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Einführung in die Volkswirtschaftslehre

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Einführung in die Volkswirtschaftslehre

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Presentation Transcript

  1. Einführung in die Volkswirtschaftslehre ein theoriegeschichtlicher Überblick Vortragende: Christian Gehrke / Heinz D. Kurz

  2. Inhalt und Programm • Scholastik • Merkantilismus • Physiokratie • Klassik • Neoklassik • Ausblick auf moderne Mikroökonomik • Ausblick auf moderne Makroökonomik

  3. Inhalt und Programm • Ökonomische Theorien • ihre geschichtlichen Entwicklungen und politischen Einflüsse • die vereinfachte systematische Darstellung ihrer Überlegungen • Ökonomen • ihre Motive • ihre analytischen Interpretationen

  4. Inhalt und Programm • Ergänzende Literatur • Kurz, Heinz (2013): Geschichte des ökonomischen Denkens. München: Beck. • Rosner, Peter (2012): Die Entwicklung Ökonomischen Denkens: Ein Lernprozess. Berlin: Duncker & Humblot. • Söllner, Fritz (2012): Die Geschichte des ökonomischen Denkens. Berlin: Springer. • Kurz, Heinz [Hrsg.] (2008): Klassiker des ökonomischen Denkens. München: Beck. • Alte Hilfsunterlagen auf der ÖH • Tutoriumsskript (Eichert/Strohmaier)

  5. Inhalt und Programm • Grundinformationen zur Prüfung • Elektronisch am PC • 3 Termine pro Semester • Maximal 60 Punkte • Theorie und analytische Anwendung • Zusätzliche Prüfungsvorbereitung • Tutorien jeweils eine Kalenderwoche vor Prüfungstermin

  6. Einleitung • Kenneth Pomeranz • detektiert für Europa und dessen überseeische Siedlungsgebiete hohes und anhaltendes Wirtschaftswachstum • erkennt ein sich vergrößerndes Wohlstandsgefälle zum Rest der Welt • Wachstum und Verteilung, sowohl in globalem als auch regionalem Maßstab, als Schwerpunkt innerhalb volkswirtschaftlicher Forschung und Rechtfertigung derselben (vgl. Pomeranz, Kenneth (2000): The Great Divergence, Princeton: University Press.)

  7. Einleitung • Friedrich Schiller • fragt in seiner Antrittsvorlesung nach der Bedeutung von „Universalgeschichte“ und dem Zweck ihres Studiums • unterscheidet zwischen „Brotgelehrten“ und „philosophischen Köpfen“ • Volkswirtschaftslehre auch als umfassendes und integrierendes Studium der Empirie als Ganzes (vgl. Schiller, Friedrich (1789): Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? in Der Teutsche Merkur, 1773-89, 4. Bd. 1789, S.105-135, Weimar: Hofmann.)

  8. Einleitung • Joseph Alois Schumpeter • erkennt etwa Innovationen als “die überragende Tatsache in der Wirtschaftsgeschichte der kapitalistischen Gesellschaft” • beschäftigt sich mit unterschiedlichen Zyklen, dahintersteckenden Kalkülen und dem Einfluss des Unternehmertums • beschreibt Zusammenhänge zwischen Konkurrenz, „schöpferischer Zerstörung“ und Globalisierung • Volkswirtschaftslehre als Untersuchung und Deutung realökonomischer Vorgänge (vgl. Schumpeter, Alois (1911): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung.)

  9. Einleitung • Arthur Cecil Pigou • “When a man sets out upon any course of inquiry, the object of his search may be either light or fruit – either knowledge for its own sake or knowledge for the sake of the good things to which it leads” • “In the sciences of human society, be their appeal as bearers of light ever so high, it is the promise of fruit and not of light that chiefly merits our regard” • Praktische Ausrichtung und Zielsetzung als oftmaliges Hauptanliegen an die Volkswirtschaft (vgl. Pigou, Arthur C. (1920): The Economics ofWelfare, S.2-3, London: Macmillan.)

  10. Einleitung • Fritz Machlup • “fruit can grow and ripen only where there is enough light, and that most inquiries that shed light on problems, societal or not, eventually prove useful to society” • “I fear, however, that a requirement to justify each research project in the social sciences by its ‘promise of fruit’ can become a stultifying constraint” • Erleuchtung im Sinne von Aufklärung als wichtiger theoretischer Beitrag der Volkswirtschaftslehre (vgl. Machlup, Fritz (1980): KnowledgeandKnowledgeProduction, S.11, Princeton: University Press.)

