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Arbeit und Liebe bei Charles Fourier. Eine Einführung von Nemetico (Pedro Kreye). Aus der „Ode an Charles Fourier“ Andre Breton. Fourier hell hebt sich ab vom trüben Grau des heutigen Denkens und Trachtens dein Licht Es klärt den Durst nach einem besseren Dasein

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Arbeit und Liebe bei Charles Fourier


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    Presentation Transcript
    1. Arbeit und Liebe bei Charles Fourier Eine Einführung von Nemetico (Pedro Kreye)

    2. Aus der „Ode an Charles Fourier“ Andre Breton Fourier hell hebt sich ab vom trüben Grau des heutigen Denkens und Trachtens dein Licht Es klärt den Durst nach einem besseren Dasein und birgt ihn vor allem was seiner Reinheit schaden könnte auch wenn ich's (was der Fall ist) für erwiesen hielte daß die Verbesserung des menschlichen Schicksals nur sehr langsam und in Schüben sich vollzieht um den Preis von platten Forderungen und kalten Kalkulationen so bleibt doch ihr wahrer Hebel die Kraft des aberwitzigen Glaubens an den Aufbruch in eine paradiesische Zukunft und letztlich ist sie auch die einzige Hefe der Generationen deine Jugend

    3. Gliederung • 1. Leben und Werk Charles Fouriers • 2. Grundgedanken • 3. Die Wirkungsgeschichte Charles Fouriers • 4. Die Liebe in der Harmonie • 5. Über die Freiheit in der Arbeit • 6. Fourierismus und Marxismus

    4. 1. Leben und Werk Charles Fouriers • Der utopische Sozialist Fourier war einer der sogenannten „Frühsozialisten“. • Scharfer Kritiker der Sitten und Gesellschaft seiner Zeit. • Entwarf als Gegenbild zur „Zivilisation“ die Zukunftsgesellschaft der „Harmonie“

    5. Kritik der Gesellschaft „Zivilisation“ - Gegen-überstellung der Vision der Harmonie, der höchsten und zukünftigen Stufe der Menschheitsentwicklung. Fourier kritisiert nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Sitten und Moralvorstellungen seiner Zeit. Verspottet als „durchgeknalltester aller Utopisten“, verehrt und bewundert als kühnster aller Visionäre. Er ist Schöpfer des Begriffes „freie Liebe“ (liberte amoureuse), eigentlich „liebende Freiheit“. Fourier, François Marie Charles (1772 - 1837)

    6. Die Utopie der Harmonie • Bildung von großen Kommunen (Phalangen), in denen die Menschen zusammen leben und in Produktions-Genossenschaften die Arbeit organisieren. • Die Arbeit wird zum Vergnügen werden. • Ein Phalansterium ist auch eine Liebes-gemeinschaft. • Freie Liebe wird die Regel sein.

    7. Ich bin gekommen, um die Menschheit von dem Chaos der Zivilisation, der Barbarei und der Wildheit zu befreien, um ihr mehr Glück zu verschaffen, als sie je zu hoffen wagte, um ihr alle Geheimnisse der Natur zu enthüllen. (Charles Fourier) Der „durchgeknallteste“ aller Utopisten

    8. 7.4.1771 geboren in Besancon als Sohn eines Tuchhändlers 1772-1791 Gymnasium; Lehrling bei Kaufleuten in Lyon und Rouen 1791-1794 Übersiedlung nach Lyon; Revolution; Verwicklung in den Bürgerkrieg Föderierte – Konvent; Beerbung des Vaters; Militärdienst; Verlust seines gesamten Vermögens 1799 Als Kaufmannsgehilfe in Marseille. Beginn der Arbeiten an „der Berechnung der sozialen und erotischen Anziehung“. 1800. Geldmangel, lebt in Lyon als Makler ohne Lizenz. 1803-1804 erstmals Erwähnung der „universellen Harmonie“ in einer Artikelserie 1808 Veröffentlichung „Theorie der vier Bewegungen“. 1821 Erscheinen der „Abhandlung über häusliche und landwirtschaftliche Assoziation“, gekürzt um die erotischen Passagen. Ab 1824 -1829 Lebt als kleiner Angestellter. Wartet auf einen Sponsor für sein erstes Phalansterium. 1837 Fourier stirbt und wird auf dem Montmatre begraben. Lebensdaten 1771-1837

