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Kompetenzfeld Tod und Trauer

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Kompetenzfeld Tod und Trauer

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Presentation Transcript

  1. KompetenzfeldTod und Trauer Trauer und Bindungsprozesse

  2. Trauer und Bindungsprozesse Phänomenologie: Was ist Trauer? Erkennung: Trauerausdruck Exkurs: Trauer und Bindung Relevanz: Trauer in der Klinik

  3. Trauer und Bindungsprozesse Phänomenologie: Was ist Trauer? Erkennung: Trauerausdruck Exkurs: Trauer und Bindung Relevanz: Trauer in der Klinik

  4. Was ist Trauer? • Trauer ist eine Emotion, die bei bedeutsamen Verlusten entsteht: • von engen Bezugspersonen (Eltern, Geschwistern, Kindern, Partnern, Freunden) durch Tod oder Trennung • von körperlicher Integrität (z.B. durch chronische Krankheit, Amputation): Verlust der gewohnten Funktion, der Lebensperspektive, der Attraktivität, der Kommunikationsfähigkeit (sensorische/kognitive Funktionen), der personalen Identität • von Idealen (z.B. Lebensziele, Beruf, während der ärztlichen Tätigkeit) • von materiellen Werten (z.B. finanzielle Sicherheit) • ....

  5. Was ist Trauer? Beispiel: Trauer des Sterbenden Der sterbende Patient betrauert mit Fortschreiten seiner Krankheit den Verlust von Kontrolle Unabhängigkeit Identität Hoffnung  Familie und Freunden Arbeitsfähigkeit Geborgenheit Körperfunktionen sozialer Funktionen Perspektiven der vertrauten Umgebung Integrität

  6. Was ist Trauer? • Ein Phänomen, das in allen Kulturkreisen vorkommt • ab dem Alter von 3-4 Monaten nachweisbar • Etymologisch altes (<9.Jh) Wort • abgeleitet von ahd. truren „die Augen niederschlagen“ • abgeleitet von der Bezeichnung einer Trauergebärde (den Kopf senken etc.) (Kluge, 1999)

  7. Was ist Trauer? • Eine Emotion („Gemütsbewegung“) • die ausgelöst wird durch ein bedeutsames Verlustereignis • (2) die zu Handlungsbereitschaften (readiness to act) und Handlungsplänen führt • (3) die gewöhnlich als ein bestimmter mentaler Zustand erlebt wird, der meist von körperlichen Veränderungen, Ausdruckserscheinungen und Handlungen begleitet wird. • Oatley & Jenkins (1996), Frijda (1986)

  8. Was ist Trauer? • Trauerzeichen: • deprimierte Stimmung • Gereiztheit • kognitive Störungen (Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit) • sozialer Rückzug, Inaktivität • Verzweiflung, Schock • Gefühle von Einsamkeit, Schuld, Wut • somatische Symptome

  9. Was ist Trauer? Ist Trauer eine Form von Depression? “So würde uns nahe gelegt, die Melancholie irgendwie auf einen dem Bewußtsein entzogenen Objektverlust zu beziehen, zum Unterschied von der Trauer, bei welcher nichts an dem Verluste unbewußt ist.” „Der Melancholiker zeigt uns noch eines, was bei der Trauer entfällt, eine außerordentliche Herabsetzung seines Ichgefühls, eine großartige Ichverarmung. Bei der Trauer ist die Welt arm und leer geworden, bei der Melancholie ist es das Ich selbst.“ (Freud, 1916, Trauer und Melancholie, 431)

  10. Was ist Trauer? Ist Trauer eine Form von Depression? nach Lantz (2003)

  11. Was ist Trauer? Trauer ist eine adäquate emotionale Reaktion auf ein Verlustereignis und nicht eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

  12. Was ist Trauer? • Trauer • dämpft Verlangen nach Vergnügen und Abwechslung • macht fähig, unsere Aufmerksamkeit der Vergangenheit zuzuwenden • Verarbeitung des Verlustes • Nachdenklichkeit • „Frieden machen“ • neue Pläne für die Zukunft

  13. Was ist Trauer? Trauer gehört zu den Primäremotionen Überraschung, Angst, Freude, Wut, Ekel und Ärger. Paul Ekman: prototypische mimische Ausdrucksmuster, die teils kulturspezifisch, teils kulturübergreifend sind. Treten diese Ausdrucksmuster auf, so kann auf die dahinter stehende Emotion geschlossen werden.

  14. Was ist Trauer? • Ekman (1988): • kulturspezifisch: mimischer Ausdruck von Gefühlen aufgrund von Unterschieden bezüglich Auslösern, Darbietungsregeln und Konsequenzen • kulturübergreifend: angeborene Formen des Gesichtsausdrucks der Primäremotionen (Freude, Überraschung, Trauer, Wut, Ekel, Verachtung und Angst).

