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  1. Biedermeier Vorlesung 9

  2. Wer oder was ist das überhaupt? Kulturepoche (1815-1848) deckungsgleich mit der politischen Periode der Restauration fand statt in Ländern des Deutschen Bundes und dem Kaisertum Österreich tragende Schicht war das Bürgertum

  3. Merkmale Besinnung auf eigene Familie, die eigenen vier Wände und den Freundeskreis Verzicht auf öffentliche Repräsentation und Wunsch nach häuslichem Idyll Leute waren „Spießer“ Grundzüge: Zurückgezogenheit, Privatleben, Traditionsbewusstsein, konservative Grundhaltung

  4. Klärung des Begriffs Der Begriff Biedermeier als Epochenbezeichnung entstand erst um 1900 geht zurück auf die fiktive Figur Gottlieb Biedermeier erfunden von Ludwig Eichrodt und Adolf Kussmaul Gedichte über Biedermeier wurden mittels der Münchener Flugblätter publik gemacht (1855) der fiktive Biedermeier war ein schwäbischer Dorflehrer mit einfachem Gemüt würde man heute als Spießbürger bezeichnen

  5. Politische Situation (1) Napoleon war besiegt Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress Ziel: Restauration,Wiederherstellung der alten Ordnung Fürst Metternich (Österreich) setzte die sog. Karlsbader Beschlüsse durch (1819)

  6. Politische Situation (2) starke Einschränkung jeder politischen Betätigung strenge Zensur für alle Veröffentlichungen, inklusive Musikwerken Literaten wie Heinrich Heine und Georg Büchner emigrierten

  7. Politische Situation (3) ohne Karlsbader Beschlüsse wäre Biedermeier-Zeit nicht denkbar außerhalb Deutschlands,Österreichs und Skandinaviens existiert der Begriff nicht,da sich die Gesellschaft anders entwickelte

  8. Mode (Damen) schlicht,unbequem,schmal geschnitten schnürten sich in Korsetts oder trugen Reifröcke beliebt waren karierte,gestreifte oder geblümte Stoffe Accessoires: Kaschmirschal und Sonnenschirm Kopfbedeckung war die Schute,ein haubenähnlicher Hut flache Schuhe ohne Absatz Friseuren erst aufwändig mit Bändern und Schleifen,später Nackenknoten mit seitlichen Korkenzieherlocken

  9. Beispiel Biedermeier-Friseur

  10. Mode (Männer) Modevorbild war der Dandy (1800-1830) Kleidung wurde eng tailliert getragen Hemden hatten Vatermörder-Kragen,der den Hals einschnürte erstmals seit 1815 lange Hosen,gestreifte oder geblümte Westen sowie Gehrock oder Frack

  11. Mode (Männer 2) Accessoires: Krawatte,Spazierstock,Handschuhe und Taschenuhr

  12. Mode (Männer 3) Backen-,Oberlippen-oder Kinnbart galten nicht mehr als revolutionär sondern wurden wieder salonfähig Vollbart galt als Symbol für Liberalismus Koteletten waren „in“

  13. Kunst Genre-und Landschaftsmalerei,auch Porträt religiöse und historische Motive fehlen Bilder ähnelten oft Fotografien Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts als Vorbild Aquarelltechnik erreichte hohes Niveau Vertreter: Spitzweg, von Schwind, Gauermann, Gärtner, Menzel und Richter

  14. Kunst-Bilder

  15. Möbel (1) zeichnen sich durch schlichte Eleganz aus sollen Eindruck von Behaglichkeit verbreiten und zweckmäßig sein typisch sind Kleinmöbel wie Kommoden und Sekretäre englisches Mobiliar als Vorbild

  16. Möbel (2)

  17. Klassische Wohnung der Biedermeierzeit

  18. Leben und Kultur (1) Privat-und Familienleben stand im Fokus bürgerliche Prinzipien wie Fleiß, Ehrlichkeit, Treue, Bescheidenheit wurden zu allgemeinen Prinzipien erhoben Wohnstube musste gemütlich sein Geselligkeit kam trotzdem nicht zu kurz: Kaffeekränzchen, Stammtische und Kaffeehäuser

  19. Leben und Kultur (2) Mann als Oberhaupt der Familie Frau im Haushalt bessere Kindererziehung angestrebt Erster Kindergarten entsteht (1840) Häusliches Weihnachtsfest,wie wir es kennen, entsteht; Weihnachtslieder, Bescherung und der.....

