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Ausgewählte Sozialisationstheorien und deren Vertreter

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Ausgewählte Sozialisationstheorien und deren Vertreter

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  1. Ausgewählte Sozialisationstheorien und deren Vertreter Klassische soziologische Sozialisationstheorien: • Systemtheorie: Strukturfunktionalismus (Parsons) • Handlungstheorie: Symbolischer Interaktionismus (Mead) • Gesellschaftstheorie: • Theorie der kommunikativen Kompetenz (Habermas) • Theorie des sozialen Habitus/Milieutheorie (Bourdieu) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  2. Neuere Sozialisationstheorien • Theorie der Individualisierung der Lebenslagen (Beck) • Sozialisation in der Erlebnisgesellschaft (Schulze) • Neuere Handlungstheorien • Theorie der sozialisatorischen Interaktion • Theorie der personalen und sozialen Identität • Theorie der Identitätsbehauptung • Rationale Handlungstheorien • Soziale Systemtheorie (Luhmann) • Konstruktivismus Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  3. Talcott Parsons (1902-1979) • einer der bekanntesten amerikanischen Soziologen • Begründer des „Strukturfunktionalismus“ bzw. der „Systemtheorie“, zus. „Strukturfunktionale Systemtheorie“ • beeinflusst von E. Durkheim und M. Weber • Frage (Durkheim): wie Gesellschaften Stabilität erreichen und die Persönlichkeitsstrukturen der Menschen dabei berücksichtigen - Modell, das biologische und psychologische Theorien einbezieht • Gesellschaft als komplexes System braucht Strukturen, die zur Bestandserhaltung des Gesamtsystems bestimmte Funktionen erfüllen • Voraussetzungen für Stabilität von Gesellschaftssystemen, Entwicklung systemkonformen Handelns • ahistorische Perspektive, „Theorie für alle Fälle“ Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  4. Grundzüge der Theorie (I) • Unterscheidung zwischen organischem, psych. u. sozialem System • organische System versorgt Persönlichkeit mit Energie (Freud) • psychische System kontrolliert Antriebsenergien (gesell. Kontrolle) • soziale System (= Gesell.) wird durch Beziehungsmuster zwischen Personen als Träger bestimmter sozialer Rollen gebildet • Sozialisation = Übernahme der Verhaltensmaßstäbe (Spielregeln) des sozialen Systems in das psychische System, Erlernen von Rollen • psychische Verinnerlichung gesell. Werte, angefangen mit erster Bezugsperson; Mutter, Vater, Bruder, Erzieher, Lehrer usw. verweisen in ihren Rollen auf soziales und kulturelles System • Abstimmung/Gleichgewicht zwischen Bedürfnisstruktur (org. S.) der Pers.struktur (psych. S.) und Sozialstruktur (soziales System) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  5. Grundzüge der Theorie (II) • Grundqualifikation des Rollenhandelns werden in der Sozialisation durch Aneignung immer diff. Rollenbeziehungen erlernt • angefangen von Zweierbeziehung zwischen Mutter und Kind, über einfaches Rollensystem in der Kernfamilie, über Gleichaltrigengruppe in Schule bis zu Rollen des Erwachsenen in Beruf, eigener Familie und Gesellschaft, „Rollenkarriere“ • „Rolle“ als ordnendes Element, Rollenerwartung, Spielregeln,Werte • über Rollenlernen werden grundlegende Wertorientierungen erworben • Sozialisation als Bereitschaft und Fähigkeit zum Handeln in Rollen, • Erlernen und Trainieren von Rollen • Auseinanderhalten unterschiedlicher Typen von Rollen, flexibler Umgang • Identifizierung mit Rollen/Erwartungen • Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte • Verbindlichkeit (Sanktionen) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  6. Grundzüge der Theorie (III) • Rollenerwartungen/-anforderungen unterscheiden sich: z.B. Familie, Gleichaltrigengruppe, Schule, Beruf • Familie: persönlich, intim, affektiv, Gemeinschaftsorientierung, wenig spezifiziert, „partikularistisch“ • Schule, Beruf: sachlich, affektive Neutralität, „universalistisch“ • universalistische Orientierungen als „Grundqualifikationen des Rollenhandelns“ als Basispersönlichkeit: Ausrichtung an bestimmten Rollenerwartungen, an sozialen Positionen, an individueller Leistung • sachliche Berücksichtigung von Interessen, Wahrnehmung seiner und anderer Personen in den jeweiligen Rollen • Erlernen unterschiedlicher Grundmuster („pattern variables“) des Rollenhandelns • notwendige Beiträge der jeweiligen Sozialisationsinstanzen Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  7. Grundzüge der Theorie (IV) • Kindergarten und Schule haben Schlüsselfunktion: Einführung in universalistische Wertorientierungen • „Schulklasse als soziales System“: Unterscheidung von informellen und formellen Rollensystemen, Grundschullehrerin als emotional neutrale Bezugsperson, Beurteilung des Kindes nach indiv. Leistung • durch Übernahme der formalen Rollenbeziehung in Schulklasse werden öffentliche Wertmuster erlernt • Schule als Sozialisationsinstanz: 1) Erlernen der Rollenübernahme 2) Selektion: Verteilung der Arbeitskraft nach Schulleistung (Statusdiff. auf nichtbiologischer Basis, Leistungsauslese als „echter Selektionsprozess“, Verlierer akzeptieren Ergebnis/Spielregeln - Vgl. Sozialisationsleistungen Familie, Schule und peer group, Zusammenhang Pers.entwicklung und Rollenlernen Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  8. Fazit und Kritik: Parson - differenziertes Modell der Durchdringung von organischen, psychischen und sozialen Systemen, Persönlichkeit als „Spiegelbild“ der Sozialstruktur • Sozialisation als Rollenlernen • zentrale Bedeutung der Schule bzw. Schulklasse • Kritik: Sozialisation als „Vergesellschaftung“, weniger Individuation • soziale Rolle betont Anpassung, weniger aktives Subjekt • Rollenhandeln als „Bedürfnisbefriedigung“, Systemkonformität • Unterschätzung des Spielraum des Einzelnen, z.B. beim Rollenhandeln • Festschreibung des Gesellschaftszustandes, ahistorisch • eher Makroebene, weniger Mikroebene (Interaktion) • Weiterentwicklung der Systemtheorie, z.B. bei Niklas Luhmann Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  9. George Herbert Mead (1863-1931) • Begründer des „Symbolischen Interaktionismus“ • Symbolischer Interaktionismus als Variante der Handlungstheorie • Frage (vgl. Durkheim), wie Zusammenspiel zwischen „individuellem“ und „sozialem“ Wesen funktioniert • Grundlage: Einheit von individuellem und sozialem Wesen • Analyse der Mikroebene, der Verständigungs- und Interaktionsprozesse, z.B. wie Menschen ihre Handlungen aufeinander abstimmen, wie panvolles, kooperatives Handeln möglich wird • Ausgangspunkt: Verständnis der menschlichen Sprache sowie Beobachtung, Analyse und Interpretation von Handlungen anderer Menschen • „Handeln“ als sinnhaft aufeinanderbezogene Aktionen/Interaktionen in sozialen Situationen (normative Regelungen und Motivationen) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  10. Grundzüge der Theorie (I) • „Mind, Self, Society“ (dt. 1968): Entstehung der menschlichen Subjektivität auf der Grundlage der Auseinandersetzung des Menschen mit natürlichen und sozialen Umwelt • Persönlichkeit entsteht in Wechselwirkung zweier Größen, der eher sozialen Komponente des „Me“ und der eher psychischen Komponente des „I“ • Me drückt aus, wie die anderen Menschen ein Individuum sehen, Erwartungshaltungen, vgl. „Über-ich“ bei Freud • I vertritt gegenüber dem Me impulsive, spontane Energien der Person, die durch Me gezügelt werden, vgl. „Es“ bei Freud • durch Zusammenwirken von I und Me entsteht das „Self“ (Selbst), das Selbstbild und Selbstverständnis von sich als Person (Ich-Identität) • Zusammenspiel von I, Me, Self und Mind (Bewusstsein) kann menschliches Handeln und Identitätsbildung erklären Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  11. Grundzüge der Theorie (II) • „signifikante Symbole“: Sprache • gelungene Verständigung setzt Empathie und Antizipation voraus • Einschätzung der Folgen der eigenen Handlung in der Bedeutung für andere, Vorwegnahme der Reaktion des anderen • jeder muss sich selbst mit den Augen des anderen sehen und dessen Handlung als eigene vorwegnehmen können, „Rollenübernahme“ • „Wir müssen andere sein, um wir selbst sein zu können“ • sich selbst als Objekt sehen als Voraussetzung, um subjektiv sinnhaft handeln zu können • soziales Handeln als symbolisch (v.a. sprachlich) vermittelte Interaktion durch fortlaufende, wechselseitige Interpretation von Situationen, Rollenerwartungen und Handlungen Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  12. Grundzüge der Theorie (III) • Symbolsystem und symbolische Interaktion werden im Laufe der Sozialisation erlernt • Sprachliche Interaktion: Unterschied bei Menschen und Tieren • Tiere: instiktive Gesten, Menschen: gemeinsam geteilte Bedeutung der Wörter als „signifikante Symbole“, die bei Sprechern und Hörern gleiche/ähnliche Reaktionen auslösen (z.B. „Feuer“, „Hilfe“) • Entwicklung kindlicher Spielformen: Unterscheidung zwischen „play“ (nachahmendes Spiel) und „game“ (Wettkampf) • „play“: Kind spielt mit imaginärem Partner und mimt beide