  11. Einleitung • David Ricardo • erkennt, nichtsist so praktischwieeineguteTheorie • “Leuten, die nur etwas für Tatsachen, nichts aber für die Theorie übrig haben, ist mit Skepsis zu begegnen. Sie sind kaum imstande, ihre Tatsachen zu ordnen. Sie sind notwendigerweise leichtgläubig, weil sie kein Bezugsystem besitzen.” • Strukturerkennung, Formulierung und Erklärung als Auftrag der Volkswirtschaftslehre (vgl. Ricardo, David (1820) im Briefwechsel.)

  12. Einleitung • Joan Robinson • “Eine Theorie, die die ganze Wirklichkeit abzubilden versuchte, wäre ähnlich nützlich zur Orientierung wie eine Landkarte im Maßstab 1:1” • Abstraktion als notwendiger Bestandteil volkswirtschaftlicher Theorien und Modelle • Francis Picabia • “Notre tête est ronde pour permettre à la pensée de changer la direction” • Volkswirtschaftalsoffene und verbindendeWissenschaft (vgl. Picabia, Francis (1922).)

  13. Einleitung • Johann Wolfgang von Goethe • sagtalsMephisto: “Was diese Wissenschaft betrifft, es ist so schwer den falschen Weg zu meiden, es liegt in ihr so viel verborgnes Gift, und von der Arznei ist’s kaum zu unterscheiden“ • Volkswirtschaftslehre als Gemenge unterschiedlich motivierter Theorien unter politischen, ideologischen und institutionellen Einflüssen

  14. Einleitung • John Maynard Keynes • “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood.“ • “Indeed the world is ruled by little else.” • Volkswirtschaftslehre selbst als einflussreiche Wissenschaft auf Politik und deren Institutionen

  15. Einleitung • Adam Ferguson • “History is the result of human action, but not the execution of any human design” • erkennt die Relevanzvon nicht intendierten (und häufig unvorhersehbaren) Konsequenzen zweckgerichteten menschlichen Handelns • Volkswirtschaftslehre auch als verarbeitende Wissenschaft von externen Effekten und fehlender Rationalität (vgl. Ferguson, Adam (1793): An Essay on the History of Civil Society, 6. Aufl. (1. Aufl. 1767))

  16. Scholastik Scholastik • als vor allem normative Denkweise wirtschaftlicher Zusammenhänge • getragen von Mönchen, Klerikern und Wanderpredigern • gekennzeichnet durch Rückgriffe auf Bibelzitate und antike Philosophen • mit klarem Schwerpunkt auf Gerechtigkeitsüberlegungen • mit nahezu gänzlich unterschiedlichen Schlussfolgerungen zur modernen Theorie

  17. Scholastik Zins und Wucher • „Wenn Du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben Dir, so sollst Du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; • Du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen.“ (vgl. Exodus 22, 24)

  18. Scholastik Zins und Wucher • „Zins nehmen für geborgtes Geld ist an sich ungerecht; denn es wird verkauft, was nicht ist, wodurch ganz offenbar eine Ungleichheit gebildet wird, die der Gerechtigkeit entgegen ist.“ (vgl. Thomas von Aquin (1225-1274), Summa Theologica, SecundaSecundae, quaestio 78)

  19. Scholastik Zins und Wucher • „Der Wucherer leiht dem Schuldner nichts, was ihm gehört, sondern nur die Zeit, die Gott gehört.“ • „Die Wucherer sind Diebe, denn sie handeln mit der Zeit, die ihnen nicht gehört, und mit dem Eigentum eines anderen gegen den Willen des Besitzers zu handeln ist Diebstahl.“ • „Die Wucherer sündigen gegen die Natur, indem sie aus Geld Geld erzeugen wollen, wie ein Pferd aus einem Pferd oder einen Esel aus einem Esel.“ (vgl. Thomas von Chobham, Summa confessorum)

  20. Scholastik Zins und Wucher • Debatten über Herkunft und Rechtfertigung des Zinsgewinns sind bis heute nicht verstummt • moralische Vorbehalte wurden in Europa politisch missbraucht, finden sich aber auch in anderen Gebieten und Weltreligionen • Kollision mit modernen Grundannahmen von Profitrate, Risikozuschlag und Zeitpräferenz

  21. Scholastik Zins und Wucher • „Der Wucherer möchte, ohne zu arbeiten und selbst im Schlafe, einen Gewinn erzielen, was gegen das Gebot des Herrn verstößt, welches sagt: „Im Schweiße deines Angesichts sollst Du dein Brot essen.““ (vgl. Genesis 3, 19)

