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Sprachkontakt durch Emigration: Das Italienische in Deutschland

Sprachkontakt durch Emigration: Das Italienische in Deutschland. Der Soziokulturelle Kontext - Italienische Emigration - Italiener als Gastarbeiter in Deutschland - Wer waren die Emigranten? - Wo kamen sie her? - Wie haben sie sich integriert? Auswirkungen auf die Sprache

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Sprachkontakt durch Emigration: Das Italienische in Deutschland

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Presentation Transcript


  1. Sprachkontakt durch Emigration: Das Italienische in Deutschland • Der Soziokulturelle Kontext - Italienische Emigration - Italiener als Gastarbeiter in Deutschland - Wer waren die Emigranten? - Wo kamen sie her? - Wie haben sie sich integriert? • Auswirkungen auf die Sprache - Der kommunikative Raum - Germania italiana: Die erste, zweite und dritte Generation - Phonologische Besonderheiten - Morphologie - Lexikologie - Syntax - Sprachliche Phänomene als Folge von Mehrsprachigkeit

  2. Italienische Emigration • Seit dem Ende des 19. Jh. War Italien das größte und bedeutendste Auswanderungsland • Zwischen den Jahren 1875 und 1975 verließen ca. 26 Mio. Italiener ihre Heimat. • Deutschland spielte neben Lateinamerika, USA und Kanada eine wichtige Rolle für die Emigranten

  3. Italienische Emigration • 1876 beginn der Emigration aus Italien • Zurückgehende landwirtschaftlichen Erträge in Europa • Maschinen ersetzen handwerkliche Arbeiten • Weniger Emigration während der Zeit des Faschismus • Mussolini wollte die Auswanderung beschränken

  4. Italienische Emigration • 1945 wurde die Binnenwanderung fortgesetzt • 25 Mio. Italiener wechselten ihren Wohnsitz • Auffällig die dominante Wanderungsrichtung von Süden nach Norden • Nach dem 2 W.K starke Emigration nach Deutschland

  5. Italiener als Gastarbeiter in Deutschland • Nach dem 2 W.K kamen viele Italiener im Rahmen des Gastarbeiterprogramms nach Deutschland • Die Kräfte für den Wiederaufbau Deutschlands reichten nicht aus und im Süden Italiens herrschte große Arbeitslosigkeit • Am 20. Dezember 1955 schloss die BRD einen Vertrag mit Italien über Arbeitskräfte die in Deutschland arbeiten sollten • Italiener waren somit die ersten Gastarbeiter in Deutschland

  6. Italiener als Gastarbeiter in Deutschland • 1956 kamen zunächst 800.000 Italiener als Gastarbeiter nach Deutschland • 1956-1972 folgten ca. 2 Mio. italienische Gastarbeiter • Bis heute sind es geschätzt ca. 4 Mio. Italiener • Die Mehrzahl kehrte jedoch wieder nach Italien zurück • Heute leben ca. 618.000 Italiener in Deutschland

  7. Soziokultureller Hintergrund Viele Italiener hatten im frühen Mittelalter ihren Wohnsitz in Deutschland Damals waren es vor allem Architekten, Kaufleute und Handwerker Während der Renaissance zog es viele italienische Bankiers, Architekten und Künstler nach Deutschland, welche erfolgreich in die deutsche Gesellschaft integriert wurden. Deutsches Reich unter preußischer Herrschaft und Weimarer Republik zogen nur wenige Italiener nach Deutschland Wirtschaftswunder= Einwanderungswelle aus Italien Deutschland und Italien waren Gründungsmitglieder der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl Viele Italiener fanden Arbeit in der Kohle und Stahlindustrie (Ruhrgebiet) Vor allem aus dem Süden und Nordosten kamen viele Italiener Bedeutende italienische Gemeinden gibt es in München, Stuttgart, Frankfurt am Main und der Region Rhein-Ruhr

  8. Gesellschaftliche Integration bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der bildenden Kunst in Deutschland, von der Romanik und Gotik bis zur zeitgenössischen Mode und Design. 50 er Jahre: Italiener haben großen Einfluss auf die Esskultur ausgeübt Spaghetti und Pizza werden zu Alltagsgerichten in Deutschland

  9. Gesellschaftliche Integration Wenige Italiener haben die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen Menschen mit italienischem Migrationshintergrund haben auf dem Arbeitsmarkt beinahe den gleichen Wert wie ein Einheimischer. Die Jugenderwerbslosigkeit liegt sogar unter dem Wert der Deutschen ohne Migrationshintergrund. Auch der Anteil derer, die von öffentlichen Leistungen abhängig sind, ist zwischen der ersten und der zweiten Generation von über elf auf unter acht Prozent gefallen.