Teile, dadurch Erlernung der Verhaltensantizipation eines Partners • „game“: bei Gruppenspielen reicht Verhaltensantizipation eines Partners nicht aus, vielmehr müssen Spielregeln und Verhalten der Gruppenmitglieder berücksichtigt werden • „verallgemeinerte Andere“ repräsentiert die organisierte Reaktion aller Mitglieder der Gruppe (z.B. Team als „verallg. Andere“) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  13. Grundzüge der Theorie (IV) • Modell eines kreativ agierenden Menschen (nicht Anpassung) • Mensch als schöpferischer Interpret und Konstrukteur seiner Umwelt • soziale Umwelt wird mit Bedeutung versehen und damit schrittweise ein reflexives Bild von eigener Person aufgebaut • Familie als Ausgangspunkt der Subjektbildung: Eltern als wichtigste Bezugspersonen bilden sinnstrukturierenden Rahmen für Persönlichkeitsentwicklung • Erlernen der Fähigkeit der „Rollenübernahme“: Verstehen des sozialen Standpunktes der Bezugsperson, deren Verhalten vorhersehen und eigenes Handeln danach ausrichten • durch solches empathisches Verhalten werden wichtige Kompetenzen für die soziale Kommunikation erlernt (Empathie als kognitive Fähigkeit der Perspektivenübernahme, nicht Mitgefühl) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  14. Grundzüge der Theorie (V): Schulische Sozialisation • Struktur der schulische Kommunikation • formalisierte Kommunikation, diff. nach Lehrern • Hierarchie und Zwang: Schulpflicht, Lehrer als höhere „Gewalt“, Lernen • Leistung und Konkurrenz: Kommunikation am Leistungsprinzip orientiert • Schülerperspektive: • Regeln einhalten, „guter Schüler“, Interpretation der Lehrerrolle • Erfüllung vielfältiger Anforderungen, aber auch eigene Interessen und Bedürfnisse in unterrichtliche Kommunikation einbringen - Identitätsentwürfe/-probleme bei Schülern: • Spielraum zwischen institut. Anforderungen und eigenen Bedürfnissen • „Gute“ Schüler: Stärkung Selbstwert, Rollendistanz/Anpassungsfähigkeit • „Schlechte“ Schüler: Übernahme institut. Definition des „Versagers“ • Folgen für Selbstwert, Gefahr der Typisierung und Etikettierung Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  15. Fazit und Kritik: Mead • Verbindung von individualistisch-handlungstheoretischen und gesellschaftlich-strukturtheoretischen Aspekten in einer Theorie kommunikativer Beziehungen • Kern: Entwicklung des Selbstbildes • Betonung der aktiven Eigenleistung und Gestaltungsmöglichkeit • Schwerpunkt: Mikroebene, Subjektseite • Kritik: harmonisierendes Bild zwischen Individuum und Gesell. • keine Berücksichtigung funktionaler Differenzierungen • Vernachlässigung sozialer Strukturen und materieller Bedingungen • eher subjektivistisch und konstruktivistisch orientiert • keine Analyse von Macht, Einfluss und Konflikten in Gesell. • Weiterentwicklung durch Goffman, Habermas u.a. Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  16. Jürgen Habermas (geb. 1929) Theorie der kommunikativen Kompetenz • einer der bekanntesten dt. Philosophen und Soziologen • Geisteswiss. Schulen: normativ-ontologisch (Aristoteles), Systemtheorie (Parsons), Hist.-Mat./Kritische Theorie (Frankfurter Schule, Adorno, Horkheimer, Fromm) • Variante der Gesellschaftstheorien: wie der Mensch durch soziale Wirklichkeit in seiner Entwicklung beeinflusst wird und wie er diese Wirklichkeit selbst gestaltet • „Kritische Theorie“: wie gesell. Machtstrukturen auf Struktur der Persönlichkeit wirken (Einbeziehung Psychoanalyse) • Beispiel: totalitäre Systeme (NS-Zeit), Annahme einer „autoritären Persönlichkeit“, keine stabile Ich-Identität, Deformation • Ziel: Bedingungen für Emanzipation des Individuums u. Befreiung aus autoritären Zwangsstrukturen Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  17. Grundzüge der Theorie (I) • kritische Ges.-theorie, die soziologische Handlungstheorien, psych. Entw.-theorien und psychoanal. Theorien einbezieht • Mehrdimensionale Theorie: • Gesellschaftstheorie (Marx), Theorie des „Spätkapitalismus“ • Handlungs- und Rollentheorie, Entwicklung von Identität • Kognitive Entw.-psychologie, insb. intellektuelle und moral. Entwicklung • Psychoanalyse, Analyse innerpsychischer Antriebskräfte • Instrumentarium zur Beschreibung gesell. Bedingungen für Freiheitsgrade des sozialen Handelns (Freiräume vs. Kontrolle), Entfaltung vs. Beeinträchtigung der Persönlichkeit • Idee der Freiheit und der Mündigkeit als Maßstab einer kritischen Ges.