    9. Aktualität Charles Fouriers • Auf ihm basierten explizit Marx und Engels Vorstellungen vom Kommunismus als Zukunftsgesellschaft, wenn auch modifiziert. Sie erklärten ihn zu einem Genie, der das „Axiom“, das „Ei des Kolumbus“ der Sozialphilosophie in der „anziehenden Arbeit“ gefunden hätte. • Er war Vordenker einer sexuellen Revolution, neben dem Freud, Reich und Kinsey schüchtern wirken. • Er entwickelte die Konzepte der „anziehenden Arbeit“ als Gegensatz zum Arbeitszwang und des bedingungslosen Grundeinkommens für die besitzlose Klasse.

    10. 2. Grundgedanken • Fourier ist Gegner jeder Vereinheitlichung durch Zwang. • Seine Vorstellungen von der Zukunftsgesellschaft Harmonie sind weit weg von der rigiden Monokultur vieler anderer sozial-revolutionärer Modelle (nicht nur) seiner Zeit. • Er geht von einem progressivem (ansteigenden) Geschichtsverlauf aus, der in der Harmonie mündet. • Die „Zivilisation“ (bürgerliche Gesellschaft) ist nur ein Zwischenstadium mit höchst verachtenswerten Merkmalen. • „In der Harmonie ist alles frei“ – die Zukunft basiert auf der Freiwilligkeit und der Kultivierung der Leidenschaften

    11. Anziehung und Leidenschaften • Gesellschaftliche Harmonie entsteht nicht durch Unterdrückung von Leidenschaften, sondern durch das Ausleben der verschiedenen, in jedem Individuum anders konzentrierten Anziehungs- oder Assoziationskräfte. • Fourier sieht den glücklichen Menschen als ein durch Leidenschaften bewegtes und gesteuertes Wesen. • Fourier sagt, dass die Leidenschaften durch "gegenlaufende" Leidenschaften integriert werden können. Sie können zu sozialen Triebfedern in einem harmonischen, förderlichen Ganzen integriert werden (Orchester – Bild).

    12. Gegengewichte und Gegenläufer • Unterdrückung von Leidenschaften ist sinnlos und schädlich, sie müssen vielmehr orchestriert und gelenkt werden. • Jeder Leidenschaft kann eine ihr gegenlaufende und damit sie zurücknehmende entgegengesetzt werden. • „Der Hang zu Greueltaten ist nichts anderes als das Ergebnis angestauter Leidenschaften“

    13. Verfechter der Rechte der Frau • "Die Harmonie entsteht nicht, wenn wir die Dummheit begehen, die Frauen auf Küche und Kochtopf zu beschränken. Die Natur hat beide Geschlechter gleichermaßen mit der Fähigkeit zu Wissenschaft und Kunst ausgestattet." • „Kann man nur einen Schimmer von Gerechtigkeit in dem Los erblicken, das den Frauen beschieden ist?“ • „Allgemein läßt sich die These aufstellen: der soziale Fortschritt vollzieht sich entsprechend den Fortschritten in der Befreiung der Frau“.

    14. Gegen die Kleinfamilien - Ehe • „Das heutige System, das den Zusammenschluß der Menschen infolge der Isolierung der Haushalte auf ein Minimum beschränkt, hat die Menschheit auf den Gipfel der Verderbtheit geführt“ • „Die Zivilisation bewirkt, daß der Mensch in ewigem Kriegszustand mit seinesgleichen lebt und jede Familie der geheime Feind aller anderen Familien ist“. • In der Zivilisation kann die Liebe (…) keinen freien Aufflug nehmen, denn sie ist in der Ehe gefangen“.

