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Ringvorlesung WS 2005/06 Philosophie und Öffentlichkeit Aristoteles: PowerPoint PPT Presentation


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Ringvorlesung WS 2005/06 Philosophie und Öffentlichkeit Aristoteles: Theoretisches und praktisches Leben im Staat. Prof. Dr. Ludwig Siep Philosophisches Seminar der Universität Münster. Übersicht. I. Der Mensch als vernünftiges und politisches Wesen. II.Ethik und Politik.

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Presentation Transcript


Ringvorlesung ws 2005 06 philosophie und ffentlichkeit aristoteles

Ringvorlesung

WS 2005/06

Philosophie und Öffentlichkeit

Aristoteles:

Theoretisches und praktisches

Leben im Staat

Prof. Dr. Ludwig Siep

Philosophisches Seminar

der Universität Münster


Ringvorlesung ws 2005 06 philosophie und ffentlichkeit aristoteles

Übersicht

I. Der Mensch als vernünftiges und politisches Wesen

II.Ethik und Politik

III.Theoretisches und praktisches Leben

IV. Philosophie, Erziehung und Politik

Ringvorlesung Aristoteles

Prof. Dr. Ludwig Siep

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Ringvorlesung ws 2005 06 philosophie und ffentlichkeit aristoteles

Einschlägige Texte des Aristoteles:

„esoterisch“: Nikomachische Ethik

Politik

Rhetorik

„exoterisch“: Protreptikos

(Autorschaft des Aristoteles zweifelhaft, Zitate beim Neuplatoniker Jamblichos)

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Ringvorlesung ws 2005 06 philosophie und ffentlichkeit aristoteles

I. Vernünftiges und politisches Wesen (1)

1.Zwei Definitionen:

a) zoon logon echon (lat. animal rationale)

b) zoon politikon (animal politicum, sociale)

2.Logos: Begriff, Vernunft, Sprache, Rede

3.Polis: Von einer Stadt regierter Staat

Politie: Verfassung eines solchen Staates

4.Zusammenhang der Definitionen:

- Vernunftwesen gehören in einen Stadtstaat.

- Abwechselnde Herrschaft freier Bürger mittels

öffentlicher Rede über Gerechtes und Nützliches.

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Ringvorlesung ws 2005 06 philosophie und ffentlichkeit aristoteles

I. Vernünftiges und politisches Wesen (2)

5.Drei Arten öffentlicher Rede:

a) Beratungsrede (Volksversammlung): Zukünftiges

b) Gerichtsrede: Vergangenes

c) Festrede: Gegenwart

  • 6. Gegenstände der Beratungsrede:

  • Haushalt, Krieg und Frieden, Verteidigung,

  • Versorgung (Handel), Gesetzgebung, Verfassung

  • (=Gegenstand der „Politik“)

  • Glückseligkeit (Ehre, Reichtum, Wohl, Tugend)

  • (=Gegenstand der Ethik)

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II. Ethik und Politik (1)

1. Ethik: Lehre vom Glück und den Tugenden

a) „ethische“ bzw. praktische (für das Leben in der Polis): Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit, Freundschaft

b) „theoretische“ (für das „betrachtende“ Leben): Klugheit, Wissenschaft, Weisheit

2. Politik:

a) Lehre von den „natürlichen“ Gemeinschaftsformen

Familie (Oikos), Dorf (Kome), Stadt/Staat (polis)

b) Lehre von den legitimen und illegitimen Verfassungen

1. Gemeinwohl vs. Wohl der Regierenden

2. Monarchie/Tyrannis, Aristokratie/Oligarchie,

Politie/Ochlokratie

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II. Ethik und Politik (2)

3. Bedeutung der Ethik für die Politik:

a) Ethische Tugenden sind notwendig für einen legitimen/gerechten Staat (Bürger und bzw. als Politiker).

Vor allem: Gerechtigkeit, Freundschaft, Tapferkeit,

Klugheit, Besonnenheit.

b) Ziel der Politik ist der tugendhafte und glückliche Mensch.

4. Bedeutung der Politik für die Ethik:

a) Gute Politik ist Bedingung des guten Menschen

(Frieden, Arbeitsteilung, gemeinsame Ziele).

b) Gute Gesetze erziehen zu Tugenden (Besonnenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, „soziale Verpflichtung“ der Reichen für Ernährung, Rüstung, Kult).

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III. Theoretisches und praktisches Leben (1)

1. Unterscheidung der „ethischen“ und „intellektuellen“ (dianoetischen) Tugenden:

a) ethisch: vernunftgeleitete habituelle Emotionen

(mittlere Proportion), durch Übung und nach Vorbild.

b) intellektuell, theoretisch: ausgebildete intellektuelle Vermögen (Wissenschaft, Know-how, Weisheit) - lehrbar, aber ebenfalls einzuüben.

2. Primat des theoretischen oder praktischen Lebens:

a) Theorie: „Schau“, anwendungsloses Wissen ist höchste Bestimmung und Glück des Vernunftwesens.

Aber: eigentlich für Götter, für Menschen nur

gelegentlich.

b) Praxis: soziale und politische Handlungstugenden.

Entspricht mehr der sozialen Natur, macht viele

glücklich, ist Voraussetzung für Theorie.

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III. Theoretisches und praktisches Leben (2)

3. Wirkungsgeschichte: Vita activa – Vita contemplativa

  • a)Neuplatonismus und christliches Mittelalter:

  • Überwiegend Primat der vita contemplativa

  • (Vorstufe der himmlischen Schau, Mönchtum, theologische

  • Tugenden: Glaube, Gottesliebe, theologische Weisheit).

  • b)Renaissance, Frühe Neuzeit:

  • Rehabiliterung der Vita activa, des politischen, sogar

  • kaufmännischen Lebens, des Ruhms und der äußeren Güter.