  20. Literatur (1) war geprägt von der politischen Situation Einstellung: Anpassung an die Wirklichkeit Literaten erlebten politische Enttäuschungen =>Misstrauen gegen die Politik Abkapslung in ihren engsten Freundeskreis und in ihre Familie Themen: heile Welt, Selbstbescheidenheit, Zähmung der Leidenschaften, Einfügung in das Schicksal, Liebe zum Detail und zur Natur,Bezug zum Alltag

  21. Literatur (2) pessimistische Grundhaltung Berühmte Literaten: Franz Grillparzer („Jüdin von Toledo“) Ferdinand Raimund („Der Verschwender“) Annette v. Droste-Hülshoff („Die Judenbuche“)

  22. Literaten

  23. Vertreter Annette von Droste-HülshoffNovelle Die Judenbuche mit realistischen und naturalistischen Tendenzen, atmosphärische Gedichte Franz GrillparzerSchicksalstragödie Die Ahnfrau, äußerlich klassizistische Dramen Sappho, Das Goldene Vlies, Trauerspiel Ein treuer Diener seines Herrn, dramatisches Märchen Der Traum im Leben, rührende Novelle Der arme Spielmann Karl Leberecht Immermannkritischer Zeitroman Die Epigonen Eduard Möriketeils schwermütige NaturgedichteSeptembermorgen, Im Frühling,MärchenDas Stuttgarter Hutzelmännlein, stimmungsvoller Roman Maler Nolten, Schilderung Mozarts Reise zur Uraufführung Don Juans in der Novelle Mozart auf der Reise nach Prag Johann Nepomuk Nestroyzeitgenössische Stücke Der Talisman, Die Launen des Glücks, Einen Jux will er sich machen, Der Zerrissene, satirische Kritik am System, kritischer Rückblick auf die Märzrevolution in Freiheit in Krähwinkel Ferdinand RaimundPossen Das Mädchen aus der Feenwelt, Der Alpenkönig und der Menschenfeind mit Gestalten der volkstümlichen Mythologie, Der Verschwender Adalbert Stifterkleine ErzählungenStudien, Bunte Steine mit programmatischer Vorrede, Darstellung einer utopisch wohlgeordneten Welt in Der Nachsommer

  24. 1.Franz Grillparzer Geboren am 15.01.1791 in Wien 1807 Studium in Wien 1811 war er Privatlehrer 1821 wurde er ins Finanzministerium versetzt 1832 wurde er Direktor des Hofkammerarchivs 1856 ging er in Ruhestand am 21.01.1872 starb er in Wien

  25. Franz GrillparzerSeine Werke! 1817 Die Ahnfrau 1819 Sappho 1822 Das goldene Vließ

  26. Franz GrillparzerDer arme Spielmann

  27. Der arme Spielmann • INHALT • AUFBAU/STRUKTUR • SPRACHE/ STIL • TEXTBEISPIELE ZU SPRACHE UND STIL • HAUPTPERSONEN • ENTSTEHUNG/REZEPTION • INTERPRETATION • TEXTAUSZUG ZUR WERKTHEMATIK • KOMMENTIERTE WEBTIPPS • KONTROLLFRAGEN ZUM WERK

  28. Inhalt • Der Erzähler befindet sich bei einer Kirchweih in Brigittenau. Dort kommt er mit einem alten Spielmann ins Gespräch. Der Erzähler ist sehr an ihm interessiert und kurze Zeit darauf besucht er den Spielmann in seiner ärmlichen Behausung. Der Spielmann erzählt ihm seine Lebensgeschichte, in der er von seiner reichen Familie ausgestoßen wurde, weil er mit seinem Vater nicht zurecht kam. Nachdem der Erzähler einige Zeit nicht in Wien ist, kommt er zurück und will den Spielmann besuchen. Dort erfährt er aber nur noch vom Tod des Mannes, der an den Folgen einer Überschwemmung Wiens gestorben war.

