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Beitrag zur Tagung: Wie gefährlich ist Segregation in den Städten?

Beitrag zur Tagung: Wie gefährlich ist Segregation in den Städten? Ghettoisierung durch Moscheebau? Das Projekt Wohnpark Dortmund Grimmelsiepen Universität Bielefeld, Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung 29.9. - 1.10.04. Dipl.-Ing. Ivonne Fischer. Gliederung

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Beitrag zur Tagung: Wie gefährlich ist Segregation in den Städten?

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Presentation Transcript


  1. Beitrag zur Tagung: Wie gefährlich ist Segregation in den Städten? Ghettoisierung durch Moscheebau? Das Projekt Wohnpark Dortmund Grimmelsiepen Universität Bielefeld, Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung 29.9. - 1.10.04 Dipl.-Ing. Ivonne Fischer

  2. Gliederung • 1. Dortmund, Hörde - Moscheen, Zuwanderer • 2. Das Projekt • 3. Der Konflikt • 4. Argumente zum Projekt • 5. Ausblick: Integration versus Segregation Dipl.-Ing. Ivonne Fischer 1

  3. 1. Dortmund, Hörde – Moscheen , Zuwanderer • - Statistik und mehr • - Lage in der Stadt • - Geschichte des Industriestandortes Hörde • - Zukunft des Stadtteils: Großprojekt Phönix • - Nachbarschaften Dipl.-Ing. Ivonne Fischer 2

  4. Statistik und mehr EinwohnerInnen, deutsche und Ausländer nach Pass 2003 Einwohner 588 994 davon and. Staatsbürgerschaft (Ausländ.) 78 902 = 13,4% davon mit türkischem Pass 29 603 = 37,5% u. 5,0 % von gesamt Do davon EU 13.395 = 17,1% u. 2,3% von gesamt Do Einwohner Stadtteil Hörde 35.000 davon andere Staatsbürgerschaft (Ausländer) davon Türkischer Herkunft (meist. Deutsch. Pass) 2.200 = 6,3% (Sog.) Moscheen in Dortmund: etwa 33 davon in Hörde 1 (DITIB) 3

  5. Dortmund Hörde - Lage in der Stadt 4

  6. Hörde - Das langsame Ende eines Standortes der Schwerindustrie 1839 Gründung des 1. Eisenwerkes (neben Kohle und Brauereiwesen) 1855 4 Hochöfen in Betrieb 1. Weltkrieg ‚Waffenschmiede Hermannshütte 1928 Eingemeindung Dortmund 2. Weltkrieg Waffenschmiede dann Wiederaufbau Krupp kauft sich ein 1997 Krupp Fusion 28. 4. 2001 letzter Abstich Hoesch Beschäftigte von 1970 60.000 auf 6.000 in 2001 1991 1997 5

  7. Zukunft des Stadtteils: Großprojekte 6

  8. Und die sonstigen Nachbarschaften Hier wohnen zumeist diejenigen türkischer Herkunft Großsiedlung Clarenberg , Hier wohnen ca. 3200 Menschen, davon ca. 1/3 aus Osteuropa Zechensiedlung Steinkühlerweg Ausfallstraße Hermannstraße 7

  9. 2. Das Projekt • - Entstehungsgeschichte • - Aspekte des Projekts Dipl.-Ing. Ivonne Fischer 8

  10. Entstehungsgeschichte Der Türkisch Islamische Kulturverein Dortmund Hörde sucht seit langem eine Alternative zu dem bestehenden Standort in der Hermannstraße. Die Bezirksvertretung Hörde hat diesen Wunsch verstanden, doch alternative Standorte fanden sich nicht. Im Oktober 2002 wurde ein Grundstück angeboten, das im BB seit Jahren als Wohngebiet ausgewiesen aber nicht verkauft worden war: für verdichtetes Wohnen gegenüber der Groß- siedlung Clarenberg – bisher als Grünfläche genutzt, mit der Option nicht nur ein Kulturzentrum mit Moscheen zu errichten, sondern auch Wohnen darauf zu planen. Am 6. Februar wurde durch Ratsbeschluss dem Verein eingeräumt seinen Entwurf zu optimieren und die Verwaltung aufgefordert, nur noch mit dem Verein über den Ankauf zu verhandeln. Am 9. Oktober 2003 in Folge aller Empfehlungen in den Ausschüssen, Beiräten, Kommissionen und der Bezirksverwaltungsstelle beschlossen, dass das Baugelände ‚Am Grimmelsiepen‘ in Hörde für den Verein reserviert wird und darüber eine Vertrag abgeschlossen werden soll. Im November 2003 wurde ein Reservierungsvertrag abgeschlossen mit der Festlegung, dass für die Bebauung ein Planänderungsverfahren eingeleitet werden muss. Der alte ‚Hinterhof‘ ‚Am Grimmelsiepen‘ 9