  22. Scholastik Gerechter Preis • Gerechtigkeit beim Tausch liegt vor • „…wenn der Schuhmacher und der Landwirt so miteinander tauschen, dass die Arbeit des einen der Arbeit des anderen entspricht und jeder das hat, was ihm gebührt.“ • „…wenn der Unterschied, der zwischen dem Landwirt und dem Schuhmacher vorhanden ist, ebenso als Unterschied zwischen dem Produkt des Schuhmachers und dem Produkt des Landwirts wiederkehrt.“ (vgl. Aristoteles (384-322 BC), Nikomachische Ethik)

  23. Scholastik Gerechter Preis • Der Preis eines Gutes muss • die Kosten der Produktion decken • dem Produzenten ein standesgemäßes Leben ermöglichen • Standesgemäße Entlohnung ergibt sich aufgrund • der Schwere der Arbeit • der notwendigen Qualifikation • der öffentlichen Meinung über den Beruf • Öffentliches Ansehen berücksichtigt die • Abgeltung positiver Verantwortung (Lehrer) • Abgeltung negativer Wahrnehmung (Henker)

  24. Scholastik Gerechter Preis • „Ich kann, ebenso wie der Ackerbauer gegen den Schuhmacher in einem gewissen Verhältnis steht, auch die Produkte beider in ein bestimmtes Verhältnis gegeneinander setzen.“ (vgl. Aristoteles (384-322 BC), Nikomachische Ethik)

  25. Scholastik Gerechter Preis • Individuum A • kann eine gewisse Menge eines Gutes herstellen • benötigt eine gewisse Menge an Gütern, um standesgemäß leben zu können

  26. Scholastik Gerechter Preis • Individuum A • bedarf daher eines entsprechenden Preisverhältnisses, um sich das standesgemäße Konsumbündel leisten zu können = !

  27. Scholastik Gerechter Preis • Individuum B • ist in seiner Möglichkeit standesgemäß zu leben nach selbem Muster vom gewissen Preisverhältnis abhängig = !

  28. Scholastik Gerechter Preis • Individuum A und B • müssen zum gerechten Preis vorteilhaft tauschen und sich ihre standesgemäßen Konsumbündel leisten können

  29. Scholastik Gerechter Preis • Es muss also gelten • der Spielraum für das gerechte Preisverhältnis wird durch ein minimales Konsumbündel normativ festgesetzt • Kollision mit moderner Marktphilosophie

  30. Scholastik Zehent • Staatliche Eingriffe müssen das standesgemäße Leben ermöglichen • Besteuerungsmöglichkeit ergibt sich daher nur bei Überschuss unter Berücksichtigung aktueller Preise • Alternativ ergibt sich eine Subvention, sofern die Bedingung für standesgemäßes Leben nicht erfüllt ist

  31. Scholastik Zehent • Individuum A • kann eine absolute Steuer in Form einer Naturalabgabe entrichten • kann selbige auch in Form eines proportionalen Anteils am hergestellten Gut entrichten

  32. Scholastik Zehent • eine an die Möglichkeiten und Bedürfnisse angepasste Besteuerung und Subvention korreliert durchaus mit Ausgestaltungen des modernen Leistungsfähigkeitsprinzips • normatives Festlegen von Steuersätzen an einem Stand oder Status kollidiert aber mit liberalen Gleichheitsvorstellungen

  33. Merkantilismus Merkantilismus • als wirtschaftspolitische Auffassung • als ökonomische Ausrichtung auf starke nationale Konkurrenz • mit hoch regulierten Zinssätzen zur Ermutigung von Investoren • mit expansiver Bevölkerungspolitik und Förderung von Einwanderung • mit Kolonialisierung und Eroberung (vgl. Thomas Mun (1664), England’s Treasure by Forraign Trade. Or, the Balance of our Forraign Trade is the Rule of our Treasure.)

