1 / 59

Grundlagen zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Störungen des Sprechens und der Sprache

Grundlagen zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Störungen des Sprechens und der Sprache. Klaus-Jürgen Schlenck Fachklinik Enzensberg. Sehr wichtige Unterscheidung: . Stimmstörung: betrifft die Phonation Sprechstörung: betrifft die Artikulation und die Flüssigkeit des Sprechens

dana
Download Presentation

Grundlagen zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Störungen des Sprechens und der Sprache

An Image/Link below is provided (as is) to download presentation Download Policy: Content on the Website is provided to you AS IS for your information and personal use and may not be sold / licensed / shared on other websites without getting consent from its author. Content is provided to you AS IS for your information and personal use only. Download presentation by click this link. While downloading, if for some reason you are not able to download a presentation, the publisher may have deleted the file from their server. During download, if you can't get a presentation, the file might be deleted by the publisher.

E N D

Presentation Transcript


  1. Grundlagen zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Störungen des Sprechens und der Sprache Klaus-Jürgen Schlenck Fachklinik Enzensberg

  2. Sehr wichtige Unterscheidung: • Stimmstörung: betrifft die Phonation • Sprechstörung: betrifft die Artikulation und die Flüssigkeit des Sprechens • Sprachstörung: betrifft alle Modalitäten: Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben

  3. Störungen des Sprechens und der Sprache bei Kindern • Stimmstörungen • Störungen der Sprechflüssigkeit: Stottern und Poltern • Lautfehlbildungen: Dyslalien • Störungen der Sprachentwicklung: SES • Störungen der Schriftsprache: Entwicklungsdyslexie/-dysgraphie

  4. Stimmstörungen bei Kindern • Störung der Phonation • Häufigstes Symptom: heisere Stimme

  5. Stimmlippen bei Atmung

  6. Schwingungen der Stimmlippen • Aerodynamischer Prozess (Bernoulli Effekt) • Beeinflusst durch anatomische Gegebenheiten • Beeinflusst durch muskuläre Spannung der Stimmlippen • Beeinflusst durch Anblasdruck

  7. Kindliche Stimmstörungen • Recht häufig (bis zu 25% aller Schulkinder) • Ursachen: • Anatomische Veränderungen beim Wachsen • Gleichzeitig starke Belastung der Stimme durch spielen, singen, schreien • Ungünstige Phonationstechniken

  8. Stimmlippen bei Phonation

  9. Stimmlippenknötchen

  10. Was kann der Lehrer tun? • Bei lange anhaltender Heiserkeit (oder Flüsterstimme, oder sehr hoher Stimme) Eltern ansprechen u. HNO-ärztliche Untersuchung empfehlen

  11. Störungen des Sprechens und der Sprache bei Kindern • Stimmstörungen • Störungen der Sprechflüssigkeit: Stottern • Lautfehlbildungen: Dyslalien • Störungen der Sprachentwicklung: SES • Störungen der Schriftsprache: Entwicklungsdyslexie/-dysgraphie

  12. Stottern bei Kindern • Unflüssiges Sprechen • Symptome: • Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern • Stocken, Pressen oder Dehnen von Lauten • Anspannung beim Sprechen • Mitbewegungen beim Sprechen • Vermeiden von Silben oder Wörtern

  13. Stottern: behandlungsbedürftig? • Im Vorschulalter: Phase des „physiologischen“ Stotterns, bis zu 6 Monate, Teil der normalen Sprachentwicklung • Stottern, das länger anhält ist immer behandlungsbedürftig!

  14. Stottern: therapeutische Möglichkeiten • Abklären, ob Stottern im Zusammenhang mit sprachlichen Problemen steht, ggfls. diese behandeln • Wenn nicht: Techniken zur Stottervermeidung. Symptomfreies Sprechen wird dadurch möglich • Grundsätzlich nicht „heilbar“

  15. Stottern: Wie häufig? • Prävalenz ca. 1% der Bevölkerung • Ca. 80 % der Stotterer sind männlich

  16. Umgang mit stotternden Schulkindern • Selbstbewusstsein stärken (Lob im Zusammenhang mit mündlichen Darbietungen) • Auf den Inhalt achten (nicht auf die Form) • Rückmelden, wenn Kommunikation – trotz stottern - gelingt