  • c)Moderne:

  • Theoretisches Wissen wird „praktisch“, sozial nützlich durch

  • Technik und Medizin. Ansehensverlust der „reinen

  • Wissenschaft“ (Grundlagenforschung, Geisteswissenschaft).

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III. Theoretisches und praktisches Leben (3)

3. Wirkungsgeschichte: Vita activa – Vita contemplativa (Forts.)

c) Moderne (Forts.):

(1) Rechtfertigung durch sozialen Nutzen oder „ethische

Orientierung“. Finalisierung auf aktuelle gesellschaftliche

Probleme (Politik, Medien, Drittmittel).

(2) Verwissenschaftlichung der Praxis:

Politik wird Technik (Poiesis), auf Wissenschaft beruhendes

Expertenhandeln (Sachverständige etc.).

Bürger werden „Leistungsempfänger“, Konsumenten.

Verlust von Beteiligung, Öffentlichkeit, Mitwirkung,

„Politik“ (politisches Lebewesen vs. private Rechte)

(Vgl. H. Ahrendt, Vita activa oder vom tätigen Leben, 1960;

J. Habermas, Technik und Wissenschaft als Ideologie,

1968; „Kommunitarismusdebatte“)

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IV. Philosophie, Erziehung, Politik (1)

1.Philosophie und Erziehung

a) Philosophische Ethik und Politik sind keine reine Theorie,

sondern sollen die Menschen „besser machen“.

b) Zwei Erziehungskonzeptionen in der „Politik“:

b1) die „derzeitige“: Private Erziehung im Haus.

b2) Erziehung im Idealstaat: Für alle Bürger gleich

durch staatliche Gesetze und Einrichtungen

(wie Sparta, aber nicht „kriegsorientiert“)

c) Ziel:

„daß die Staatsbürger imstande sind, der Arbeit zu obliegen und Krieg zu führen, aber noch mehr, ihre Muße richtig zu benützen und den Frieden zu erhalten, ferner das Notwendige und Nützliche zu tun, aber noch mehr das Gute“ (1133 a 38-b3)

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IV. Philosophie, Erziehung, Politik (2)

1. Philosophie und Erziehung (Forts.)

d) Philosophische Erziehung in b1) (private Erziehung):

1) durch Begegnung mit dem Weisen (z. B. Sokrates)

2) durch freiwillige Schulen (Akademie, Peripatos)

3) durch Einzelerziehung der Freien, der Adeligen oder

der Fürsten (Aristoteles – Alexander)

e) Inhalte der Erziehung der freien Bürger:

Ethik, Politik, Rhetorik.

Für Muße: Dichtung, Zeichnen, Musik, Theoretische

Philosophie.

(später: Primat der artes liberales vor den artes mechanicae)

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IV. Philosophie, Erziehung, Politik (3)

1. Philosophie und Erziehung (Forts.)

f) Staatliche Erziehung im Idealstaat (b2):

1) Drei Sieben-Jahres-Zyklen (vgl. später Rousseau, Emile)

2) „Platonisch-spartanische“ Elemente: Körperliche

Abhärtung, Sport (Gymnastik, Leibeserziehung, Diät)

3) Erziehung zu den aristotelischen Tugenden:

Spiele als „Nachahmung des Ernstes“, keine Komödien.

Musikalische Ausbildung als Charakterstärkung, ruhige, edle (dorische und phrygische), nicht rauschhafte oder träge machende Musik (auch: Chorgesang in Tragödien und religiösen Zeremonien). Virtuose, technisch aufwendige Instrumentalmusik nicht für freie Erwachsene.

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IV. Philosophie, Erziehung, Politik (4)

2. Philosophie und Politik

1) Philosophie kann nicht den Staat lenken (gegen Platon).

2) Der Idealstaat ist nur unter ganz seltenen Bedingungen

realisierbar, nur Beurteilungsfolie (gegen die „Politeia“?).

3) Die politische Philosophie reflektiert vor allem die unter

gegebenen Umständen beste und stabilste Verfassung.

4) Sie unterscheidet aber gerechte und ungerechte

Verfassungen (Tyranniskritik, gesetzlose „Demokratie“ etc.).

(1 - 4 begründet durch eine „politische Anthropologie“)

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IV. Philosophie, Erziehung, Politik (5)

2. Philosophie und Politik (Forts.)

5) Die philosophische Lehre befördert gute Menschen, Bürger und Politiker.

6) Die theoretische Philosophie (Logik, Metaphysik,

Naturphilosophie) ist Inhalt des „glücklichsten Lebens“.

(6 u. 7 begründet durch Ethik und philosophische Psychologie)

7) Sie stellt eine Alternative zum praktisch-politischen Leben dar, weltabgewandt im Sinne des Sokrates (Phaidon) und

hellenistischer Schulen (vgl. Protreptikos: „entweder Philosophieren oder vom Leben Abschied nehmen“).

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Aristoteles, Lebensdaten:

Geb. 384 Stagira (Chalkidike)

367-347 Athen, Schüler in Platons Akademie (Konflikte?)

347 Assos (Förderer Hermias, 340/1 durch Perser hingerichtet)

345/4 Mytilene auf Lesbos (zoologische Studien)

341-338 Lehrer von Alexander d. Gr.

338 in Delphi

335-322 Zweiter Athen-Aufenthalt (Lykeion) Schulgründung „Peripatos“ (evtl. formal erst durch Theoprast)

322 Nach Chalkis (Flucht vor Asebie-Prozeß?)

322 (Okt.) dort gestorben

Beste Werkdarstellung: H. Flashar in „Grundriss der

Geschichte der Philosophie“, Die Antike, Band 3, Basel 1983.

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