-theorie mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit • Idee der Verständigung d.M. kraft der besseren Argumente Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  18. Grundzüge der Theorie (II) Konzept der kommunikativen Kompetenz - Bedingungen für Emanzipation d.M. u. Demokratisierung der Gesell. • „kommunikative Kompetenz“, „Ich-Identität“ als Eigenschaften eines handlungsfähigen, aktiv gestaltenden Subjekts • „Gerechtigkeit“, „Gleichheit“, „Herrschaftsfreiheit“ als Merkmale einer demokratischen Gesellschaft, Voraussetzung für freie Entfaltung • Ziel der Subjektbildung: Beherrschung des Regeln für „vernünftiges“ Handeln, Fähigkeit zum Diskurs, Geltung von Sinnzusammenhängen durch Verständigung und argumentative Begründung • Verständigung bedarf „idealer Sprechsituation“, d.h. gleichberechtigter Kommunikation („Zwang des besseren Arguments“) • ideale Sprechsituation entspricht idealer gesell. Lebensform (Utopie) • Realisierung im Rahmen einer demokratischen Verfassung Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  19. Grundzüge der Theorie (III) Kompetenzen des Rollenhandelns • Grundlagen für alltägliches soziales Handeln, um sozial handlungsfähig zu werden bzw. zu bleiben, Aushandlung zwischen eigenen Ansprüchen und Ansprüchen der Außenwelt • Ich-Identität: Balance von personaler und sozialer Identität • Rollendistanz: autonomer, reflektierender, interpretierender und z.T. distanzierender Umgang mit den vielen unterschiedlichen Erwartungen • Ambiguitätstoleranz: Aushalten von Ambivalenzen und Widersprüchen bei Interaktionen, Ertragen bzw. Ausbalancieren unklarer Erwartungen • Frustrationstoleranz: Aushalten der Diskrepanz von Rollenerwartung und Bedürfnissen, Ertragen geringer Bedürfnisbefriedigung in Rollen Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  20. Grundzüge der Theorie (IV) Habermassche Kritik an der Rollentheorie Parsons: • Integrationstheorem vs. Repressionstheorem • Parsons: Rollenhandeln für zwei Personen gleich befriedigend • H.: Interaktionen nicht für alle Interaktionsteilnehmer gleich befriedigend • Repressionstheorem: Komplementarität nur unter Zwang herstellbar • Identitätstheorem s. Diskrepanztheorem: • P.: Übereinstimmung von Rollendefinition und –interpretation • H.: diese Übereinstimmung nicht gegeben • Konformitätstheorem vs. Rollendistanztheorem • P.: rollenkonformes Veralten heißt Verinnerlichung von entsprechender Rollenerwartungen • H.: kein Rückschluss möglich, Distanz bewirkt Autonomie - Annahmen Parsons nicht Regel-, sondern eher Ausnahmefall Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  21. Grundzüge der Theorie (V) Stufen der Identitätsentwicklung • Annahme von Entw.-stufen und Entw.-krisen in Pers.-entwicklung • in Anlehnung an Piaget und Kohlberg: Entwicklung der moralischen Urteilsfähigkeit • 1. Stufe: „natürliche Identität“ (bis 6 Jahr) mit noch nicht bewusstem Innenleben und nicht vorhandenen Perspektivenübernahme • 2. Stufe: „Rollenidentität“ (6 bis Pubertät) Fähigkeit des operationalen Denkens und der konventionellen moralischen Urteilsfähigkeit • 3. Stufe: „Ich-Identität“ (nach Adoleszenzkrise/Pubertät), Krise als hilfreich für Entwicklung, Verbindung von subjektiver Sicht ihrer Pers. mit Außensicht und Fähigkeit zum sozialen Rollenhandeln • Voraussetzung für autonomes Handeln in modernen Gesellschaften Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  22. Grundzüge der Theorie (VI) Stufen der Moralentwicklung (Kohlberg) • Zusammenhang moralischen Urteilens mit der Fähigkeit, konkurrierende normative Erwartungen kommunikativ zu verhandeln I. Präkonventionelle Ebene (Unterordnung und eigene Interssen) 1. Stufe: Vermeiden von Strafe, Unterordnung unter Autorität 2. Stufe: moral. Entscheidungen an eigenen Bedürfnissen orientiert II: Konventionelle Ebene (Erhaltung Sozialbeziehung in Gruppe u. Ges.) 3. Stufe: richtiges Verhalten ist, was anderen in einer Gruppe gefällt 4. Stufe: Erhaltung der Sozialbeziehung erweitert sich zur Ges. III. Postkonventionelle Ebene (Verhältnis des Einzelnen zur Ges.) 5. Stufe: Verhältnis zur Ges. ist verhandelbarer Sozialvertrag 6. Stufe: Recht basiert auf ethischen, universellen Prinzipien Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  23. Fazit und Kritik: Habermas • Konzept zur Beschreibung und Analyse der Fähigkeit eines Menschen zum flexiblen und prinzipiengeleiteten Handeln in sozialen Rollen und zur kritische (Selbst)Reflexion über Regeln und Normen (Ich-Identität) • ideales Modell gesellschaftlicher Verständigung • Analyse ungleicher, unterdrückender Lebensbedingungen • Kritik: Fokussierung auf