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Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen Sachsen-Anhalt e.V. Die Familie im Wandel. Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen Sachsen-Anhalt e.V. Ablauf: Definition: Familie Wandel: vorindustrielle Agrargesellschaft Wanderungsbewegungen im 19. Jahrhundert

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Presentation Transcript
evangelische aktionsgemeinschaft f r familienfragen sachsen anhalt e v
Evangelische Aktionsgemeinschaft für FamilienfragenSachsen-Anhalt e.V.

Die Familie im Wandel

Klaus Roes - eaf Sachsen-Anhalt

evangelische aktionsgemeinschaft f r familienfragen sachsen anhalt e v2
Evangelische Aktionsgemeinschaft für FamilienfragenSachsen-Anhalt e.V.
  • Ablauf:
    • Definition: Familie
    • Wandel: vorindustrielle Agrargesellschaft
    • Wanderungsbewegungen im 19. Jahrhundert
    • schichtspezifische Lebensformen – Proletariat
    • schichtspezifische Lebensformen – Bürgertum
    • Familie im Nationalsozialismus
    • Familie in der BRD
    • Familie in der DDR
    • Gegenwart und Zukunft
    • Exkurs - Wertewandel

Klaus Roes - eaf Sachsen-Anhalt

definition familie
Definition Familie
  • Das Wort " Familie" leitet sich vom Lateinischen "familia" (die Familie) ab und es verweist auf "famulus„ (Diener) und "famuli" (das im Haus lebende Gesinde).
  • Das Wort "Familie" wird erst Ende des 17. – Anfang des 18. Jahrhunderts in die deutsche Sprache eingeführt.
  • Bis Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff jedoch noch synonym für "das ganze Haus„ verwendet und entsprach dem damaligen Verständnis von Familie.
  • Familienfähigkeit wurde nur jenem zuerkannt, der auch ein eigenes Haus besaß. Erst mit der Reichsgründung 1871 war es allen Bevölkerungsgruppen möglich, ohne bestehende Heiratsverbote Ehen zu schließen.
  • Erst im Zeitalter der Industrialisierung (Trennung von Erwerb und Zusammenleben wird wichtig) wird die Familie als Ort der privaten Beziehungen betrachtet.
  • Im 19. Jahrhundert kam es schließlich zur Entwicklung von Familienidealen, die die Vorläufer der bürgerlichen Kernfamilie darstellen.

Klaus Roes - eaf Sachsen-Anhalt

definition familie4
Definition Familie
  • „Familien werden als Personengruppen mit gemeinschaftlichem Lebensvollzug bezeichnet. Genauer: Familien sind intime Beziehungssysteme, die den Kriterien der raum-zeitlichen Abgrenzung, der Privatheit, der Dauerhaftigkeit und der Nähe genügen.“

(Quelle: Schneewind, 1999)

  • Aufgrund der Vielfalt der heute gelebten Familienformen wird im folgenden eine soziale Gruppe als Familie bezeichnet, die aus mindestens einem Elternteil mit mindestens einem Kind gebildet wird.

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definition familie5
Definition Familie
  • „Kind“, bzw. „Kindheit“ als Lebensspanne von der Geburt bis zum Übergang in das Jugendalter mit etwa 14 Jahren.

aus: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Kinder und ihre Kindheit in Deutschland. 1998

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Die Familie im Wandelvorindustrielle Agrargesellschaft

  • Die dominante Sozialform war die des „ganzen Hauses“

(Brunner 1978)

  • Kennzeichen:
    • Einheit von Produktion und Haushalt
    • Lohnlos mitarbeitende Familienangehörige
    • In den Hausverbund einbezogenes Gesinde
    • Herrschaft des Hausvaters über alle Angehörigen des Hauses

(Rosenbaum 1982, S. 116)

  • Familienfähig ist, wer über ein eigenes Haus verfügt.
  • „Dies Haus ist mein, und doch nicht mein, wer nach mir kommt, wird´s auch so sein.“

(Hausinschrift aus: Imhof 1984, S. 141)

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Die Familie im Wandelvorindustrielle Agrargesellschaft

  • „Die Ordnung ist natürlich, und so, wie es auch Gott nicht gefällt, sondern auch nichts nützt, sich gegen das Wetter aufzulehnen, so frevlerisch und nutzlos wäre es, gegen das soziale System zu opponieren.“

(Jeggle 1981, S. 2)

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Familienstrukturen

  • Große Zahl von Fortsetzungsehen durch hohe Sterblichkeit
  • Großer Anteil unehelicher Geburten (z.T. mehr als heute)

u.a. durch begrenzte Ehefähigkeit (Folge = Konkubinat)

  • An den Höfen (Adel): „Ehen zur linken Hand“, Maitressen, etc.

