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Die Weltsystemtheorie Immanuel Wallersteins. von Helen Stark und Alexandra Staszewski. Gliederung. 1. Zur Person 2. Die Theorie

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die weltsystemtheorie immanuel wallersteins

Die Weltsystemtheorie Immanuel Wallersteins

von Helen Stark und Alexandra Staszewski

gliederung
Gliederung

1. Zur Person

2. Die Theorie

2.1 Sozialsysteme 2.2 Das moderne Weltsystem

3. Die Entstehung des modernen Weltsystems

3.1 Die Etablierung der Weltwirtschaft 3.2 Merkantilismus in Europa: 1600-1750

4. Die Erklärung der Unterentwicklung

4.1 „Ungleicher Tausch“ 4.2 Hegemonie

5. Kritik

1 zur person
1. Zur Person

Immanuel Wallerstein (*1930):

Vertreter eines „unidisziplinären Ansatzes“ zur Erforschung von Sozialsystemen.

Antropologie, Wirtschaftswissenschaften, Politologie, Soziologie und Geschichte, somit „Abteilungen“ einer Disziplin.

Beruflicher Werdegang:

  • Studium der Sozialwissenschaften, Columbia University of New York
  • 1959-1999: Soziologieprofessuren an mehreren Universitäten
  • 1999-2005: Leiter des „Fernand-Braudel-Center for Study of Economies, Historical Systems and Civilization“ an der Binghampton University
1 zur person1
1. Zur Person

Intelektuelle Einflüsse:

  • Karl Marx
  • franz. Historiker der Annales-Schule, insb. Fernand Braudel
  • Dependenztheorie

Lehre:

  • Post-koloniales Afrika
  • Kapitalistisches Weltsystem  wichtigstes Werk: “The Modern World-System”
2 die theorie
2. Die Theorie

Die Idee:

 Zentrum - Semiperipherie - Peripherie

  • Kernländer: industriellen Mächte
  • Peripherie: weniger entwickelte, abhängige Länder
  • Semiperipherie: mittlere Stellung
2 1 sozialsysteme
2.1 Sozialsysteme

 Kennzeichen: komplette Arbeitsteilung

  • Minisysteme
  • Weltsysteme

Weltsysteme:

 Kennzeichen: Surplus-Transfer von Peripherie zum Zentrum

  • Weltreiche (Imperien)
  • kapitalistische Weltwirtschaft
  • (sozialistische Weltregierung)
2 2 das moderne weltsystem
2.2 Das moderne Weltsystem

Besonderheit:

 Überdauert 500 Jahre als kapitalistische Weltwirtschaft

Definitorische Elemente:

  • Produktion für Weltmarkt, unter Prinzip der Profitmaximierung
  • Soziale und ökonomische Kluft zwischen Sektoren
  • Mechanismus des ungleichen Tauschs
2 2 das moderne weltsystem1
2.2 Das moderne Weltsystem
  • Nationalstaat zur Sicherung von Handelsbedingungen
  • relative Stabilität des Systems durch

- militärische Macht der herrschenden Kräfte (Zentrum)

- ideologische Bindung an des System als Ganzes

- dreischichtige Struktur

  • „Unterentwicklung“ kein vorkapitalistischer Zustand, sondern Folge des peripheren Daseins
2 2 das moderne weltsystem2
2.2 Das moderne Weltsystem

Arbeitsteilung:

Nicht nur funktionaler, sondern v.a.

geographischer Art.

Welche Länder übernehmen welche Funktion?

 Hängt ab von jeweiliger Arbeitsorganisation.

  • „freie Arbeit“ (Lohnarbeit, Selbstständigkeit) im Zentrum
  • Anteilswirtschaft in der Semiperipherie
  • Sklaverei, Feudalismus in Peripherie
2 2 das moderne weltsystem3
2.2 Das moderne Weltsystem

 Die Arbeitsorganisation beeinflusst das politische System in einem Land.

Dieses wirkt sich wiederum auf jeweilige Position innerhalb der Weltwirtschaft aus.

3 die entstehung des modernen weltsystems
3. Die Entstehung des modernen Weltsystems

Was geschah in den Jahrhunderten vor 1450

in Europa?

  • 12./13. Jhdt.: Feudalismus

 Expansion

  • 14./Anfang 15. Jhdt.:

 Ökonomische und politische Krise

 Aufhebung des Feudalismus.

3 1 die etablierung der weltwirtschaft
3.1 Die Etablierung der Weltwirtschaft

 3 ausschlaggebende Momente:

  • Territoriale Expansion als Schlüsselvariable
  • Entwicklung unterschiedlicher Arbeitskontrollmethoden innerhalb der Weltwirtschaft
  • Schaffung relativ starker Staatsapparate in den Kernländern
3 1 die etablierung der weltwirtschaft1
3.1 Die Etablierung der Weltwirtschaft

Warum ausgerechnet Nordwesteuropa?

