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Vortrag bei der Nationalen Auftaktveranstaltung am 19.02.2008 PowerPoint Presentation
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Vortrag bei der Nationalen Auftaktveranstaltung am 19.02.2008

Vortrag bei der Nationalen Auftaktveranstaltung am 19.02.2008

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  1. Erziehung in islamischen FamilienWerteauffassungen im interkulturellen VergleichPD Dr. Haci-Halil UslucanUniversität Potsdam; Institut für PsychologieKontakt: uslucan@uni-potsdam.de Vortrag bei der Nationalen Auftaktveranstaltung am 19.02.2008

  2. Vortragsprogramm • Einführung: Kulturkonflikte oder interaktive Akkulturationsprozesse? • Religiöse Erziehung als Integrationshemmnis? • Ergebnisse eigener empirischen Studie zu Erziehung im interkulturellen Kontext • Fördermöglichkeiten von Kindern mit Migrationshintergrund

  3. Unsere Wahrnehmung des Fremden/der Fremden Bitte lesen Sie den folgenden Text zeilenweise von links nach rechts. Lesen Sie so schnell wie möglich und ohne Notizen zu machen. Gmeäss eienr Stduie von eienr elgnihscen Unveirtsiät mahct es nihcts aus, in weclher Rihenefgole die Bhcusbaten in eniem Wrot agnoerdent snid, das enizig wigitche ist, dass der estre und lztete Bhcusbate am rchitiegn Paltz snid. Der Rset knan ein vllöiegs Druhecniadenr sein, man knan es imemr ncoh perlolmobs leesn. Deis pasesirt, weil wir nchit jeedn Bchutsaben ezinlenn, sndoren das gnzae Wort lseen. Nciht sheclhct, oedr?

  4. Kulturkonflikte • Entgegengesetzte Einflüsse von Familie einerseits und Einflüsse des Aufnahmelandes • Identitätsprobleme bei Jugendlichen • Psychosomatische Beschwerden bei Erwachsenen

  5. Probleme des Kulturkonflikt-Ansatzes • Ursachenzuschreibung einseitig auf den Kulturwechsel • Kulturwechsel reduktionistisch als Entwicklungseinschränkung • Fokussierung auf einseitige Bereicherung der Einheimischen bzw. einseitiger Verlust der Migranten • Unterstellte Homogenität der Mehrheits- wie der Minderheitskultur • Kultur als unausweichlich präskriptiv: Unterschlagung der Widerstands- und Eigenmächtigkeitspotenziale der Subjekte

  6. Interaktives Akkulturationsmodell (IAM)Berry et.al (1987)

  7. Interaktives Akkulturationsmodell (IAM)Berry et.al (1987)

  8. Dimensionen des Integrationsprozesses (Heckmann, 2005) • 1. Strukturelle Integration • 2. Kulturelle Integration • 3. Soziale Integration • 4. Identifikative Integration

  9. Funktion der Religion Handlungen einen Sinn verleihen; sinnlose Zusammenhänge deuten. Schutz- und Orientierungsfunktion Integration in die Gesellschaft Kompensation erfahrener Rückweisung

  10. Sackmann: Türkische Muslime in Deutschland – Zur Bedeutung der Religion 1/3der befragten Muslime: Keine Religionsbindung; Religion kein Integrationshindernis. Für einen großen Teil: Religion selbstverständlicher Teil des Lebens, ohne aber Hauptbezugspunkt des Lebens zu sein Für etwa 10%: Religion ein starkes Abgrenzungskriterium; eher integrationshemmend Integrationshemmend insbesondere dann, wenn Religiosität eher traditionale (keine individualisierende) Züge trägt und religiös orientierte Lebensführung zentral ist.

  11. Erziehung in islamischen Familien Religiöse Werterziehung in islamischen Familien: religiöse Sozialisation in den islamischen Ländern: vom Kontext unterstützt und z. T. unreflektiert als eine Alltagsgewissheit übernommen Koedukation durch das soziale Umfeld In der Migrationssituation fehlt der bestätigende und unterstützende Kontext: gezielte islamische Erziehung erforderlich Schiffauer (1991): „Islamisierung des Selbst“, Reflexivierung des Islam

  12. Erziehung in islamischen Familien Religiöse Werterziehung in islamischen Familien: In der Migration: eigene religiöse Gemeinde nicht vorgegeben, sondern kann gewählt werden. Stärker individuelle Beschäftigung mit der Religion: Suche nach „religiöser Wahrheit“ im Vordergrund; Zugehörigkeit zum Islam eher spiritualisiert, die Bildung von religiösen „Intensivgruppen“ eher gefördert; Gründe der Religiosität in der Migrationssituation andere bzw. zeigen ein deutlich stärker bewusstes Moment (als in den Herkunftsorten), da sie eine scharfe Differenz zur sozialen Mitwelt markieren.

