1 / 37

GRUNDLAGEN DER KLASSISCHEN RHETORIK

GRUNDLAGEN DER KLASSISCHEN RHETORIK. ENTWICKLUNGSLINIEN I: DIE ANFÄNGE. Zeugnisse der Redekunst sind aus allen frühen Hochkulturen überliefert Lob der großen Redner Solon, Themistokles, Perikles bei den Geschichtsschreibern Herodot und Thukydides

lotus
Download Presentation

GRUNDLAGEN DER KLASSISCHEN RHETORIK

An Image/Link below is provided (as is) to download presentation Download Policy: Content on the Website is provided to you AS IS for your information and personal use and may not be sold / licensed / shared on other websites without getting consent from its author. Content is provided to you AS IS for your information and personal use only. Download presentation by click this link. While downloading, if for some reason you are not able to download a presentation, the publisher may have deleted the file from their server. During download, if you can't get a presentation, the file might be deleted by the publisher.

E N D

Presentation Transcript


  1. GRUNDLAGEN DER KLASSISCHEN RHETORIK

  2. ENTWICKLUNGSLINIEN I:DIE ANFÄNGE • Zeugnisse der Redekunst sind aus allen frühen Hochkulturen überliefert • Lob der großen Redner Solon, Themistokles, Perikles bei den Geschichtsschreibern Herodot und Thukydides • Erste systematische lehrbuchartige Darstellung bei Korax und Teisias, 467 v. Chr. • Ab Mitte des 5. Jhdts Bildung von Rhetorik-Schulen in Griechenland, Sizilien und Kleinasien

  3. ENTWICKLUNGSLINIEN II:GRIECHENLAND • Rhetorik als Konkurrentin der Philosophie bei den Sophisten: Gorgias, Protagoras, Isokrates: „Aus dem schwächeren Wort das stärkere machen“ • Ablehnung der Rhetorik bei Sokrates (470-399) und Platon (427-347) • Wichtige Systematisierung bei Aristoteles (384-322; „Rhetorik“ in drei Bänden) • Bedeutendster griechischer Redner: Demosthenes (384-322). Reden gegen Philipp von Makedonien („Philippiken“)

  4. Aristoteles Demosthenes

  5. ENTWICKLUNGSLINIEN III:VON ATHEN NACH ROM • Niedergang der griechischen Tradition nach dem Verlust der politischen Freiheit: Zeit der „Schulrhetorik“ • Wiederaufnahme durch gebildete römische Familien zur Zeit der Republik • Cato der Ältere (234-149 v. Chr.):„ceterum censeo...“ • Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.):„König der Rhetoren“

  6. ENTWICKLUNGSLINIEN IV: CICERO • Werke: De Inventione, De Oratore,Brutus, Orator • Reden gegen Catilina, Reden gegen Antonius • Redekunst als Ausdruck umfassender Welt- und Menschenkenntnis • Rednerische Autorität als zentrale republikanische Fähigkeit undGegenkonzept zur Macht

  7. MARCUSTULLIUSCICERO

  8. ENTWICKLUNGSLINIEN V: QUINTILIAN • Marcus Fabius Quintilianus(ca. 40–96 n. Chr.) • Institutio Oratoria („Die Ausbildung des Redners“) in 12 Bänden • Inhaber des ersten Rhetorik-Lehrstuhls des Abendlands (im Rom des Kaisers Vespasian) • Rhetorik als Grundlage einer allgemeinen Erziehungskonzeption • Aber: Schwindender Einfluss der Rhetorik in der Kaiserzeit

  9. ENTWICKLUNGSLINIEN VI: MITTELALTER • Wachsende Bedeutung der christlichen Rhetorik („Am Anfang war das Wort“) • Predigt als wichtigste Form der Rede • Aurelius Augustinus: Über die christliche Lehre (De doctrina christiana) • Die „sieben freien Künste“: Grammatik, Logik (Dialektik), Rhetorik (sprachliches Trivium), Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie (mathematisch-zahlenbezogenes Quadrivium)

  10. ENTWICKLUNGSLINIEN VII:RENAISSANCE UND BAROCK • Dominante Rolle der Rhetorik unter den Künsten • Sprachhumanismus (Bembo, Vico, Wilhelm v. Humboldt): Die Wahrheit ist nicht durch Logik, sondern nur über sprachlichen Zugriff zugänglich („sensus communis“) • Nordeuropäischer Humanismus bei Erasmus von Rotterdam: Ausrichtung der Sprache auf das Wort Gottes und seine Verteidigung („Lob der Torheit“ als Kritik an der ciceronianischen Rhetorik)

  11. ENTWICKLUNGSLINIEN VII:AUFKLÄRUNG UND MODERNE • Ablehnung der Rhetorik bei Immanuel Kant wegen der Trennung von Wahrheit und Wirkung • Johann Gottfried Herder: Es gibt keine Gedanken jenseits der Sprache • Friedrich Nietzsche: Auflösung der Trennung von Wahrheit und Wirkung durch Destruktion der Wahrheit. „Die Sprache ist Rhetorik, denn sie will nur eine doxa, keine episteme übertragen“