  11. Das Projekt: Die Idee Schaffung eines würdigen Ortes für die musl. Gemeinde Schaffung eines Raumes für kulturelle, geistige und Sportliche Aktivitäten und interkulturellen Austausch Schaffung betreuten Wohnens für die Alten Mitglieder Angebote für Eigenheimerwerb, gut und günstig Zielgruppe sind v.a. die Bürger türkischer Abstammung, Der Verein erfreut sich guter Presse und informiert Drei Teilbereiche auf 3 ha: a. ‚Wohnpark Grimmelsiepen‘ mit 54 Wohneinheiten (20 Reihen- und 34 Doppelhaushälften) b. Betreutes Wohnen für 24 ältere oder behinderte Menschen als Brücke zum und Teil des c. Türkischen Gemeindezentrums auf ca 900 qm mit Kita, Bibliothek, Senioren-, Frauen- und Kindertreff, Kantine, Teestube, Vereinsverwaltung, ein 350 qm großer Mehrzwecksaal, und Moschee mit Minarett Rahmenplan B-Plan 10

  12. 3. Der Konflikt • - Phasen • - Argumente • - Akteure Dipl.-Ing. Ivonne Fischer 11

  13. Phasen des Konflikts - September 2002 bringen Politik und Verwaltung Grimmelsiepen als Standort für die Hörder islamische Gemeinde ins Gespräch Januar 2003 wirft die CDU in der Dortmunder Nordstadt BV das Thema ‚Hinterhofmoscheen‘ auf und verlangt eine Generaldebatte, der Planungsdezernent will das Thema Moscheestandorte zur ‚Chefsache‘ machen - Am 12. März 2003 wird das Projekt Grimmelsiepen erstmals öffentlich vorgestellt – die Bezirksvertreter und der CDU Fraktionschef sprechen sich dafür aus unter dem Motto: Die ‚Hörder Muslime sind integrationswillig und beteiligen sich am sozialen und kulturellen Leben vor Ort. - Am 19. März 2003 bringt der CDU Ratsfraktionsvorsitzende aus der nicht öffentlichen letzten Ratssitzung das Thema Grimmelsiepen in die Presse mit dem Vorwurf, das ‚Filet-Areal‘ sei dem Verein ‚zugekungelt‘ worden und will dies juristisch prüfen lassen. - Am 15. Juni 2003 informiert die Orts-SPD über das Projekt: ‚die Bedenken im Publikum waren groß‘ – so die Presse, SPD, Grüne, Bezirks-CDU und die Kirchen unterstützen das Projekt 12

  14. Am 4.Juli gründet sich eine Bürgerinitiative: das Projekt führe zu ‚einer ethnisch monokulturellen Gettosiedlung‘, man ruft auf, das Planverfahren zu nutzen für eine Ablehnung - Am 9. Oktober 2003 stimmt der Rat dem Plan gegen die Stimmen der CDU zu – BI und CDU drohen, das Thema in die kommenden Wahlen zu ziehen - 2004 ist geprägt durch Aussetzen des Plan-Verfahrens bis nach den Wahlen im September, - Der Ende 2003 gegründete ‚Runde Tisch‘ hält mehrere Infoveranstaltungen ab - Kurz vor den Wahlen wirft die Rats CDU noch einmal einen Sonderflyer in die Öffentlichkeit, zwei nationale Demonstrationen der Neonazis werden genehmigt – Stadtspitze, Gewerkschaften, Kirchen, Schulen und andere Vereine führen die Gegendemos in Hörde an. 13

  15. Die zentralen Argumente der Gegner (angelehnt an Thomas Schmitt: Moscheen in Deutschland, Flensburg 2003) Raum bezogene, städtebauliche: Ghettobildung Parkplatzprobleme bei größeren Festen Lärmbelästigung durch Muezzinruf (Ezan) Störung des Stadtbildes durch fremde Bauelemente Entwertung der Nachbargrundstücke, der Wohnumfeldverbesserung in der Großsiedlung Clarenberg Verlust einer Grünfläche Filz bei der Grundstücksvergabe 14

  16. Ethnisch-kulturelle Isolation statt Integration Gegen türkische Unterwanderung Ängste vor der anderen Kultur Nachbarschaftskonflikte sind programmiert Kriminalität nimmt zu Religiöse Radikale islamische Gruppen könnten den Verein unterwandern Generelles Mißtrauen gegenüber dem Islam Muezzinruf über einem christlicher Friedhof sind undenkbar 15

  17. Akteure und ihre Positionen Der Verein – DITIB – und sein Architekt: Argumente für das Projekt als Integrations- und Dialogort, Akzeptanzwunsch, Wohnwünsche Die Verwaltung: geht vom Grundgesetz und dem Grundrecht aus und moderiert die städtebaulichen Fragen positiv Die Politik: Lokal stehen alle hinter dem Projekt, aber besonders der CDU- Ortsvorsteher ist entschiedene Befürworter von Anfang an Die Ratsfraktionen: die CDU nimmt das Thema in den Wahlkampf mit v.a.‚raumplanerischen Argumenten‘, das geht bei den Wahlen aber nicht auf die SPD und die Grünen stehen hinter dem Projekt, die SPD noch mehr im Sinne ‚political correctness‘, sobald der Gegenwind pfeift, wird wie mit der Verwaltung Grundgesetz-formal argumentiert, sich aber hinter dem Raumordnungsverfahren ‚versteckt‘, also BB und Verschiebung 16