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Kindheitvorindustrielle Agrargesellschaft

  • Notdürftige Versorgung der Säuglinge geschah nicht zwangsläufig durch die Mutter, deren Arbeitskraft dafür zu wertvoll gewesen wäre.
  • Erziehung war weder Aufgabe von Vater noch Mutter; Kinder wuchsen einfach in die bäuerliche Lebenswelt hinein.
  • Sie wurden „nebenbei“ mitversorgt und ansonsten sich selbst überlasen.
  • Aus Einträgen in Kirchenbüchern geht hervor:
    • Zwar wurden 10-12 Kinder geboren, die Haushaltsgröße lag trotzdem nur bei 5-6 Personen

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Wanderungsbewegungen im 19. Jahrhundert

Wanderungsbewegung der Landbevölkerung

ausgelöst durch:

  • Starkes Bevölkerungswachstum
  • Verarmung weiter Kreise der Landbevölkerung
  • Missernten und Hungersnöte (1844 – 1847)

(vergl. Rerrich 1988, S. 34 f)

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Wanderungsbewegungen im 19. Jahrhundert

  • In welchem Maße die Wanderungsverluste zum Beispiel von 1840 bis zur Volkszählung 1905 eingetreten sind, dafür spricht, daß die preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen und Hannover 4.049.200 Personen verloren, und in demselben Zeitraum Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen einen Verlust von 2.026.500 Personen hatten, wogegen zum Beispiel Berlin für denselben Zeitraum einen Wanderungszuschuß von rund 1.000.000 Personen erhielt, Hamburg 402.000, Königreich Sachsen 326.200, Rheinland 343.000, Westfalen 246.000.

Aus:

Vierteljahreshefte zur Statistik des Deutschen Reichs 1908, 1, S. 423.

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Wanderungsbewegungen im 19. Jahrhundert

  • Formen der Wanderungsbewegung:
  • Auswanderung (Amerika)
  • Binnenwanderung (Landflucht)
  • „alltägliche Wanderung“ zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

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Die Familie im Wandel

Ehefähigkeit nicht mehr an Besitz gebunden

Es löste sich die Kernfamilie aus der Gesamtheit des Hauses heraus.

Das Wort „Familie“ dringt erst jetzt in die Umgangssprache ein.

Familie konstituiert sich als „Ort der privaten Beziehung zwischen Blutsverwandten“

(Rerrich 1988, S. 36)

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Schichtspezifische LebensformenProletariat

  • Privatsphäre kaum möglich durch:
  • Untermieter u. Schlafgänger
  • Gemeinsame sanitäre Einrichtungen
  • Enge im Mietshaus
  • Wohnungsnot
  • Alle Kräfte werden gebraucht
  • Starke Arbeitsbelastung
  • Geldsorgen
  • Viele Geburten

(Rosenbaum 1982, S. 421 u. 471)

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KindheitProletariat

  • Hohe Kindersterblichkeit
  • So ist es denn nicht weiter verwunderlich, daß 1885 in den Frankfurter Altstadtbezirken mit den schlechtesten Wohnverhältnissen der Stadt der Lebensdurchschnitt 4 Jahre und 71/2 Monate beträgt, während es in der Außenstadt immerhin 37 Jahre und 10 Monate sind. In der Altstadt erreichen von 100 Kindern nur 35 das 10.Lebensjahr, in der Außenstadt sind es dagegen 68.

(Angaben nach Richter, Emil: Lebenshaltung und Sterblichkeit in den großen Städten ... Minden 1888, S.32)

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KindheitProletariat

Ernst Barlach: Kindertod, 1919. Holzschnitt

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KindheitProletariat

  • Kinder wachsen „nebenher“ auf
  • Sie müssen ihren Beitrag zum Unterhalt leisten

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KindheitProletariat

Hulton Getty Picture Collection

Kinderarbeit

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KindheitProletariat

Library of Congress/Corbis

Kinderarbeit

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Schichtspezifische FamilienformenBürgertum

  • Gesellschaftliche Position nicht durch Stand sondern durch eigene Leistung
  • Diese Überwindung der gottgewollten und unveränderlichen Ungleichheit ist für viele Gesellschaftsgruppen attraktiv.

