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Modulumfang und Kurse

Modul 07 Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit Einführung ins Modul Dana Zumr, lic . oec . HSG Dozentin ZHAW FS 20 14. Modulumfang und Kurse. Modul mit 5 ECTS = 150 Stunden 44 Kontaktstudium (KS) 45 Begleitetes Selbststudium ( bSS )

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  1. Modul 07Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit Einführung ins ModulDana Zumr, lic. oec. HSGDozentin ZHAWFS 2014

  2. Modulumfang und Kurse Modul mit 5 ECTS = 150 Stunden 44 Kontaktstudium (KS) 45 Begleitetes Selbststudium (bSS) 61 Autonomes Selbststudium (aS) Kurs 7.1: Grundbegriffe der politischen Philosophie, Politik und Ökonomie 24 KS, 24 bSS (4x4 = 16 bSS im Stundenplan abgebildet) Kurs 7.2: Grundlagen der Schweizerischen Sozialpolitik und Strukturmerkmale des Sozialwesens 20 KS, 21 bSS (3x4 = 12 bSS im Stundenplan abgebildet)

  3. Kurse und Dozierende Kurs 7.1: Grundbegriffe der politischen Philosophie, Politik und Ökonomie Dana Zumr, lic. oec. HSG, Modulverantwortliche zumr@zhaw.ch Kurs 7.2: Grundlagen der Schweizerischen Sozialpolitik und Strukturmerkmale des Sozialwesens Uwe Koch, MLaw, kouw@zhaw.ch Rahel Strohmeier, Dr. phil., strr@zhaw.ch (Tag Sozialhilfe)

  4. Lerninhalte Das Modul gibt eine Übersicht über die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen innerhalb derer Soziale Arbeit stattfindet. Es findet eine Auseinandersetzung mit ausgewählten, grundlegenden Begriffen der politischen Philosophie, Politik und Ökonomie statt. Die spezifischen Merkmale des schweizerischen politischen Systems werden betrachtet. Insbesondere werden die Grundlagen der schweizerischen Sozialpolitik sowie die Strukturmerkmale des Sozialwesens erarbeitet. Ebenfalls erfolgt ein Überblick über den öffentlichen Haushalt der Schweiz. Aktuelle Bezüge sollen eine Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen und künftigen Rolle der Sozialen Arbeit ermöglichen.

  5. Lernziele (1) Die Studierenden • sind in der Lage, die wesentlichen gesellschaftlichen und politischen Konzepte und Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit zu erkennen und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit zu beschreiben • sind in der Lage, ausgewählte Grundbegriffe der politischen Philosophie zu beschreiben und in ihren wechselseitigen Bezügen einzuordnen (das liberale versus das republikanisch-kommunitaristische Paradigma, Gerechtigkeitstheorien von John Rawls und Michael Walzer, Machtbegriff aus Sicht von Michel Foucault) • können das politische System der Schweiz darlegen und sind in der Lage, den politischen Entscheidungsprozess differenziert zu betrachten und die Einflussmöglichkeiten der Sozialen Arbeit zu erkennen

  6. Lernziele (2) Die Studierenden • sind in der Lage, ausgewählte Grundbegriffe der Ökonomie zu beschreiben (ökonomische Grundfragen, Kapitalismus versus Planwirtschaft, Markt, Marktversagen und Staat, Konzept der sozialen Marktwirtschaft, Wohlstand und Sozialprodukt, Schweizer Arbeitsmarkt) und die Rolle der Sozialen Arbeit und ihre Themen einzuordnen • haben einen Überblick über die öffentlichen Haushalte in der Schweiz • können die Gestaltungsprinzipien der Sozialpolitik im Allgemeinen und der schweizerischen Sozialpolitik im Besonderen erläutern • kennen die Ziele und Aufgaben der Sozialpolitik und die Merkmale des Systems der Sozialen Sicherung in der Schweiz

  7. Lernziele (3) Die Studierenden • sind in der Lage, sich an aktuellen sozialpolitischen Debatten kompetent zu beteiligen und zu positionieren • kennen die wichtigsten Aufbau- und Strukturmerkmale des Sozialwesens in der Schweiz • haben einen Überblick über die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Angebote und Leistungen im Sozialbereich.