  18. Die Bürgerinitiative – wird angeführt durch einen Anhänger der Schillpartei und DVU. die CDU versucht anfangs dort Wähler zu ‚fischen‘, aber schließlich beteiligt sich Herr H. im Wahlkampf an der Liste D, und versucht offensichtlich über das Projekt Grimmelsiepen eine politische Karriere aufzubauen - und scheitert; Argumente reichen von städtebaulichen bis zu fremdenfeindlichen. 17

  19. 4. Argumente für das Projekt • - Ethnisch-kulturell: Anerkennung • - Religiös: Normalisierung • - Räumlich: Lösung von Wohnungsproblemen und städtebaulichem Mißstand Dipl.-Ing. Ivonne Fischer 18

  20. Anerkennung des Anderen, der Minderheit Nach über 30 Jahren Teilhabe am gesellschaftlichen Prozess, als Arbeitskraft, als Eltern, Schüler, Mitbewohner und Nachbarn wird Anerkennung vermisst – Anerkennung hat wesentliche Bedeutung für den Integrationsprozess und dafür sind die Mit-Gestaltung des Raumes und auch Symbole ein Mittel: eine türkisch geprägte Wohnsiedlung und auch eine Moschee könnte so etwas darstellen Normalisierung des Religionsalltag von Muslimen Trotz der internationalen Islamhysterie oder gerade ihretwegen ist eine Normalisierung der Debatte um den Islam und die Akzeptanz von Muslimen in Europa geboten – das erfordert Dialog und Vermittlung von Kenntnissen: die türkische Gemeinde in Hörder verhält sich normal und integriert, wenn sie ihr Recht auf ein gleichwertiges und ‚würdiges‘ Religionsgebäude einklagt und den Dialog anbietet, darüber hinaus soziale und kulturelle Arbeit leistet 19

  21. Lösung von Wohnungsproblemen und städtebaulichem Mißstand Nach über 30 Jahren leben v.a. die türkischen Migrantenfamilien noch immer in den schlechten Wohnbeständen und haben vor allem wenig Zugang zu mittelständischen Wohnquartieren und Eigenheimsektor – die Wohnungsbaugesellschaften erkennen dies zur Zeit und bieten ihre alten Wohnbestände bevorzugt türkischen Familien zum Kauf an; in Dortmund sind in den neu ausgewiesenen Wohngebieten bis zu 70% ausländische bzw. türkische Interessenten und Käufer Allein in Dortmund finden sich über 30 sog. Hinterhofmoscheen – in Garagenplätzen, Gewerberäumen und städtebaulich ‚dunklen‘ Ecken; 30 Jahre haben die Verwaltungen zugeschaut, Parkplätze fehlten, Fluchtwege sind unzureichend, ebenso Toilettenanlagen, die Gebäude alt: ein würdiges Moscheegebäude mit den kulturellen und sozialen Ergänzungen könnten Stadtteile aufwerten, neue Dialog- und Kulturräume schaffen 20

  22. 5. Ausblick: Integration versus Segregation • - Integration: Aufgaben der Planung • - Integration: Aufgaben der Politik • - Integration: Aufgaben der Nachbarschaften, • auch der türkischen Dipl.-Ing. Ivonne Fischer 21

  23. Integration ist keine Einbahnstraße – Konflikte werden auch geschürt! Konflikte sind nicht zu vermeiden, aber um sie ‚gewaltfrei‘ moderieren zu können sind Aufklärung, Begegnung, Vernetzung, Einbeziehung und Dialog die Schlüsselwörter Aufgaben der Planung Planung Sozio-kultureller Einrichtungen auf die Muslime ausweiten Planverfahren vereinfachen, ‚helfen statt hindern‘, normalisieren Beteiligung frühzeitig und ‚cool‘ einleiten, lokal und im Quartier Wohnungsmarkt positiv beeinflussen für Minderheiten Aufgaben der Politik Feindbildproduktionen ächten, Antidiskriminierung als Prinzip Dialogpersonen, Kulturvermittler für ähnliche Prozesse wählen Erfahrungen austauschen, sich in der Welt umgucken und die ‚Anderen‘ auch anders kennenlernen 22

  24. Aufgaben der Nachbarschaften Alle gesellschaftlichen Gruppen sollten sich beteiligen und einbezogen werden Der interreligiöse Dialog sollte breitest geführt werden und öffentlich und dies mit allen unterschiedlichen Gruppen Interkultureller Austausch kann und sollte viele Ebenen umfassen, räumlich, gesellschaftlich und thematisch Und nicht zuletzt die Medien Weg von der Sensations- und ‚Rote Lampe‘ Berichterstattung – und zwar regional, lokal und kleinräumlich Für Aufklärung und Differenziertheit sorgen 23

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