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Konfliktbearbeitung aus der Sicht der Politikwissenschaft. Ein einführender Überblick zu Konzepten und Zielsetzung. Systematisch-klassifizierende Vorüberlegung. Konfliktforschung. Prämisse :. Krieg als Teilmenge der Gesamtmenge sozialer Konflikte. Ziel:.

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konfliktbearbeitung aus der sicht der politikwissenschaft

Konfliktbearbeitung aus der Sicht der Politikwissenschaft

Ein einführender Überblick zu Konzepten und Zielsetzung

slide3

Konfliktforschung

Prämisse:

Krieg als Teilmenge der Gesamtmenge sozialer Konflikte

Ziel:

Vergleichend-kontrastierende Untersuchungen der

Entstehungsmomente und –ursachen

Verlaufsformen

Verhaltensweisen der Konfliktparteien

Ergebnisse

Wirkungen

von gesellschaftlich-kollektiven Konflikten

ans tze
Untersuchung der Natur und des Verlaufs gesellschaftlicher Konflikte; Übertragung der so gewonnenen Erkenntnisse auf zwischenstaatliche Konflikte

Untersuchung von Konflikten in der relativ unstrukturierten internationalen (Staaten-) Gesellschaft; Übertragung der Ergebnisse auf weniger destruktive und oft strukturiertere/reguliertere gesellschaftliche Ebenen

ANSÄTZE
slide5

Konflikt: Definition

  • Die Friedenswissenschaft geht traditionellerweise von der Annahme aus,
  • dass Konflikte zu begreifen sind als Ausdruck von (verhandelbaren) Interessengegensätzen
  • die wiederum modernen (Industrie-) Gesellschaften endemisch sind und als ihr charakteristisches Merkmalauftreten

„A conflict exists when two people wish to carry out acts which are mutually inconsistent. They may both want to do the same thing, such as eat the same apple, or they may want to do different things where the different things are mutually incompatible, such as when they both want to stay together but one wants to go to the cinema and the other to stay at home. A conflict is resolved when some mutually compatible set of actions is worked out. The definition of conflict can be extended from individuals to groups (such as states or nations), and more than two parties can be involved in the conflict. The principles remain the same.“(M.Nicholson: Rationality and the Analysis of International Conflict. 1992:11)

slide6

Im Gegensatz zu älteren Erwartungen an die Friedenswissenschaft

  • gehen wir heute nicht mehr davon aus, dass
  • Analyse
  • Prävention
  • Bearbeitung/Management oder
  • Lösung
  • von Konflikten nach der Abschaffung des Konflikts, oder gar der Abschaffung von Interessengegensätzen strebt. Das Ziel ist vielmehr die Entwicklung solcher Austragungsformen von Konflikten, die eine gewaltfreie, (rechts-) förmliche Bearbeitung von Interessengegensätzen ermöglichen
  • sei es aus einem wohlverstandenen, rational kalkulierten Eigeninteresse der Akteure, oder
  • aus Respekt vor dem „Schatten der Zukunft“ (d.h. der Erwartung einer Vergeltungsaktion der Gegenseite dann, wenn die eigenen Handlungen deren Erwartungen enttäuschen oder Prinzipien und Interessen verletzen)
  • [ vgl. unten Politik der Abschreckung ] .
literaturtip
Literaturtip
  • Ulrich Eckern u.a. (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme. Wiesbaden 2004.
  • Peter Imbusch/Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung. 4., überarb. Aufl. Wiesbaden 2006.
  • Peter Schlotter/Simone Wisotzki (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Baden-Baden 2011
  • Gert Sommer/Albert Fuchs (Hrsg.): Krieg und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie. Weinheim 2004.
slide12

t

Zeitablauf

Konfliktbearbeitung : Ansatzpunkte

Intensität

i

MANAGEMENT

Gewaltschwelle

PRÄVENTION

NACHSORGE

literaturtip1
Literaturtip
  • Thorsten Bonacker (Hrsg.): Sozial-wissenschaftliche Konflikttheorien. Eine Einführung. 4. Aufl. Wiesbaden 2008
  • Kathrin Ahlbrecht/Annegret Bendiek/ Reinhard Meyers/Sabine Wagner: Konfliktregelung und Friedenssicherung im internationalen System. Wiesbaden 2009
  • Berhold Meyer (Hrsg.): Konfliktregelung und Friedensstrategien. Eine Einführung. Wies-baden 2011
  • Alle im VS-Verlag erschienen
literaturtip2
Literaturtip
  • Jacob Bercovitch/Richard Jackson: Conflict Resolution in the Twenty-first Century. Principles, Methods, and Approaches. Ann Arbor: U.of Michigan Press 2009
  • Oliver Ramsbotham/Tom Woodhouse/Hugh Miall: Contemporary Conflict Resolution. The prevention, management, and transformation of deadly conflicts. 3.Aufl. Cambridge 2011