  17. Umgang mit stotternden Schulkindern • NICHT auf Stottern hinweisen • NICHT: • „sprich langsam!“ • „hol tief Luft“ • „überleg erst, was Du sagen willst1“ • „sprich deutlich“

  18. Umgang mit stotternden Schulkindern Keine Sonderstellung wegen Stottern!

  19. Poltern • Störung der Sprechflüssigkeit • Tachylalie: zu schnelles Sprechen mit Auslassen von Lauten und Silben • Grundsätzlich dem Stottern sehr ähnlich

  20. Störungen des Sprechens und der Sprache bei Kindern • Stimmstörungen • Störungen der Sprechflüssigkeit: Stottern • Lautfehlbildungen: Dyslalien • Störungen der Sprachentwicklung: SES • Störungen der Schriftsprache: Entwicklungsdyslexie/-dysgraphie

  21. Dyslalien • Betroffene Kinder haben den motorischen Ablauf der Artikulation eines bestimmten Lautes nicht korrekt erworben: der Laut wird deshalb abweichend gebildet • Am häufigsten betroffen: • /s/ („Sigmatismus“, „lispeln´“) • /sch/ („Schetismus) • /r/ („Rhotismus“)

  22. Dyslalien behandeln? • Wenn wirklich „nur“ eine isolierte Lautfehlbildung besteht, muss man nicht behandeln • Keine Auswirkungen auf schulische Leistungen • Rein „kosmetisch“

  23. Dyslalien rein „kosmetisch“?Andererseits... • Lautfehlbildungen sind oft nur die „Spitze des Eisbergs“ • Manche Kinder leiden unter dem „Sprechfehler“ • Die gesellschaftliche Akzeptanz nimm zwar zu ... • Leicht zu beseitigen

  24. Dyslalien: Worauf Lehrerinnen achten sollten • leidet das Kind darunter? • hat es Nachteile dadurch? (z.B. wird es gehänselt?) • führt es zu Problemen in Fremdsprachen?

  25. Sprachentwicklungsstörung:Abweichung von der „nomalen Sprachentwicklung • Die normale Sprachentwicklung vollzieht sich in gut definierbaren Phasen, die bei allen Kindern zu beobachten sind.

  26. Sprachentwicklung • Lallphase bis ca. 9. Lebensmonat • Beginnendes Wortverstehen ab ca. 9. Lebensmonat • Erkennen des eigenen Namens ab ca. 14. Lebensmonat

  27. Sprachentwicklung • Einwortphase: Äußerungen aus nur einem Wort, meist Nomen: „Papa, wauwau“, „Puppe“, ab ca. 12. Lebensmonat, noch viele Lautbildungsfehler

  28. Sprachentwicklung • Einwortphase, ab ca. 12. Lebensmonat • Zweiwortphase: Äußerungen aus 2 Wörtern, „Papa kommen“ „wauwau lieb“, „schön spielen“, noch viele Lautbildungsfehler, ab ca. 24. Lebensmonat, noch viele Lautbildungsfehler

  29. Sprachentwicklung • Einwortphase, ab ca. 12. Lebensmonat • Zweiwortphase, ab ca. 24. Lebensmonat • Dreiwortphase: Äußerungen mit drei Wörtern, noch infinite Verben in Endstellung: „Lisa Eis essen“, „Hund sehr böse“, „Papa immer schimpfen“, oft noch Lautbildungsfehler, ab ca. 36. Lebensmonat

  30. Sprachentwicklung • Einwortphase, ab ca. 12. Lebensmonat • Zweiwortphase, ab ca. 24. Lebensmonat • Dreiwortphase,ab ca. 36. Lebensmonat • Erwerb finiter Verben mit Verbzweitstellung: „Papa lacht immer“, „Lisa will Eis haben“, ab ca. 42. Lebensmonat, kaum noch Lautbildungsfehler

  31. Sprachentwicklung • Einwortphase, ab ca. 12. Lebensmonat • Zweiwortphase, ab ca. 24. Lebensmonat • Dreiwortphase,ab ca. 36. Lebensmonat • Erwerb finiter Verben mit Verbzweitstellung, ab ca. 42. Lebensmonat, • Spätestens mit 4 Jahren grundlegender Spracherwerb abgeschlossen