  29. Aufbau/Struktur • Die Novelle ist in 3 Abschnitte aufgeteilt. Sie beginnt mit dem ersten Treffen des Dichter (Erzählers) mit dem Spielmann. Der zweite Abschnitt bildet den Hauptteil der Novelle. In diesem wird die gesamte Lebensgeschichte des Spielmanns erzählt. Im letzten Teil kommt der Erzähler nach Wien, wo er aber nur noch den Tod des Spielmanns erfährt.

  30. Sprache/Stil • Die Sprache und der Stil sind nach den typischen Biedermeier-Merkmalen aufgebaut. Die Ähnlichkeiten zu anderen österreichischen Kultautoren dieser Zeit, wie Nestroy sind nicht auszuschließen. Grillparzer beschreibt die Schauplätze seiner Novelle immer sehr genau.

  31. Textbeispiele zu Sprache und Stil • „Endlich - und er zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich - ein alter, leicht siebzigjähriger Mann in einem fadenscheinigen, aber nicht unreinlichen Molltonüberrock mit lächelnder, sich selbst Beifall gebender Miene. Barhäuptig und kahlköpfig stand er da, nach Art dieser Leute, den Hut als Sammelbüchse vor sich auf dem Boden, und so bearbeitete er eine alte vielzersprungene Violine, wobei er den Takt nicht nur durch Aufheben und Niedersetzen des Fußes, sondern zugleich durch übereinstimmende Bewegung des ganzen gebückten Körpers markierte. Aber all diese Bemühung, Einheit in seine Leistung zu bringen, war fruchtlos, denn was er spielte, schien eine unzusammenhängende Folge von Tönen ohne Zeitmaß und Melodie. Dabei war er ganz in sein Werk vertieft: die Lippen zuckten, die Augen waren starr auf das vor ihm befindliche Notenblatt gerichtet ja wahrhaftig Notenblatt!“

  32. Hauptpersonen Die Erzählfigur: Ein Dichter über den nicht viel bekannt ist. Für ihn ist der Spielmann aufgrund seiner Lebensgeschichte eine sehr interessante Figur. Der arme Spielmann: Er ist die Hauptfigur in dieser Novelle. Seine Lebensgeschichte wird erzählt. Barbara: Sie ist die große Jugendfreundschaft des Spielmannes, die bis zu seinem Tod anhält.

  33. Entstehung/Rezeption • Grillparzer beschäftigte sich seit 1831 mit dem Stoff. Der Roman war am Anfang als ein Autobiografischer gedacht. Der Text wurde öfters überarbeitet und die die endgültige Fassung immer wieder unterbrochen. 1847 wurde die Novelle in Pest in Ungarn erstmals veröffentlicht.

  34. Interpretation Der Vater-Sohn-Konflikt beherrscht diese Novelle. Dieser Konflikt ist auch eine Parallele zu Grillparzers Leben, der auch in Streit mit seinem Vater lebte. Eine Geige stellt in dieser Novelle ein Leitmotiv dar. Sie begleitet den Spielmann sein gesamtes Leben lang.

  35. Textauszug zur Werkthematik • „Endlich verlor mein Vater die Geduld. Cachinnum! (so hieß das Wort) schrie er mir donnernd zu. Nun war's geschehen. Wußte ich das eine, so hatte ich dafür das übrige vergessen. Alle Mühe, mich auf die rechte Bahn zu bringen, war verloren. Ich mußte mit Schande aufstehen, und als ich, der Gewohnheit nach, hinging, meinem Vater die Hand zu küssen, stieß er mich zurück, erhob sich, machte der Versammlung eine kurze Verbeugung und ging. Ce gueux schalt er mich, was ich damals nicht war, aber jetzt bin. Die Eltern prophezeien, wenn sie reden! Übrigens war mein Vater ein guter Mann. Nur heftig und ehrgeizig.“