(Rerrich 1988, S. 36)

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Schichtspezifische FamilienformenBürgertum

  • Wichtigste Charakteristika der Bürgerlichen Familie:
  • Form und Inhalt des Familienlebens ändern sich
  • Polarisierung von drinnen und draußen
  • Draußen
  • Von Konkurrenz und Härte geprägte Sphäre des Erwerbs
  • Drinnen:
  • Emotionalität
  • Ort jenseits der Öffentlichkeit

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KindheitBürgertum

  • Erziehung der Kinder wird aufgewertet
  • Kindzentriertheit beginnt (Vgl. E.Key: „Das Jahrhundert des Kindes“)
  • Kinder werden aus der Welt der Erwachsenen abgeschottet, vom „eigentlichen“ Leben getrennt.
  • Familien- und Schulkindheit im Zeichen der „bürgerlichen Tugenden“: Triebverzicht, Selbstbeherrschung, Leistung, Disziplin, Ordnung.

(Bürgerliche Tugenden nach O.F. Bollnow)

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KindheitBürgertum

  • Auch Kinderliteratur im Zeichen der Begrenzung
  • Es wurden sittliche, räumliche, zeitliche und geschlechtsspezifische Grenzen abgesteckt.
  • Märchen
  • Struwwelpeter

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KindheitBürgertum

Struwwelpeter

Sieh einmal, hier steht er,Pfui! der StruwwelpeterAn den Händen beidenLieß er sich nicht schneidenSeine Nägel fast ein Jahr;Kämmen ließ er sich nicht sein Haar.Pfui! ruft da ein Jeder:Garst'ger Struwwelpeter!

Ein Kinderbilderbuch, 1844 von Heinrich Hoffmann gezeichnet und geschrieben, prägte Kinder und die deutsche Kulturgeschichte der vergangenen 150 Jahre wesentlich: "Der Struwwelpeter".

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Familie im Nationalsozialismus

  • Familie ein entscheidender Ansatzpunkt zur Umsetzung ideologischer Ziele.
  • Befestigung patriarchalischer Struktur
  • Familie als funktionale Einheit

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Familie im Nationalsozialismus

Die offizielle Propaganda wollte die Frau gänzlich aus dem öffentlichen Leben und der Berufstätigkeit ausschließen und sie wieder ganz auf ihre sogenannten natürlichen Aufgaben als Ehefrau und Mutter verpflichten, Neue Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens, wie sie noch in der Weimarer Republik diskutiert worden waren, wurden als "widernatürlich" angesehen.

Dementsprechend wurde um die „deutsche Mutter” ein regelrechter Kult veranstaltet: Mütter mit vier und mehr Kindern erhielten das „Mutterkreuz”, und die NS-Frauenschaft ließ es sich nicht nehmen, junge Mütter mit ihren neugeborenen Kindern zu beglückwünschen, wie auf dem Photo zu sehen ist.

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Familie im Nationalsozialismus

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Kindheit im Nationalsozialismus

  • Vor wenigen Jahren pflegte man bitter zu sagen: "Nur noch Idioten kriegen Kinder!", was doppelsinnig gemeint war. Heute wird ein neuer Adel geboren, aus Paaren, die körperlich und seelisch sozusagen strotzend erbgesund sind. Nur noch das beste Menschenmaterial , durch ärztliche und psychische und sportliche Prüfung gesiebt, kommt etwa in das Offizierskorps der Wehrmacht oder in die Leibstandarte Adolf Hitler.

Alle Fundstellen aus "Wir benehmen uns! Ein fröhlich Buch für Fähnrich, Gent und kleines Fräulein" Von Rumpelstilzchen, erschienen 1936 im Verlag August Scherl

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Kindheit im Nationalsozialismus

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Kindheit im Nationalsozialismus

  • [...] die Erziehung beginnt schon beim Säuglingsturnen und setzt sich beim Pimpf und beim Hitler-Jungen, beim Arbeitsdienstmann und beim Soldaten fort und wird ähnlich auch beim weiblichen Geschlecht gehandhabt. Man sieht nicht mehr die lungernden Rowdies der Jahre nach der Revolte vom November 1918, man sieht frische, saubere Buben und Mädel, die aus Kraft und Zucht heraus natürlichen Anstand entwickeln.

