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Die Sprache der Mystik. Die Verwendung der Suffixe –heit, -keit und –ung im Zuge der theologisch-mystischen Sprachentwicklung. Universität Bielefeld Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft Veranstaltung: Geschichte der deutschen Sprache Veranstalter: Prof. Dr. Ulrich Seelbach

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Die Sprache der Mystik

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Presentation Transcript


Die Sprache der Mystik

Die Verwendung der Suffixe –heit,

-keit und –ung im Zuge der theologisch-mystischen Sprachentwicklung


Universität Bielefeld

Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft

Veranstaltung: Geschichte der deutschen Sprache

Veranstalter: Prof. Dr. Ulrich Seelbach

Referat ausgearbeitet von

Christine Waterbör & Holger Selig

WS 2003 / 2004


Der Begriff Mystik

  • Religiöse Strömung ab ca. 1200 bis Beginn des Pietismus um 1675

  • Die Mystiker strebten nach einer Vereinigung der Seele mit Gott (unio mystica)

  • Dieses theologische Problem verlangte Begriffe, die es im Deutschen so noch nicht gab.

  • „Die beiden Hauptzüge der mystischen Sprache [...] sind Bildlichkeit und Vergeistigung“ (Kunisch 1974)


Der Begriff Mystik

  • Die Mystiker standen vor dem Problem, religiöse Inhalte und religiöses Erleben in ihrer Alltagssprache ausdrücken zu wollen. Dazu fehlte dem Deutschen jedoch der nötige Wortschatz.

  • Es entstand also ein Widerspruch zwischen

    • Ablehnung von Fremdwörtern und

    • fehlenden deutschen Ausdrucksmöglichkeiten


Der Begriff Mystik

  • Ziel: das intensive religiöse Erleben

    • nachvollziehbar und

    • erlebbar machen

  • Die deutschen Mystiker lehnten daher Lehn– und Fremdwörter weitgehend ab. Es entstand ein kreativer Wortschöpfungsprozess


Lehngut

Quelle: Klaus & Sabine von Heusinger, Aus der lateinischen Fachsprache zur deutschen Mystik. Der lange Weg der Suffixe –ung und –heit, Endgültige Version erschienen in: K. Adamzik & J. Niederhauser (Hg), Wissenschaftssprache und Umgangssprache, Frankfurt: Lang, S. 59 - 79


conscius 

claustrum 

crux 

monasterium 

operari 

parochia 

praedicare 

signare 

keusch

Kloster

Kreuz

Münster

opfern

Pfarrei

predigen

segnen

Lehnwörter aus dem Lateinischen


Lehnübersetzungen:

Misericors wird zu barmherzig miser = arm, cor = Herz

Confessio wird zu

Bekenntnis ahd. bi-jiht, mhd. jehen = sagen

conscientia (eigentlich mit-wissen) wird zu Gewissen

Aus compassio wird Mitleid.

Bedeutungswandel:

Umdeutung von ahd. buoza (abgel. von baz = besser) eigentlich Besserung, wird unter Einfluss von lat. poenitentia zu Buße und bekam seine neue christliche Bedeutung.

Lehnübersetzungen / Bedeutungswandel


Hildegard von Bingen

* 1098 Bermersheim

V 17.09.1179 im Kloster Rupertsberg

Heilige, Äbtissin der von ihr gegründeten Klöster Rupertsberg und Eibingen

Bekannteste Schrift: „Liber Scivias“

Legt mystische Erfahrungen, Tugendlehre sowie medizinische und naturwissenschaftliche Kenntnisse nieder

Deutsche Mystiker des MA


Hildegard von Bingen wird 1098 bei Alzey geboren und als vornehme Tochter im Kloster erzogen, 1147 gründet sie bei Bingen ein neues Kloster und stirbt dort am 17.9.1179. Ihr Lebenswerk: Prophetische Visionen, Schriftstellerin, Komponistin sakraler Musik.

Im Laufe ihres Lebens schreibt sie ein Kyrie, 35 Antiphone, 19 Responsorien, sieben Sequenzen.