  8. Stundenplan FS 2014

  9. Stundenplan FS 2014

  10. Leistungsnachweis Der Leistungsnachweis beinhaltet den Stoff des gesamten Modul 7, bestehend aus den Kursen 7.1 und 7.2. Die Prüfung findet am Donnerstag 26. Juni 2014 von 10 – 12 Uhr statt. Es sind keine Hilfsmittel ausser persönliches Schreibzeug erlaubt. Die Prüfung wird in Form einer schriftlichen Einzelprüfung durchgeführt und gliedert sich in zwei gewichtete Teilbereiche • Geschlossene Wissensfragen (Multiple Choice, Wortfülltext, usw.) • Offene Fragen Vorgaben zum Leistungsnachweis sind auf Moodle abgelegt.

  11. Lehr/Lernverständnis ? 5 ECTS = 150 Stunden (44 Kontaktstudium (KS), 45 Begleitetes Selbststudium (bSS), 61 Autonomes Selbststudium (aS) Grossgruppe , keine Präsenzpflicht  minimale Verbindlichkeit über 10 Lerngruppen 30% Kontaktstudium / 70% Selbststudium (30% bSSund 40% aS)  hohe Selbststeuerung Unterschiedliches Eingangswissen resp. Erfahrungen (u.a. gesellschaftliches und politisches Engagement) resp. Berufsfelder/-situationen, Lebenssituationen resp. Interessenslagen • Vermittlung von Grundlagen, Orientierungsrahmen, Auswahl • Wissen und Erfahrungen teilen • Umgang mit Zeit (Zeit haben, Zeit brauchen, sich Zeit nehmen)

  12. Literatur Die Literaturliste gibt Orientierung über Pflichtlektüre und Lektüre, wo man Themen weiterlesen resp. nachlesen kann. Die Pflichtlektüre wird zur Verfügung gestellt resp. ist auf Moodle abgelegt. Broschüren des Bundes liegen auf dem Büchertisch und sind gratis. Bücher brauchen keine gekauft zu werden.

  13. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen Was ist Politik? Politik hat mit dem Staat, seiner Organisation und seinen Entscheiden zu tun. Politik ist Kampf um Macht, Kampf um Positionen im Staat und die Entscheide des Staates. Menschen oder Gruppierungen versuchen, diese Regeln so zu gestalten, dass sie ihren eigenen Interessen dienen. In Demokratien gibt es kein zentrales Machtorgan, daher ist Macht geteilt, begrenzt und gebändigt. Man braucht Unterstützung und Gefolgschaft, um eine Mehrheit für einen Entscheid zu finden. Politik ist daher auch das Bemühen um Ausgleich, um breit abgestützte Entscheide (hohe Akzeptanz, konsensorientierte Lösungen, Kompromisse, Blick für Folgen der Entscheide) unter Rücksichtnahme auf Minderheiten. Politik beruht auch auf Partnerschaft und Vertrauen. ( vgl. Möckli, Silvano, 2012, S. 41)

  14. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen Was ist Macht? Macht ist einerseits ‚normal und stiftet, indem sie Ordnung schafft, Normalität. Zu dauerhafter Herrschaft geronnen, etabliert sie einen Rahmen, der einem zugleich Freiheiten nimmt und Sicherheiten, zumindest Gewissheiten, gewährt. Die Macht unterdrückt und strukturiert, man kann sich an sie gewöhnen und in diesen Gewohnheiten einrichten‘. Macht ist gleichzeitig ‚stets umkämpft. Als illegitimer Übergriff provoziert sie Wut und Empörung, Protest – eben: Gegenmacht. Machtkämpfe sind Teil des immer schon stattfindenden Aushandelns von Normalität, gewissermassen der sichtbare Ausdruck jenes Universums unterschwelliger Spannungen und Konflikte, das jedem, auch noch so stabil erscheinenden Status quo einer Gesellschaft zugrunde liegt‘ (Paris, Rainer, 2005, S. 7).