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Familie im Nationalsozialismus

  • Im Schatten eines Panzers feiern diese Soldaten die Ferntrauung eines Kameraden. Das Photo wurde mit dem Kommentar "Ein kameradschaftliches Beisammensein mit landesüblichen musikalischen Beiträgen beschliesst das festliche Ereignis" in der "Berliner Illustrirten Zeitung" aus dem Deutschen Verlag (der Ullstein Verlag gehörte ab 1937 dazu) veröffentlicht.

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BRD - Das „goldene Zeitalter“ der bürgerlichen Familie

  • Durch steigenden Wohlstand (Wirtschaftswunder) haben immer mehr Familien die Möglichkeit, Ideale der bürgerlichen Familie umzusetzen.
  • Familienanpassungsgesetz von 1957:
    • Haushaltstätigkeit der Frau als Normalzustand.
    • Erwerbstätigkeit war ihr nur gestattet, "soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist".
    • Genehmigung des Ehemannes bei Arbeitsverträgen erforderlich.
  • Erst in der Änderung von 1977 wurde festgelegt, dass die Ehegatten die Haushaltsführung "im gegenseitigem Einvernehmen" regeln.

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BRD - Das „goldene Zeitalter“ der bürgerlichen Familie

  • Die traditionelle Rollenverteilung der Geschlechter war in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts unbestrittene Norm.
  • Die Verteilung bestand in der klaren Festlegung der Frau auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter und in der Festschreibung der Rolle des Mannes als Ernährer der Familie.
  • Vor allem den Frauen wurden eindeutige Leitlinien für ihre Lebensweise vorgegeben.
  • Ein Zitat des 1959 amtierenden Familienministers Franz-Josef Wuermeling aus der Broschüre "Familie - Gabe und Aufgabe" verdeutlicht dies:

"Mutterglück ist stets vom Anfang an nicht nur mit großer Verantwortung, sondern auch mit stetem Verzicht verbunden. Diese Gabe und Aufgabe der Selbsthingabe und Selbstverleugnung um höherer Ziele willen ist es auch, die die Mutter zur verständnisvollen Lebensbegleiterin des Mannes und Vaters und zum Herzen der Familie werden läßt."

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BRD - Das „goldene Zeitalter“ der bürgerlichen Familie

HG.: KOMITEE

"INTERNATIONALES JAHR DER FRAU 1975"

Das Plakat zeigt Wade und Fuß eines Frauenbeins sowie das Modell eines Einfamilienhauses. Die Frau trägt hochhackige Schuhe; sie ist mit einer durch ein Vorhängeschloss gesicherten Eisenschelle an ihrer Fessel an das Einfamilienhaus gekettet.Interessant ist diese Reaktion der staatlichen Politik auf die Forderungen der Frauenbewegung nach mehr Gleichberechtigung. An Stelle der Hausfrau wird nun die Partnerin propagiert.

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BRD - Das „goldene Zeitalter“ der bürgerlichen Familie

  • In der schwierigen Aufgabe, die Berufswege von Mann und Frau und ein Familienleben mit Kindern zu vereinbaren, liegt wohl ein Grund für die seit den siebziger Jahren zu beobachtende Relativierung der Ehe. Zumal sich die Rollenverteilung innerhalb der Familien nur wenig geändert hat: Noch immer liegt in einem erheblichen Teil der Familien die Arbeit im Haushalt und die Erziehung der Kinder, auch dann, wenn sie berufstätig sind, bei den Frauen.
  • Berufstätigkeit und Kinder lassen sich in der Bundesrepublik für die Frauen nur schwer vereinbaren.
  • 1986 gab es für 4,6 Prozent der Kinder einen Platz in einer Krippe. Nach dem 3. Lebensjahr besuchen 70 Prozent der Kinder einen Kindergarten, davon können allerdings nur 12 Prozent über Mittag betreut werden.
  • Der Besuch eines Kindergartens wird in der Bundesrepublik eher als eine soziale Erfahrung für das Kind begriffen und weniger als Entlastung für die Mütter verstanden.
  • Nur 6 Prozent der Frauen möchten ausschließlich Hausfrau sein. Doch nur ein Drittel der Frauen zwischen 30 und 39 Jahren in der Bundesrepublik ist berufstätig.