  36. Webtipps • http://www.franzgrillparzer.at/ • http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Grillparzer • http://gutenberg.spiegel.de/autoren/grillprz.htm • http://gutenberg.spiegel.de/grillprz/spielman/spielman.htm Weiter zu den interaktiven Kontrollfragen

  37. Adalbert Stifter (1805-1868)

  38. Adalbert Stifter wurde am 23. Oktober 1805 als ältester Sohn des Leinwebers und dann als Garnhändler tätigen Johann Stifter und dessen Frau Magdalena in Oberplan an der Moldau (Böhmerwald) (heute Horní Planá/Tschechien) geboren und trug anfänglich den Namen Albert. Der Vater verstarb früh durch einen Arbeitsunfall, als ihn 1817 ein umstürzender Flachswagen erschlug. Bis der Großvater mütterlicherseits, Franz Friepes, Adalbert 1818 gegen einigen Widerstand auf die Lateinschule schickte, arbeitete der bei der Mutter aufwachsende Stifter vor allem in der Landwirtschaft des väterlichen Großvaters Augustin Stifter, um die kargen Lebensverhältnisse der Familie zu bessern. 1820 heiratete die Mutter den Bäckermeister Ferdinand Mayer. 1825 erkrankte Stifter an den als „echte Blattern“ bezeichneten Pocken. • Bis 1826 besuchte Stifter die Lateinschule der Benediktiner in Kremsmünster. Während dieser Zeit im Stift Kremsmünster, die er später als die schönste Zeit seines Lebens beschrieb, wurden die Grundlagen für eine aufgeklärte Betrachtung der Natur, Literatur und Kunst gelegt.

  39. 1826 nahm er ein Studium der Rechte in Wien auf und erzielte bei den ersten Prüfungen gute Ergebnisse. Sein Studium finanzierte er durch Privatunterricht, den er als Hauslehrer gab. Bereits während seiner Schulzeit in Kremsmünster hatte Stifter Nachhilfestunden gegeben. In die Zeit seines Studiums fallen auch erste dichterische Versuche (1827), die von Goethe, Herder und Jean Paul beeinflusst sind. Zu dieser Zeit verliebte er sich unglücklich in Fanny Greipl; gleichzeitig verfiel er in zunehmende Selbstzweifel, die er durch Alkoholmissbrauch zu verdrängen versuchte. Die unglückliche Beziehung zu Fanny belastete auch seine Leistungen an der Universität, bis er 1830 sein Studium ohne Abschluss abbrach. • Um 1829/30 entstand Stifters erste Prosaarbeit Julius, eine unvollendete Erzählung, in der noch immer das Vorbild Jean Pauls spürbar ist. 1832 und 1833 bemühte sich Stifter erfolglos um amtliche Lehrstellen. Im Februar 1833 brach Fanny die sporadische Beziehung ab, und kurz darauf lernte Stifter die Putzmacherin Amalie Mohaupt (1811–1883) kennen, die von seiner Umgebung als ihm intellektuell unterlegen geschildert wird. Erst nach dem Scheitern eines letzten Reuebriefes an Fanny am 20. August 1835 versprach er Amalie die Ehe. Um 1834/35 dürfte auch Der Condor entstanden sein, der aber erst 1840 zur Veröffentlichung gelangte.

