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Nietzsche und die Philosophie des 19. Jahrhunderts

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Nietzsche und die Philosophie des 19. Jahrhunderts

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  1. Nietzsche und die Philosophie des 19. JahrhundertsVorlesung, Mo. 09:50-11:30, S3 13/36, 30.11.09von Marc Rölli

  2. Nietzsche und die Philosophie des 19. Jahrhunderts Wiederholung der letzten Stunde: „Wissenschaft und Kunst in den Aphorismen-Büchern“ • Ansätze zu einer Kritik der Metaphysik in Menschliches, Allzumenschliches, Bd. 1 (1878) • „Abendröthe der Kunst“ • Psychologie und Moral • Fröhliche Wissenschaft? • Tod Gottes – ewige Wiederkehr

  3. Nietzsche und die Philosophie des 19. Jahrhunderts Veranstaltungsüberblick (1) • 19.10.2009: Einführung • 26.10.2009: Schopenhauer als Vorbild • 09.11.2009: Hegel und das Philistertum: Der „neue Glaube“ des David Friedrich Strauss • 16.11.2009: Zum Problem des Historismus • 23.11.2009: Wissenschaft und Kunst in den Aphorismen-Büchern • 30.11.2009: Fällt streikbedingt aus

  4. Nietzsche und die Philosophie des 19. Jahrhunderts Veranstaltungsüberblick (2) • 07.12.2009: Die „Grundconception“, Zarathustra und die Figur des Übermenschen • 14.12.2009: Metaphysikkritik (Kant und Schopenhauer) • 11.01.2010: Wille zur Macht und Ewige Wiederkehr • 18.01.2010: „Was bedeuten asketische Ideale?“ Romantik, Pessimismus, Nihilismus • 25.01.2010: Moral- und Religionskritik, Der „Antichrist“ • 01.02.2010: Nietzsches Stellung zu Darwin • 08.02.2010: Klausur

  5. VI. Die „Grundconception“, Zarathustra und die Figur des Übermenschen 7.12.2009 „Wenn es Götter gäbe, wie hielte ich‘s aus, kein Gott zu sein!“ (Nietzsche 1883: 110)

  6. VI. Die „Grundconception“, Zarathustra und die Figur des Übermenschen 7.12.2009 Gliederung • Rückblick auf den Zarathustra im Ecce Homo (geschrieben 1888) • Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Also sprach Zarathustra

  7. VI. Die „Grundconception“, Zarathustra und die Figur des Übermenschen 1. Rückblick auf den Zarathustra im Ecce Homo • Die Grundconception des Werks, der Ewige-Wiederkunfts-Gedanke • „In die Zwischenzeit gehört die 'gaya scienza' [nämlich zwischen August 1881 und Februar 1883; MR] […]; zuletzt giebt sie den Anfang des Zarathustra selbst noch, sie giebt im vorletzten Stück des vierten Buchs den Grundgedanken des Zarathustra.“ (Nietzsche 1888: 336) • Dionysische Inspiration • „Das jasagende Pathos par excellence“ • Umwertung der Werte – „jene entscheidende Partie, welche den Titel ‘von alten und neuen Tafeln‘ trägt” – “Der Leib ist begeistert; lassen wir die 'Seele' aus dem Spiel...” (Ebd.: 341)

