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Frauen mit HIV – Stigma, Ausgrenzung und Diskriminierung

Frauen mit HIV – Stigma, Ausgrenzung und Diskriminierung. Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt. Inhalt. Was bewirken Stigmatisierung und Diskriminierung?. Einleitung und Begriffsklärungen. Offen mit HIV oder nicht – was hilft Frauen, sich zu entscheiden?.

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Frauen mit HIV – Stigma, Ausgrenzung und Diskriminierung

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Presentation Transcript


  1. Frauen mit HIV – Stigma, Ausgrenzung und Diskriminierung Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

  2. Inhalt Was bewirken Stigmatisierung und Diskriminierung? Einleitung und Begriffsklärungen Offen mit HIV oder nicht – was hilft Frauen, sich zu entscheiden? Wie kann Stigmatisierung gemessen werden? Wie lassen sich Stigmatisierung und Diskriminierung überwinden? Überwinden von Stigmatisierung und Diskriminierung: Fallbeispiele Beispiele für Initiativen gegen Stigmatisierung und Diskriminierung Zusammenfassung

  3. Einleitung und Begriffsklärungen Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

  4. Was bedeutet “Stigmatisierung”? Definition von Erving Goffman: „… ein Verhalten, das in hohem Maße diskriminierend ist“ und den Stigmatisierten „von einer vollkommenen und normalen Person auf eine befleckte und diskreditierte Person reduziert.“1 • Laut Goffman ist Stigmatisierung, wenn die Gesellschaft eine Einzelperson oder eine Gruppe von Personen als andersartig oder abweichend (und damit als minderwertig) wahrnimmt.1 • Stigmatisierung im Zusammenhang mit HIV/Aids ist „das Abwerten von Personen, die entweder selbst HIV-positiv sind oder mit HIV/Aids in Verbindung gebracht werden.“2 1. Goffman E. 1963; 2. Mahajan A. et al., 2008

  5. Was bedeutet “Diskriminierung”? • Diskriminierung ist eine Folge von Stigmatisierung: „wenn ohne sachlichen Grund Unterschiede gemacht werden zwischen Menschen, die einer bestimmten Gruppe – tatsächlich oder vermeintlich – angehören, und wenn diese Unterschiede zu ungerechter Behandlung führen“1 Mahajan A. et al., 2008

  6. Coming out mit HIV • Das Offenlegen einer HIV-Infektion, auch als „Outing“ oder „Coming out“ bezeichnet (im Englischen ist „disclosure“ gebräuchlich), wird wie folgt definiert: „Der Vorgang, eine oder mehrere Personen über den HIV-Status eines Menschen zu informieren.“1 • Das Offenlegen kann erfolgen • durch die HIV-positive Frau selbst (coming out; sich selbst outen), • durch eine andere Person (outing, geoutet werden): mit oder ohne Einverständnis der HIV-positiven Frau. UNAIDS, 2003

  7. Probleme im Leben mit HIV Wie gehe ich mit Beziehungen, Unabhängigkeit, Gewalt um? Stressen mich Ängste oder Heimlichkeiten? Wie sichere ich meine Lebensqualität? Belastet es mich, wenn meine Infektion bekannt wird? Wie komme ich mit der Diagnose, einer Erkrankung und der Therapie klar? Viele Fragen für Frauenmit HIV Fürchte ich, diskriminiert zu werden? Was ist mit Schwangerschaft, Mutterschaft und dem Pflegen und Betreuen von Angehörigen? Was bedeuten Älterwerden und Wechseljahre für mich? Wie sehr bin ich emotional belastet, z.B. durch Depressionen oder Selbstmordgedanken? Wie ist mein Risikoverhalten, z.B. beim Sex? Wie gehe ich mit Trauer, Verlust und Schuldgefühlen um? Wie nehme ich meinen Körper wahr? Keegan A. et al., 2005