  13. Religiöse Werterziehung in islamischen Familien: Bildungshintergrund der Eltern nicht ausreichend: religiöse Erziehung von Koranschulen übernommen Weitere Funktion von Koranschulen: kostengünstiges Betreuungsangebot; Häufiges Motiv der Eltern: Kinder und Jugendliche durch einen Besuch der Koranschule von „schädlichen Einflüssen der Straße“ fern zu halten (Vgl. Alacacioglu, 1998). Untersuchung von Tosun (1993) in NRW: nur 27,3 % der Befragten türkischen Eltern in der Lage, ihr Kind auch selber islamisch zu unterweisen; rund 70 % sprach für sich selbst diese Qualifikation ab. Erziehung in islamischen Familien

  14. Erziehung in islamischen Familien Inhalte islamischer Erziehung unterliegen großen Schwankungen: einfache Frömmigkeit: Ziel: Nachkommen in die elementaren Inhalte islamischen Lebens unterweisen (z.B. die fünf Säulen des Islam) und Rituale wie Gebetsuren, Waschungen lehren, aber auch die Unterscheidungen zwischen dem, was „rein“ und „unrein“ ist, zu kennen.

  15. Erziehung in islamischen Familien Inhalte islamischer Erziehung unterliegen großen Schwankungen: Das andere Extrem: fundamentalistische Positionen: in den koranischen Inhalten sämtliches Wissen vorgeformt und kryptisch vorformuliert; deshalb gegen eine (natur-) wissenschaftliche kognitive Bildung.

  16. Erziehung in islamischen Familien Orientierung ausschließlich an koranischer Offenbarung: in erster Linie an der Tradition fixiert; keine Anweisung für die Lösung moderner Alltagsprobleme, überlässt den Einzelnen hilflos der Gegenwart, die er dann nicht bewältigen kann. rigide Fixierung auf klare erzieherische Leitsätze, die aus dem Koran abgeleitet werden: Ausdruck massiver Verunsicherung muslimischer Eltern; Ziel: Klarheit und Orientierung, jedoch vielfach nicht zeitgemäß (bspw. Orientierung an Gehorsam).

  17. Erziehung in islamischen Familien Religiöse Werterziehung in islamischen Familien: Pädagogisch bedenklich: autoritärer Unterrichtsstil und die Fixierung auf Disziplin in diesen Einrichtungen (Vgl. Aslan, 1996), keine „Pädagogik vom Kinde“ aus; Personal verfügt kaum über pädagogische und didaktische Fähigkeiten (Vgl. auch Marschke, 2003).

  18. Erziehung in islamischen Familien Religion als Schutzfaktor Funktion von Moscheen: eigene Identität unter seinesgleichen bewahren und bestärkten; praktizierte Religiosität auch ein Schutz vor einer Identitätskrise In der Untersuchung von Heitmeyer, Müller und Schröder (1997): 34%-39% der befragten Jugendlichen: Diskriminierungserfahrungen in Deutschland; rund zwei Drittel der Befragten bekundeten, der Islam bzw. die Zugehörigkeit zum muslimischen Religionskreis stärke ihr Selbstvertrauen.

  19. Erziehung in islamischen Familien Religion als Schutzfaktor: Gerade in der Diaspora: Religion bedeutsame Ordnungsfunktion. Orientierung am Islam hilft mit Blick auf den Erziehungskontext, die in der Moderne – auch für deutsche Eltern - immer schwerer gewordene Frage nach angemessenen Erziehungsinhalten zu vermeiden bzw. zu umgehen oder sie individuell beantworten zu müssen. Klare Regeln und Orientierung: Reduktion von Komplexität

  20. Erziehung in islamischen Familien • Religion als Integrationshemmnis: • Antiintegrative Folgen dann: • strukturelle Barrieren und eine geringe Akzeptanz von muslimische Migranten seitens der Mehrheitsbevölkerung, • andererseits: • Moscheen bzw. muslimische Vereine und Verbände - als Reaktion darauf oder auch proaktiv-, islamzentrierte Überlegenheitsgefühle produzieren, Differenzen verstärken oder bewusst zur Kontaktmeidung mit „Heiden“ oder Christen aufrufen und eine Selbstgenügsamkeit der Muslime suggerieren.