  8. VI. 1. Rückblick auf den Zarathustra im Ecce Homo „Ich erzähle nunmehr die Geschichte des Zarathustra. Die Grundconception des Werks, der Ewige-Wiederkunfts-Gedanke, diese höchste Formel der Bejahung, die überhaupt erreicht werden kann –, gehört in den August des Jahres 1881: er ist auf ein Blatt hingeworfen, mit der Unterschrift: ‚6000 Fuss jenseits von Mensch und Zeit’. Ich gieng an jenem Tage am See von Silvaplana durch die Wälder; bei einem mächtigen pyramidal aufgethürmten Block unweit Surlei machte ich Halt. Da kam mir dieser Gedanke. – Rechne ich von diesem Tage ein paar Monate zurück, so finde ich, als Vorzeichen, eine plötzliche und im Tiefsten entscheidende Veränderung meines Geschmacks, vor Allem in der Musik. [...] Rechne ich [...] von jenem Tage an vorwärts, bis zur plötzlichen und unter den unwahrscheinlichsten Verhältnissen eintretenden Niederkunft im Februar 1883 – die Schlusspartie [...] wurde genau in der heiligen Stunde fertig gemacht, in der Richard Wagner in Venedig starb – so ergeben sich achtzehn Monate für die Schwangerschaft. Diese Zahl von gerade achtzehn Monaten dürfte den Gedanken nahelegen, unter Buddhisten wenigstens, dass ich im Grunde ein Elefanten-Weibchen bin.“ (Nietzsche 1888: 335-336)

  9. VI. 1. Rückblick auf den Zarathustra im Ecce Homo „Dieses Werk [nämlich Also sprach Zarathustra; MR] steht durchaus für sich: es ist vielleicht überhaupt nie Etwas aus einem gleichen Überfluss von Kraft heraus gethan worden. Mein Begriff 'dionysisch' wurde hier höchste That […]. Hier ist in jedem Augenblick der Mensch überwunden, der Begriff 'Übermensch' ward hier höchste Realität, – in einer unendlichen Ferne liegt alles das, was bisher gross am Menschen hiess, unter ihm. […] Zarathustra ist ein Tänzer –; wie der, welcher die härteste, die furchtbarste Einsicht in die Realität hat, welcher den 'abgründlichsten' Gedanken gedacht hat, trotzdem darin keinen Einwand gegen das Dasein, selbst nicht gegen dessen ewige Wiederkunft findet, – vielmehr einen Grund noch hinzu, das ewige Ja zu allen Dingen selbst zu sein […]. 'In alle Abgründe trage ich noch mein segnendes Jasagen' […].“ (Nietzsche 1888: 343, 344, 345)

  10. VI. Die „Grundconception“, Zarathustra und die Figur des Übermenschen 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Verwandlung des Menschen durch „Einverleibung“ des Gedankens • Das „neue Schwergewicht“ – eine ethische Ausdeutung • Diesseits und Jenseits: Lebensbejahung versus Lebensverneinung der Offenbarungsreligionen (Schuld und Sünde) • Kosmologische Deutung der ewigen Wiederkunft – die Welt des Werdens • Selektive Aspekte des Wiederkunftsgedankens • Zeitphilosophische Implikationen: der „Augenblick“

  11. VI. 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Verwandlung des Menschen durch „Einverleibung“ des Gedankens „Was machen wir mit dem Reste unseres Lebens […]? Wir lehren die Lehre – es ist das stärkste Mittel, sie uns selber einzuverleiben. Unsre Art Seligkeit, als Lehrer der grössten Lehre.“ (Nietzsche 1881: 494; KSA 9, 11 [141]) „Wenn du dir den Gedanken der Gedanken einverleibst, so wird er dich verwandeln.“ (Nietzsche 1881: 496) „Unser Streben des Ernstes ist aber alles als werdend zu verstehen, uns als Individuum zu verleugnen, möglichst aus vielen Augen in die Welt zu sehen, leben in Trieben und Beschäftigungen, um damit sich Augen zu machen, zeitweilig sich dem Leben überlassen, um hernach zeitweilig über ihm mit dem Auge zu ruhen: die Triebe unterhalten als Fundament alles Erkennens, aber wissen, wo sie Gegner des Erkennens werden: in summa abwarten, wie weit das Wissen und die Wahrheit sich einverleiben können – und in wiefern eine Umwandlung des Menschen eintritt, wenn er endlich nur noch lebt, um zu erkennen.“ (Nietzsche 1881: 495)