  40. 1836 heiratete Fanny den Finanzbeamten Fleischanderl, am 15. November 1837 heiratete Stifter Amalie und versuchte offenbar auf diese Weise, die innere Ordnung seines Lebens wiederherzustellen. Die materiellen Sorgen aber wurden umso augenfälliger und verließen den Dichter auch in der Ehe mit der fast verschwendungssüchtigen Amalie nicht mehr, wie Pfändungen 1837 und 1841 belegen. Um 1836/37 entstanden auch die Feldblumen, die 1841 veröffentlicht wurden. • Noch vor der Eheschließung hatte sich Stifter 1837 um eine Anstellung an der Forstlehranstalt Mariabrunn beworben. 1839 entstanden die ersten wichtigeren Gemälde Blick auf Wiener Vorstadthäuser sowie Blick in die Beatrixgasse und Ruine Wittinghausen. Im selben Jahr verstarb auch Fanny. 1840 erschien Der Condor in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode und wurde wohlwollend aufgenommen. Im Jahr 1841 folgte die Erzählung Feldblumen im Almanach Iris nach. • Nach 1841 nahm Stifter wieder die Tätigkeit als Hauslehrer auf und unterrichtete u. a. von 1843 bis 1846 Richard von Metternich, den Sohn des österreichischen Staatskanzlers. Der Pester Verleger Gustav Heckenast, der schon den Condor herausgegeben hatte, begann nun, Stifter zu fördern: er wurde Herausgeber des Sammelbandes Wien und die Wiener und veröffentlichte 1842 die Erzählung Der Hochwald in der Iris.

  41. Es folgten zunächst einige publizistische Arbeiten, bis dann mit Abdias 1842 der literarische Durchbruch gelang, der Stifter auch materiell zunehmende Unabhängigkeit brachte. Es folgten bis 1844 Brigitta und Das alte Siegel, dann Der Hagestolz und Der Waldsteig. 1843 arbeitete er seine ersten Erzählungen um, und schon 1844 konnte der nunmehr vorwiegend schriftstellerisch tätige Stifter seine gesammelten Erzählungen in den ersten Bänden der Studien vorlegen. Während diese ersten Bände schnell Anerkennung fanden, hatte Stifter mit den 1850 erschienenen letzten zwei Bänden der Studien keinen Erfolg mehr. Auch der Dichter Friedrich Hebbel kritisierte die Werke des Neulings nun scharf. • Die Unruhen des Revolutionsjahres 1848 brachten Stifter, der als ein Anhänger der revolutionären Bewegung und als der „fortgeschrittenste Liberale“ galt und auch als Wahlmann für die Nationalversammlung fungierte, dazu, Wien zu verlassen und nach Linz überzusiedeln. Hier veröffentlichte er 1849 die Erzählung Die Landschule, die die Arbeit der Landschullehrer positiv hervorhob. 1850 wurde er selbst, nun wieder zunehmend von finanziellen Sorgen geplagt, zunächst provisorisch und 1853 endgültig zum Schulrat ernannt.

  42. Die Ehe mit Amalie hat Stifter selbst als glücklich beschrieben, obwohl sie wenig gebildet war. Amalie hat Stifter ein Leben lang gepflegt, umsorgt und behütet. Doch scheint die Kinderlosigkeit das Paar belastet zu haben. Die Stifters nahmen Juliane, eine Nichte Amalies, als Ziehtochter auf. Diese riss aber mehrmals von zu Hause aus; nachdem sie auch im Winter 1859 mehrere Tage verschwunden war, fand man ihre Leiche in der Donau. Ob der Tod durch einen Unfall verursacht wurde oder sich das Mädchen umgebracht hat, blieb ungeklärt. Dieser Schicksalsschlag hat die Stifters schwer getroffen. • Stifters Gesundheitszustand verschlechterte sich Ende der 1850er Jahre zunehmend. Mehrmals begab er sich zu Kuraufenthalten für ein „Nervenleiden“; die Arbeit an seinem historischen Roman „Witiko“ verzögerte sich – zum Leidwesen seines Verlegers Gustav Heckenast – über mehrere Jahre hinweg. Schließlich konnte er sein Amt nicht mehr ausfüllen. Durch die Intervention eines Gönners wurde er mit dem Titel eines Hofrates pensioniert. Von den zunehmenden Beschwerden einer Leberzirrhose geplagt, öffnete sich Stifter am 26. Januar 1868 auf dem Krankenbett mit einem Rasiermesser die Halsschlagader und starb zwei Tage darauf. Das selbst herbeigeführte Ende seines Leidens wurde in der Todesurkunde diskret verschwiegen. Auf dem St. Barbara-Friedhof in Linz fand Adalbert Stifter seine letzte Ruhestätte