  32. SprachentwicklungsverzögerungSprachentwicklungsstörung • Verzögerung: Normale Sprachentwicklung um 6 – 12 Monate verzögert • Störung (SES): Um mehr als 12 Monate verzögert, oder ab dem 3. Lebensjahr

  33. Sprachentwicklungsstörung:Ursachen • Sekundäre SES • Primäre (spezifische) SES

  34. Sekundäre SES: Folge einer • Sensorischen Beeinträchtigung (z.B. Hörstörung) • Intelligenzminderung oder Mentalen Retardierung (z.B. Down Syndrom) • Tiefgreifende Entwicklungsstörung (z.B. Autismus) • Neurologischen Störung (z.B. Aphasie, Dysarthrie) • Ungünstige Umweltbedingungen (Vernachlässigung)

  35. SprachentwicklungstörungPrävalenzschätzungen: 10 – 20 % • Lexikalisch: geringer Wortschatz, Probleme beim Erfassen von Wortbedeutung, verzögerte Wortfindung • Syntaktisch morphologisch: Probleme im Satzbau und bei Flexionsendungen • Phonologisch: Probleme in der Lautstruktur

  36. Bielefelder Studie: 1395 Kinder im Alter von 5-6 Jahren (Grimm 2003)

  37. Nur deutschsprachige Kinder (n = 1014)

  38. Nur ausländische Kinder: n = 347

  39. Langzeitentwicklung • SES „wächst sich nicht aus“ • Kinder, die im Vorschulalter eine SES haben, zeigen zu einem großen Teil • 50 % (Grimm 2003) • 65 % (Webster et al, 2004) erhebliche schulische Defizite im 1.- 3. Schuljahr, selbst bei „late bloomers“

  40. Late talkers und late bloomers • Late talkers: sehr viele 2-jährige haben einen deutlich eingeschränkten Wortschatz • Late bloomers: nur bei etwa 6 – 8 % dieser Kinder bleibt die SES bestehen, die anderen „holen auf“ • Aber: Von diesen „late bloomers“ zigen viele (ca. 50%) sprachliche Defizite im Schulalter

  41. SES im Vorschulalter konzentriert sich oft auf ... • Lexikalische-semantische Verarbeitung • Syntaktische-morphologische Verarbeitung und/oder • Phonologische Verarbeitung

  42. Lexikalisch-semantische Störung Im Vorschulalter: kleiner Wortschatz, verzögerte Wortfindung, unvollständige Sätze, Paraphasien, Neologismen, Vage Ausdrücke (Ding, Zeug, tun, etc. )Wortverständnis eingeschränkt, oft insgesamt schwer gestört

  43. Lexikalisch-semantische Störung Im Schulalter: • Schwerfällig im Ausdruck • Oft ungenau (oder leicht daneben) • Wortschatz klein

  44. Lexikalisch-semantische Störung Im Vorschulalter: Dysgrammatismus: Äußerungen wie • Papa Buch lesen • Der Pferd Wiese läuft • Katze bei Sofa liegt

  45. Syntaktisch-morphologische Störung Im Schulalter, nach scheinbarer Rückbildung: Satzabbrüche, falsche Funktionswörter, falsche Genus-/Kasusendungen (notorisch: dem vs. den), Probleme bei der Kommasetzung, Präferenz für syntaktische Koordination („und dann“), oft auch undeutliches Sprechen (nuscheln) bei morphologischen Unsicherheiten

  46. Phonologische Störung Phonologische Entwicklung hat Sonderstellung. Primäre phonologische Fähigkeiten vs. phonologische Bewusstheit

  47. Primäre phonologische Entwicklung • Entwicklung phonetischer Fähigkeiten • Phonemerwerb: Unterscheidung zwischen bedeutungsunterscheidenden und nicht bedeutungsunterscheidenden phonetischen Unterschieden • /Rot – rot/ /see – Oee/ Katze – Tatze/

  48. Entwicklung der phonologischen Bewusstheit • Erwerb phonetischer Fähigkeiten • Phonemerwerb zunächst über ganzheitliche Fähigkeiten • Phonologische Bewusstheit: Fähigkeit, die Lautstruktur eines Wortes zu analysieren und zu manipulieren

More Related