  12. VI. 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Das „neue Schwergewicht“ – eine ethische Ausdeutung „Das neue Schwergewicht: die ewige Wiederkunft des Gleichen.“ (Nietzsche 1881: 494) „„Die Frage bei allem, was du thun willst: ‚ist es so, daß ich es unzählige Male thun will?’ ist das größte Schwergewicht.“ (Ebd.: 496) Von hier aus ergibt sich die Konsequenz, dass nur die Handlungen, die ich auch für endlose Wiederholungen bejahen kann, ethisch gerechtfertigt sind. Unter diesem „kategorischen“ Blickwinkel schmelzen die Fiktionen dahin, die auf uneinlösbare Hoffnungen spekulieren und den Bereich der immanenten Lebensverhältnisse transzendieren. Damit ist das Ressentiment aufs Spiel gesetzt, das im Namen höherer Werte die vermeintlich niederen Begehrlichkeiten verurteilt und blockiert.

  13. VI. 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Diesseits und Jenseits: Lebensbejahung versus Lebensverneinung der Offenbarungsreligionen (Schuld und Sünde) „Nicht nach fernen unbekannten Seligkeiten und Segnungen und Begnadigungen ausschauen, sondern so leben, dass wir nochmals leben wollen und in Ewigkeit so leben wollen! – Unsere Aufgabe tritt in jedem Augenblick an uns heran.“ (Nietzsche 1881: 503) „Drücken wir das Abbild der Ewigkeit auf unser Leben! Dieser Gedanke enthält mehr als alle Religionen, welche dies Leben als ein flüchtiges verachten und nach einem unbestimmten anderen Leben hinblicken lehren.“ (Ebd.) „Rede ich wie einer, dem es offenbart worden ist? So verachtet mich und hört mir nicht zu. – Seid ihr noch solche welche Götter nöthig haben? Hat eure Vernunft noch keinen Ekel dabei, so billig und schlecht sich speisen zu lassen?“ (Ebd.: 496) „Es wäre entsetzlich, wenn wir noch an die Sünde glaubten: sondern was wir auch thun werden, in unzähligen Wiederholungen, es ist unschuldig.“ (Ebd.: 496)

  14. VI. 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Kosmologische Deutung der ewigen Wiederkunft „Der Kreislauf ist nichts Gewordenes, er ist das Urgesetz, so wie die Kraftmenge Urgesetz ist, ohne Ausnahme und Übertretung. Alles Werden ist innerhalb des Kreislaufs und der Kraftmenge […].“ (Nietzsche 1881: 502) „Die Welt der Kräfte erleidet keine Verminderung: denn sonst wäre sie in der unendlichen Zeit schwach geworden und zu Grunde gegangen. Die Welt der Kräfte erleidet keinen Stillstand: denn sonst wäre er erreicht worden, und die Uhr des Daseins stünde still. Die Welt der Kräfte kommt also nie in ein Gleichgewicht, sie hat nie einen Augenblick der Ruhe, ihre Kraft und ihre Bewegung sind gleich groß für jede Zeit. Welchen Zustand diese Welt auch nur erreichen kann, sie muß ihn erreicht haben und nicht einmal, sondern unzählige Male. So diesen Augenblick: er war schon einmal da und viele Male und wird ebenso wiederkehren, alle Kräfte genau so vertheilt, wie jetzt […].“ (Ebd.: 498)

  15. VI. 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Kosmologische Deutung der ewigen Wiederkunft „Unser Intellekt ist nicht zum Begreifen des Werdens eingerichtet, er strebt die allgemeine Starrheit zu beweisen, Dank seiner Abkunft aus Bildern. Alle Philosophen haben das Ziel gehabt, zum Beweis des ewigen Beharrens, weil der Intellekt darin seine eigene Form und Wirkung fühlt.“ (Nietzsche 1881: 500) In einer „Welt aus Kräften“, die in einem beständigen Werden, in „ewiger Veränderung“ begriffen ist, gibt es nicht so etwas wie „Substanzen und Dinge, Beharrendes“. (Ebd.: 499) „Es giebt [(im) ewigen Fluß aller Dinge] so wenig Formen, wie Qualitäten […], in keinem Augenblick ist Sauerstoff genau dasselbe wie im vorigen, sondern etwas Neues: wenn auch diese Neuheit zu fein für alle Messungen ist.“ (Ebd.) Diese Welt des Werdens, „Machtquanten“ und „Willens-Punktuationen“ – in späteren Jahren prägt Nietzsche dafür seinen Begriff des „Willens zur Macht“ – liegt der Wiederkunft als Wiederkehr identischer Kraft-Konstellationen zu Grunde.