  43. Er trug 'ne gold'ne Kron'. Der mordete im Walde Sein Lieb - und ging davon. Da kam ein grüner Jäger: »Gelt, König, suchst ein Grab? Sieh' da die grauen Felsen, Ei, springe flugs hinab.« Und wieder war ein König, Der ritt am Stein vorbei: Da lagen weiße Gebeine, Die gold'ne Kron' dabei. Es war einmal ein König,

  44. Stifters Geburtshaus in Horny Plana

  45. ADALBERT STIFTER (1805 - 1868) Adalbert Stifter, geboren am 23. 10. 1805 in Oberplan (heute Horní Planá), Südböhmen, als Sohn einer Leinenweber- und Flachshändlerfamilie. 1818-1826 Gymnasium am Benediktinerstift Kremsmünster. Studium der Rechtswissenschaften, später der Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität Wien, Hauslehrertätigkeit. Maler und Schriftsteller, ab 1840 Veröffentlichung von Erzählungen in Almanachen und Zeitschriften, die 1844-1850 in überarbeiteter Form unter dem Titel "Studien" im Verlag Gustav Heckenast in Budapest erscheinen. Im Revolutionsjahr 1848 Übersiedlung nach Linz, ab 1850 Landesschulinspektor für die Volksschulen in Oberösterreich, Landeskonservator (1853) und Begründer der OÖ. Landesgalerie. Mitbegründer der Realschule zu Linz. 1853 erscheint die Erzählungssammlung "Bunte Steine", 1857 der Bildungsroman "Der Nachsommer", 1865-1867 der historische Roman "Witiko"; Arbeit an der Romanfassung der "Mappe meines Urgroßvaters" (Fragment). Weitere Arbeiten als Maler und Zeichner. Ab 1863/64 zunehmende Krankheit, vermutlich Leberzirrhose, der Stifter am 28. 1. 1868 nach einem Schnitt mit dem Rasiermesser in den Hals erliegt.Von Stifters Geburtshaus in Oberplan bis zu Stifters Wohn- und Sterbehaus in Linz liegen etwa 80 Kilometer. Beide Häuser sind mit ihrer Einrichtung als Museen - das Stifter-Haus in Linz auch als Literatur-Institut für die Literatur Oberösterreichs - wesentliche Zentren. Mit den beiden Häusern korrespondieren Stifters Literaturlandschaften. Die Lebenslandschaften Stifters und die Stifterschen Kunstlandschaften scheinen zeichenhaft symbolisiert auch in den Denkmälern in Linz und im Böhmerwald. Neben den Dichterdenkmälern verweisen zwei Steinobelisken auch auf die Eckpunkte der Biographica literaria Stifters: der Granitobelisk auf dem Plöckenstein, dem wunderbaren Naturschauplatz von Stifters "Hochwald" und "Witiko", und der Granitobelisk an seiner letzten Ruhestätte auf dem St. Barbara-Friedhof in Linz.