  34. Merkantilismus Merkantilismus • strebt letztlich nach höherer Geldmenge • aufgrund des Bestandskonzepts von Reichtum • im Sinne gezielter Anhäufung von Edelmetallbeständen • mittels positiver Handelsbilanz und entsprechender Abgeltung von Exportüberschüssen

  35. Merkantilismus Quantitätstheorie • widerspricht merkantilistischen Überlegungen • zeigt deren Vernachlässigung von Preiseffekten im Spiel von Angebot und Nachfrage auf • beschreibt sich vereinfacht in einer Identität • mit M für die Geldmenge • mit V für die Umlaufgeschwindigkeit • mit P für das Preisniveau • mit Y für das Produktionsniveau

  36. Merkantilismus Quantitätstheorie • betrachtet Veränderungen

  37. Merkantilismus Quantitätstheorie • impliziert die Neutralität des Geldes • langfristig wächst mit einer Erhöhung der Geldmenge nur das Preisniveau • der konsumierte Wohlstand der Bevölkerung ergibt sich jedoch aus dem eigenen Produktionsniveau und Importen • der Merkantilismus übersah sowohl dies als auch komparative Kostenvorteile

  38. Physiokratie Physiokratie • als Denkschule, die bei ihren Untersuchungen von den Gesetzen der Natur ausging • beschäftigte sich mit der Entstehung, Verteilung und Verwendung des gesellschaftlichen Reichtums • betrachtete unterschiedliche Gesellschaftsklassen • fasste es als zweckmäßig in landwirtschaftliche, handwerkliche und grundbesitzende Klasse zu unterteilen

  39. Physiokratie Physiokratie • unterstellte einzig der Landwirtschaft als produktive Klasse das Potenzial, einen Überschuss über die eingesetzten Inputs zu erwirtschaften • unterstellte dem Handwerkals sterile Klasse reineTransformation von Güternohne Mehrwert zu schaffen (vgl. François Quesnay (1758), Maximes générales du gouvernement économique d’un royaume agricole.)

  40. Physiokratie Physiokratie • lässt folgern, dass sich Reformen und Investitionen in der Landwirtschaft wirkungsvoller darstellen als im Handwerk • fordert eine Alleinsteuer auf die Grundrente • empfiehlt freien Handel für landwirtschaftliche Produkte als Widerspruch zum protektionistischen Merkantilismus

  41. Physiokratie Tableau Économique • berücksichtigt zirkuläreProduktion in einem stationären Modell • als frühe Gleichgewichts-Analyse (vgl. François Quesnay (1758), Tableau économique.)

  42. Physiokratie Tableau Économique • als Vorgänger der Input-Output-Tabelle • verzeichnet Güter- und/oder Finanzströme zwischen den Sektoren (vgl. Wassily Leontief (1905-1999)).

  43. Physiokratie Tableau Économique • findet in moderner Form auch Anwendung in nationalstaatlichen Statistiken

  44. Physiokratie Tableau Économique • in vereinfachter Form

  45. Physiokratie Tableau Économique • in analytischer Anwendung

  46. Physiokratie Tableau Économique • vereinfacht wertmäßige Verflechtung von arbeitsteiliger Wirtschaft • tatsächliche Auftrennung und eindeutige sektorale Zuordnung äußerst komplex • legt kritische Betrachtung der Wertschöpfung nahe • erhaltener Anteil am Preis muss nicht zwangsläufig mit positiv gemessener und normativ bewerteter Leistung korrelieren

  47. Klassik Klassik • als Revolution in der politischen Ökonomie • berücksichtigt die kapitalistische Produktionsweise • mittels privaten und produzierten Produktionsmitteln • mittels angeheuerter Lohnarbeit • hebt die Wirkung von Arbeitsteilung, Spezialisierung und technischem Fortschritt auf wirtschaftliches Wachstum hervor (virtuouscircle) (vgl. Adam Smith (1776), Eine Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Wohlstands der Nationen.)

  48. Klassik Klassik • unterstellt eigennützigem Handeln unter geeigneten Regeln positive externe Effekte auf das Gemeinwohl (invisible hand) • forciert Marktwirtschaft als System der natürlichen Freiheit (vgl. Adam Smith (1776), Eine Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Wohlstands der Nationen.)

  49. Klassik Klassik • erkennt jedoch die Möglichkeit des Marktversagens, etwa durch • externe Effekte • meritorische Güter • Nichtrivalität und/oder Nichtausschließbarkeit • benennt daher wichtige staatliche Aufgabengebiete, wie etwa • innere und äußere Sicherheit • Justiz und Verwaltung • Bildungswesen • Infrastruktur (vgl. Adam Smith (1776), Eine Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Wohlstands der Nationen.)

  50. Klassik Preistheorie • unterstellt Preisen eine direkte Beziehung zu den Produktionskosten • versteht unter Produktionskosten alle Ausgaben für Arbeit, Material und Finanzierung des dafür notwendigen Kapitals • nimmt für die Produktion freien Wettbewerb und konstante Skalenerträge an • geht daher von uniformen Preisen aus