  16. VI. 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Selektive Aspekte des Wiederkunftsgedankens „Diese Lehre ist milde gegen die, welche nicht an sie glauben, sie hat keine Höllen und Drohungen. Wer nicht glaubt, hat ein flüchtiges Leben in seinem Bewußtsein.“ (Nietzsche 1881: 503) Was nicht bejaht werden kann, weil es mit seiner ewigen Wiederkehr unvereinbar ist, das schwindet dahin… „Das Negative scheidet dahin, vor den Toren des Seins.“ (Deleuze 1962: 205)

  17. VI. 2. Entwurf der Wiederkunftslehre in den nachgelassenen Fragmenten aus dem Jahr 1881 • Zeitphilosophische Implikationen: der „Augenblick“ Nietzsche macht deutlich, dass auch das Individuum von der Auflösungsbewegung des ewigen Werdensprozesses erfasst wird: Das Individuum „will herrschen. Aber da entdeckt es, daß es selber etwas Wandelndes ist und einen wechselnden Geschmack hat, mit seiner Feinheit geräth es hinter das Geheimniß, daß es kein Individuum giebt, daß im kleinsten Augenblick es etwas Anderes ist als im nächsten und daß seine Existenzbedingungen die einer Unzahl Individuen sind: der unendlich kleine Augenblick ist die höhere Realität und Wahrheit, ein Blitzbild aus dem ewigen Flusse.“ (Nietzsche 1881: 502)

  18. VI. Die „Grundconception“, Zarathustra und die Figur des Übermenschen 3. Also sprach Zarathustra • „Damals trugst du deine Asche zu Berge: willst du heute dein Feuer in die Thäler tragen?“ (Nietzsche 1883: 12) • Die Figur des Übermenschen und der Sinn der Erde „Des Übermenschen Schönheit kam zu mir als Schatten. Ach, meine Brüder! Was gehen mich noch – die Götter an!“ (Ebd.: 112) • Nihilismus und das Schaffen neuer Werte • Zeit und ewige Wiederkunft

  19. VI. 3. Also sprach Zarathustra • Von den Hinterweltlern (Nietzsche 1883: 35 ff.) „Einst warf auch Zarathustra seinen Wahn jenseits des Menschen, gleich allen Hinterweltlern. […] Traum schien mir da die Welt und Dichtung eines Gottes. […] Also warf auch ich einst meinen Wahn jenseits des Menschen […]. Jenseits des Menschen in Wahrheit? Ach, ihr Brüder, dieser Gott, den ich schuf, war Menschen-Werk und -Wahnsinn, gleich allen Göttern! Mensch war er, und nur ein armes Stück Mensch und Ich: aus der eigenen Asche und Gluth kam es mir, dieses Gespenst, und wahrlich! Nicht kam es mir von Jenseits! Was geschah, meine Brüder? Ich überwand mich, den Leidenden, ich trug meine eigne Asche zu Berge, eine hellere Flamme erfand ich mir. Und siehe! Da wich das Gespenst von mir. […] Leiden war‘s und Unvermögen – das schuf alle Hinterwelten. Müdigkeit, die mit Einem Sprunge zum Letzten will, mit einem Todessprunge, eine arme unwissende Müdigkeit, die nicht einmal mehr wollen will: die schuf alle Götter und Hinterwelten. […] Der Leib war‘s, der am Leibe verzweifelte […]. Der Leib war‘s, der an der Erde verzweifelte, – der hörte den Bauch des Seins zu sich reden. […] Aber jene Welt ist gut verborgen vor dem Menschen, jene entmenschte unmenschliche Welt […].“ (Nietzsche 1883: 35-36)

