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Auftrag ( mandatum ). 30.4. 2012 und 2.5.2012. Übersicht. (1) Typenbeschreibung (2) Bedeutung (3) Abgrenzungen (4) Vertragsschluss (5) Pflichten des Beauftragten (6) Pflichten des Auftraggebers (7) Beendigung des Auftrags (8) Haftung für Gutachten (9) Architektenvertrag.

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Presentation Transcript
auftrag mandatum

Auftrag (mandatum)

30.4. 2012 und 2.5.2012

Prof. Dr. iur Ulrike Babusiaux

bersicht
Übersicht

(1) Typenbeschreibung

(2) Bedeutung

(3) Abgrenzungen

(4) Vertragsschluss

(5) Pflichten des Beauftragten

(6) Pflichten des Auftraggebers

(7) Beendigung des Auftrags

(8) Haftung für Gutachten

(9) Architektenvertrag

Prof. Dr. iur Ulrike Babusiaux

1 typenbeschreibung
1. Typenbeschreibung
  • Art. 394 Abs. 1 OR:
      • Geschäfte oder Dienste (rechtl. oder tatsächl.)
      • selbständige Tätigkeit
  • Art. 394 Abs. 3 OR:
      • entgeltlich oder unentgeltlich

Prof. Dr. iur Ulrike Babusiaux

Prof. Dr. iur Ulrike Babusiaux

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1. Typenbeschreibung

  • Beispiele
      • Rechtsanwalt
      • Arzt
      • Architekt

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2 bedeutung
2. Bedeutung
  • Art. 394 Abs. 2 OR = Auffangtatbestand
      • „einfacher Auftrag“ (Art. 394 ff. OR) als Grundmodell für spezielle Auftragsformen (Art. 406a-406h, Art. 407-411, Art. 412-418, Art. 418a-418v OR)

Prof. Dr. iur Ulrike Babusiaux

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3 abgrenzungen
3. Abgrenzungen
  • Auftrag  Vollmacht
  • Auftrag  Gefälligkeitsverhältnis
  • Auftrag  Werkvertrag

Prof. Dr. iur Ulrike Babusiaux

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3. Abgrenzungen

  • Vollmacht
      • Vollmacht = Einräumung einer Vertretungsbefugnis „Können“ (Art. 32 OR)
      • Auftrag = Übernahme einer Handlungspflicht „Müssen“ (Art. 394 Abs. 1 OR)
      • Beachte: Art. 396 Abs. 2 und Abs. 3 OR

Prof. Dr. iur Ulrike Babusiaux

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3 abgrenzungen1
3. Abgrenzungen
  • Gefälligkeit
      • Gefälligkeit = rechtlich nicht verpflichtende Übernahme einer Handlung des täglichen Lebens

Bspl.: Blumen giessen bei Urlaub des Nachbarn

      • Auftrag = (unentgeltlicher) Vertrag mit Rechtspflichten und vertraglichem Schadenersatz

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3 abgrenzungen2
3. Abgrenzungen
  • Kriterium: „Rechtsbindungswille“
  • „Indizienbündel“ = Umstände des Einzelfalls, insbes. Bedeutung des Geschäftes für den Auftraggeber

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3. Abgrenzungen

  • BGE 129 III 181
      • Sachverhalt:

A begibt sich zu B, um ein Kalb zu besichtigen. B bittet A, ihm bei der „Umplatzierung eines schweren Rundholzes“ zu helfen. Bei dieser Tätigkeit verletzt sich A durch Zufall schwer.

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3. Abgrenzungen

  • Vertragliche Haftung?
      • keine besondere Sachkunde des A
      • keine besonderes Interesse des B an gerade As Mitwirkung
      • keine besonderen Anweisungen B an A
      • freiwillige Hilfeleistung des A
  •  Kein Vertrag (Auftrag) zwischen A und B
  • Vertragliche Haftung?
      • keine besondere Sachkunde des A
      • keine besonderes Interesse des B an gerade As Mitwirkung
      • keine besonderen Anweisungen B an A
      • freiwillige Hilfeleistung des A

 Kein Vertrag (Auftrag) zwischen A und B

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3. Abgrenzungen

  • Art. 422 Abs. 1 OR analog?
  • BGE: „… Art. 422 Abs. 1 OR … beruht auf dem sowohl vertraglich wie ausservertraglich gültigen Prinzip, dass das Risiko schadensgeneigter, gefährlicher Tätigkeit von jenem zu tragen ist, in dessen Interesse und zu dessen Nutzen sie ausgeführt wird (…). Insoweit rechtfertigt sich auch die analoge Anwendung von Art. 422 Abs. 1 OR auf die Fälle von Gefälligkeitshandlungen ohne Rechtsbindungswillen. Die Haftung greift allerdings nur dann, wenn sich das der gefährlichen Tätigkeit immanente Risiko verwirklicht.“

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3. Abgrenzungen

  • Exkurs: Analogie
  • (1) planwidrige Regelungslücke
        • hier: keine vertragliche Haftung bei Gefälligkeiten
  • (2) vergleichbare Interessenlage
        • hier: quasi-vertragliche Risikohaftung desjenigen, in dessen Interesse gehandelt wird (keine Zufallsschäden)

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3. Abgrenzungen

  • Werkvertrag
      • Auftrag = Tätigkeit, „Wirken“, obligation de moyens
      • Werkvertrag = Erfolg, „Werk“, obligation de résultat
      • Im Einzelfall: Was wird geschuldet?

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4 vertragsschluss
4. Vertragsschluss
  • formfrei (str. für Auftrag über Grundstückskauf)
  • Annahmefiktion Art. 395 OR „Als angenommen gilt“, wenn Beauftragter
        • kraft obrigkeitlicher Bestellung (Bspl.: Verteidiger)
        • gewerbsmässig (Bspl.: Rechtsanwalt)
        • öffentlich empfohlen (Bspl.: Werbung)

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5 pflichten des beauftragten
5. Pflichten des Beauftragten
  • Vertragsgemässe Ausführung
  • Treuepflicht
  • Sorgfaltspflicht
  • Rechenschafts- und Erstattungspflicht
  • Haftung

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5. Pflichten des Beauftragten

  • Vertragsgemässe Ausführung
      • Art. 394 Abs. 1 OR
      • Vereinbarung oder Natur des Geschäftes, Art. 396 Abs. 1 OR
      • Weisungen des Auftraggebers, Art. 397 Abs. 2 OR, sind bindend

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5. Pflichten des Beauftragten

  • Treuepflicht
      • Art. 398 Abs. 2 OR
        • umfassende Interessenwahrung des Auftraggebers
        • Geheimhaltungspflicht
      • persönliche Ausführung, Art. 398 Abs. 3 OR

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5. Pflichten des Beauftragten

 Unterbeauftragung

  • unbefugt, Art. 399 Abs. OR:
    • ohne Erlaubnis = Art. 398 Abs. 3 OR
    • Haftung für Verschulden des Unterbeauftragten wie für eigenes, Art. 399 Abs. 1 OR
  • erlaubt, Art. 399 Abs. 2 OR:
    • Ausnahme: Haftung für Auswahl und Instruktion, Art. 399 Abs. 2 OR
    • Jedoch: Haftungsprivileg nicht in allen Fällen erlaubter Substitution angemessen

 Beschränkung auf die Fälle erlaubter Substitution, die ausschliesslich im Interesse des Auftraggebers erfolgt

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5. Pflichten des Beauftragten

  • BGE 112 II 347
      • Sachverhalt:

A bittet Zürcher Firma um Begutachtung einer Lampe (Gallé). Firma leitet mit Zustimmung des A Anfrage an Mutter-Firma in London weiter. Experte in London irrt sich bei Begutachtung.

 Kann sich Zürcher Firma auf Art. 399 Abs. 3 OR berufen?

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5. Pflichten des Beauftragten

  • BGE 112 II 347
      • BGer:

„Bei derart engen Beziehungen zwischen Firmen, die einander mit Diensten aushelfen, fehlt ein sachlicher Grund für die Beschränkung eigener Verantwortung gemäss Art. 399 Abs. 2 OR; unter den gegebenen Umständen liegt vielmehr nahe, dass die Beklagte für das Verhalten des Experten in London, der den Wert der Lampe offensichtlich verkannt hat, nach Art. 101 OR haftet.“

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5. Pflichten des Beauftragten

  • Sorgfaltspflicht
      • Art. 398 Abs. 1 OR  Art. 312a Abs. 1, 321e OR
        • Haftung für jedes Verschulden (wie Arbeitnehmer)
      • Besonderheiten:
        • Haftungserleichterung bei unentgeltlichem Auftrag, vgl. Art. 99 Abs. 2 OR
        • Übernahmeverschulden (imperitia culpae adnumeratur)

= Der Beauftragte darf nur einen Auftrag annehmen, dessen Anforderungen er erwartungsgemäss gewachsen ist.

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5. Pflichten des Beauftragten

  • Rechenschafts- und Erstattungspflicht
      • Art. 400 Abs. 1 OR:
        • Rechenschaft = Rechnungslegung und Information
        • Erstattung = Herausgabe des durch Auftragsausführung Erlangten

 von Dritten, z.B. Zahlungen

vom Auftraggeber, z.B. Unterlagen

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5. Pflichten des Beauftragten

  • Erstattung (Art. 401 OR)
    • Legalzession, Art. 401 Abs. 1 OR: Forderungen mittelbare Stellvertretung („für Rechnung“)
    • Aussonderung, Art. 401 Abs. 3 OR: bewegliche Sachen (nicht vermischt) mittelbare Stellvertretung („für Rechnung“)
    • Beides gilt auch im Konkurs, Art. 401 Abs. 2 OR

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5. Pflichten des Beauftragten

  • Haftung des Beauftragten
      • Schadenersatz für nicht vertragsgemässe Ausführung nach Art. 398 Abs. 2 und 1 OR(beachte Art. 100 OR)
      • Ggf. Minderung der Vergütung

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6. Pflichten des Auftraggebers

  • Vergütung, Art. 394 Abs. 3 OR
  • Auslagen- und Verwendungsersatz, Art. 402 Abs. 1 OR
  • Schadenersatz

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6. Pflichten des Auftraggebers

  • Vergütung
      • Gesetzliche Regel: unentgeltliches mandatum
      • In der Praxis: entgeltlich Art. 394 Abs. 3 OR regelmässig einschlägig

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6. Pflichten des Auftraggebers

  • Auslagen und Verwendungsersatz (Art. 402 Abs. 1 OR)
      • freiwillige Vermögensleistungen, die der Beauftragte zur Durchführung des Auftrags vernünftigerweise getätigt hat
      • Bspl: Spesen, Anschaffungskosten für Material, Rechnungskosten bei mittelbarer Stellvertretung

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6. Pflichten des Auftraggebers

  • Schadenersatz
      • Haftung für vermutetes Verschulden, Art. 402 Abs. 2 OR  Auftraggeber haftet, sofern ihm die Entlastung nicht gelingt
      • Kein Ersatz für nicht verschuldete Schäden
      • Beachte: beim unentgeltlichen Mandat gilt daneben Risikohaftung aus Art. 422 Abs. 1 OR analog!

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6. Pflichten des Auftraggebers

  • Risikohaftung (Art. 422 Abs. 2 OR analog)
    • Voraussetzung der Analogie: Verwirklichung des übernommenen Risikos
    • Nicht: Schädigung „bei Gelegenheit“

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7. Beendigung des Auftrags

  • Widerruf/Kündigung, Art. 404 Abs. 1 OR
      • beidseitig
      • jederzeit
      • grund- und fristlos
      • Rechtsfolgen:
        • Beendigung des Auftrags ex nunc
        • Teil-Vergütungsanspruch
        • evtl. Schadenersatz, Art. 404 Abs. 2 OR

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7. Beendigung des Auftrags

  • Art. 404 Abs. 1 OR zwingend!
  • BGE 115 II 464
  • Sachverhalt:

Y ist gegenüber X zur Erstellung von Jahresrechnungen, Betriebsanalysen und Entwicklung neuer Betriebsmodelle verpflichtet. Im Nov. 1984 kündigt X den Vertrag. Y beruft sich auf den Vertragswortlaut, nach dem eine Kündigung frühestens zum März 1985 möglich sei. Rechtslage?

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7. Beendigung des Auftrags

  • Leitsatz BGE 115 II 464

„Das jederzeitige Widerrufsrecht im Auftragsverhältnis ist zwingender Natur und darf vertraglich weder wegbedungen noch beschränkt werden“.

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7. Beendigung des Auftrags

  • Begründung:

„Art. 404 Abs. 1 OR bestimmt, dass der Auftrag von jedem Teil jederzeit widerrufen oder gekündigt werden kann. Die Rechtfertigung dieser Regel ist darin zu erblicken, dass der Beauftragte regelmässig eine ausgesprochene Vertrauensstellung einnimmt, es aber keinen Sinn hat, den Vertrag noch aufrechterhalten zu wollen, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien zerstört ist.“

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7. Beendigung des Auftrags

  • Nach der Rechtsprechung ist Art. 404 Abs. 1 OR auch bei typengemischten Verträgen anwendbar, soweit sie auftragsrechtliche Elemente enthalten.

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7. Beendigung des Auftrags

  • Grenzen des Kündigungsrechts
      • Schadenersatz wegen Kündigung zur Unzeit, vgl. Art. 404 Abs. 2 OR
        • Unzeit = Widerrufszeitpunkt, der die Interessen der anderen Partei verglichen mit denjenigen des Kündigenden unverhältnismässig verletzt
        • Bspl.: Mandatsniederlegung unmittelbar vor Termin zur mündlichen Verhandlung

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7. Beendigung des Auftrags

  • Höhe des Schadenersatzes
    • Art. 404 Abs. 2 OR  Negatives Interesse

= Schaden, der dem Auftraggeber dadurch entsteht, dass er auf den Fortbestand des Vertrages vertraut hat

    • Z. B. nutzlose Aufwendungen

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7. Beendigung des Auftrags

  • Erlöschen, Art. 405 Abs. 1 OR
      • Tod, Handlungsunfähigkeit, Konkurs Vermutung der Auflösung
      • Ausnahmen:
        • Abweichende Vereinbarung, z.B. Auftrag auf den Todesfall
        • Natur des Geschäftes
        • vorläufig:Interessengefährdung, Art. 405 Abs. 2 OR

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8. Haftung für Gutachten

  • Vorfrage: Werkvertrag (Art. 363 OR) oder Auftrag (Art. 394 OR)?
      • Kriterien
        • Ergebnis oder Tätigkeit geschuldet
        • Nicht: körperlich / unkörperlich
        • Vor allem: objektive Nachprüfbarkeit

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8. Haftung für Gutachten

  • Abgrenzung objektive Nachprüfbarkeit
    • rein technische Frage  objektiv überprüfbares Resultat  Werkvertrag, Art. 363 ff. OR
    • subjektive Meinung / Einschätzung  nicht objektiv prüfbar  Auftrag, Art. 394 OR

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8. Haftung für Gutachten

  •  BGE 127 III 328, 330
  • „Namentlich technische Gutachten führen regelmässig zu einem Resultat, welches nach objektiven Kriterien überprüft und als richtig oder falsch qualifiziert werden kann. Die Richtigkeit des Gutachtensergebnisses ist somit objektiv gewährleistungsfähig und kann als Erfolg versprochen werden. In Bezug auf derartige Gutachten steht der Anwendbarkeit von Werkvertragsrecht nichts entgegen. Fehlen dagegen objektive Kriterien für die Beurteilung der Richtigkeit des Gutachtensergebnisses, kann diese weder vom Gutachter gewährleistet noch vom Auftraggeber geprüft werden. (…) Der Gutachter schuldet damit nicht einen Arbeitserfolg (…), sondern nur (…) ein sorgfältiges Tätigwerden im Interesse des Vertragspartners.“

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8. Haftung für Gutachten

 BGE 127 III 328

  • Sachverhalt:

A beauftragt B für eine Erbteilung, den Wert seines Grundstücks zu schätzen. B schätzt das Grundstück auf 550.000 CHF. Die Erbteilung wird auf dieser Grundlage durchgeführt und A zahlt auch die Erbschaftssteuer entsprechend. Später kann A das Grundstück nur für 450.000 CHF veräussern.

Haftung des B?

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8. Haftung für Gutachten

  • Haftung des B:

Art. 398 Abs. OR verweist auf Art. 321e OR, der auf Art. 97 Abs. 1 OR verweist (h.M.)

  • Voraussetzungen
    • (1) Schaden
    • (2) Verletzung der Sorgfalt („Regeln der Kunst“)
    • (3) Kausalität
    • Verschulden wird vermutet (Entlastungsbeweis)

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8. Haftung für Gutachten

  • Also: Haftung des B?
    • Nur wenn Verletzung des Art. 398 Abs. 1 OR, d.h. Verstoss gegen die Sorgfaltspflicht.(Beachte: nur bei entgeltl. Auftrag)
    • Hier: Untersuchung, ob B die „Regeln der Kunst“, Usancen, übliche Berechnungswege eingehalten hat.

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9. Architektenvertrag

  • Auftragsrecht?  BGE 109 II 464
      • typengemischter Vertrag (werkvertragl. und auftragsrechtl. Elemente)
      • soweit Projektierung und Bausausführung betroffen, bes. Bedeutung des Vertrauensverhältnisses zwischen Bauherr und Architekt, sodass Auftragsrecht (Art. 404 OR) anwendbar

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9. Architektenvertrag

  • Haftung des Architekten
      • Gewährleistungsrecht des Werkvertrags für Planungsfehler (Art. 368 OR)
      • Schadenersatz, wenn unsorgfältige Bauaufsicht (Art. 97 OR i. V. m. Art. 398 Abs. 1 OR)

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Zusammenfassung Auftrag

  • Art. 394 Abs. 2 OR
  • Art. 422 Abs. 1 OR analog bei unentgeltlichem Auftrag
  • Pflichten von Auftraggeber und Beauftragten
  • Substitution
  • Haftung für Gutachten

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