  10. Auswanderergebiete

  11. Auswirkungen auf die Sprache • Der kommunikative Raum: Räumlichkeit der Sprache (Arealität, Territorialität) Räumlichkeit des Sprechers (Provenienz, Mobilität) Räumlichkeit des Sprechens (Positionalität) • Glossotop: Ort einer mehrsprachigen Kommunikationsgemeinschaft

  12. Die Räumlichkeit der sprachlichen Kommunikation

  13. Germania italiana • massenhafte Arbeitsmigration nach Deutschland  mehrsprachiger Kommunikationsraum • Synchrone Koexistenz ganz unterschiedlicher kommunikationsräumlicher Szenarien • Extraterritorialität: Sprecher die außerhalb des Geltungsbereich, d.h. des Territoriums ihrer Erstsprache leben  Kontaktphänomene  Isolationsphänomene

  14. Die Territorialsprache • Bezeichnungen aus der geltenden Territorialsprache werden sehr schnell übernommen: (Kontaktphänomen) Ex: e che classe fai l`anno prossimo? KB: settima. la settima. Hauptschule. Teilhauptschule zwei (…) Ex: a che pensa? (Suo fratello) KB: Pensa sempre a cosa ha fatto e cosa deve fare. a chi deve picchiare perché fanno. petzen . die petzen  Integration deutscher Wörter in italienischen Diskurs

  15. A3: pasta alla sicula. gli ingrediendi sono pomodori melenzane Paprika chiapperi Sardelle . di cui la maggior parte fanno con la pasta fusilli (…) EX: come si fa il bolgnese A1: co la carne cipolla carote..Selleri . agliosi fa sfriggere con la carne apress poi si butt`il pomodore(…)  Charakteristische „italienische“ Attribute der ursprünglichen Lebenswelt (hier: Bereich der Küche) werden mit deutschen Wörtern bezeichnet, wahrscheinlich deshalb, weil sie überwiegend in deutschsprachigen Geschäften gekauft werden

  16. Eine exemplarische Familie

  17. Die erste Generation- Erosion der Italienischkompetenz & Wechsel der dominanten Sprache • Abgeschlossener Erstspracherwerb monolingual • Ungesteuerter Zweitspracherwerb • Wenn keine italophonen Netzwerke bestehen rückt das Italienische durch den seltenen Gebrauch in den Hintergrund- das Deutsche/ deutsche Varietät wird zur Leitsprache  In solchen isolierenden Glossotopen wird der Sprachbesitz nicht nur erweitert, sondern komplett neu ausgerichtet (Reorganisation des Varietätenrepertoires)

  18. (…) EX: ee fate anche un concerto con il coro A7: sì sì EX: adesso a natale o A7: a na na cioè tutto l`anno Ex: mhm A7perché mia moglie è è äh come si disce Chorleiderin insom diretrisce ähm tz aahh jetzt fällt mir die Wort nicht wie heißt des der aufe auf Italiensich der äh Chorleiter Ehefrau A7: Dirigent A7: diri diri diriggente Chorleiterin • Nicht nur ein tip-of-the-tongue-Phänomen, sondern wirkliche Verunsicherung bis Defizienz im Lexikon • Interferenzdruck des deutschen Lexikons bei Wörtern die nicht nur formal etymologisch identisch sind, sondern außerdem synonym • Der deutsche Reflex, d.h. die deutsche Lautform wird vorgezogen und gelegentlich durch das entsprechende Italienische ersetzt