  8. Diskriminierung kann aus verschiedenen Formen von Stigmatisierung entstehen Stigmatisierung von außen empfundene Stigmatisierung Selbst-Stigmatisierung symbolischeStigmatisierung Stigma wegen HIV Zhang Y. et al., 2009

  9. Stigma kann auf mehreren Ebenen auftreten • Mirkoebene (klein) • bezieht sich auf die eigenen Ansichten und Überzeugungen sowie auf zwischenmenschliche Beziehungen z.B. zu Familienmitgliedern, FreundInnen, PartnerInnen und zum sozialen Umfeld • Mesoebene (mittel) • bezieht sich auf die jeweilige Gemeinschaft, z.B. die Wohn-gegend oder die Kirchengemeinde • Makroebene (groß) • bezieht sich auf Organisationen und politische Instanzen, Gesetze und Richtlinien sowie auf Gesundheits- und andere soziale Versorgungs-systeme Organisationen Gemeinschaft, soziales Umfeld Organisational/ General population (MACRO) Beziehungen Individuum Individual (MICRO) HIV-bezogene Stigma-tisierung MIKRO MIKRO MESO MAKRO Nach Logie C. et al., 2011

  10. Was bewirken Stigma und Diskriminierung wegen HIV? Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

  11. Frauen mit HIV erleben mehr Stigmatisierung als Männer mit HIV HIV-bezogene Stigmatisierung bei 1.065 Menschen mit HIV in Ontario, Kanada Zhang Y. et al., 2009

  12. Wohlbefinden und Gesundheit – wie wirken sich Stigma und Diskriminierung aus? • ich lasse mich nicht auf HIV testen • ich riskiere, meine Diagnose zu spät zu bekommen • ich finde keine Zugang zu guter Versorgung • ich mache schlechte Erfahrungen mit medizinischem Personal und in medizinischen Einrichtungen 12 1. Ironson G. et al., 2006; 2. Woodard E. et al., 2001; 3. Ridge D. et al., 2008

  13. ich nehme meine Medikamente nicht vorschriftsmäßig (schlechte Adhärenz) • ich stelle Familienplanung zurück • ich stille mein Baby / es kommt zu höheren Raten bei der vertikalen HIV-Übertragung • ich werde von klinischen Studien und Forschungsprojekten ausgeschlossen 13 1. Ironson G. et al., 2006; 2. Woodard E. et al., 2001; 3. Ridge D. et al., 2008

  14. Psyche und Persönlichkeit – wie wirken sich Stigma und Diskriminierung aus? - ich fühle mich wertlos und habe keine Zuversicht mehr • ich habe Angst, dass meine HIV-Infektion bekannt wird • ich erlebe Depression und leide an anderen psychischen Folgen • ich fühle mich doppelt belastet durch die HIV-Infektion: körperlich und seelisch • ich erlebe immer mehrStigmatisierungen und ich erwarte Stigmatisierung immer öfter • ich übernehme eine negative Sichtweise von HIV-Infektionen • ich gehe beim Sex häufiger Risiken ein Vanable P et al, 2006; Sandelowski M et al, 2004; www.stigmaindex.org

  15. Gesellschaft und Gemeinschaft – wie wirken sich Stigma und Diskriminierung aus? • ich verliere mein Einkommen, meine beruflichen Perspektiven und meine Karriere-Chancen • ich werde aus meiner Religionsgruppe/Kirchengemeinde oder aus meiner kulturellen Gemeinschaft ausgeschlossen • in manchen Gruppen und Gemeinschaften werde ich als Frau mit HIV anders behandelt als Männer mit HIV, z.B. wird mir die Schuld für die Infektion gegeben • ich habe Probleme beim Zugang zu Bildung/Ausbildung oder zu Wohnraum • ich meide soziale Kontakte und scheue mich, sexuelle Beziehungen einzugehen Vanable P. et al., 2006; Sandelowski M. et al., 2004; www.stigmaindex.org