  20. VI. 3. Also sprach Zarathustra • Die Figur des Übermenschen und der Sinn der Erde „Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll.“ (Nietzsche 1883: 14) „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, – ein Seil über einem Abgrunde.“ (Ebd.: 16) „Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein […].“ (Ebd.: 14) „Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde! Ich beschwöre euch […], bleibt der Erde treu und glaubt Denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht. Verächter des Lebens sind es […]. Einst war der Frevel an Gott der grösste Frevel, aber Gott starb […]. An der Erde zu freveln ist jetzt das Furchtbarste […].“ (Ebd. 14-15)

  21. VI. 3. Also sprach Zarathustra Die Figur des Übermenschen und der Sinn der Erde • „Über sich hinaus schaffen“ – untergehen, hinübergehen, zu Grunde gehen („Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.“ (Nietzsche 1883: 17) Die letzten Menschen: Arbeit und Unterhaltung, Glück und erbärmliches Behagen, Konformität, Drogenkonsum (ebd.: 20), „Nicht eure Sünde – eure Genügsamkeit schreit gen Himmel“ (ebd.: 16), Lastesel der Bildung, Staat und Obrigkeit… ) • Verächter des Leibes: Große und kleine Vernunft • Irdische Tugenden – „Du legtest dein höchstes Ziel diesen [einstmals 'bösen'; MR] Leidenschaften an‘s Herz: da wurden sie deine Tugenden und Freudenschaften.“ (Ebd.: 43) • Prediger des Todes (oder der müde Wille, vom Leben loszukommen) • „Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.“ (Ebd.: 49) • Gott ist tot – es lebe der Übermensch! (Vgl. ebd.: 102, 109 ff.)

  22. VI. 3. Also sprach Zarathustra • Nihilismus und das Schaffen neuer Werte „Kranke und Absterbende waren es, die verachteten Leib und Erde und erfanden das Himmlische und die erlösenden Blutstropfen: aber auch noch diese süssen und düstern Gifte nahmen sie von Leib und Erde!“ (Nietzsche 1883: 37) „Einen neuen Stolz lehrte mich mein Ich, den lehre ich die Menschen: nicht mehr den Kopf in den Sand der himmlischen Dinge zu stecken, sondern frei ihn zu tragen, einen Erden-Kopf, der der Erde Sinn schafft!“ (Ebd.) „Siehe die Gläubigen aller Glauben! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werthe, den Brecher, den Verbrecher: das aber ist der Schaffende. […] Die Mitschaffenden sucht der Schaffende, Die, welche neue Werthe auf neue Tafeln schreiben.“ (Ebd.: 26) • Von den drei Verwandlungen: Kamel, Löwe, Kind (Vgl. ebd.: 29-31)

  23. VI. 3. Also sprach Zarathustra • Zeit und ewige Wiederkunft Im Sinnbild des Torwegs, auf dem oben „Augenblick“ geschrieben steht, stoßen die zwei langen geraden Gassen der Zukunft und der Vergangenheit aufeinander. Gegen den Zwerg, der auf ihm hockt, „der Geist der Schwere“, verteidigt Zarathustra die uns in jedem Augenblick neu gestellte Aufgabe und die in ihr liegende Radikalität der Weichenstellung. Zarathustra zürnt dem Zwerg, der da spricht: „Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selber ist ein Kreis.“ (Nietzsche 1884: 200) Und auf die gleiche Weise lacht Zarathustra, der „Genesende“, über seine Tiere, die aus dem Gedanken der ewigen Wiederkunft schon ein „Leier-Lied“ machten, in dem es heißt: „Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.“ (Ebd.: 273) Denn auch Zarathustra hat der Schlange den Kopf abgebissen, d. h. er hat die zyklische Form der Wiederkehr, die für den Ekel am Dasein verantwortlich ist (sofern auch die kleinsten und hässlichsten Dinge wiederkehren...), unmöglich gemacht.