  15. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen Was ist Macht? Macht bedeutet ‚jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht‘ (Weber, Max ,1972, S. 28 zit. in Paris, Rainer, 2005, S. 27). • Macht setzt immer schon Freiheit voraus (Nein zu sagen). • Macht ist negative Freiheit, Freiheit zur Vernichtung von Freiheit. • Uralte Trias der Machtmethoden: Peitsche, Zuckerbrot und Glauben. (Paris, Rainer, 2005, S. 28) • Es gibt keine machtsterilen Verhältnisse. (Popitz, Heinrich ,1992, S. 272 zit. in Paris, Rainer, 2005, S. 28)

  16. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen Was ist Gesellschaft? Gesellschaft ‚bedeutet immer, dass die Einzelnen vermöge gegenseitig ausgeübter Beeinflussung und Bestimmung verknüpft sind. Sie ist also eigentlich etwas Funktionelles, etwas, was die Individuen tun und leiden, und ihrem Grundcharakter nach sollte man nicht von Gesellschaft, sondern von Vergesellschaftung sprechen‘ (Georg Simmel, 1917/1984 (4. Auflage), zit. in Paris, Rainer, 2005, S. 19).

  17. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen Soziale Arbeit ist eine ausgesprochen politische Profession. 1. Soziale Arbeit ist stark geprägt aber auch abhängig von Politik. Bsp.: Grundsatz ‚Fordern und Fördern‘ in der Sozialhilfe bestimmt ganz wesentlich den Spielraum, die Grenzen und Möglichkeiten der Sozialen Arbeit. 2. Soziale Arbeit ist als sozialer Beruf selbst Teil der Politik – ihre Aktivitäten haben als solche eine politische Komponente. Bsp.: Diskussion um Missbräuche in der Sozialhilfe führte zur Erklärung und Verteidigung der eigenen professionellen Standards, dies im eigenen Interesse, aber auch im Interesse der KlientInnen.

  18. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen 3. Soziale Arbeit nimmt selbst aktiv Einfluss auf Politik und auf die politische Agenda. Die Nähe zu bestimmten Personen und Personengruppen erlaubt es Probleme zu bezeichnen und zum Politikum zu machen. Was wiederum kontrovers diskutiert wird, teilweise auch brisant ist. Von Bedeutung ist es dann, auf welche Begriffsverständnisse man sich beruft und wie man sich politisch durchsetzen kann. Auf welches Gerechtigkeitsverständnis beruft man sich? Was meint man mit Freiheit? Wie soll Gemeinschaft einbezogen werden? Welche Rolle sollen die Privaten resp. der Staat spielen? Wer soll bezahlen? • Welche normativen Ansprüche beeinflussen resp. legitimieren das eigene Handeln? • Nachdenken über Grundbegriffe der politischen Philosophie, Politik und Ökonomie

  19. Einstiegsaufgabe Setzen sie sich in ihrer Lerngruppe zusammen und diskutieren sie jeweils einen Fragenblock. Schreiben Sie ihre Antworten auf Flipcharts nieder und zeichnen Sie ein Bild. Einige der 10 Gruppen werden im Plenum gebeten ihre Ergebnisse zu präsentieren und die übrigen können sich ergänzend einbringen. Ziel: Wir erhalten einen ersten Blick auf unsere gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen wie auch unsere soziale Marktwirtschaft.

  20. Von der industriellen Klassengesellschaft zur Konsumgesellschaft im 20. Jahrhundert ‚Der Tendenz nach löste sich ein vergleichsweise übersichtliches gesellschaftliches Erscheinungsbild, das mehrheitlich mit dem Begriff der ‚Proletarität‘* charakterisiert werden konnte und das einen elitären bürgerlichen Lebensstil zum Gegenstück hatte, in ‚Normalhaushalte‘ und eine bunte, raschem Wechsel ausgesetzte Gemengelage von Lifestylegruppen auf. Einem europäischen Trend entsprechend ging die Ausdifferen-zierung der Konsumgesellschaft in verschiedene Lebensstile einher mit einem Niedergang traditioneller sozialmoralischer Milieus wie den katholisch-konservativen, liberalen oder proletarischen Lebenszusammenhängen, die sich durch Vereine, eigene Medien und Versammlungsorte festigten.‘ (Halbeisen, Patrick et al., 2012, S. 645) * Proles (lat.) = Nachkommenschaft; im antiken Rom = die Landlosen und lohnabhängigen Besitzlosen im Stadtstaat, die aber nicht versklavt waren