Deutsche Mystiker des MA


Meister Eckhart

* ca. 1260

V 1328

Genaue Daten bis 1294 unbekannt.

Theologe, Prediger und Mystiker

Predigte in Köln, Straßburg, Paris

Bekannte Werke sind seine deutschen Predigten und das „Opus tripartitum“

Holzschnitt, soll Meister Eckhart beim Predigen zeigen. Sein tatsächliches Aussehen ist jedoch unbekannt.

Deutsche Mystiker des MA


Abstraktsuffixe

  • Zum ersten mal befassten sich die Mystiker mit einer bildhaften sprachlichen Darstellung religiöser Erfahrungen.

  • Dazu musste man neues Vokabular kreieren und etablieren.

  • Dies wurde hauptsächlich mittels Suffigierung umgesetzt.


Abstraktsuffixe

Im folgenden befassen wir uns mit den drei häufigsten Suffixen:

  • -heit

  • -keit

  • -ung


Aus der Predigt „Beati pauperes spiritu“ des Meister Eckhart

  • „-heit“ gehört zur selben Wurzel wie cit (kêt): erglänzen, erscheinen, sehen.

  • Frühe Bedeutungen div. Germanischer Sprachen:

    • german. haidus (Art und Weise)

    • ags. hád (Stand, Geschlecht, Art und Weise, Eigenschaft)

    • ahd. heit (persona, sexus, Rang, Stand)

    • mhd. heit (Beschaffenheit, Art und Weise)

  • Wurde in den westgermanischen Sprachen zu einem Mittel der Abstraktbildung


„-heit“

  • Wortstamm sind Substantive und Adjektive

  • Bei substantivischem Wortstamm überwiegen Personenbezeichnungen als erster Wortteil

    • ahd. gotheit, kindheit, narraheit, mennischeit

    • mhd. tôrheit, tierheit, menschheit


Beispiele aus dem ahd.

  • Schon im Ahd. ist „-heit“ für Komposita mit adjektivischem Stamm produktiver als für solche mit substantivischem Stamm

  • Einsilbige Adjektivstämme

    • Ahd. bôsheit, tumbheit, frîheit, kuonheit, slafheit, tolaheit, trâgheit, wârheit, wîsheit

  • Mehrsilbige Adjektivstämme

    • Ahd. siechelheit, bitterheit, minnirheit, unsûbarheit, touganheit, fizusheit


Substantivische Komposita auf „-heit“

  • Viele andere der alten Bildungen sind heute erloschen

    • biscofheit (Priesteramt)

    • deganheit (Tapferkeit)

    • deoheit (Demut)

    • diubheit (Diebstahl)

    • gomaheit (Persönlichkeit)

..

..


Substantivische Komposita auf „-heit“

  • Beispiele aus dem Mhd.:

    • vuocheit (Schicklichkeit)

    • jugendheit (Jugend)

    • mortheit (mordrünstiges Wesen)

    • schamheit (Scham)

    • trügenheit (Falschheit)


Die Entstehung von „-keit“

  • Die Form „-keit“ entstand im Mhd. dadurch, dass in den von Adjektiven auf „-ec“ abgeleiteten Wörtern das h der wenig betonten Silbe heit schwand. (Willmanns 1896)

  • Aus –agheit und -îgheit wurde mhd. –ekeit und -ikeit


Die Entstehung von „-keit“

  • -ag und –ig waren weiterhin produktiv und standen in Konkurrenz zu den einfachen Stämmen. (girig – gire)

  • Somit konnte man von Adjektiven auf –ag und –ig Substantivierungen auch direkt auf die Stammform beziehen.(girig-heit  gire-keit)


Die Entstehung von „-keit“

  • Somit erschien ahd. –ig-heit, mhd. –ekeit, als einheitliches Suffix und konnte selbstständig gebraucht werden.