  • Früherer Feudalismus führte zu Auflösung imperialer Strukturen
  • Historischer und geographischer Un- bzw. Zufall
3 2 merkantilismus in europa 1600 1750
3.2 Merkantilismus in Europa: 1600-1750

Phase der Verlangsamung der Expansion:

 allmähliche Konsolidierung der europäischen Weltwirtschaft.

- Verwerfungen und Verwüstungen in M-Europa.  NED wird Hegemon.

- Machtkampf zwischen GBR und FRA.  GBR wird Nachfolger von NED.

- Ab 1730: Aufschwungphase in NW-Europa.  Preissteigerungen erhöhen Produktion.

3 2 merkantilismus in europa 1600 17501
3.2 Merkantilismus in Europa: 1600-1750

Ökonomische Expansion:

- räumliche Spezialisierung der Produktion. - zunehmende Mechanisierung.

 Intensivierung der Wirtschaft.

Bevölkerungswachstum:

- sinkendes Heiratsalter. - weniger Geburtenkontrolle.

 Erhöhte Fertilität bei gleicher Mortalität.

Folge: Steigende Nachfrage nach Agrarprodukten.

4 die erkl rung der unterentwicklung
4. Die Erklärung der Unterentwicklung

Beginn der Unterentwicklung: Kolonisierung.

Verantwortlich dafür: „Ungleicher Tausch“.

Verfestigt wird die Unterentwicklung durch die „Stärke“ der Zentrumsstaaten, die es ihnen erlaubt, sich den in der Peripherie produzierten Mehrwert anzueignen und von dort ins Zentrum zu transferieren.

 Plünderung der Peripherie.

4 die erkl rung der unterentwicklung1
4. Die Erklärung der Unterentwicklung

Immanuel Wallerstein:

„[...] sobald es einen Unterschied in der Stärke der Staatsapparate gibt, beginnt auch der Mechanismus des ‘ungleichen Tauschs’ zu wirken, ein Mechanismus, den starke Staaten gegen schwache, Länder des Zentrums gegen periphere Gebiete einsetzen.”

4 1 ungleicher tausch
4.1 „Ungleicher Tausch“

Kapitalismus (nach I. Wallerstein):

Aneignung des volkswirtschaftlichen Überschusses (Surplus) der gesamten Weltwirtschaft durch die Länder des Zentrums.

Ursachen für “ungleichen Tausch”:

- unterschiedliche Stärke der Nationalstaaten. - unterschiedliche politische Interventionsmacht.

 Politische Faktoren ermöglichen den “ungleichen Tausch”.

4 1 ungleicher tausch1
4.1 „Ungleicher Tausch“

Zusätzlich:

Annahme der Durchsetzung einer internationalen Durchschnittsprofitrate.

- internationale Kapitalmobilität. - Immobilität der Arbeitskräfte. - ungleiche nationale Lohnniveaus.

 Surplusaneignung erfolgt über freien internationalen Handel.

4 1 ungleicher tausch2
4.1 „Ungleicher Tausch“

 Dauerhafter Mehrwertransfer aus der Peripherie ins Zentrum.

“Ungleicher Tausch”:

Entscheidende Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise.

 Ohne “ungleichen Tausch”, kein Profit.

 Ohne Profit, kein Kapitalismus.

4 2 hegemonie
4.2 Hegemonie

 Ungleichgewicht im Verhältnis zwischen den Großmächten zugunsten eines „primus inter pares“.

Hegemon:

Ökonomisch und militärisch überlegen, aber nicht allmächtig.

4 2 hegemonie1
4.2 Hegemonie

Drei Hegemone des modernen Weltsystems:

- Niederlande (1620-1672)

- Großbritannien (1815-1873)

- USA (1945-1967)

 Führung in allen Bereichen der agrarischen und industriellen Produktion, sowie dem Handel und Finanzwesen.

4 2 hegemonie2
4.2 Hegemonie

Vier gemeinsame Merkmale der Hegemone:

- Abfolge des ökonomischen Aufstiegs und Niedergangs.

- Einsatz für internationalen Freihandel, demokratische Institutionen und bürgerliche Freiheiten.

- hoher Lebensstandard für die Arbeiterschaft.

- militärische Weltmächte.

4 2 hegemonie3
4.2 Hegemonie

Ursache für Hegemoniebildung:

Effiziente Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft zur Steigerung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.

 Möglichkeit andere Großmächte auf dem Weltmarkt zu unterbieten.

Aber:

Nachzügler holen Rückstand allmählich auf.

- internationaler Freihandel. - hohe Einkommen der Arbeiterschaft.

5 kritik
5. Kritik

Die Weltsystemtheorie ist ein reines Zirkulationsmodell!

- Nichteinbezug der Produktionssphäre.

- statische Darstellung der Weltökonomie als Nullsummenspiel.

- zwanghafter Charakter des „ungleichen Tauschs“.

- Vernachlässigung der politischen Strukturen und Prozesse.