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BRD - Kindheit

  • Claudia, kurz nach 1960 geboren, erzählt im Interview ... von ihren Spielsachen: "An Spielzeug besaßen wir ziemlich viel z.B. Puppen, Babypuppen, Puppenhaus, Puppenwiege und -wagen, alle erdenklichen Stofftiere, Kaspertheater und dazugehörige Puppen, Arztkoffer, Kaufladen, Zauberkasten, Spielesammlung, viele Bücher, Legosteine, Klötze, Knete, Fimo, Emaillierkasten, Granulat, Silberdraht, Farbkästen, Plakafarben, Malstifte, Malbücher, Berge von Glanzpapier, Tierpostkarten, Rollschuhe, Schlittschuhe, Fahrrad und vieles, vieles andere mehr."

(in Rolff, H.-G./Zimmermann, P.: Kindheit im Wandel. Weinheim. /Basel 1985, S. 136)

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BRD - Kindheit

"Räum' endlich Dein Zimmer auf!"

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DDR - Familie

MODELL EINES WOHNBLOCKS

DER "WOHNUNGSBAUSERIE

(WBS) 70" 1970/75; j

  •  Eine wichtige Motivation für die frühe Eheschließung war die größere Chance des jungen Ehepaares, eine Wohnung zu erhalten. Der chronisch bestehenden Wohnraumnot wollte das auf dem VIII. Parteitag der SED beschlossene Bauprogramm begegnen, das vorsah, in den Jahren 1976-1990 2,8 bis drei Millionen neue Wohnungen zu bauen. Dieses Ziel sollte mit dem rationellen Plattenbausystem, überwiegend in Form der "Wohnungsbauserie (WBS) 70", erreicht werden.

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DDR - Familie

  • Seit 1972 gab es eine spezielle Förderung für junge Ehen. Dazu gehörte u.a. die Unterstützung bei der Beschaffung von Wohnraum und Haushaltseinrichtung sowie ein zinsloser Kredit in Höhe von 5000,-, der seit 1981 auch auf die Zweitehen ausgedehnt wurde und damit der steigenden Zahl von Scheidungen Rechnung trug.
  • In den achtziger Jahren wurde jede zweite Ehe geschieden (1960 15 Prozent, 1975 30 Prozent). Die hohe Zahl der Scheidungen wurde sicher durch das unkomplizierte Scheidungsverfahren erleichtert.

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DDR - Familie

  • In der DDR lag in dem starken Akzent auf den gesellschaftlichen Pflichten und Verantwortlichkeiten der Familie bei der Erziehung der Kinder ein charakteristisches Merkmal.
  • Die Familie sollte die Vermittlung der sozialistischen Werte und Normen leisten, wie sie in der Gesetzgebung (z.B. im Familiengesetzbuch 1965, Jugendgesetz 1974) unter dem Leitbild der "sozialistischen Persönlichkeit" fixiert waren.
  • Die Erziehung zur bzw. Vorbereitung auf die Arbeit und die Entwicklung einer "sozialistischen Arbeitsmoral" spielten dabei die zentrale Rolle. Arbeitstugenden wie z.B. Disziplin, Fleiß, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit sollten bereits frühzeitig im häuslichen Zusammenleben in der Familie eingeübt werden.
  • Die dauerhafte Berufstätigkeit der Eltern sollte ebenfalls vorbildhaften Einfluss haben. Zugleich erfolgte frühzeitig eine Verlagerung zentraler erzieherischer Funktionen in die staatlichen Institutionen, beginnend mit der Kinderkrippe.

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DDR - Kindheit

DORFKINDERKRIPPE der LPG IN PRIBORN/ Kreis Röbel 1960

  • Die Krippenkinder spielen mit zwei Erzieherinnen an einem Tisch.Betriebe und Genossenschaften waren gesetzlich verpflichtet, bei der Schaffung und Unterhaltung von Kindereinrichtungen mitzuwirken und ihre Beschäftigten bei der Unterbringung der Kinder zu unterstützen. 1960 war etwa jede 16. Krippe eine Betriebskrippe, 1985 jede zwölfte.