  • Beispiele aus der Mystik:

    • armekeit, broedekeit (Schwachheit)

    • vestekeit, klârikeit (Klarheit, Verklärung)

    • lîhtekeit (Leichtigkeit, Leichtsinn), gesundekeit


Aus dem „Büchlein der Wahrheit“ (Heinrich Seuse)

Unterschiedenheit

Einheit

Mannigfaltigkeit

Weisheit

Gerechtigkeit

Dreifaltigkeit

Einfachheit

Unterschiedenheit

Vielheit

Einheit

Gottheit

Einheit

Dreiheit

Dunkelheit


-heit

ander-heit

wis-heit

dunster-heit

nemlich-heit

got-heit

drî-heit

-ig-keit (ic-heit)

ein-ic-heit

manigvalt-ic-heit

gereht-ic-heit

drivalt-ic-heit

einvalt-ic-heit

manic-heit

berhaft-ic-heit

-heit und –keit nebeneinander


„-ung“

  • Der Ursprung des Suffixes „-ung(a)“ ist unklar. Es ist jedoch schon in gemeingermanischer Zeit vorhanden.

  • Verbindet sich im ahd. überwiegend bzw. im nhd. fast ausschließlich mit verbalen Stämmen.


„-ung“

  • Im adh. konkurriert –ung(a) noch mit –nissa

  • Im mhd. und nhd. ist –ung (neben dem Infinitiv) das ausschließliche Mittel zur Bildung von Verbalabstrakta

    • Abfertigung, Entzückung, Abbildung

    • Ausrüstung, Bedienung, Niederlassung


„-ung“

  • Konkurriert –ung mit anderen Ableitungsformen (z.B. –heit), so bildet –ung immer das Ereignisabstraktum aus (außer im Falle des Infinitivs).

    • Abfallung – abfallen, Achtung – Acht

    • Behaltung – Behaltnis, Bestehung – Bestand

    • Destillierung – Destillation

    • Freigebung – freigeben, Beklommenheit - Beklemmung

    • Verblüffung – Verblüfftheit


„-ung“

  • Abstraktbildungen auf –ung treten besonders häufig in Fachsprachen auf.

    • Evaluierung, Annulierung, Distanzierung

    • Zentrifugierung, Raffinierung, Säkularisierung

  • Viele theologische Begriffe waren vermutlich schon im Latein Fachtermini.


„-ung“

  • -(at)io war dabei ähnlich wie später –ung fach- oder wissenschaftssprachlich markiert.

    • benedictio – wolasprechunge, conversio – bekerung

    • inspiratio – înblasung, compassio – mitelîdunge

    • acceptio – emphahung, visio – anschouwunge


Aus dem „Büchlein der Wahrheit“ (Heinrich Seuse)

Wahrnehmung

Bezeichnung

Einbildung


„-ung“

  • Die Korrespondenz zwischen den lat. Abstrakta und ihren mhd Entsprechungen wurde so stark empfunden, dass, obwohl andere Formen zur Verfügung standen, die Mystiker oft neue Formen bildeten.

  • Durch lat. Einfluss bildet heute –ung Ereignisabstrakta, während –heit ausschließlich Zustandsabstrakta ableitet.


„-ung“


Anschauung

Berührung

Einbildung

Empfänglichkeit

Heimlichkeit

Unbegreiflichkeit

Wesen

entrücken

Eindruck

Einfluss

Einkehr

einleuchten

empfindlich

gründlich

unaussprechlich

Weitere Wortschöpfungen der Mystik


Literatur – und Quellverzeichnis

Heusinger, Klaus & Sabine, Aus der lateinischen Fachsprache zur deutschen Mystik. Der lange Weg der Suffixe –ung und –heit, Endgültige Version erschienen in: K.Adamzik & J. Niederhauser (Hg), Wissenschaftssprache und Umgangssprache, Frankfurt: Lang, S. 59 – 79.

Kunisch, Herbert, Spätes Mittelalter (1250-1500). in: F. Maurer/ H. Rupp (Hg), Deutsche Wortgeschichte. Band 1, Berlin und New York³

Seuse, Heinrich, Das Buch der Wahrheit. Kritisch herausgegeben von Loris Sturlese und Rüdiger Blumrich, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1993

Willmanns, Wilhelm, Deutsche Grammatik. Gotisch, Alt-, Mittel- und Neuhochdeutsch. Band 2: Wortbildung. Berlin und Leipzig²


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