  19. Intrafamiliärer Sprachgebrauch • Zwei Generationen  beginnende sprachliche Erosion

  20. Die zweite und dritte Generation- Defizitärer Erwerb des Italienischen & kreativer Gebrauch • Erstsprache wird im Kontakt mit einer anderen Sprache erworben (Deutsch als Kontaktsprache) bilingualer Erstspracherwerb • Unsicherheit und schwankender Sprachgebrauch

  21. Phonologie • Manche Sprecher der zweiten und dritten Generation gebrauchen den Glottisschlag, nicht nur in Verbindung mit deutschen Wörtern, sondern auch mit italienischen • Die Zugehörigkeit bestimmter Lexeme zur einen oder anderen Sprache ist dem Sprecher oft nicht klar, wenn das Wort zum phonologischen System der Sprache passt, der es zugesprochen wird (dt. Wörter, die als italienisch aufgefasst werden)

  22. Flexionsmorphologie • Sowohl morphologische als auch lexikalische Auffälligkeiten sind Ausdruck eines wenig gefestigten Sprachbewusstseins und somit die Konsequenz der Tatsache, dass die Alphabetisierung in der deutschen Sprache erfolgt

  23. Morphosyntax EX: Si vergogna? KF12: Sì. E pure Daniela, c´è uno che si chiamaWolkanchecheglipiace, peròluilui ha giàdettoche non la vuole, e non lovuoleangoracapire. Ogniperchèluista al zweiten Stock e ognimattina e ognipauaquellavi a al fines- alla finestra e(…) Einheiten der einen Sprache sind in morphosyntaktische Konstituenten integriert, die mit Ausdrucksmitteln der anderen Sprache gebildet werden (die ital. Präposition a regiert als Kopf ein deutsches Substantiv)

  24. Gemischte Präpositionalphrasen: Ehm, andare al Kino con la mia ragazza o con gli amici, o andare in giro e basta (it. andare al cinema) Però andare a Kinderhort è langweilig. (it. andare a scuola) Sì, Viene da Niederbayern. (dt. er kommt aus Niederbayern)

  25. Lexikologie • Jedes italienische Lexem, das im Deutschen eine mehr oder weniger synonyme und etymologische identische Entsprechung hat, ist in seiner Lautgestalt hochgradig anfällig und im spontanen Gebrauch substitutionsgefährdet (non c`è nessun Problem) • Leichtere Abrufbarkeit und schnellere Verfügbarkeit der deutschen Bezeichnung aus dem mentalen Lexikon zeigt sich in der häufigen semantischen Umdeutung (fast) homophoner italienischer Lexeme nach deutschem Vorbild

  26. Syntax • Fixierte deutsche Wortgefüge werden ins Italienische übertragen

  27. Così nach dem syntaktischen und semantischen Muster von deutsch so

  28. Periphrase Fare+Infinitiv -Facciamo schmücken -Facciamo ausrutschen -Fanno teilen -Faccio tutto zusammenschrauben Ähnliche Konstruktionen mit stare+ Infinitiv

  29. Sprachliche Phänomene als Folge von Mehrsprachigkeit • Kodewechsel (code-switching): Wechsel zwischen zwei oder mehr Sprachen oder Varietäten innerhalb einer kommunikativen Interaktion - deutsch-italienischer Wechsel - Italienisch und italienischer Dialekt phonologische Einpassung ist entscheidend

  30. Situationelles code-switching: wird bestimmt durch Gesprächspartner, Ort der Kommunikation, Thema • Konversationelles code-switching: kommunikative Effekte, Kontaxtualisierungshinweis, expressive Funktion, metakommunikative Funktion

  31. Ikonisches code-switching: der Kode in den gewechselt wird, wird geradezu reflexhaft gebraucht, ausgelöst durch unvermittelte bestimmte mentale Einträge („poi vedo una cosa, ti dico guarda qui c´è scritto `Tasche`“ - beginnt auf deutsch zu sprechen) • psycholinguistisch ausgelöstes code-switching: --nicht intentional -ausgelöst durch Trigger Words

  32. Code-mixing: Wechsel in sprachlichem Kontext funktional nicht ersichtlich EX: Bene. Poicosacimettete più, le candele? Le mettete? KF1: No EX: No? Cosa mettete? Per paura, vero? KF1: Cose di Natale che si mettono, schmücken (…)

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