    15. Fouriers gedankliche Methoden Fourier offenbart seine Methoden (die Friedrich Engels als „meisterlich gehandhabte Dialektik“ bezeichnet) als die des »absoluten Abstands« und des »absoluten Zweifels«. • Der absolute Abstand bezeichnet die Distanz, die ihn, den Seher einer neuen Ordnung, von seiner Zeit und ihren Anschauungen trennt. • Das Prinzip des absoluten Zweifels (die Cartesianische Methode nachvollziehend), d.h. die Notwendigkeit der Herleitung aller Theorie aus ersten Prinzipien (induktiv statt deduktiv).

    16. Fourier erfindet zum Teil neue Begriffe oder definiert bekannte Begriffe auf eigenwillige Weise neu. Daher ein kurzes Glossar seiner „Kennworte“ Attraktion Aufflug Serie Gott Phalansterium Liebeshof usw. Wichtige Grundbegriffe in Fouriers Werk

    17. Anziehung „attraction“ • Zwischen Leidenschaften und der Arbeit der Menschen wirken berechenbare Anziehungskräfte (analog Newtons physikalischen Anziehungskräften). • Der Mensch kann nur kraft vielfacher Beziehungen seine Bestimmung finden. Als Einzelner ist er nicht in der Lage, sich zu entfalten.

    18. Aufflug „essort“ • Entwicklung bzw Entfaltung einer Leidenschaft. • Jede Leidenschaft hat eine Triebfeder (ressort), der Raum gegeben werden muß, damit sie „auffliegen“ kann. • Der Aufflug aller Leidenschaften ist erst in der Gesellschaftsstufe der Harmonie vollständig zu verwirklichen.

    19. Celadonische Liebe • Fouriers Begriff für „spirituelle, romantische Liebe“, nach dem Helden Celadon des Schäferromans Astee. • In der Zivilisation scheinbar hochgehalten, in Wirklichkeit aber verachtet. • Gegenbegriff zur „materiellen Liebe“ (=Kopulation). • In der Harmonie erst wird sie gleichberechtigt mit der materiellen Liebe sein und ihren wirklichen Aufflug erleben.

    20. Drehpunkt (pivot) Bezeichnet bei Fourier das wichtigste Element eines Systems. Den Newtonschen Bewegungsgesetzen entlehnt. So ist • die Sonne der Drehpunkt im Sonnensystem • die Familie in der Zivilisation • das Phalansterium in der Harmonie • der Unitismus ist die Drehpunkt-Leidenschaft in der Harmonie • So gibt es Drehpunktliebe auch bei Polygamen, etc.

    21. Hebel (levier) • Von Fourier gern gebrauchter Begriff, um Methoden zu bezeichnen, ein Vorhaben zur Entfaltung zu bringen. • Insbesondere für die „anziehende Arbeit“ ist ein System von Hebeln zu verwirklichen, die in „zum Aufflug gebrachten“ Leidenschaften bestehen.

    22. Serie • Organisationsform, die auch in der Natur anzutreffen ist. Sie ist nach Fourier die natürliche Organisationsform des Menschen: Sorgfältig zusammengestellte Einheit von Gruppen unterschiedlichen Alters, Besitzes, Intelligenz, die eine mehr oder weniger starke gemeinsame Neigung für eine bestimmte Leidenschaft haben.

    23. Leidenschaft (passion) • Nach Fourier läßt sich die Bestimmung des Menschen in seine Leidenschaften auflösen, die wiederum Anziehungskräfte zwischen Menschen bewirken. • Leidenschaften ersetzen in der Harmonie den Zwang durch Not oder Gewalt. • Leidenschaften verzweigen sich baumartig, ausgehend von drei Ästen, sich „in eine Fülle von Nuancen verzweigend“.

    24. Die 12 + 1 Leidenschaften • Fourier entwickelte ein ausgefeiltes System von Leidenschaften, das aus heutiger Sicht überholt und unzureichend erscheinen mag, aber in sich und insgesamt schlüssig ist. • Sein Grundgedanke war, die Leidenschaften und ihre Antriebe grundsätzlich anzunehmen und zu einer Einheit zu bringen durch ihren „Aufflug“. • Keines dieser Bedürfnisse sei in seiner Triebfeder schlecht.