Kommunikation, Reduzierung von Gesellschaftlichkeit auf Sprache • Vernachlässigung materieller Aspekte und der Auseinandersetzung mit gegenständlichen Umwelt (vgl. Marx) • Vernachlässigung von Körperlichkeit, Geschlecht, Emotionen • dennoch: eine der weitreichendsten Konzeption für die Sozialisationstheorie, insb. durch Verknüpfung verschiedener Theorien • Beispiel für künftige Weiterentwicklungen Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  24. Pierre Bourdieu (1930-2002) • einer der bedeutendsten frz. Sozialwissenschaftler • Vertreter der kritischen Gesellschaftstheorie, empirischer Forscher • Theorie des sozialen Habitus: sozial bedingte Unterschiede in Werthaltungen und Mentalitäten, im „Habitus“ • „Milieutheorie“: Bedeutung des Herkunftsmilieus • Sozialisation als Habitualisierung: Vergesellschaftung („soziale Konditionierung“) • Weiterentwicklung der Klassen- und Schichttheorie durch Aufzeigen von Zusammenhänge mit Lebensstil und Vorlieben, z.B. Wohnung, Essen, Freizeitinteressen, Musikgeschmack, Bildungswissen usw. • Herausarbeiten der „feinen Unterschiede“ als Grenzen zwischen sozialen Gruppen, Aufdecken der Mechanismen der Macht • für Alltag und Persönlichkeitsentwicklung bedeutsam Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  25. Grundzüge der Theorie (I) • Ausgangspunkt: Handeln der sozialen Akteure, ihr gesamter Lebensstil ist von Position im sozialen Raum bestimmt • Handeln, Vorlieben sind Ausdruck eines sozialen „Schicksals“, einer schichtspezifischen Sozialisation, nur begrenzt beeinflussbar • Übernahme des Stils der sozialen Gruppe bzw. Umgebung • Vorlieben, Geschmack, Kleidung, Körperhaltung, Gang, Sprache usw. als Ausdruck unserer Position im sozialen Raum • „Habitus“ als Vermittlungsglied zwischen Stellung im sozialen Raum und dafür typischen Lebensstil, Praktiken u.Vorlieben (z.T.unbewusst) • Habitus als allgemeine Grundhaltung, „Handlungsgrammatik“ • Habitus wird im Alltag durch Nachahmung und Übernahme erlernt • Aneignung des Habitus, „Habitualisierung“ = Sozialisation • Lebensstile nicht gleichwertig: „feine Leute“ definieren „feine Unterschiede“ Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  26. Grundzüge der Theorie (II) • Basis eines Habitus ist eine spezifische Soziallage, die durch gewisse Kapitalkonfiguration bestimmt wird, drei Kapitalsorten: • Ökonomisches Kapital: materielle Form, Geld, Grundbesitz, durch Eigentum institutionalisiert • Kulturelles Kapital: Aneignung von Wissen u. Kenntnisse, Bildung, Umgang mit Kultur, Kulturgüter, Bücher, Bilder usw.; stark von Familie abhängig, Erklärung für unterschiedliche Schulleistungen in verschiedenen Sozialschichten • Soziales Kapital: Ressourcen aus dem Beziehungsnetz, Sozialkapital bedarf Beziehungsarbeit, d.h. kulturelles und ökonomisches Kapital • Formen der Kapitalumwandlung, Konvertierbarkeit der „Währungen“, Verschleierung der „sozialen Vererbung“, heimliche Übertragung von Kulturkapital, „Illusion der Chancengleichheit“ • „Soz. Raum“ als Markt, Gewinnmaximierung des „pers.“ Kapitals Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  27. Grundzüge der Theorie (III) • Gesell. Handeln als Distinktionsgeschehen: jede soziale Gruppe um Verbesserung ihrer Stellung im „sozialen Raum“ bemüht • Unterscheidung von drei großen gesell. Gruppen: • Oberschicht: „Distinktion“, sozialen Abstand zu anderen Gruppen wahren, Kenntnis kultureller Standards, Entwicklung eigenen Stils und dessen Durchsetzung als Norm • Mittelschicht: „Prätention“, kulturelle Anpassung an Oberschicht, soziale Aufstiegsorientierung, Bestreben vorgegebene kulturelle Normen zu erfüllen • Unterschicht: „Notwendigkeit“, Leben durch finanzielle und soziale Notwendigkeiten bestimmt, Kampf um Existenz, Kaufverhalten nach Preis, Haltbarkeit und Nutzen • soziale Lage (Schicht) entscheidet über Status von Denk- und Verhaltensgewohnheiten von Menschen • Definitionsmacht der Herrschenden über Symbole, Zeichen u. Rituale Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  28. Grundzüge der Theorie (IV) Empirische Studien und Ergebnisse: • Künstlerische Präferenzen korrelieren mit kult. Klassenzugehörigkeit • Spracheigenheiten (Gram., Ausspr. Stil) wichtig für soziale Mobilität • „Bildungsexpansion“: Schulabschlüsse verlieren an Wert • neoliberale Globalisierung führt zu „Prekarisierung“ • Gegeneinander der Lohnabhängigen ist Teil neoliberaler Hegemonie • „Gesellschaft m.b.H. Zumutungen und Leiden im dt. Alltag“ (2005): ungleiche Verteilung von Arbeit, Gütern, Anerkennung • prekäre Arbeitsverhältnisse und Verwundbarkeit des Menschen durch Individualisierung/Selbstverantwortung • Verlust der Beheimatung durch wenig Einkommen, schlechte Arbeitsbedingungen sowie physischen u. psychischen Stress Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  29. Fazit und Kritik: Bourdieu • Modell für Beschreibung der Zusammenhänge zwischen sozialen, ökonomischen und kulturellen Strukturen und den persönlichen Entwicklungsbedingungen der Menschen • Empirische Überprüfbarkeit, Erfassung von Lebenslagen, Milieus und damit verbundenen Lebensstilen • Betonung der gesell.Ungleichheit, Bildungschancen bei Kindern von Arbeitern, vom Land, von Migranten oder geschl. Benachteiligung • keine Auflösung der Ungleichheitsstrukturen, sondern Umwandlung in horizontal und vertikal differenzierte Lebenslagen • Kritik: zu deterministisch, zu statisch, Vernachlässigung der Gestaltungskraft des Individuums, Rolle der „Selbstsozialisation“, aber: Habitus durch Bewusstwerdung „unter Kontrolle“ bringen • Entstehung neuer Milieus, von Räumen gleichartiger Erfahrungen, z.B. virtuelle Milieus, Internet, Chats usw. Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  30. Neuere Sozialisationstheorien • Theorie der Individualisierung der Lebenslagen (Beck) • Sozialisation in der Erlebnisgesellschaft (Schulze) • Neuere Handlungstheorien • Theorie der sozialisatorischen Interaktion • Theorie der personalen und sozialen Identität • Theorie der Identitätsbehauptung • Rationale Handlungstheorien • Soziale Systemtheorie (Luhmann) • Konstruktivismus Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  31. Theorie der Individualisierung der Lebenslagen: Individualisierungstheorem (I) • Ulrich Beck: „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne“ (1986), Form der Gesellschaftstheorie, Lebenslagentheorie • Ausgangspunkt: Wandel der traditionellen Industriegesellschaft durch „wohlfahrtsstaatliche Modernisierung“ und gestiegene Freiheitsgrade für die eigene Persönlichkeit (neuer Modus von Vergesellschaftung) • Kehrseite: neue Risiken, Gefahr der Arbeitslosigkeit • „Individualisierung“ durch Freisetzung von trad. Normen/Bindungen • Freisetzung: alte Abhängigkeiten verschwinden, mehr und neue Optionen • Entzauberung: Werte u. Normen infrage gestellt, keine „Normalbiografie“ • Kontrolle: Bindungen verschwinden, mehr Einfluss durch Markt u. Moden • Individualisierung zwingt Einzelnen zur eigenständ. Lebensführung, • Pluralisierung von Milieus und Lebensstilen • Chancen der Autonomie und Gefahren der Anomie Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  32. Individualisierungstheorem (II) • keine vorgegebene Biografien, „Bastelbiografie“, „Planungsbüro“ • ständig Entscheidungen treffen und Konsequenzen „ausbaden“ • früher Schicksalsschläge, Naturkatastrophen, Kriege – heute: selbstverantwortete Ereignisse, wie Berufswahl, Prüfung, Beziehung • „Bastelbiografie“ = „Risikobiografie“ oder „Bruchbiografie“ • individualisierte Sozialisation: neue Anforderung an Heranwachsende, z.T. Überforderung, Kinder u. Jugendliche müssen Wandel bewältigen, aber: Erwachsende können keine Orientierung bieten • Folgen der Entstrukturierung, der „Schattenseiten“ von Individualisierungfür Jugendliche (W. Heitmeyer): • Verlust von Maßstäben für die eigene Verortung • Anfälligkeiten für Rechtsextremismus und Gewalt • hoher psychischer Druck in „individ. Gesell.“, insb. bei Benachteiligten Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  33. Fazit und Kritik: • Populärer und plausibler Theorieansatz, relativ neuer Ansatz • Beschreibung des Zusammenhangs von gesellschaftlichen Strukturen und Identitätsentwicklung • hohe Erklärungskraft, insb. für Wandel von Kindheit und Jugendphase • Beschreibung der Widersprüche, Ambivalenzen, Chancen und Risiken in modernen Gesellschaften und Folgen • Übereinstimmung mit Alltagstheorien, Alltagstauglichkeit • Kritik: z.T. Überzeichnungen, gewissen Einseitigkeiten bzw. Überbetonungen • noch wenig empirische Belege • Anschlussmöglichkeiten: Lebensstilen, Identitätstheorien, z.B. Patchwork-Biografie (Keupp), Alltägliche Lebensführung u.a. • Begriffe: Weltrisikogesellschaft (Terrorismus), Brasilianisierung u.a. Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  34. Sozialisation in der Erlebnisgesellschaft • Gerhard Schulze: „Erlebnisgesellschaft“ (1993) • Kultursoziologische Analysen der Gegenwart • Ausgangspunkt: steigender Lebensstandard und Auflösung traditioneller Muster lässt Erlebnisorientierung in Mittelpunkt rücken • Sozialisation geleitet von Suche nach schönen, spannendem Leben • Erlebnissuche als kollektive Basismotivation: • keine Privileg, für zunehmend größere Gruppen möglich • großer Anteil des Zeitbudget, erfasst nicht nur Freizeit, sondern auch Arbeit, Sozialbeziehung, Alltag • Erlebnisorientierung als hoher Wert, Sinn des Lebens • unterschiedliche Verarbeitung von Erlebnissen (Innenorientierung) • Risiken: Entscheidungsstress, Enttäuschungen, Konsum, Langeweile, Angst, etwas zu Versäumen, Desorientierung „Was gefällt mir eigentlich?“ (z.B. Geburtstagsfeiern, Unterricht) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  35. Handlungstheorien: Theorie der sozialisatorischen Interaktion • Handlungstheorien: Handlungen/Motive vs. reaktives Verhalten (vgl. Systemtheorie) • Bedeutung der Kommunikation mit wichtigsten Bezugspersonen • Pers.-entwicklung in soziale und dingliche Kontexte eingebunden • Vertreter: Vygotsky (1986), U. Oevermann (1976) • neben Reifung und kognitiver Entwicklung erfolgt Entwicklung über „Vollzug der dialogischen Interaktion“ (Oevermann) • strukturelle Bedingungen für Aufbau von Kompetenzen nötig • Ergänzung der entw.-psychol. Theorie der Strukturgenese (Piaget) • durch Verhalten der Bezugspersonen u. sozialisatorische Interaktion werden Prozesse der ständigen Adaption angeregt • Handlungen der Bezugspersonen als sinnstrukturierender Rahmen • besondere Bedeutung für sprachliche Sozialisation (Spracherwerb) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  36. Handlungstheorien: Theorie der personalen und sozialen Identität • Identitäts- und rollentheoretische Ansätze • Vertreter: Goffman (1967), Krappmann (1969) • Identität als Erleben es Sich-selbst-Gleichseins (Krappmann) • Vorauss.: real. Selbstwahrnehmung u. pos. gefärbte Selbstbewertung • Identität: koordinierende Instanz mit zwei Komponenten (vgl. Mead) • Pers. I.: Kontinuität, Konsistenz in eigener biografische Erfahrung • Soziale I.: Auseinandersetzung mit Anforderungen ges. Gruppen u. Org. • Gelungene Balance: Ich-Identität als Zustand des Selbsterlebens • ständiger Interpretations- und Aushandlungsprozesses mit äußerer und innere Realität, Aushalten oder Ausgleich von Spannungen zwischen eigenen Bedürfnissen/Kompetenzen und Anforderungen der Außenwelt - Anforderungen an Sicherung der Ich-Identität (Misslingensgefahr) Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  37. Handlungstheorien: Theorie der Identitätsbehauptung • Ausgangspunkt: höhere Anforderungen an Identitätsbildung durch mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten • Historische Gesellschaftsanalyse von N. Elias (1987) • Freiheitsgrade und Restriktionen: • Anstieg individueller Gestaltungschancen • Behauptung der Identität große Aufmerksamkeit • Menschen müssen heute mit gesteigerten Wahlmöglichkeiten zurechtkommen, neue Risiken, sozialer Stress, Unbehagen, Ungewissheit • Identitätsbedrohung durch zu viele Wahlmöglichkeiten oder Nichteinlösung der eigenen Identität, „Entindividualisierung“, z.B. in totalen Institutionen (Gofmann, Foucault) • Anschlussmöglichkeiten zu Beck, Krappmann u.a. Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  38. Rationale Handlungstheorien • Weiterentwicklung der Handlungstheorie unter Berufung auf M.Weber • Steuerung des Handelns weniger durch soziale Normen, vielmehr durch individuelle Ziele und Willen der Akteure (subjektiver Sinn) • Ökonomische Denkweise: Handeln beruht auf rationale Kalkulation und Verfolgen eines persönlichen Nutzens • „Theorie rationalen Handelns“: • Ges. zwingt Menschen, eigene Interessenlage bewusst zu werden und Handeln zu überdenken, führt zu mehr Selbstkontrolle, sowohl eigene Interessen durchsetzen als auch Leistungsansprüche befriedigen • Soziale Regeln werden nur so weit eingehalten wie unbedingt nötig und den eigenen Interessen entsprechend • Eigennutz gewinnt - soziale Normen verlieren an Bedeutung (aufgrund der Ausdifferenzierung u. Spezialisierung der Gesellschaft) • Bereicherung der Frage nach den Antriebs- und Steuerungskräften des Handelns von Menschen in heutiger Zeit Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  39. Die soziale Systemtheorie • Weiterentwicklung der Systemtheorie: Niklas Luhmann (1927-1998) • Betonung der Eigenständigkeit der Systeme • Gesell: nicht Ansammlung von Menschen, sondern Kommunikation • Unterscheidung von organischen, psychischen und sozialem System (vgl. Parsons) mit je eigenen Entwicklungsgesetzen: • psychisches System als selbstreferenzieller