  15. Trauer und Bindungsprozesse Phänomenologie: Was ist Trauer? Erkennung: Trauerausdruck Exkurs: Trauer und Bindung Relevanz: Trauer in der Klinik

  16. Trauerausdruck • Emotionale Ausdrucksmuster zeigen sich nicht nur verbal, sondern besonders in der Körpersprache (Mimik, Haltung, Bewegungsmuster) und im Tonfall. • Trauer zeigt sich: • in der gebeugten Position des Rumpfes; • im Weinen und einer besonderen Lippenstellung („Schnute“); • im Wenden des Blicks nach unten; • in der vornüber gebeugten („zusammengesunkenen“) Stellung der Schultern; • im Schlucken; • im Seufzen.

  17. Trauerausdruck Die Mimik ist das wichtigste nonverbale Ausdrucksmittel von Emotionen. Das menschliche Gesicht ist in der Lage, bis zu 7.000 verschiedene Gesichtsausdrücke zu erzeugen (Bates & Cleese, 2001), was ein enormes Potential für die menschliche Kommunikation darstellt.

  18. Mimik Die Mimik wird vermittelt über die Gesichtsmuskulatur:

  19. Mimik In Gesichtern lesen: schnell und schematisch

  20. Mimik

  21. Mimik

  22. Mimik

  23. Mimik

  24. Mimik

  25. Mimik

  26. Mimik

  27. Mimik

  28. Mimik

  29. Trauer

  30. Trauer

  31. Trauer

  32. Trauerausdruck (Rogier van der Weyden: Lamentation, ca. 1465)

  33. Trauerausdruck (Michelangelo: Pietá, ca. 1499)

  34. Trauerausdruck (Egon Schiele: Trauernde Frau, ca. 1910)

  35. Trauer und sozialer Kontext Die ursprüngliche Konkordanz von Gefühl und Ausdruck wird von den jeweiligen kulturellen Anforderungen überformt. Trauer wird oft anderen gegenüber verborgen. Trotzdem „sickert“ der mimische Ausdruck mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit „durch“. Der Beobachter kann dann auf die versteckte Emotion schließen.

  36. Trauerausdruck Selbstporträt eines 9jährigen Mädchens 2 Wochen nach Verlust eines Familienmitglieds

  37. Trauerausdruck

  38. Trauerausdruck Friedhof auf Madeira

  39. Trauerausdruck Trauernde Witwe um 1910

  40. Trauerausdruck Trauernder Mann um 1910

  41. Trauerausdruck Staatsbegräbnis mit militärischen Ehren

  42. Trauerausdruck Kondolenzbekundungen nach dem Tod von Princess Diana

  43. Trauerausdruck Traditionelles koreanisches Begräbnis

  44. Trauer • Trauerrituale • universell auftretende Handlungsmuster, d.h. in allen beobachteten Kulturen im Trauerfall nachweisbare Verhaltensweisen wie: • Trauerweinen und Wehklagen • Klagemimik und –gestik • (Haare- und Bartraufen, am Boden wälzen, Beschmieren mit Asche oder Lehm etc.) • Trauerkleidung • Trostbekundungen • Der gemeinsame Bezug dieser Verhaltensmuster scheint die gemeinsame Verarbeitung von Verlusten zu sein, die regelmäßig in Form spezieller Rituale ihren Ausdruck findet.

  45. Trauer Trauer hat eine wichtige kommunikative Funktion. Das Zeigen und Verbergen von Trauer verweist auf Beziehung und Kontext.

  46. Trauer und Bindungsprozesse Phänomenologie: Was ist Trauer? Erkennung: Trauerausdruck Exkurs: Trauer und Bindung Relevanz: Trauer in der Klinik

  47. Trauer und Bindung • Hat die Trauer eine Funktion, einen evolutionsbiologischen „Sinn“? • Bedeutung zwischenmenschlicher Bindungen: • Bedürfnis nach Bindung ist ein eigenständiges menschliches Motiv: • das Streben nach engen emotionalen Beziehungen ist evolutionsbiologisch sinnvoll • vor allem im Hinblick auf die Schutzbedürftigkeit des Säuglings • vor dem Hintergrund der für ein Überleben als Einzelwesen relativ dürftigen biologischen Ausstattung des Menschen. • Unser Motivationssystem besetzt Bindungen positiv und die Auflösung von Bindungen mit negativen Emotionen. • Trauerreaktion: Spezialfall der Separation.

  48. Trauer und Bindung Die individuelle Trauerreaktion wird durch den Verlauf und die Erfahrungen, die im Laufe der Lebensgeschichte mit Bindungen gemacht wurden, beeinflusst.

  49. Bindung • Bindung (John Bowlby) bezeichnet • ein Motivationssystem, das in Situationen der Gefahr Bindungsverhalten auslöst: • Suche nach Schutz und Sicherheit (bei älteren Artgenossen), meist den Eltern (die darauf im allgemeinen mit Fürsorge und Pflege reagieren).

  50. Bindungstheorie (John Bowlby) Interaktion des Kleinkinds mit seinen frühen Bezugspersonen ↓ • „inneres Arbeitsmodell“ von Bindungen • Erwartungen und Emotionen für das eigene Bindungsverhalten • Bindungserfahrungen