    25. Fouriers System der Leidenschaften Luxurismus: die 5 Sinne 1. Sehen 2. Hören 3. Berühren 4. Schmecken 5. Riechen Gruppismus: 6. Familiensinn (Fürsorge) 7. Ehrgeiz 8. Freundschaft 9. Liebe Seriismus: 10. Flatterlust 11. Streitlust (Wettstreit) 12. Übereinstimmungs-Lust (auch: Begeisterung) Die 12 + 1 Leidenschaften

    26. Unitismus • Die „13. Leidenschaft“ nach Fourier ist die Drehpunkt – Leidenschaft (Pivotale). • Gegenleidenschaft zum Egoismus (zerstückelte sonstige Leidenschaften). • Es ist die Neigung des Individuums, sein Glück mit dem Glück aller anderen in Einklang zu bringen. • Verwirklichung des Unitismus bedeutet „kollektiven Aufflug aller Leidenschaften“.

    27. Gott (dieu) • Fourier ist kein Atheist, sondern Pantheist. • Entgegen christlichem Verständnis ist sein Gott aber kein Gott der Moral, sondern ein sozialer, triebbejahender Gott und Schöpfer des sozialen Codes (manifestiert sich gewissermassen in den Leidenschaften). • Wie für viele christliche Ketzer der Geschichte ist für Fourier die sexuelle Vereiniguung von Gott gewollter Weg zur Vollendung des Menschen (das Heilige ist unauflöslich mit dem Erotischen verbunden) • Die religiösen Kulte müssen die Liebe zu Gott mit der Liebe zu den Vergnügungen verbinden (Kultus der wollüstigen Leidenschaften)

    28. Phalansterium (phalanstere) • Die aus rund 1620 Personen bestehende Phalanx ist für Fourier die Basiseinheit der Harmonie, ein Drehpunkt des sozialen Mechanismus. Es handelt sich um Groß-gemeinschaften, die sowohl Landwirtschaft als auch Manufakturproduktion betreiben. Eine Phalanx besteht aus einer nicht festgelegten Anzahl von Serien, die ihrerseits wieder aus Neigungsgruppen bestehen.

    29. Liebeshof (court d‘amour) • Die Liebe in der Harmonie ist – auf Grundlage der Freiwilligkeit – institutionalisiert und eine öffentliche Angelegenheit. • Menschen sind Mitglieder in sogenannten Liebesklassen, die ihren Neigungen entsprechen. • Der Liebeshof registriert jeden Wechsel in den Beziehungen oder von Liebesklasse zu Liebesklasse und wird von einer Hohepriesterin geleitet. Wechsel ist jederzeit möglich.

    30. Zerstückelte Arbeit (travail morcele) • „Die Zerstückelung der Arbeit ist eines der Hauptlaster der Zivilisation“ • Die Konzentration auf einen einzigen Beruf entspricht nicht der menschlichen Natur. • Das daraus resultierende Streben nach individueller Bereicherung und Abkapselung ist verderblich. • Auch: „zerstückelter Haushalt“

    31. Geschichtsepochen nach Fourier • Ungeordnete Serien • Wildheit • Patriarchat • Barbarei • Zivilisation (FouriersHEUTE, bürgerliche Ges.) • Garantismus (genossenschaftliche Ordnung) • Soziantismus (Unvollständige Serien) • Harmonie

    32. 3. Die Wirkungsgeschichte Charles Fouriers • Der geniale Einzelgänger warf in deinen Schriften bis 1837 alle Moralbegriffe über den Haufen, die zu seiner Zeit galten, und entwarf die Grundzüge einer gesellschaftlichen und sexuellen Revolution. • Er wurde (sowieso) vom etablierten System, aber auch von anderen Frühsozialisten (Proudhon, Leroux, Cabet) erbittert angegriffen. • Gleichwohl fand er begeisterte Anhänger, auch unter Ausländern: zum Beispiel Heinrich Heine, Georg Herwegh, vor allem aber Karl Marx und Friedrich Engels.