  46. Die Hauptwerke:- Studien (darin u.a. Das Heidedorf, Der Hochwald, Die Mappe meines Urgroßvaters) - Bunte Steine (mit der Vorrede vom "sanften Gesetz", Granit, Kalkstein, Bergkristall u.a.) - Der Nachsommer (Bildungsroman) - Witiko (historisches Prosaepos) Adalbert Stifter gehört heute zu den historischen Größen der österreichischen Literatur, und betrachtet man die Übersetzungen in viele Weltsprachen, kann man ihn ohne weiters als Autor der Weltliteratur bezeichnen. Stifter ist lange Zeit als böhmisch-österreichischer Heimatschriftsteller angesehen worden, als biedermeierlicher Naturschilderer und Idylliker, als Erbauungsschriftsteller und Harmonisierer. Erst spätere Generationen haben in ihm den vielschichtigen, ja abgründigen Künstler wahrgenommen, dem Kunst und Ästhetik nicht nur als wesentliche Bildungsmittel für die Humanisierung der Menschenwelt, sondern als sublimative Bewältigungsstrategien krisenhafter Welt- und Existenzerfahrung dienten.Thomas Mann faßte 1949 seine Eindrücke der erneuten Stifter-Lektüre in einem markanten Satz zusammen: "Stifter ist einer der merkwürdigsten, hintergründigsten, heimlich kühnsten und wunderlich packendsten Erzähler der Weltliteratur, kritisch viel zu wenig ergründet."Bereits lange vor Thomas Mann hat Friedrich Nietzsche auf die hohe Qualität von Stifters Prosa aufmerksam gemacht, dem folgte erst viel später, insbesondere nach den beiden Weltkriegen, eine weiterreichende Neubewertung Stifters. Das Mißverständnis vom bloßen Heimatdichter hängt mit der genuinen Landschaftsdarstellung Stifters zusammen: Seine Lebenslandschaften - der Böhmerwald, die Haupt- und Residenzstadt Wien und das oberösterreichische Land vom Mühlviertel über das Alpenvorland bis zum Salzkammergut wurden seine hauptsächlichen Literaturlandschaften. Aus der biographischen Entfernung von seiner Heimat in seiner Wiener Zeit schrieb Stifter die Erzählungen der "Studien", in denen er in anschaulichen Bildern von der fernen Landschaft seiner Herkunftswelt von problematischen Schicksalen, scheiternden Künstlern oder labilen Menschen, die seelisch zugrunde gehen oder gerade noch gut davonkommen, erzählt.

  47. Adalbert Stifters Haus in Linz

  48. Oft saß ich in vergangenen Tagen in dem alten Mauerwerke, ein liebgewordenes Buch lesend, oder bloß den lieben aufkeimenden Jugendgefühlen horchend, durch die ausgebröckelten Fenster zum blauen Himmel schauend Und nun, lieber Wanderer, wenn du dich satt gesehen hast, so gehe jetzt mit mir zwei Jahrhunderte zurück, denke weg aus dem Gemäuer die blauen Glocken, und die Maslieben und den Löwenzahn, und die andern tausend Kräuter; streue dafür weißen Sand bis an die Vormauer, setze ein tüchtig Buchenthor in den Eingang und ein sturmgerechtes Dach auf den Thurm, spiegelnde Fenster in die Mauern, theile die Gemächer, und ziere sie mit all dem lieben Hausrath und Flitter der Wohnlichkeit - dann, wenn Alles ist wie in den Tagen des Glückes, blank, wie aus dem Gusse des Goldschmiedes kommend - - dann geh' mit mir die mittlere Treppe hinauf in das erste Stockwerk, die Thüren fliegen auf - - - Gefällt dir das holde Paar?

  49. Der Punkt, von dem aus man fast so weit als es hier beschrieben, den Lauf dieser Waldestochter übersehen kann, ist eine zerfallene Ritterburg, von dem Thale aus wie ein luftblauer Würfel anzusehen, der am obersten Rande eines breiten Waldbandes schwebet. Friedbergs Fenster sehen gegen Südwesten auf die Ruine, und dessen Bewohner nennen sie den Thomasgipfel oder Thomasthurm, oder schlechthin St. Thoma, und sagen, es sei ein uraltes Herrenschloß, auf dem einst grausame Ritter wohnten, weßhalb es jetzt verzaubert sei und in tausend Jahren nicht zusammenfallen könne, ob auch Wetter und Sonnenschein daran arbeite.

  50. Ein Gefühl der tiefsten Einsamkeit überkam mich jedesmal unbesieglich, so oft und gern ich zu dem mährchenhaften See hinaufstieg. Ein gespanntes Tuch ohne eine einzige Falte liegt er weich zwischen dem harten Geklippe, gesäumt von einem dichten Fichtenbande, dunkel und ernst, daraus manch einzelner Urstamm den ästelosen Schaft emporstreckt, wie eine einzelne alterthümliche Säule. Gegenüber diesem Waldbande steigt ein Felsentheater lothrecht auf, wie eine graue Mauer, nach jeder Richtung denselben Ernst der Farbe breitend, nur geschnitten durch zarte Streifen grünen Mooses, und sparsam bewachsen von Schwarzföhren, die aber von solcher Höhe so klein herabsehen, wie Rosmarinkräutlein.