  21. Erziehung in islamischen Familien Religion als Integrationshemmnis: Wirkung religiöser Sozialisation: Angstbesetzte religiöse Sozialisation (Gott als strafende Instanz): bei sensiblen Personen Bruch mit der Religion; also keine Festigung der religiösen Identität, sondern eher kontraproduktive Effekte Belegt: ein autoritär-strenges Erzieherverhalten: an Strafe orientiertes Erzieherverhalten führt nicht zur Bildung von disziplinierten Persönlichkeiten, sondern kann Kinder zur Disziplinlosigkeit, Widerstand, Aggression und Gewalt sowie zu passiver Unterwerfung führen (Vgl. Hurrelmann, 1994).

  22. Erziehung in islamischen Familien Religion als Integrationshemmnis: Wirkung religiöser Sozialisation: Dagegen: Vermittlung eines Gottesbildes, bei dem Gott als eine schützende, bergende und bedingungslos liebende Macht wahrgenommen wird, selbstwertstabilisierend für Kinder sein (Grom, 1982).

  23. Erziehung im interkulturellen Kontext Kinder brauchen Liebe

  24. Veränderte Rahmenbedingungen familiärer Erziehung • 1. Struktureller Wandel der Haushaltsformen • 2. Prekäre Bedingungen innerfamilialer Beziehungs- gestaltung • 3. Veränderte Wert- und Erziehungsmuster

  25. Veränderte Rahmenbedingungen familiärer Erziehung • 1. Struktureller Wandel der Haushaltsformen Zunahme der Ein-personen-Haushalte (im Jahre 2000 erstmals mit 37% die häufigst vertretener Haushaltstyp) Zunahme an Ein-Eltern-Familien: „Wert“ des einzelnen Kindes als sinnstiftend für das eigene Leben steigt; steigende Kinderlosigkeit sowie ein Rückgang der Geburtenrate (gegenwärtig etwa bei 1.4); steigender Anteil von nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften; Anstieg des Erstheiratsalters: Männer: 30 und Frauen: etwa 28 J.

  26. Veränderte Rahmenbedingungen familiärer Erziehung • 2. Prekäre Bedingungen Anstieg der Scheidungsraten seit 1960 Anstieg von Wiederverheiratungen: etwa 66% der Geschiedenen heiraten erneut; aus kindlicher Sicht: Zahl der Bezugspersonen ändert sich; evtl. Stiefgeschwister, mit denen ein neues Arrangement hergestellt werden muss. Tendenziell stärker werdendes Engagement von Vätern in der Erziehung

  27. Veränderte Rahmenbedingungen familiärer Erziehung • 3. Veränderte Wert- und Erziehungsmuster Aus dem Befehlshaushalt ein Verhandlungshaushalt (Swaan, 1982). Praktiken, die auf Macht, Zwang und körperlichen Druck/Gewalt beruhten, durch stärker diskursive, argumentative Praktiken ersetzt; Appelle richten sich nun mehr auf die Vernunft des Kindes bzw. auf seine Einsichtsfähigkeit. Gleichzeitig: eine „vernünftige“ Gängelung des Kindes

  28. 3. Veränderte Wert- und Erziehungsmuster 1950er -1970er Jahre • Gehorsam • Ehrlichkeit • Ordnung • Hilfsbereitschaft • Verträglichkeit • gute Manieren • Fehlen von Opposition ab den 1980er Jahren • Selbständigkeit • Selbstbewusstsein • Selbstverantwortlichkeit • Kritikfähigkeit • Zuverlässigkeit • Hilfsbereitschaft

  29. Erziehung im interkulturellen Kontext Rangreihe der Erziehungsziele türkischer Eltern (Scherberger, 1999)

  30. Rangreihe der Erziehungsziele deutscher Eltern (Scherberger, 1999) Erziehung im interkulturellen Kontext

  31. Elterliche Erziehungsmuster Autoritativer Erziehungsstil • Autoritärer Erziehungsstil Nachgiebiger Erziehungsstil „Laisser-faire“ Ablehnend-vernachlässigender Erziehungsstil Emotionale Unterstützung/Wärme _ + + Anforderung/Kontrolle _ (Typologie vom Maccoby & Martin, 1983; in Anlehnung an Baumrind, 1983)