    33. Verrat durch seine Schüler • Nach seinem Tod zensierten ihn auch seine Schüler und unterschlugen seine Vorstellungen von der FreiheitderLiebe als „soziale Unschicklichkeit“ in seinen veröffentlichten Texten („notwendige Auslassungen“). • Seine Schüler unterdrückten die Teile seiner Lehre, die von den „harmonischen Sitten“ handelt. „Notgedrungen“ würde die „Arbeit darunter leiden“, wenn der „Grundsatz der Freiheit der Liebe“ verkündet würde. • Die sich auf ihn berufene Richtung der Fourieristen degenerierte zur Sekte, blieb auf bürgerliche Philanthropen beschränkt und verschwand bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

    34. Fourier und der Marxismus Wie aber, wenn die Schriften Fouriers »nur« literarischen Wert hätten, wäre es zu erklären, daß wissenschaftlich-analytische Denker wie Marx und Engels ihn durchaus ernstgenommen haben, daß Marx ihn in die Ahnenreihe des wissenschaftlichen Sozialismus aufnimmt und daß Engels schreibt, Fourier bediene sich der Dialektik mit der gleichen Meisterschaft wie Hegel? • Elisabeth Lenk in Einleitung zur deutschen Ausgabe der „Theorie der vier Bewegungen“ von Charles Fourier 1966

    35. Begeisterte Zustimmung bei Marx und Engels • Die jungen Hegelianer Marx und Engels beschäftigten sich ab 1842 mit den Schriften des großen Utopisten. • Fourier ist für sie ein „Genie“, der „grösste Satiriker aller Zeiten“, hat das „Ei des Kolumbus der Sozialphilosophie“ gefunden. • Sie begannen auch seine Verachtung gegenüber der „reinen Philosophie“ zu übernehmen (was letztlich in den Thesen über Feuerbach mündete). • Besonders Engels studierte das Gesamtwerk Fouriers und verteidigte ihn engagiert und sogar wütend gegen seine Kritiker (z.B. Eugen Dühring). • Fouriers Vision von der „Harmonie“ wurde zum Bezugspunkt ihrer Vorstellungen von einer kommunistischen Zukunftsgesellschaft. • Sie benannten aber auch seine unbestreitbaren zeitbedingten Unzulänglichkeiten und Inkonsequenzen: keine Abschaffung der sozialen Klassen, vorindustrielle Produktionsformen usw, mahnten aber ausdrücklich an, das „Gold“ in seiner Soziologie nicht zu übersehen, sondern aufzugreifen und zu übernehmen.

    36. Engels über Fouriers Thesen zur anziehenden Arbeit „Fourier weist nach, daß jeder mit der Neigung für irgendeine Art von Arbeit geboren wird, (…) daß das Wesen des menschlichen Geistes darin besteht, selber tätig zu sein (…), und daß daher keine Notwendigkeit besteht, Menschen zur Tätigkeit zu zwingen, wie im gegenwärtig bestehenden Gesellschaftszustand, sondern nur die, ihren natürlichen Tätigkeitsdrang in die richtige Bahn zu lenken. Er (…) zeigt die Vernunftwidrigkeit der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, die beide voneinander trennt, aus der Arbeit eine Plackerei und das Vergnügen für die Mehrheit der Arbeiter unerreichbar macht; weiter zeigt er, wie (….) die Arbeit zu dem gemacht werden kann, was sie eigentlich sein soll, nämlich zu einem Vergnügen, wobei jeder seinen eigenen Neigungen folgen darf. (…)“ (Friedrich Engels: „Fortschritte der Sozialreform auf dem Kontinent“)

    37. Theorie der freien Arbeit „Ich kann natürlich nicht Fouriers gesamte Theorie der freien Arbeit durchgehen, und ich denke, dies wird genügen, um den englischen Sozialisten zu zeigen, daß der Fourierismus eine Sache ist, die durchaus ihre Aufmerksamkeit verdient. Es ist außerdem Fouriers Verdienst, die Vorteile, oder besser gesagt die Notwendigkeit des Zusammenschlusses gezeigt zu haben. Es dürfte genügen, dieses Thema lediglich zu erwähnen, da ich weiß, daß die Engländer sich seiner Wichtigkeit durchaus bewußt sind. (Friedrich Engels: „Fortschritte der Sozialreform auf dem Kontinent“)