Bewusstseinszusammenhang • soziale Systemen entstehen durch Kommunikation • jedes System ist notwendige Umwelt für die anderen Systeme • Systeme stehen im Verhältnis der gegenseitigen Interpenetration • Sozialisation als „Selbstsozialisation“: keine Übertragung zwischen Systemen, sondern selbstreferenzielle Reproduktion des Systems • aus Differenz zwischen psychischen System (Person) und dessen Umwelt ergibt sich Möglichkeit und Notwendigkeit der Sozialisation • beide Systeme interagieren, bleiben aber jeweils Umwelt füreinander Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  40. Die soziale Systemtheorie (II) • Organ., psych. u. soziales System als selbstorganisierende Systeme: • Person entwickelt sich als psychisches System unabhängig von sozialer Umwelt, ebenso das soziale System (Gesell.), sog. „Autopoiesis“ • Autopoieses bezeichnet Org.form von selbstkonstitutiven Systemen • Leistung der Systemen ist Reduktion der Komplexität von Umwelt, d.h. die Aneignung und Übersetzung von Strukturen aus der Umgebung in das Innere des jeweiligen Systems • Ausmaß der Selbstorganisation steigt (auch für Psyche), das erfordert mehr Sinnbildung, Ordnung des Handelns, um gegenüber der sich wandelnden Außenwelt konstant bleiben zu können • Einbeziehung übergreifender Aspekte der Funktionsfähigkeit von Systemen auf allen Ebenen und Entwicklungsstufen • Kritik: sehr abstakte, formalistische Darstellung der Sozialisation, Überbetonung der Selbststeuerung, Vernachlässigung der Interaktion • eine der populärsten Theorien in Soz., Psych., Lit., Managementtheorie Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  41. Konstruktivismus • umstrittener Versuch, Sozialisation zu beschreiben: „Jeder entwickelt sich nach seinen Vorstellungen und legt sich seine Welt zurecht“ • Ausgangspunkt: Erkenntnis nicht Widerspiegelung der Realität, sondern eine Konstruktion (Bezug zur Kognitions-Theorie): • Die Wirklichkeit, die wir wahrnehmen, unser Beobachtungsgeist, ist unsere eigene Konstruktion, ein subjektives Konstrukt • Es gibt keine objektive Realitätserkenntnis, keine absolute Wahrheit • Wirklichkeit und Erkenntnis sind keine Repräsentation des Welt draußen, sondern ein individuelles Phänomen (Maturana/Varela 1987) • Wirklichkeit ist nicht, sondern wird in sozialen Praktiken fortwährend gemacht (z.B. Konstruktion von Geschlechtlichkeit) • Konzept des Beobachters (z.B. U-Boot) • Sozialisation: Erklären von Umweltereignisse über subjektive Wahrnehmung eines interpretierenden und konstruierenden Menschen • Kritik: Beliebigkeit menschlichen Denkens, grenzenlose Autonomie, Ausblenden objektiver Realität, alles eine Frage der Wahrnehmung Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  42. Fazit: Möglichkeiten der Theoriekombination • verschiedene Sozialisationstheorien mit Erklärungskraft für Bereich • Psychologische Theorien: Aussagen der inneren Realität • Soziologische Theorien: Aussagen zur äußeren Realität • Sozialisationstheorien: Verschränkung von innerer und äußerer Realität • Theorien mit Erklärungskraft für bestimmte Themen (Tillmann): • Ps.-analyse, Lerntheorie, kogn. Ent.-psych: geschlechtsspez. Sozialisation • Strukturfunkt., symb. Interaktionismus, hist. Mat.: schulische Sozialisation • Psych. u. soziologische Theorien: Sozialisation im Jugendalter • Theorieverbund bei Habermas: hist.-mat. Ges.theorie, Psychoanalyse, symbolischer Interaktionismus, Kognitionspsychologie („Leittheorie“) • für Sozialisationstheorie ist Theoriekombination erfolgversprechend: unterschiedliche wiss. Perspektiven auf „Sozialisation“ • Folgerungen für die Sozialisationsforschung Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung

  43. Literatur • Baumgart, F. (Hrsg.): Theorien der Sozialisation. Bad Heilbrunn 1997 - Gudjons, H.: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn 1995 • Faulstich-Wieland, H.: Individuum und Gesellschaft. München 2000 • Grundmann, M.: Sozialisation. Skizze einer allgemeinen Theorie. Konstanz 2006 • Hurrelmann, K.: Einführung in die Sozialisationstheorie. Weinheim und Basel 2002 • Hurrelmann, K./Bründel, H.: Einführung in die Kindheitsforschung. Weinheim, Basel, Berlin 2003 • Kron, F.W.: Grundwissen Pädagogik. München, Basel 1996 • Raithel, J./Dollinger, B./Hörmann, G: Einführung in die Pädagogik. Wiesbaden 2005 • Tillmann, K.-J.: Sozialisationstheorien. Reinbek 2003 • Zimmermann, P.: Grundwissen Sozialisation. Opladen 2000 Prof. Schubarth: Einführung in die Sozialisationstheorie und Sozialisationsforschung