Berghof Handbook for Conflict Transformation

http://www.berghof-handbook.net/

slide16

UMGANG MIT KONFLIKTEN

  • Wenn Konflikte einmal durch die Unvereinbarkeit der Ziele der Akteure gekennzeichnet sind, zum anderen aber auch durch das Bemühen jedes Akteurs, bestimme Verhaltensweisen und/oder Handlungen zu nutzen, um seine Ziele zu erreichen und wenn jede Konfliktpartei die andere als Hindernis auf dem Weg zur Verwirklichung der eigenen Ziele wahrnimmt,
  • dann können wir drei Grundelemente eines jeden Konflikts beschreiben, die uns erlauben, unterschiedliche Erklärungen für die Entstehung eines Konflikts ebenso zu formulieren wie unterschiedliche Empfehlungen für seine Bearbeitung/Lösung
  • die Konfliktsituation
  • das Konfliktverhalten
  • die Einstellung zum Konflikt.
slide17

DAS KONFLIKTDREIECK

VERMEIDUNG

SITUATION

VERHALTEN

EINSTELLUNG

PRÄVENTION

slide18

Konfliktvermeidung/Konfliktprävention

Modus

Konfliktvermeidung

Konfliktprävention

Ziel

Vermeidung von Situationen

der Ziel, Werte- oder Interessen-

inkompatibilität

Verhinderung der Konfliktsituationen,

die zu unerwünschtem Konflikt-

verhalten führen

Mittel

1. Vorhaltung einer den Ansprüchen

aller Parteien genügenden Menge

knapper Werte

2. Förderung von Verhaltensein- stellungen, die das Streben nach inkompatiblen Zielen sanktionieren

oder unterbinden

1. Konfliktregulierung: Konfliktaustrag

in einem anerkannten Regelsystem

2. Konfliktunterdrückung: Verhinderung

unerwünschten Konfliktverhaltens durch Drohung mit oder Anwendung von Zwang

slide19

Austragungsphase (Konflikt-Management)

Eskalationsphase

Konsolidierungs-phase

Entstehungsphase

Post-conflict peacebuilding

slide20

The Conflict Cycle and Measures of Crisis Prevention

Open Conflict:

Crisis Prevention Aims:

Conflict management,

reduction/ending of hostilities.

Crisis Prevention Instruments:

Sanctions, political dialogue, peaceenforcement.

Post-conflict Transition:

Crisis Prevention Aims:

peacebuilding/consolidation.

Crisis Prevention Instruments:

Demilitarisation, reintegration, rehabilitation,

peace-building, political

dialogue, monitoring, institutional

reform.

Normality and Peace:

Crisis Prevention Aims:

Democracy, human rights, structural

stability.

Crisis Prevention Instruments:

Support for socio-economic

cohesion, human development,

democracy and good governance.

Increasing Tension:

Crisis Prevention Aims:

prevention, reduction of tension.

Crisis Prevention Instruments:

political dialogue, sanctions, preventive

deployment, socio-economic

stabilisation.

slide22

ABSCHRECKUNG

Bemühen, den Willen eines potentiellen Gegenspielers so zu beeinflussen, dass er auf eine mögliche Handlung verzichtet, weil deren Risiko kalkuliert untragbar ist

Abschreckung durch Verweigerung („deterrence by denial“) dem Gegenspieler wird damit gedroht, durch geeignete eigene Massnahmen den möglichen Erfolg der von ihm beabsichtigten Handlung zu unterbinden

Abschreckung durch Vergeltung („deterrence by retaliation/punishment“) dem Gegenspieler wird im Falle seines Handelns mit Vergeltungsmassnahmen gedroht, deren Kosten für ihn untragbar sind

Anwendung vor

Konfliktbeginn

Anwendung nach

slide23

Prämisse:Rationalitätsvorbehalt – beide Seiten einer Abschreckungsbeziehung handeln auf der Grundlage eines rationalen Kosten-Nutzen-Kalküls und nehmen von einer beabsichtigten Handlung Abstand, falls deren Kosten deren Nutzen übersteigen

  • Erfolgsbedingungen :
  • Fähigkeit des Abschreckers, dem Gegenspieler einen untragbaren Schaden zuzufügen („capability“)
  • Möglichkeit des Abschreckens, dem Gegenspieler eine solche Drohung zu übermitteln („communication“)
  • Geschick des Abschreckers, den Gegenspieler eine solche Drohung glauben zu machen („credibility“/Glaubhaftigkeit)

ABHALTUNG

Bemühen, dem Gegenspieler zu verdeutlichen, dass der „Eintrittspreis“ für eine Invasion (und ggfs. Besetzung) des eigenen Territoriums so hoch ist, dass er die aus einer solchen Aggressionshandlung entstehenden Gewinne überschreitet

slide24

Problem:

Abschreckung ist das Produkt, nicht die Summe ihrer Erfolgsbedingungen:

A = (Cap. x Cred. ) Comm.

