  • Vorliegen einer anderen, akuten psychischen Störung
  • Primäre Psychotherapiemotivation des Patienten
f5 verhaltensauff lligkeiten mit k rperlichen st rungen und faktoren
F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren

F50 Essstörungen

F50.0 Anorexia nervosa

F50.1 Atypische Anorexia nervosa

F50.2 Bulimia nervosa

F50.3 Atypische Bulimia nervosa

F50.4 Essattacken bei anderen psychischen Störungen

F50.5 Erbrechen bei anderen psychischen Störungen

F50.8 Sonstige Essstörungen

F51 Nichtorganische Schlafstörungen

F51.0 Nichtorganische Insomnie

F51.1 Nichtorganische Hypersomnie

F51.2 Nichtorganische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus

F51.3 Schlafwandeln [Somnambulismus]

F51.4 Pavor nocturnus

F51.5 Albträume [Angstträume]

F51.8 Sonstige nichtorganische Schlafstörungen

f5 verhaltensauff lligkeiten mit k rperlichen st rungen und faktoren1
F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren

F52 Sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit

F52.0 Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen

F52.1 Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung

F52.2 Versagen genitaler Reaktionen

F52.3 Orgasmusstörung

F52.4 Ejaculatio praecox

F52.5 Nichtorganischer Vaginismus

F52.6 Nichtorganische Dyspareunie

F52.7 Gesteigertes sexuelles Verlangen

F52.8 Sonstige sexuelle Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Krankheit

F53 Psychische oder Verhaltensstörungen im Wochenbett, anderenorts nicht klassifiziert

F53.0 Leichte psychische und Verhaltensstörungen im Wochenbett, anderenorts nicht klassifiziert

F53.1 Schwere psychische und Verhaltensstörungen im Wochenbett, anderenorts nicht klassifiziert

F53.8 Sonstige psychische und Verhaltensstörungen im Wochenbett, anderenorts nicht klassifiziert

f5 verhaltensauff lligkeiten mit k rperlichen st rungen und faktoren2
F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren

F54 Psychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei anderenorts klassifizierten Krankheiten

(Asthma, Colitis ulcerosa, Dermatitis, Magenulkus, Mukomembranöse Kolitis,

Urtikaria)

F55 Schädlicher Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen

F55.0 Antidepressiva

F55.1 Laxanzien

F55.2 Analgetika

F55.3 Antazida

F55.4 Vitamine

F55.5 Steroide und Hormone

F55.6 Pflanzen oder Naturheilmittel

F55.8 Sonstige Substanzen

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F50.0 Anorexia nervosa

  • Diagnosekriterien:
  • Untergewicht (> 15% d. Normgewichts) od. BMI < 17,5
  • Gewichtsverlust selbst herbeigeführt durch: Vermeidung hochkalorischer Speisen und Selbst induziertes Erbrechen u./o. Selbst induziertes Abführen u./o. Gebrauch von Appetitzüglern oder Diuretika
  • Körperschema-Störung
  • bei Frauen: Amenorrhoe
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F50.2 Bulimia nervosa

  • Diagnosekriterien:
  • Essattacken
  • Versuche, dem dickmachenden Effekt der Nahrung entgegenzusteuern mit Maßnahmen wie bei A.n.
  • teils über-, normal- oder untergewichtig
  • überwertige Furcht, zu dick zu werden
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F50.0, F50.2 Prävalenzen

  • Überwiegend Frauen betroffen (12:1)
  • Hauptrisikoalter: 15-35 J.
  • Punktprävalenz für A.n. 0,4 - 1,5%, für B.n. 0,5 - 3%
  • Typische Risikogruppen für A.n.: Balletttänzerinnen, Models
  • Bei A.n. Mortalität im Langzeitverlauf (10-20 J.): 10-20%
  • Bei A.n. gehäufte Komorbidität mit Zwangsstörung
  • Bei B.n. oft Komorbidität mit Depression oder Sucht
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F50.0, F50.2 Therapie

  • Verhaltenstherapie
  • körperorientierte Therapieverfahren
  • bei Anorexia nervosa:
  • evtl. Familientherapie
  • evtl. atypisches Neuroleptikum (off-label)
  • bei Bulimia nervosa:
  • evtl. suchtspezifische Psychotherapie
  • evtl. Antidepressivum (off-label)
  • evtl. Appetitzügler Sibutramin (off-label)
literatur
Literatur
  • Gaebel W, Müller-Spahn F (2002) Diagnostik und Therapie psychischer Störungen. Kohlhammer, Stuttgart
  • Möller H-J, Laux G, Kapfhammer H-P (2004) Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Berlin
  • Berger M. (2003): Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie. Urban & Fischer, München
  • Hoffmann SO, Hochapfel G (1999) Neurosenlehre, psychotherapeutische und psychosomatische Medizin. Schattauer, Stuttgart
  • AWMF Leitlinien unter http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF