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Gliederung:. 01. Einführung 02. Das Ziel der Vollbeschäftigung 03. Das Ziel der Geldwertstabilität 04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums 05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik

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  1. Gliederung: 01. Einführung 02. Das Ziel der Vollbeschäftigung 03. Das Ziel der Geldwertstabilität 04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums 05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik 06. Die theoretischen Grundlagen der Stabilisierungspolitik 07. Die theoretischen Grundlagen der Wachstumspolitik 08. Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel 09. Die finanzpolitischen Mittel 10. Die einkommenspolitischen Mittel 11. Institutionelle Maßnahmen 12. Die Träger der Konjunktur- und Wachstumspolitik

  2. Kapitel IX: Die finanzpolitischen Mittel der Konjunktur- und WachstumspolitikFortsetzung

  3. Gliederung: 01. Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik 02. Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur? 03. Built-in flexibility versus autonome Konjunkturpolitik 04. Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik 05. Deficit (without) spending, spending without deficit 06. Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits 07. Zur Problematik der Staatsverschuldung

  4. Gliederung: 01. Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik 02. Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur? 03. Built-in flexibility versus autonome Konjunkturpolitik 04. Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik 05. Deficit (without) spending, spending without deficit 06. Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits 07. Zur Problematik der Staatsverschuldung

  5. Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom deficit without spending und vom spending without deficit ? (1) • Im Rahmen der fiskalpolitischen Beschäftigungspolitik werden drei Instrumente unterschieden: • Das deficit spending, bei dem das Budgetdefizit dadurch erzielt wird, dass die Ausgaben bei gleichbleibenden Steu-ereinnahmen erhöht werden, • das deficit without spending, bei dem das Budgetdefizit durch Steuersenkungen bei gleichbleibendem Staatsaus-gabenniveau realisiert wird und • das spending without deficit, bei dem Ausgaben und Steuereinnahmen um den gleichen Betrag erhöht werden. • Dem spending without deficit liegt das Haavelmo-Theo-rem zugrunde, wonach auch bei ausgeglichenem Budget eine Vergrößerung des Budgets expansive Effekte auslöst.

  6. Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom deficit without spending und vom spending without deficit ? (2) • 1. Frage nach der unterschiedlichen quantitativen Effizienz: • Die einzelnen Instrumenten der Fiskalpolitik unterschei-den sich erstens im Umfang der Auswirkungen auf Ein-kommen und Beschäftigung. • Vom deficit spending gehen die stärksten Auswirkungen aus, der Multiplikator entspricht hier dem reziproken Wert der Stillegungsquote. • Vom deficit without spending gehen gegenüber dem defi-cit spending etwas geringere Wirkungen aus, da hier in der ersten Periode nur das verfügbare Einkommen und nicht das Inlandsprodukt wie beim deficit spending an-steigt. • Beim spending without deficit ist der Multiplikatoreffekt am geringsten. Er beträgt gerade eins.

  7. Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom deficit without spending und vom spending without deficit ? (3) Deficit spending: Y: Einkommen Def: Budgetdefizit s: Sparquote t: Steuersatz G: Staatsausgaben T: Steuereinnahmen Deficit without spending: Spending without deficit:

  8. Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom deficit without spending und vom spending without deficit ? (4) 2. Frage nach der politischen Realisierbarkeit: Nicht alle Strategien sind in gleicher Weise politisch reali-sierbar.  So können Gehälter nicht kurzfristig gekürzt werden. 3. Frage nach den Sekundärwirkungen Kürzungen von Investitionsausgaben wirken sich negativ auf das wirtschaftliche Wachstum aus.

  9. Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom deficit without spending und vom spending without deficit ? (5) • Ausgangspunkt sei ein einfaches Keynes-Modell mit der In-vestition (I) und den Staatsausgaben (G) auf der einen und mit der Ersparnis (S) und den Steuereinnahmen (T) auf der anderen Seite auf der Ordinate. Auf der Abszisse werde das Inlandsprodukt (Y) abgetragen. • Die Staatsausgaben werden um einen bestimmten Betrag ΔG erhöht, was zu einer Verschiebung der IG-Kurve nach oben führt. • Gleichzeitig steigen die Steuereinnahmen (ΔT) um den gleichen Betrag.

  10. Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom deficit without spending und vom spending without deficit ? (6) • Da nun in unserem Diagramm die Ersparnis in Abhängigkeit des Inlandsproduktes Y abgetragen wird, • aber die Sparquote vom privat verfügbaren Einkommen ab-hängt, gilt es zusätzlich zu berücksichtigen, • dass bei einer Steuererhöhung die Sparquote bezogen auf das Inlandsprodukt verringert wird, • obwohl annahmegemäß die Sparquote bezogen auf das pri-vat verfügbare Einkommen konstant bleibt. • Die Sparquote bezogen auf das Inlandsprodukt sinkt bei ge-stiegenen Steuereinnahmen, da eine Steuererhöhung bedeutet, dass bei gleichem Inlandsprodukt das privat verfügbare Einkommen zurückgeht.

  11. Frage 5: Wie unterscheiden sich das deficit spending vom deficit without spending und vom spending without deficit ? (7) • Bringen wir ein Beispiel: • Das Inlandsprodukt betrage 100, die Sparquote bezogen auf das privat verfügbare Einkommen sei 10% und zunächst würden keine Einkommensteuern erhoben. • Im Ausgangspunkt beträgt die Ersparnis somit 10, da das In-landsprodukt und das privat verfügbares Einkommen zu-sammenfallen. • Nun werde eine Steuer von 50 erhoben, mit der Folge, dass das privat verfügbare Einkommen auf 50 absinkt. • Die 10%ige Sparquote bezogen auf das privat verfügbare Einkommen ergibt eine Ersparnis von 5. • Dies sind bezogen auf das Inlandsprodukt nur noch 5% (5 von 100).

  12. Haavelmo-Theorem S 1 + T 1 S,I S 0 + T 0 S 0 + T 1  G=  T I + G Def.: s Y = s prv * ( 1-t ) da s prv = const. Þ wenn t steigt dann sinkt s Y Y  T

  13. Fazit: (5a) • Die Forderung, der Staat solle das Nachfragedefizit der privaten Wirtschaft durch einen Nachfrageüberschuss von Seiten des Staa-tes kompensieren, lässt sich auf unterschiedliche Weise realisie-ren. • Drei Möglichkeiten wurden diskutiert: • Deficit spending: Der Staat erhöht die Ausgaben, ohne die Steuer-einnahmen anzuheben. • Deficit without spending: Ein Nachfrageüberschuss kann auch dadurch erzielt werden, dass der Staat die Steuereinnahmen bei gleichbleibendem Staatsausgabenvolumen senkt. • Spending without deficit: Im ersten Abschnitt dieses Kapitels hatten wir bereits gesehen, dass auch von einer Erweiterung eines ausgeglichenen Budgets expansive Effekte ausgehen.

  14. Fazit: (5b) • Für welche dieser 3 Arten der kompensatorischen Fiskalpolitik sich der Staat entscheidet, hängt vor allem von drei Fragen ab: • Wie unterscheiden sich die einzelnen Maßnahmen in ihrer quan-titativen Effizienz voneinander? • Welche Maßnahmen lassen sich politisch besser realisieren? • Welche unterschiedlichen Sekundärwirkungen gehen von den einzelnen Maßnahmen aus? • Beschränkt man sich auf die Frage der Effizienz, so weist das deficit spending den höchsten und das spending without defict den geringsten Multiplikator auf.

  15. Gliederung: 01. Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik 02. Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur? 03. Built-in flexibility versus autonome Konjunkturpolitik 04. Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik 05. Deficit (without) spending, spending without deficit 06. Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits 07. Zur Problematik der Staatsverschuldung

  16. Frage 6: Auf welche Weise kann ein Defizit finanziert werden ? (1) • Ein Defizit des Staatsbudgets kann auf dreierlei Weise finanziert werden: • Entweder werden die durch Steuereinnahmen nicht gedeck-ten Staatsausgaben aus einem Überschuss der vorhergehen-den Perioden gedeckt • oder aber der Staat erhält die notwendigen Mittel dadurch, dass er auf dem Kapitalmarkt Schuldverschreibungen an-bietet • oder schließlich wird das Defizit über einen Kredit bei der Notenbank finanziert, • wobei auf diese Weise die umlaufende Geldmenge ausgewei-tet wird.

  17. Frage 6: Auf welche Weise kann ein Defizit finanziert werden ? (2) • Nicht immer führt ein Defizit des Staatsbudgets zu einer Mehrnachfrage im Umfang des Defizites. • Man spricht hierbei vom Problem des crowding out: • Die Nachfragesteigerung des Staates kann teilweise da-durch kompensiert werden, dass die private Investitions-nachfrage aufgrund von Zinssteigerungen zurückgeht. • Die Zinssteigerung wird dadurch ausgelöst, dass der Staat als Nachfrager auf dem Kapitalmarkt auftritt. • Nachfragesteigerungen führen bei gleichbleibendem An-gebot ganz allgemein zu Preissteigerungen, • auf dem Kapitalmarkt also zu Zinssteigerungen. • Es gilt also folgende Gleichung: • ( G - T )   i   I 

  18. Frage 6: Auf welche Weise kann ein Defizit finanziert werden ? (3) • Mit einem crowding out ist also vor allem dann zu rechnen, wenn auf der eine Seite der Staat das Budgetdefizit über Ka-pitalmarktmittel finanziert, • und wenn auf der anderen Seite die Investitionen auf Zinsän-derungen elastisch reagieren. • Keynesianer empfehlen, die Budgetdefizite durch Noten-bankkredite (also durch Geldschöpfung) zu finanzieren • und waren der Auffassung, dass die Investionen zinsunela-stisch seien. • Eine Finanzierung des Budgetdefizites durch Notenbankkre-dite ist allerdings durch das Grundgesetz der BRD verboten. • Im Hinblick auf die Zinselastizität der Investitionen muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass zwar sinkende Zinsen keine Investitionszunahme auslösen, • dass aber bei steigenden Zinsen sehr wohl die Investitions-nachfrage zurückgeht.

  19. Fazit: (6a) • Im Rahmen der fiskalpolitischen Diskussion wurde die Frage er-örtert, auf welche Weise das Defizit des Staates finanziert werden soll. Folgende Finanzierungsarten lassen sich unterscheiden: • Finanzierung aus einem vorher angesammelten Überschuss, • Finanzierung durch Kapitalmarktmittel, • Finanzierung durch Aufnahme eines Kredites bei gleichzeitiger Geldschöpfung. • Laut Grundgesetz dürfen außerordentliche Staatsausgaben aller-dings allenfalls vorübergehend durch Kredite bei der Notenbank abgedeckt werden.

  20. Fazit: (6b) • Die Entscheidung zugunsten der einen oder der anderen Finan-zierungsart hängt wiederum von der Beantwortung der Frage ab, in welcher Weise diese Instrumente als effizient gelten können, • wie sich diese einzelnen Finanzierungsarten politisch durchsetzen lassen (ob z. B. eine Finanzierung durch Notenbankkredite von der Verfassung ausgeschlossen wird) • und welche Nebenwirkungen u. U. von den einzelnen Instrumen-ten ausgehen.

  21. Fazit: (6c) • Eine Minderung der Effizienz tritt bei einer Finanzierung aus Kapitalmarktmitteln ein, da sich die Tatsache, dass der Staat als Nachfrager auf dem Kapitalmarkt auftritt, zinssteigernd aus-wirkt und • da die Zinssteigerung zu einer Verringerung der effektiven Nach-frage (Investition) führt. • Sofern in Zeiten der Rezession und Depression die Liquiditäts-präferenz hoch und die Zinselastizität der Nachfrage gering ist, kommt diesen Effizienzminderungen allerdings nur eine unter-geordnete Bedeutung zu.

  22. Gliederung: 01. Neutrale Finanzpolitik versus Fiskalpolitik 02. Genügt eine Ankurbelung der Konjunktur? 03. Built-in flexibility versus autonome Konjunkturpolitik 04. Antizyklische versus kompensatorische Finanzpolitik 05. Deficit (without) spending, spending without deficit 06. Die unterschiedlichen Finanzierungsarten des Defizits 07. Zur Problematik der Staatsverschuldung

  23. Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (1) • Eine Staatsverschuldung wird aus sehr unterschiedlichen Gründen oftmals abgelehnt. • So wird bisweilen die Forderung erhoben, dass sich der Staat wie ein privater Haushalt zu verhalten habe. • Für private Haushalte gelte aber, dass eine langfristige Verschuldung unerwünscht sei. • Eine langfristige Verschuldung eines privaten Haushaltes gehe immer auf Kosten Dritter. • Dieses Prinzip ist jedoch nicht auf den Staat anwendbar, da hier eine Verschuldung bei sich selbst und nicht bei Dritten vorliegt.

  24. Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (2) • Weiterhin wird davon gesprochen, dass eine Staatsverschul-dung verfassungswidrig sei. • Aber nur bestimmte Formen der Verschuldung waren bis vor kurzem grundgesetzwidrig. • So durfte z. B. die Verschuldung nicht den Investitions-umfang übersteigen. • Auch durfte ein Budgetdefizit nicht mit Notenbankkredi-ten finanziert werden. • Vor kurzem wurde das Grundgesetz daraufhin geändert, dass nur noch in Ausnahmefällen ein Defizit der Staats-haushalte erlaubt ist. (sogenannte Schuldenbremse). • Leider berücksichtigt diese Bestimmung zu wenig, dass in Abschwungsphasen eine prozyklische Politik den Ab-schwung verschärft und dass deshalb eine vorübergehen-de Verschuldung erwünscht ist • und dass darüber hinaus nur konsumtive Ausgaben die zukünftigen Generationen belasten.

  25. Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (3) • Eine Staatsverschuldung kann drittens abgelehnt werden, weil nur bei einem ausgeglichenen Budget die Politiker einer ausreichenden Kontrolle durch die Bürger unterworfen wer-den. • Ausgabensteigerungen bringen Wählerstimmen, Steuer-erhöhungen kosten Wählerstimmen. • Nur bei ausgeglichenem Budget ist gewährleistet, dass Ausgabensteigerungen nur dann durchgeführt werden, wenn die Wähler bereit sind, die dadurch entstehenden Kosten in Form von Steuererhöhungen zu tragen. • Bei einer defizitären Finanzierung der Staatsausgaben müssen zwar die dadurch entstehenden Kosten ebenfalls in Form von Preissteigerungen vom Bürger getragen wer-den, • der Zusammenhang zwischen Budgetdefizit und Inflation wird jedoch vom Wähler zumeist nicht gesehen.

  26. Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (4) • Eine Staatsverschuldung wird viertens auch wegen ihrer in-flationären Wirkung abgelehnt. • Im Allgemeinen führt eine Steigerung des Inlandspro-duktes sowohl zu Preis- wie Mengensteigerungen. • ( G - T )  Y  = ( P * X )  (beide variabel) • Die Keynesianer gehen zwar davon aus, dass bei Unterbe-schäftigung Nachfragesteigerungen vorwiegend einen Zu-wachs in der Menge und nicht im Preis auslösen. • Je mehr wir uns aber der Vollbeschäftigung nähern, um so mehr verpuffen die Nachfragesteigerungen in Preis-steigerungen, • da auf zahlreichen Märkten bereits Knappheitserschei-nungen auftreten, lange bevor auf allen Märkten Vollbe-schäftigung erreicht wurde.

  27. Frage 7: Wie ist eine Staatsverschuldung zu bewerten ? (5) • Eine Staatsverschuldung wird oftmals fünftens auch deshalb abgelehnt, weil mit der Zunahme des Budgetdefizites der An-teil der unproduktiven Transfereinkommen am Gesamtein-kommen ansteigt. • Nur eine Anlage der Ersparnisse in Risikokapital führt zu Produktivitätssteigerungen. • Dieser Produktivitätszuwachs bleibt bei der zumeist kon-sumtiven Verwendung der Staatsverschuldung aus. • Also dürfte bei hoher anhaltender Staatsverschuldung die Wachstumsrate des Inlandsproduktes zurückgehen. • Sechstens schließlich wird eine Staatsverschuldung abge-lehnt, da hier eine Bereicherung der gegenwärtigen Genera-tion auf Kosten der zukünftigen Generationen stattfinde.

  28. SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (1) Gegenwart: ( G - T)  beabsichtigte Wirkung: Y  mögliche Wirkung: i   I  Þ Y¯ In der Gegenwart kann die beabsichtigte Steigerung des Inlands-produktes zumindest zum Teil dadurch vereitelt werden, dass die Kreditaufnahme des Staates zur Finanzierung des Defizites zur Zinssteigerung und diese zu einem Rückgang in der privaten Investitionsnachfrage führt.

  29. SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (2) Zukunft: Tilgung notwendige Folge: T   E pr  ? Wenn in der Zukunft die heute eingegangenen Schulden zurück-gezahlt werden, sind hierzu Steuererhöhungen notwendig, welche das privat verfügbare Einkommen der zukünftigen Genera-tion verringern.

  30. SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (3) Kritik: Bezogen auf das Gesamtvermögen der zukünftigen Bevölkerung fin-det kein Vermögensverlust statt, da die zusätzlichen Steuern voll an die Besitzer der Schuldtitel zurückfließen. Ein Teil der zukünftigen Bevölkerung wird zwar durch die Steuer-erhöhung belastet, der Vermögensstatus des Staates wird hingegen dadurch verbessert, dass er seine Schulden vermindert, die Vermögensposition der Gläubiger bleibt schließlich gleich, da lediglich an die Stelle von Forderungen an den Staat Geldvermögen tritt.

  31. SCHULDEN ALS GENERATIONENPROBLEM (4) Gegenkritik: Diese Kritik würde nur dann gelten, wenn aufgrund der Staatsver-schuldung in der Gegenwart keinerlei negative Auswirkungen auf das Wachstum der Volkswirtschaft zu befürchten wären. Wird nämlich aufgrund der Staatsverschuldung die Wachstumsrate des Inlandsproduktes reduziert, ist das Inlandsprodukt der zukünf-tigen Generation vermindert. Eine Verminderung der Wachstumsrate des Inlandsproduktes muss einmal aufgrund des oben dargestellten crowding-out befürchtet werden. Zum anderen muss befürchtet werden, dass bei einer Staatsver-schuldung der Anteil des Risikokapitals zurückgeht. In diesem Falle dürfte jedoch die Produktivität und damit die Wachstumsrate ebenfalls zurückgehen, da nur bei risikobehafteten Investitionen mit Produktivitässteigerungen zu rechnen ist.

  32. Fazit: (7a) • Unabhängig von der Frage, inwieweit eine defizitäre Fiskalpo-litik zu der erwünschten Konjunkturbelebung und Steigerung des Beschäftigungsgrades führt, begegnete die konjunkturpolitisch motivierte Forderung nach einer Verschuldung des Staates einer Vielzahl von Einwänden: • Genauso wie ein privater Haushalt dürfe sich auch der Staat als öffentlicher Haushalt nicht verschulden. • Diese Argumentation überzeugt jedoch nicht, da sich ein privater Haushalt stets bei einem andern Haushalt verschuldet, während der Staat als Vertreter des Volkes sich bei der Bevölkerung, also bei sich selbst, verschuldet. • Der Forderung nach einer defizitären Konjunkturpolitik habe bis vor kurzem die Verfassungsvorschrift entgegen gestanden, dass das Budget des Staates ausgeglichen sein müsse.

  33. Fazit: (7b) • Heute sieht das Grundgesetz mit der sogenannten Schulden-bremse vor, dass der Staat nur noch in Ausnahmesituationen Ausgaben defizitär finanzieren darf. • Unabhängig davon, welche Auslegung die Forderung nach aus-geglichenem Budget im Verfassungsrecht erhalte, werde ein aus-geglichenes Budget gefordert, da nur auf diese Weise die Politi-ker einer echten politischen Kontrolle unterlägen. • Bei einer Verschuldung des Staates bereichere sich die gegen-wärtige Generation auf Kosten der zukünftigen. • Eine Benachteiligung der zukünftigen Generationen ist allerdings nur dann zu erwarten, wenn aufgrund falscher incentives (z. B. durch gleiche Zinserträge für risikoarme Staatspapiere wie für risikoreiche Aktien) das wirtschaftliche Wachstum vermindert wird.

  34. Fragen zu Kapitel 9b: (1) 01. Welche drei Instrumente einer Defizitpolitik unterscheidet man? 02. Welches dieser drei Instrumente hat den größten multiplikativen Effekt? 03. Nach welchen drei Kriterien sollte entschieden werden, welches dieser drei Instrumente der Defizitpolitik gewählt wird? 04. Mit welchem Theorem lässt sich erklären, dass auch von einem ausgeglichenen Budget expansive Wirkungen ausgehen? 05. Mit welchen drei Arten kann ein Defizit finanziert werden? 06. Welches dieser drei Finanzierungsinstrumenten galt in der BRD bis vor kurzem als verfassungswidrig? 07. Was versteht man unter einem crowding out im Zusammenhang mit der Fiskalpolitik? 08. Warum gehen Keynesianer davon aus, dass mit keinem crow-ding out der staatlichen Fiskalpolitik zu rechnen ist?

  35. Fragen zu Kapitel 9b: (2) 09. Warum gehen die Neoklassiker von der Annahme aus, dass ein Budgetdefizit die Investitionsnachfrage vermindert? 10. Warum lässt sich eine Ablehnung der Staatsverschuldung nicht damit rechtfertigen, dass auch für private Haushalte eine lang-fristige Verschuldung unerwünscht ist? 11. Inwiefern verhindert das Zulassen einer Staatsverschuldung eine effiziente demokratische Kontrolle der Politiker? 12. Unter welchen Voraussetzungen kann eine staatliche Verschul-dung die zukünftigen Generation belasten?

  36. Antworten zu Kapitel 9b: (1) 01. Innerhalb der Defizitpolitik unterscheidet man zwischen einem deficitspending, einem deficitwithoutspending und einem spen-ding withoutdeficit. 02. Das Instrument des deficitspendings hat den größten Multipli-kator. 03. Die Entscheidung zugunsten eines dieser drei Instrumente sollte anhand der Frage nach der Effizienz, den möglichen Sekundär-wirkungen sowie der politischen Realisierbarkeit entschieden werden. 04. Mit Hilfe des Haavelmo-Theorems lässt sich der expansive Ef-fekt eines ausgeglichenen Budgets erklären. 05. Ein Defizit kann aus bisherigen Überschüssen, durch Auflegung von Staatspapieren sowie durch Notenbankkredite finanziert werden.

  37. Antworten zu Kapitel 9b: (2) 06. Das Grundgesetz verbat bisher, ein Budgetdefizit über Noten-bankkredite langfristig zu finanzieren. 07. Im Zusammenhang mit der Fiskalpolitik versteht man unter crowding out die Tatsache, dass eine staatliche Defizitpolitik zu einer Reduzierung der privaten Nachfrage führt. 08. Keynesianer empfehlen auf der einen Seite das Budgetdefizit mit Hilfe von Notenbankkrediten und damit mit Geldschöpfung zu finanzieren. Auf der anderen Seite gehen sie davon aus, dass die Investitionsnachfrage nicht auf mögliche Zinssteigerungen rea-giert. 09. Nach Auffassung der Neoklassiker ist mindestens ein Teil der Investitionsnachfrage zinsabhängig, nämlich die langfristigen Investitionen im Bausektor, sowie die Rationalisierungsinvesti-tionen.

  38. Antworten zu Kapitel 9b: (3) 10. Der Hinweis auf eine Unerwünschtheit einer privaten Verschul-dung kann nicht als Rechtfertigung einer Gegnerschaft einer staatlichen Verschuldung gelten, da eine Staatsverschuldung eine Verschuldung der Volksgemeinschaft bei sich selbst dar-stellt. 11. Nur dann, wenn die Wähler erfahren, welche Verminderung ihres privat verfügbaren Einkommens durch eine Erhöhung der Steuern aufgrund von Steigerungen in den Staatsausgaben zu erwarten ist, können sich die Wähler jeweils für die Politiker entscheiden, welche ihren Nutzen maximieren. 12. Eine Belastung der zukünftigen Generation aufgrund einer staat-lichen Verschuldung ist immer dann zu befürchten, wenn im Zuge einer staatlichen Verschuldung Anreize geschaffen wer-den, Investitionen für weniger produktive Aktivitäten einzu-setzen.

  39. Ende

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