  12. KLASSISCHE RHETORIK: DIE DREI REDEGATTUNGEN(GENERA ORATIONIS) • Gerichtsrede (genus iudiciale)Ziel: Urteil fällen; Ort: Vor Gericht; Orientierung: Auf die Vergangenheit • Beratungsrede (genus deliberativum)Ziel: Urteil fällen; Ort: Auf dem Forum, in der Versammlung; Orientierung: Auf die Zukunft • Lobrede (genus demonstrativum)Ziel: Genießen, Orientierung: Gegenwart

  13. KLASSISCHE RHETORIK: DIE DREI REDEGATTUNGEN • Ausdifferenzierung der Lobrede, z. B. Klage, Trost, Glückwunsch, Empfehlung • Unterschiedliche Bedeutung der einzelnen Gattungen in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Bedingungen • Neuere Einteilungen, z. B. juristische Rhetorik, kommunikative Rhetorik, ästhetische Rhetorik

  14. KLASSISCHE RHETORIK: DIE DREI AUFGABEN DES REDNERS (OFFICIA ORATORIS) • Einsicht (Logos): belehren (docere), beweisen (probare) • Besänftigung (Ethos): gewinnen (conciliare), erfreuen (delectare) • Erregung (Pathos): bewegen (movere), aufstacheln (concitare) • Verhältnis von Vernunft und Gefühl als durchgängiges Thema der Rhetorik-Theorie

  15. KLASSISCHE RHETORIK: DIE FÜNF BEARBEITUNGSPHASEN • inventio (heuresis): Die Sammlung des Stoffes • elocutio (taxis): Die zweckmäßige Gliederung • dispositio (lexis): Die stilistische Ausgestaltung • memoria (mneme): Das Einprägen der Gedanken und Worte • actio (hypocrisis): Der Vortrag der Rede unter Einsatz der wirkungsvollsten Techniken

  16. ERSTE PHASE: INVENTIO • Einleitung (exordium) • Schilderung des Sachverhalts (narratio) • Begründung (argumentatio) • Schluss (peroratio)

  17. ZWEITE PHASE: DISPOSITIO • Platzierung von Wichtigem und weniger Wichtigem • Aufeinanderfolge der Argumente • Orientierung an der „Natürlichkeit“ der Ordnung oder auch • bewusste Störung derselben (z. B. „inmedias res“)

  18. DRITTE PHASE: ELOCUTIO • Sprachrichtigkeit (latinitas) • Klarheit (perspectuitas) • Schmuck (ornatus) • Angemessenheit (aptum) • Die drei Stilgattungen (hoher, mittlerer, schlichter Stil)

  19. ELOCUTIO 2: SCHMUCK (ORNATUS) • „Tropen“, z. B. Metapher, Katachrese, Metonymie, Synekdoche, Emphase, Hyperbel... • Wortfiguren, z. B. Anapher, Epipher, Paronomasie, Synonymie, Auslassungen (Ellipse, Zeugma), Umstellung (Antithese, Chiasmus...) • Sinnfiguren, z. B. Lizenz, Apostrophe, rhetorische Fragen, Konzession, Evidenz, Allegorie... • Wortfügung, z. B. Rhythmus, Klauseln

  20. VIERTE PHASE: MEMORIA • Entwicklung mnemotechnischer Systeme,z. B. Loci-Technik • Verschiedene Auffassungen über die Natur des Denkens (bildlich vs. abstrakt) • Heute: Wörtliches Ablesen vs. Improvisieren, Einsatz von Gedächtnishilfen wie Karteikarten, Folien, Powerpoint-Präsentationen etc.

  21. FÜNFTE PHASE: ACTIO • Stimme: Umfang, Festigkeit, Geschmeidigkeit • Mimik • Gestik • 18. Jhdt: „Natürlichkeit“ als Kritik an akribischen Katalogen zulässiger Ausdrucksmittel • Problem: Zusammenhang von Wirkung der Rede und „Charakter“ des Redners

  22. WO STEHT DIE RHETORIK HEUTE? • Deutliche Spaltung zwischen akademischer und praktischer Rhetorik • Fälschliche Identifikation des Begriffs mit Verkaufstrainings und Beeindruckungsstrategien • In Deutschland: Starkes Misstrauen aufgrund von Instrumentalisierung im dritten Reich • Erheblich stärkere Position der Rhetorik im anglo-amerikanischen Bildungssystem („Debattierclubs“)

  23. WO STEHT DIE RHETORIK HEUTE? • Betonung des Argumentativen in der „New Rhetoric“ bei Chaim Perelman, Stephen Toulmin und anderen • Einflüsse aus anderen Disziplinen: Kommunikationspsychologie, Medienwissenschaften, Literaturwissenschaft, Philosophie, Politologie, Soziologie etc. • Renaissance der Rhetorik?

  24. RHETORIK ALS KUNST DER ARGUMENTATION • Quelle:Crusius, T. W. & Channell, C.E. (2000). The aims of argument. A brief rhetoric (3rd ed.). Mountain View, CA: Mayfield.