Fällt eine der drei Bedingungen aus, muss Abschreckung versagen!

literaturtip3
Literaturtip
  • Thomas C. Schelling: Arms and Influence. New Haven 1966
  • Kenneth E. Boulding: Conflict and Defense. A General Theory. New York 1962
  • Lawrence Freedman: The Evolution of Nuclear Strategy. 2nd ed. London 1989
slide28

Bearbeitungsmodi

Entwicklungsstadien

Sozialer oder politischer Wandel

Peaceful Change:

gewaltfreier Prozess einvernehmlicher Veränderung von Normen und (Völkerrechts-)Regeln sowie der auf diesen beruhenden Strukturen des internationalen Systems

KONFLIKTVERMEIDUNG

Einfluss auf

Situation

Good Management:Antizipation und kooperative Aufhebung möglicher Konfliktgründe und -anlässe

Entwicklung eines potentiellen

Konfliktzustands

Verhalten

Einstellung

Unterdrückung:

keine Bearbeitung der Konfliktursachen, aber Verhinderung des Konfliktausbruchs

(Einfluss auf)

KONFLIKTPRÄVENTION

Latenter Konflikt

slide29

KONFLIKTREGULIERUNG

Gewaltfreier Konflikt

Verregelungdes Konfliktaustrags

(z.B. durch internationale Regime)

Entwicklung von Verfahren

Institutionalisierungdes Konfliktaustrags (z.B. durch die Schaffung internationaler Organisationen)

  • zur Beschränkung möglicher Konfliktformen
  • b) der Regelung und Regulierung des Konfliktverlaufs

Drohung mit/Anwendung

von Gewalt

keine Konfliktlösung, aber Verhinderung des Ausbruchs gewaltsamer Konflikte

Präventive Diplomatiemit

a) Monitorfunktion (Vorwarnung vor

und Überwachung von sich zuspitzenden Konflikten)

b ) Schlichtungsfunktion (Ingangsetzen

von Streitbeilegungsmechanismen)

Krise

Krisenmanagement:keine Konfliktlösung, aber Eskalationsverhinderung sowie Beschränkung und Einhegung der Konfliktintensität

Krieg

Verrechtlichung:rechtliche Einhegung

des Krieges durch Beschränkung des ius ad bellum (Bestimmung legitim Kriegführender) und Entwicklung und Kodifizierung des ius in bello (= Regelung der völkerrechtl. Zulässigkeit bestimmter Kriegshandlungen

Peace Making/Peace Enforcement:bewaffnete Intervention Dritter zur Unterbindung der militärischen Gewaltanwendung zwischen den Kriegs- oder Konfliktparteien

slide30

KONFLIKTBEENDIGUNG

(“Settlement”) durch Übereinkunft oder stillschweigende Anerkenntnis der Konfliktparteien (bei möglichem Weiterbestehen des grundsätzlichen Interessengegensatzes)

Waffenstillstand

Peace Keeping:Trennung der Konfliktparteien durch (i.d.R. unbewaffnete) Kräfte Dritter mit dem

Ziel der Sicherung von Pufferzonen und der Zeitbeschaffung für Verhandlungslösungen

KONFLIKTLÖSUNG

(“Resolution”) durch Veränderung der Beziehung (en) zwischen den Konfliktparteien durch Aufhebung des grundsätzlichen Interessengegensatzes

Friedensvereinbarung

Wiederaufbauhilfe:wirtschaftliche

und finanzielle Unterstützung der Konfliktparteien durch Dritte (ggfs.

mit bestimmten Auflagen)