    38. Engels Kritik an Fourier Es gibt jedoch im Fourierismus eine sehr schwerwiegende Inkonsequenz, und zwar die Beibehaltung des Privateigentums. In seinen Phalanstères oder genossenschaftlichen Gemeinden gibt es Reiche und Arme, Kapitalisten und Arbeiter. Das Eigentum aller Mitglieder wird in einen gemeinsamen Fundus eingebracht, das Unternehmen betreibt Handel, landwirtschaftliche und gewerbliche Tätigkeit, und der Ertrag wird unter die Mitglieder verteilt: ein Teil als Arbeitslohn, ein zweiter Teil als Prämien für Fachkenntnis und Begabung, ein dritter als Verzinsung des Kapitals. (...) Dabei können wir natürlich nicht stehenbleiben, und auch die Franzosen haben hierbei nicht haltgemacht. (Friedrich Engels: „Fortschritte der Sozialreform auf dem Kontinent“)

    39. Fourier geriet in Vergessenheit • Noch August Bebel schrieb 1869 eine Monographie des großen Utopisten, dessen Visionskraft er bewunderte. • Noch Rosa Luxemburg kannte ganz offensichtlich seine Schriften und zitierte geflügelte Worte daraus (etwa in ihrer Polemik gegen Eduard Bernstein). • Auch Lenin waren die Theorien Charles Fouriers ganz offenkundig bekannt, da er 1923 den Begriff der „genossenschaftlichen Ordnung“ von Fourier gebrauchte, als anstehende Aufgabe des sowjetischen Arbeiterstaates. • Der Surrealist und Trotzkist Andre Breton schrieb 1945 seine geradezu hymnische „Ode an Charles Fourier“, nachdem er das Werk des nur noch dem Namen nach bekannten großen Utopisten gelesen hatte. • Im Bereich des „offiziellen“ Marxismus (=Stalinismus) allerdings wurde Fourier und seine Vision von der Harmonie zunächst vergessen und totgeschwiegen. • Stalin verstieg sich zu der Behauptung, Marx wäre ein „Feind der utopischen Sozialisten“ und mithin Charles Fouriers gewesen (eine Geschichtsfälschung, wenn auch nicht die schlimmste). • Sogenannte „kommunistische“ Staaten, die sich auf Marx und Engels beriefen, waren strukturell als Zwangssysteme das glatte Gegenteil von Fouriers Harmonie, die für Marx und Engels hinsichtlich der Organisation der Arbeit das Leitbild von einer kommunistischen Zukunftsgesellschaft war.

    40. 4. Die Liebe in der Harmonie • Vorbedingung der Harmonie: eine neue Erziehung („kein Kind ist schlecht“). • Wohltaten der Harmonie („Alles für das Vergnügen“) • Kanzlei des Liebeshofes • Liebesdienste im Alter • Über die Orgie

    41. Fourier und die Liebe in der Harmonie Wenn es auch schwerfallen dürfte, den Ausführungen Fouriers mit eben dem Ernst und der Naivität zu folgen, die zweifellos den Autor beseelten, so wird doch nur der einen Text wie den vorliegenden mit Gewinn lesen, dem es ergeht wie einem der ersten Rezensenten Fouriers, der im >Mercure de France< vom 9. Januar 1830 schreibt, er habe bei der Lektüre eines eben erschienenen Fourier-Buchs an seiner eigenen Vernunft mindestens ebenso sehr gezweifelt wie an der Fouriers. Elisabeth Lenk in Einleitung zur deutschen Ausgabe der „Theorie der vier Bewegungen“ von Charles Fourier 1966

    42. Fouriers Auffassungen von der Liebe in der Harmonie • „Seit nunmehr dreitausend Jahren besudelt man die Erde mit den abgeschmacktesten Faseleien über die Leidenschaften. Wir müssen dem Übel ein Ende setzen, methodisch vorgehen in jedem Bereich, der das schmerzliche Rätsel der Leidenschaften berührt“ • „Wenn wir in der Harmonie alle Schattierungen der Liebe erfaßt haben werden, wird diese bei uns so verachtete Triebfeder unzählige Quellen der Begeisterung erschließen“