  32. Entwicklungsfolgen für Kinder Kinder ... zeigen Kognitive Selbstwirk- Prosoziales Problem- Kompetenz samkeit verhalten verhalten vernachlässigender Eltern nachgiebiger Eltern autoritärer Eltern autoritativer Eltern höchstes dritthöchste zweithöchste niedrigstes niedrigste mittlere mittlere höchste niedrigste mittlere mittlere höchste niedrigstes mittleres mittleres höchstes Quelle: Baumrind, D. (1989). Rearing competent children. In W. Damon (Ed.), Child development today and tommorrow (pp. 349-378). San Francisco: Jossey-Bass.

  33. Erziehungs- und Entwicklungskontexte in Familien mit MigrationshintergrundEigene empirische Studie: • Elterlicher Erziehungsstil bedeutsamer Prädiktor für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. • Kultureller Kontext wesentliche Determinante erzieherischer Erwartungen und Haltungen (Darling & Steinberg, 1993). • Hohe Anomieerfahrungen türkischer Migranten: Deutsche Gesellschaft vielfach als ungeordnet, und das soziale Leben als diffus und undurchsichtig erlebt (Uslucan, 2005.) • Diese Verunsicherungen haben Auswirkungen auf die Erziehung und Sozialisation von Migrantenkinder und -jugendliche.

  34. Theoretischer Hintergrund • Familien türkischer Herkunft in der Aufnahmegesellschaft: häufig stärker behütender und kontrollierender Erziehungsstil als deutsche Familien und auch Familien in der Türkei (Nauck, 1990). • Mit zunehmender Aufenthaltsdauer eine eher an Deutschen orientierte Autonomiebestrebung Jugendlicher • Konflikte gegenüber den stärker kollektivistischen Orientierungen der Familie.

  35. Theoretischer Hintergrund • Intensivere Akkulturation der Kinder • Wahrgenommene Entfernung von den Werten der Herkunftskultur • Spannungen im erzieherischen Kontext. • Verstärkte Disziplinierung der Kinder und der Erinnerung an eigenkulturelle Verhaltensweisen.

  36. Erziehung und Sozialisation türkischer Kinder Value of Children (VOC) • Psychologische Wertigkeit von Kindern • Ökonomische Wertigkeit von Kindern

  37. Fragestellungen • Welche Unterschiede lassen sich im konkreten Erziehungsverhalten türkischer und deutscher Eltern identifizieren? • Welche Unterschiede zeigen sich bei türkischen und deutschen Jugendlichen in der Erfahrung des elterlichen Erziehungsverhaltens?

  38. Stichprobenkennzeichnung • Rekrutierungskontext: Berliner Oberschulen in den Bezirken Neukölln, Kreuzberg, Charlottenburg und Steglitz-Zehlendorf

  39. Stichprobenkennzeichnung: Schüler

  40. Stichprobenkennzeichnung: Eltern

  41. Aufenthaltsdauer türkischer Eltern in Deutschland (Angaben in Jahren bis zum Zeitpunkt der Befragung im Sommer 2003)

  42. Stichprobenkennzeichnung: Bildungshintergrund der Eltern

  43. Ergebnisse

  44. Ergebnisse

  45. Akkulturationsorientierungen: Mittelwerte

  46. Ergebnisse

  47. Ergebnisse

  48. III. Resilienzförderung bei Kindern und Jugendlichen • Sichere Mutter-Kind Bindung eine bedeutsame Entwicklungsressource. • In Schulkontexten (Migranten-)Jugendliche noch stärker in verantwortungsvolle Positionen – ungeachtet möglicherweise geringerer sprachlicher Kompetenzen – einbinden • Schulprojekte wie „Großer Bruder“, „Große Schwester“, (Buddy-Projekte) • positives Schulklima; gute Beziehung zum Lehrer, den die Schüler als an ihnen interessiert und sie herausfordernd wahrnehmen

  49. Resilienzförderung bei Kindern und -Jugendlichen • Individuelle Bezugsnorm statt soziale Bezugsnorm zur Lernmotivation einsetzen • Erfahrungen mit Tutorensystemen in der Lehr-Lern-Forschung einsetzen • stärker handlungsorientierte Formen des Unterrichts (nicht nur Frontalunterricht) praktizieren, in denen Jugendliche partizipieren können;Schule nicht nur als Ort des Versagens und Ohnmachtserfahrungen