Versöhnung der Konfliktparteien,

Aufhebung der Konfliktgründe

literaturtip4
Literaturtip
  • A/47/277 - S/24111 vom 17.Juni 1992
  • An Agenda for Peace. Preventive diplomacy, peacemaking and peace-keeping. Report of the Secretary-General pursuant to the statement adopted by the Summit Meeting of the Security Council on 31 January 1992
  • http://www.un.org/Docs/SG/agpeace.html
  • A/50/60 - S/1995/1 3 January 1995
  • SUPPLEMENT TO AN AGENDA FOR PEACE: POSITION PAPER OF THE SECRETARY-GENERAL ON THE OCCASION OF THE FIFTIETH ANNIVERSARY OF THE UNITED NATIONS
  • http://www.un.org/Docs/SG/agsupp.html
slide33

Die Ausdifferenzierung des Friedensbegriffs

Kriegsverhütung

gesellchsftl. Strukturänderung

komplexe ganzheitliche Modelle

Abwesenheit militärischer Gewaltanwendung

Gleichgewicht der Macht/der Mächte

Abwesenheit struktureller Gewalt

Spiritueller innerer Friede

Geschlechterfrieden

Interkultureller Friede

Friede mit der Natur

Umwelt

Kultur

Transnational

Zwischenstaatlich

Innerstaatlich

Innergesellschaftlich

Familie/Individuum

Innerer Friede

FRIEDE

slide34

Nachhaltiger Friede

  • Gewaltfreiheit
  • Selbsterhaltung
  • Innere/Äussere Legitimation
  • Konstruktive Konflikttransformation
  • politische Demokratisierung
  • Wirtschaftl. Wiederaufbau
  • Wiederherstellung des
  • Rechtsstaats
  • Erziehung und Ausbildung, Gesundheitswesen/-vorsorge Ökologisches Gleichgewicht
  • Änderung des moralisch-politischen Klimas
  • Verheilung der Wunden der Vergangenheit
  • Engagement für die Zukunft
  • Versöhnung der Werte
  • Entwicklung eines Wir-Gefühls und multipler Loyalitäten

Mediation,

Verhandlung,

Schlichtung,

Streitbegleitung

Versöhnung

Sicherheit

Rüstungskontrolle

Abrüstung

PRÄVENTION

Wiederaufbau Versöhnung

(Reconstruction) (Reconciliation)

Friedensschaffung (Peace Building)

Friedenswahrung (robustes) Peace Keeping

slide35

Konfliktbearbeitung durch Bundeswehreinsätze: Arbeitsteilung UNO/NATO/EU/OSZE

Konfliktmanagement

Friedensschaffende

Maßnahmen

Konfliktprävention

NATO&

OSZE

in Europa

EU/OSZE

in Europa,

& Welt ??

Friedenserhaltende

Maßnahmen

NATO

in Europa

UNO in Welt

EU/NATO

in Europa,

UNO in der

Welt

EU in Europa

UNO in der

Welt

Post-Konflikt-

Management

Friedensbewahrende

Maßnahmen (nicht-

militärischer Art)

slide36
Die verwirrende Begriffsvielfalt
  • Konfliktlösung/Konfliktregelung (Conflict Resolution):
  • Die Konfliktlösung hat das Ziel, den Konflikt zu beendigen im Sinne eines tragfähigen Kompromisses bzw. eines Interessenausgleichs.
  • Im Gegensatz dazu liegt bei dem Begriff Konfliktregelung die Betonung auf der Vereinbarung konkreter Maßnahmen zur Verständigung über die Streitpunkte und Konfliktfolgen (im Englischen werden beide Begriffe mit „conflict resolution“ bezeichnet).
  • Konfliktprävention:
  • Dies ist zwar inzwischen ein viel gebrauchter, jedoch missverständlicher Begriff, weil in der Regel nicht der Konflikt als solcher verhindert werden soll oder kann, sondern vielmehr seine destruktiv eskalierende Austragung bzw. die akute Gewaltanwendung (Gewaltprävention).
literaturtip5
LITERATURTIP
  • Andreas Mehler/Claude Ribaux: Krisenprävention und Konfliktbearbeitung in der Technischen Zusammenarbeit. Ein Überblick zur nationalen und internationalen Diskussion.
  • Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH]. Wiesbaden: Universum-Verl.-Anst., 2000 (Schriftenreihe der GTZ; Nr. 269)
  • http://www.gtz.de/de/themen/uebergreifende-themen/krisenpraevention/4950.htm
grundproblem aller friedenssicherung
Grundproblem aller Friedenssicherung
  • Prämissen ähnlich wie in der Abschreckungspolitik: notwendig sind
  • Capability, Communication, Credibility

Problem:

Friede ist das Produkt, nicht die Summe seiner Erfolgsbedingungen

F = (Cap. x Cred. ) Comm.

Fällt eine der drei Bedingungen aus, d.h. geht gegen Null, muss Friedens-

sicherung versagen!