  21. ‚17 Prozent sind politisch nicht vertreten‘Sinus-Modell : Eine Anwendung Maturaarbeit (2007) mit der Fragestellung: Ist die Zuger Bevölkerung angemessen in der Stadtzuger Bevölkerung vertreten? Grundlage: Studie zur Lebensmilieuanalyse der Stadt Zug mittels des Sinus-Modell (Auftrag des Amtes für Raumplanung des Kantons, durchgeführt vom Beratungsunternehmen Wüest und Partner im Jahr 2006) Umfrage bei allen KandidatInnen für das städtische Parlament. Anhand der Antworten sind diese mit dem Sinus-Modell unterteilt worden. Resultat: 17 Prozent sind politisch nicht vertreten

  22. Sinus-Modell : Instrument zur Marktsegmentierung (10 Sinus-Milieus) Sinus-Milieu ist ein Begriff aus der Markt- und Sozialforschung. Die Zielgruppen-Segmentation orientiert sich an der Lebensweltanalyse unserer Gesellschaft. Die Sinus-Milieus gruppieren Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Grundlegende Wertorientierungen gehen dabei ebenso in die Analyse ein wie Alltagseinstellungen – zur Arbeit, zur Familie, zur Freizeit, zu Geld und Konsum. Es fliesen nicht nur soziodemographische Merkmale, wie Alter, Einkommen, Bildung usw. ein, sondern es wird das gesamte Bezugssystem des Menschen berücksichtigt, wie Freizeitaktivitäten, soziales Umfeld, Wohnen, Konsum, Zukunftsplanung.

  23. Sinus-Modell Die Sinus-Milieus werden seit Beginn der 1980er Jahre von führenden Markenartikel-Herstellern und Dienstleistungsunternehmen für das strategische Marketing, für Produktentwicklung und Kommunikation ebenso genutzt wie von politischen Parteien, Ministerien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden. Große Medienunternehmen arbeiten damit seit Jahren genauso wie Werbe- und Mediaagenturen. Der Begriff „Sinus-Milieus“ ist von dem Sinus-Institut geschützt. Das Sinus-Milieumodell wird, parallel zum Wertewandel, ständig aktualisiert. Basis dafür ist die Sinus-Trendforschung sowie kontinuierliche Studien zu den Lebenswelten der Menschen. Weiterführende Informationen: Sinus Marktforschung GmbH (2001). Informationen zu den Sinus-Milieus 2011. Gefunden am 5.2.2013 unter www. sinus-institut.de/uploads

  24. Sinus-Modell : Verwendete 10 Sinus-Milieus • Arrivierte: Gesellschaftliche Elite; ziemlich vornehmer Lebensstil • Postmaterielle: Kritische Intellektuelle, Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit • Moderne Performer: Unkonventionelle, junge Leistungselite • Statusorientierte: Menschen der aufstiegsorientierten Mittelschicht • Bürgerliche Mitte: Status-quo-orientierter Mainstream mit ausgeprägtem Familiensinn • Konsumorientierte Arbeiter: Materialistisch geprägte Unterschicht, orientiert sich an den Konsumstandards der Mittelschicht

  25. Sinus-Modell : verwendete 10 Sinus-Milieus • Traditionelle Bürgerliche: Kleinbürgertum, christliche Wert- und Moralvorstellungen • Genügsame Traditionelle: Bescheidene Unterschicht, welche die ländliche Bevölkerung vertritt • Eskapisten: Junge, unangepasste, spassorientierte Unterschicht, planen ihr Leben kurzfristig • Experimentalisten: Junge, weltoffene und neugierige Menschen

  26. Sinus-Modell : Resultate der Befragung ‚17% sind politisch nicht vertreten‘ In Politik übervertreten (7% der Bevölkerung, aber 65% in Politik): Bürgerliche Mitte, Statusorientierte, genügsame Traditionelle Keine politische Vertretung (17% der Bevölkerung): Eskapisten (13%), konsumorientierte Arbeiter (4%) Angemessene Vertretung in der Politik: Arrivierte, Postmaterielle, Moderne Performer, traditionelle Bürgerliche, Experimentalisten (Quelle: Anliker, Yvonne (2007). 17 Prozent sind politisch nicht vertreten . Neue Zuger Zeitung vom 26.2.2007, Nr. 47, S. 26)