  25. WAS IST ARGUMENTATION? • Lat.: arguere, klären • „Argument is the process of making what we think clear to ourselves and to others. It takes us from a vague, private viewpoint to a clearly stated position that we can defend publicly in speech or writing. Like any journey, the process provides us with discoveries and new knowledge.“ (p. 3) • „Argument in this sense has a two-part form or structure: (1) the statement of an opinion and (2) the statement of one or more reasons for holding that opinion.

  26. ZIELE DER ARGUMENTATION • Inquiry: Suche nach „Wahrheit“ • Convincing: Suche nach Zustimmung zu einer These • Persuading: Suche nach Aktion • Negotiating: Suche nach Konsens

  27. ANALYSE EINER ARGUMENTATION(NACH TOULMIN) Erster Schritt: Analyse der These • Identifikation der These: Welche Behauptung verteidigt der Autor? • Suche nach Qualifizierungen: Was ist der Geltungsbereich der These? Soll sie absolut oder nur eingeschränkt gelten? • Suche nach Ausnahmen: In welchen Fällen würde der Autor die Gültigkeit seiner These nicht behaupten?

  28. ANALYSE EINER ARGUMENTATION Zweiter Schritt: Analyse der Gründe • Auflistung der Gründe • Untersuchung der Gründe: Sind es gute Gründe? Sind die Gründe relevant für die These?

  29. ANALYSE EINER ARGUMENTATION Dritter Schritt: Analyse der Evidenz • Auflistung der Evidenzen: Welche Art von Evidenz (Daten, Anekdoten, Fallstudien, Verweise auf Quellen oder Autoritäten etc.) wird zur Unterstützung der Gründe aufgeboten? • Untersuchung der Evidenz: Ist sie gültig? Ist sie relevant für den Grund, den sie belegen soll?

  30. ANALYSE EINER ARGUMENTATION Vierter Schritt: Analyse von Widerlegungen (Refutations) • Widerlegungen sind Antworten auf vorweg genommene Einwände gegen die These • Bietet der Autor solche Widerlegungen an? Welche Einwände antizipiert der Autor? Wie geht er mit den Einwänden um?

  31. ÜBERZEUGEN: EINE FALLSTRATEGIE ENTWICKELN • Wer ist das angesprochene Publikum? Welche Werte, Voreinstellungen und Vorurteile bringt es mit? • Welche Ziele möchte ich erreichen? • Welche These/Behauptung sollen meine Zuhörer akzeptieren? • Welche Gründe werden bei diesem Publikum vermutlich auf Interesse stoßen?

  32. ÜBERZEUGEN: EINE FALLSTRATEGIE ENTWICKELN • Wie können die Gründe möglichst wirkungsvoll arrangiert werden? • Wie kann ich in die Argumentation einführen? Wie kann ich das Argument überzeugend abschließen? • Was kann ich tun, um als Person Vertrauen und Respekt beim Publikum zu gewinnen?

  33. PERSUASION:DIE GANZE PERSON ANSPRECHEN • Durch Vernunft ansprechen • Durch Charakter ansprechen • Durch Emotionen ansprechen • Durch Stil ansprechen

  34. DURCH VERNUNFT ANSPRECHEN • Zeigen, dass es ein Bedürfnis zum Handeln gibt • Wenn das Publikum zum Nicht-Handeln neigt, die Dringlichkeit des Handelns zeigen • Zeigen, dass der eigene Vorschlag das Bedürfnis befriedigt/das Problem löst; gegebenenfalls zeigen, dass er das Problem besser löst als alternative Vorschläge

  35. DURCH CHARAKTER ANSPRECHEN • Das Publikum sollte zu der Ansicht gelangen, dass der Autor: • ...gut informiert über das Thema ist • ...sich seiner Position sicher ist und sie mit ehrlicher Überzeugung vertritt • ...sich fair und ausgewogen mit alternativen Positionen auseinander gesetzt hat • ...die Einwände und Bedenken des Publikums respektiert und berücksichtigt hat • ...aufrichtig ist • ...die gleichen Grundwerte hat wie das Publikum; das „Herz am rechten Fleck“ hat

  36. DURCH EMOTIONEN ANSPRECHEN • Folgende Fragen sind zu klären: • Welche Emotionen sollen erregt werden und mit welchen Mitteln? • Wie häufig und wie intensiv sollen die emotionalen Appelle sein? • An welcher Stelle sollen emotionale Appelle eingeführt werden?

  37. DURCH STIL ANSPRECHEN • Ein „mittlerer“ Stil ist dadurch gekennzeichnet, dass • ...er „ich“, „Sie“ und „wir“ benutzt • ...er sowohl Umgangssprache als auch technischen Jargon vermeidet • ...er starke, handlungsorientierte Verben benutzt • ...er Beispiele und Bilder benutzt, die dem Erfahrungshintergrund des Publikums entsprechen • ...er fließende und sinnvolle Übergänge zwischen Sätzen und Abschnitten schafft

More Related