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DDR - Kindheit

  • Kinderkrippen waren Ganztagseinrichtungen. In ihnen hielten sich die zumeist Ein- bis Dreijährigen vom frühen Morgen bis zum Abend auf, während die Mütter ihrer Erwerbstätigkeit nachgingen. Da Teilzeitarbeitsplätze kaum angeboten wurden, waren fast alle Frauen vollzeitbeschäftigt. Die wöchentliche Arbeitszeit reduzierte sich für Mütter, lag aber bei zwei Kindern immer noch bei 40 Stunden (seit 1976).
  • Hatte 1955 nicht einmal jedes zehnte Kind eine Krippe besucht, war es 1970 fast jedes dritte, und Mitte der achtziger Jahre waren es acht von zehn Kindern. Fast alle Krippen waren staatlich; freie und konfessionelle Träger gab es nur in geringer Zahl. Jeden Krippenplatz finanzierte der Staat mit mehr als 4000 Mark jährlich; die Eltern zahlten lediglich einen täglichen Verpflegungszuschuss.

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DDR - Kindheit

  • Schon frühzeitig wurden Schülerinnen und Schüler in die Produktion eingebunden:
  • Ab der 7. Klasse „Einführung in die sozialistische Produktion“ und „Produktive Arbeit“
  • Abiturklassen wurden im Sommer als Erntehelfer beschäftigt

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Gegenwart und Zukunft

  • Zum Begriff „Familie“ haben wir aufgrund unserer eigenen Herkunft und Erfahrung unterschiedliche Bilder und Vorstellungen im Kopf.
  • Familienformen entwickeln und verändern sich ständig.
  • Dass die Familie verschwindet, wird nicht angenommen - aber dass eine "andere, mehr, bessere" Familie entsteht sehr wohl (Elisabeth Beck-Gernsheim 1998).
  • Eine der möglichen Zukunftsprognosen für die Familie ist: Verwandtschaft werde kein Kriterium mehr sein, es wird z.B. um "Wahlverwandtschaft" gehen, die durch Auflösung von Beziehungen wieder beendet wird.

Folgen für die familienbezogenen Angebote in der Kirchengemeinde?

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Bevölkerungsentwicklung in Sachsen-Anhalt 2005 - 2025

Lebensbaum Sachsen-Anhalt

90 Jahre

80 Jahre

70 Jahre

60 Jahre

50 Jahre

40 Jahre

30 Jahre

20 Jahre

10 Jahre

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Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Stendal 2005 - 2025

131 267

96 114

Bis 2025 wird die Bevölkerung

Im Landkreis Stendal um

35 153 Personen = 26,8 %

schrumpfen

geboren

12 928

gestorben

34 852

weggezogen

13 229

Stat. Landesamt Stand 30.01.2007

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Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Stendal

  • Mögliche Folgen für Familien:
  • Schulen werden geschlossen
  • Kindertageseinrichtungen werden geschlossen
  • Verkehrsanbindungen wird nicht ausgebaut, bzw. reduziert
  • ….
  • Dadurch:
  • lange Anfahrtzeiten zu Aktivitäten
  • Vereinzelung und Vereinsamung
  • Lebensqualität sinkt
  • ….
  • Folgen für die familienbezogenen Angebote in der Kirchengemeinde?

131 267

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Entwicklungen im Bereich der Werte 1950 - 2000

50er

Vorrang der Wirtschaft

60er

Wirtschafts-wachstum

70er

Alternativen zum genormten Leben

80er

Schneller, höher, weiter

90er

Neue Unübersichtlichkeit

  • Recht undOrdnung
  • Leistung und Disziplin
  • Leben, um zu arbeiten
  • Pflichtgefühl
  • Prosperität
  • Materieller Wohlstand
  • Soziale Sicherheit
  • Aufsteigen
  • Prestige
  • Konsumieren
  • Hedonismus
  • Ich-Bezogenheit
  • Erlebnis-orientierung
  • Ober-flächlichkeit
  • Selbst-darstellung
  • Unabhängigkeit
  • Selbstverwirklichung
  • Alternative Lebenswege
  • Konsumkritik
  • Soziale Bewegungen: Frieden, Ökologie, Frauen, Psychoboom
  • Individualismus
  • Beziehung/Kommunikation
  • Authentizität
  • Prosperität/Leistung
  • Realismus
  • Flexibilität

68 Protest, Öffentlichkeit

Aufbauen undErhalten

Haben undZeigen

Sein undSelbstbestimmung

Genießen undExponieren

Sein, Haben

und Genießen

Trend zur INDIVIDUALISIERUNG und PLURALISIERUNG

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RESPIRITUALISIERUNG: Visionen sind wieder gefragt

Nach dem Ausbluten der christlichen Kirchen einerseits sowie wie nach dem Ende der rationalistischen Abwertung von Sinn-Bedürfnissen andererseits, wird Spiritualität als Kraftquelle neu entdeckt.

Visionen gefragt - im individuellen Leben und in Organisationen

(Spiritual Leadership)

Die Rahmung und Einordnung der eigenen Tätigkeiten und des eigenen Lebens in größere Sinnzusammenhänge bleibt eine Herausforderung. Mythen, Symbole und Rituale werden als Vehikel der In-Spiration erschlossen.

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RESPIRITUALISIERUNG: Visionen sind wieder gefragt

  • Renaissance von Kategorien wie Transzendenz, Geheimnis, Träume, Bestimmung, Mystik und Magie (Bsp. Harry Potter)- oft in ‚postmoderner‘ Verbindung mit Technologie (z.B. neue Magie-TV-Serien; Wandel von Las Vegas zur Bühne magisch-technologischer Visionen).

„Das Leben ist mehr“ - Wiederverzauberung der Existenz.

Die simultane Präsenz aller großen Weltreligionen entzieht spirituellen Monopolansprüchen die Legitimation und begünstigt individuelle Patchwork-Religiosität.

  • Religiöse Angebote werden zielgruppenorientiert und segmentiert. Selektive Teilnahme z.B. an Taufe oder Trauung begründet keine Kirchenbindung mehr.

Pluralisierung und Kommerzialisierung der Sinnstiftungsangebote führen zu einer breiten Vielfalt privatisierter spiritueller Dienstleistungen.

  • Angebot und Nachfrage im Grenzbereich von Weiterbildung, Therapie und Religion wachsen weiter und übernehmen die seelenhygienischen Funktionen der Kirchen.

Folgen für die familienbezogenen Angebote in der Kirchengemeinde?

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Literatur

  • Beck-Gernsheim, E.: Was kommt nach der Familie? München 1998
  • Brunner, O: Vom „ganzen Haus“ zur „Familie“ in: Rosenbaum H. (Hg.): Seminar: Familie und Gesellschaftsstruktur. Materialien zu den sozialökonomischen Bedingungen von Familienformen. Frankfurt 1978
  • Bollnow, O.F.: Einfache Sittlichkeit, Göttingen 1947
  • Die Grundschule, Heft 5/1989
  • Gaschke, S.: Die Erziehungskatastrophe, Stuttgart, München 2001
  • Imhof, A.E.: Die verlorenen Welten: Alltagsbewältigung durch unsere Vorfahren – und weshalb wir uns heute so schwer damit tun. München 1984

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Literatur

  • Jeggle, U: Lebensgeschichte und dörfliche Umwelt, oder: Die Gesetze des Dorfes und die Lebesgeschichte (Manuskript eines Gastvortrags an der Freien Universität Berlin 1981)
  • Meyer, T.: Moderne Elterschaft – neue Erwartungen, neue Ansprüche, in Politik und Zeitgeschichte B 22-23 / 2002)
  • Nave-Herz, R.: Familie heute, Wandel der Familienstrukturen und ihre Folgen für die Erziehung, Darmstadt 2002
  • Rolff, H.-G./Zimmermann, P.: Kindheit im Wandel. Weinheim. /Basel 1985
  • Rerrich, M.S.: Balanceakt Familie. Zwischen alten Leitbildern und neuen Lebensformen. Freiburg i.B. 1988

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Literatur

  • Rosenbaum, H.: Formen der Familie. Untersuchungen zum Zusammenhang von Familienverhältnissen, Sozialstruktur und sozialem Wandel in der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Frankfurt 1982
  • Schneewind, K.: Familienpsychologie.Stuttgart 1999
  • V.Trotta, T.: Kind und Familie in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 19 (1999)

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