  27. ‚Wir kaufen alles!‘ Quellen: Sandel, Michael S. (2012). Was man für Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes. Berlin: Ullstein Buchverlage GmbH Iselin, David (2012). Wir kaufen alles!. Das Magazin, Nr. 25/2012 Ein heftig diskutiertes Buch von Michael S. Sandel, Harvard Professor und Moralphilosoph, 2012 unter dem englischen Titel ‚What Money Can‘tBuy. The Moral Limits ofMarkets‘ erschienen. ‚Wir kommerzialisieren alles und merken nicht, dass wir uns dabei selbst korrumpieren.‘

  28. ‚Wir kaufen alles!‘ - Beispiele • Nati A wird Axpo Super League resp. Raiffeisen Super League. • Stadion Espenmoos heisst AFG (Arbonia-Forster-Holding) Arena. • In der Fanzone gibt es nur Carlsberg Bier. • Das neue Institut der Universität Zürich heisst UBS International Center of Economics in Society. • Der Getränkehersteller kauft für 5 Jahre zu 166 Millionen Dollar das exklusive Recht, seine Getränke an New Yorker Schulen zu verkaufen. • Eine Frau lässt sich ein Tattoo als Werbung für eine Webadresse eines Onlinekasinos tätowieren für 10‘000.– Dollar und will das Geld für die Ausbildung des Sohnes nutzen. • Firmen übernehmen die Pflegekosten und haben das Recht, die Lebensversicherung zu kassieren (Je früher jemand stirbt, umso lukrativer ist dieses Geschäft.)

  29. Von einer Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft ‚Das Unbehagen entsteht dadurch, dass wir uns von einer Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft entwickeln.‘ • Was kann Geld nicht kaufen? Nicht mehr viel. ‚Die Ausbreitung von marktorientiertem Denken in Aspekte unseres Lebens, die lange von marktfernen Normen geprägt waren, ist eine der entscheidenden Entwicklungen unserer Zeit.‘ Wir sind mit dem Kapitalismus einen faustischen Handel eingegangen. Wohlstand gegen Seele. Die Kommerzialisierung hat sich von unserem Portemonnaie in unsere Köpfe geschlichen. Marktnormen nehmen überhand in Bereichen, in denen sie nichts zu suchen haben.

  30. Von einer Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft Der Kapitalismus erfüllt die Allokationsfunktion bestens (Produktion und Verteilung von Gütern). Nach dem kalten Krieg wurde die Ausbreitung der Marktnormen erst möglich, da der Sieg des Kapitalismus als Sieg des uneingeschränkten Marktes interpretiert wurde. Gleichzeitig stiegen die Ansprüche aller an die öffentliche Hand und die Bereitschaft, dafür zu zahlen, nahm ab. Dies öffnete dem Einsatz privater Mittel in einst staatlichen Hoheitsgebieten die Tür. Eine Folge der totalen Konsumgesellschaft ist ein ‚Crowding-out‘ von zivilem Einsatz. Die intrinsische Motivation bleibt aus. Wir lassen uns korrumpieren, indem wir an alles – inklusive uns selber – ein Preisschild hängen. Es stellt sich auch die Frage der Fairness. Sind diese Deals fair?

  31. Von einer Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft Michael Sandel spricht sich für Normen aus, wie wir unser Leben und Handeln bewerten. Richtungsanweisungen für diese Normen gibt er nicht. Er fordert die Diskussion darüber, wo wir die Grenzen der Kommerzialisierung einstmals öffentlicher Güter setzen.

  32. Quellen Halbeisen, Patrick; Müller, Margrit & Veyrassat, Beatrice (Hrsg.) (2012). Wirtschaftsgeschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert. Basel: Schwabe Moeckli, Silvano (2012). Das politische System der Schweiz verstehen. (3. akt. Auflage). Altstätten: Tobler Verlag Paris, Rainer (2005). Normale Macht. Soziologische Essays. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mgH Popitz, Heinrich (1992). Phänomene der Macht .(2. erw. Auflage). Tübingen Schaal, Gary S. & Heidenreich, Felix (2009). Einführung in die Politischen Theorien der Moderne. (2. Auflage). Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich Weber, Max (1972). Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. 5. Auflage. Tübingen

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