    43. Fouriers Auffassungen von der Liebe in der Harmonie • „Die Liebe ist die mächtigste Triebkraft der leidenschaftlichen Annäherung, selbst bei antipathischen Charakteren. Darum ist die Liebe diejenige Leidenschaft, die am geeignetesten ist, Beziehungen zwischen Menschen zu knüpfen“ • „In der Harmonie, wo niemand arm und für jedermann bis ins hohe Alter die Liebe zugänglich ist, widmet ein jeder dieser Leidenschaft einen bestimmten Teil des Tages; die Liebe wird zur Hauptbeschäftigung“

    44. Gesetzmässigkeiten der Leidenschaften • „Jede Leidenschaft bringt ihr Gegenstück hervor, das ebenso schädlich ist, wie die natürliche Leidenschaft heilsam gewesen wäre“. • „(…) der menschlichen Vernunft hätte es besser angestanden, jene unbezwingbaren Kräfte, die man Leidenschaften nennt, nicht zu kritisieren, sondern deren Gesetze zu studieren“.

    45. Liebesordnungen Sind in der Harmonie Neigungsklassen, die jederzeit freiwillig gewechselt werden können Beispiele (in der Reihenfolge wachsender sexueller Vieltfalt): • Vestalen und Vestalinnen (keine körperliche Liebe) • Damoiseaux, Damoiselles (monogame Treue) • Odalisken (ab hier ansteigend polygam) • Fakiressen • …. • Bacchanten und Bacchantinnen • Bayaderen (reisende Priesterinnen und Priester der Lust)

    46. Zugehörigkeit zu Liebesordnungen „Jeder Mann und jede Frau werden völlig frei sein, nach eigenem Gutdünken zu handeln und ihren Geschmack zu wechseln, wann immer es ihnen gefällt; aber sie sind verpflichtet, sich der Gruppe anzuschließen, die ihre vorherrschende Leidenschaft pflegt“.

    47. Alles für das Vergnügen. Freie Frauen. Der Harmonische Ball. Nichts ist anstößig. Kein Monogamiegebot. Überwindung der Eifersucht (u.a. durch ihre „Kultivierung“) Nicht nur Paare, sondern auch Quartette, Sextette etc. Hörner aufsetzen für alle, die darauf „stehen“. Kein Konflikt mehr zwischen Zärtlichkeit und sexuellem Begehren. Das „Fiasko“ ist nicht mehr beschämend. Unbeständigkeit wird zur Tugend. Versöhnung von Unbeständigkeit und Treue. Merkmale der Liebe in der Harmonie

    48. Alles für das Vergnügen • „Bei der Berechnung der Anziehung muß sich alles um das Vergnügen drehen, alles muß auf die Garantie der Vergnügungen zielen“ • „In der Harmonie, wo großer Überfluß und eine ungeheure Vielfalt von Vergnügungen herrscht und wo das harmonische Leben allgemeine Eintracht verlangt, muß der religiöse Kult die Liebe zu Gott mit der Liebe zur Lust verbinden, die keine Gefahren mehr bergen wird“

    49. Polygamie • „Die Polygamie, bei den Zivilisierten und Barbaren ein Auswurf der Leidenschaft, wird in der Harmonie eine hochherzige Beziehung sein (….)“. • „Mit gutem Grund darf ich verheißen, daß die Harmonie Keime der freiheitlichen Liebe hervorbringen wird, die in der entgegengesetzten Richtung wie unsere (heutigen) Bräuche und (….) eine hochherzige und heilige Trunkenheit, eine erhabene Wohllust bescheren wird, die unserem heutigen Egoismus weit überlegen ist“

    50. Laster und Tugend in der Harmonie • „Laster heißt vor dem Gesetz der Attraktion alles, was die Zahl der Beziehungen vermindert, Tugend alles, was sie vermehrt“