  16. Partnerschaft und Familie – wie wirken sich Stigma und Diskriminierung aus? • ich habe schlechtere Chancen auf Heirat, Partnerschaft und sexuelle Beziehungen • mein Partner / meine Partnerin, meine Familie und meine Freunde lehnen mich ab • ich verliere meine sexuelle Gesundheit und die Möglichkeit, Kinder zu bekommen Vanable W. et al., 2006; Sandelowski M. et al., 2004; www.stigmaindex.org; WHO, 2011

  17. zuhause bekomme ich keine Pflege oder Betreuung • Ich traue mich nicht, meine HIV-Infektion offen zu legen / oder ich sage meinen Kindern und meiner Familie erst spät Bescheid • ich strenge mich immer mehr an, meine HIV-Infektion geheim zu halten Vanable W. et al., 2006; Sandelowski M. et al., 2004; www.stigmaindex.org; WHO, 2011

  18. Medizinische Versorgung und Therapie – wie wirken sich Stigma und Diskriminierung aus? • Stigmatisierung wegen HIV und mangelhaftes Befolgen der Therapie-Empfehlungen (schlechte Adhärenz) können zusammenhängen • 42,5 % berichteten, dass sie ihre Therapie nicht wie vorgesehen einhalten können (suboptimale Adhärenz) • das kann teilweise mit einer schlechten seelischen Verfassung zusammenhängen • Menschen mit HIV und Aids, die einen hohen Grad an Stigmatisierung erfahren, berichteten mehr als 4-mal so oft von schlechten Zugängen zu medizinischer Versorgung • 77 % berichteten von einem schlechten Zugang zur Versorgung und 10,5 % berichteten, gar keine regelmäßige HIV-Versorgung zu haben. Sayles J. et al., 2009

  19. Offen mit HIV oder nicht – Was hilft Frauen, sich beim Thema Outen zu entscheiden? Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

  20. Offen mit der eigenen HIV-Infektion umgehen? • Welche Gedanken machen sich Frauen im Zusammenhang mit dem Offenlegen ihrer HIV-Infektion?1 • In allen Lebensbereichen kannder offene Umgang mit einer HIV-Infektion eine wichtige Rolle spielen – und das im Laufe eines Lebens immer wieder.1 • Wer negative Folgen eines Outings befürchtet, wird die eigene HIV-Infektion nicht bereitwillig offenlegen.2 Ich fürchte, zurückgewiesen oder verurteilt zu werden Ich möchte meine Kinder und mein Ansehen schützen Ich könnte Hilfe und Unterstützung erhalten Mir nahe stehendeMenschen könntenbesorgt um mich sein Die Reaktionen auf meine HIV-Infektion könnten positiversein, als ich es mir ausmale 1. Quebec-Projekt; 2. WHO, 2004

  21. Sichfreientscheidenkönnen Wer sich outet, sollte sich sicher fühlen. Die Vorteile des offenen Umgangs mit der HIV-Infektion sollten mögliche Probleme deutlich überwiegen. • Ein offener Umgang mit HIV lohnt – ABER es gibt auch ein Recht auf Schweigen (verbrieft u.a. im Rahmen der Menschenrechte) • Jeder Mensch sollte darauf vertrauen können, dass • das Ergebnis eines HIV-Tests vertraulich ist und • jede Frau und jeder Mann selbst zu entscheiden hat, ob, wann und wie sie sich outen – oder auch nicht • Der offene Umgang mit der eigenen HIV-Infektion bleibt eine lebenslange Herausforderung, jede Frau und jeder Mann mit HIV entwickelt dabei eigene Wege • es gibt so viele Ebenen und Phasen beim Offenlegen der HIV-Infektion, dass es kein Patentrezept gibt und keinen Weg, der immer und für alle passt

  22. Vorteile bringt der offene Umgang mit der eigenen HIV-Infektion, wenn: …meine Würde gewahrt bleibt …ich selbst über mein Outen bestimme …ich mich auf die Diskretion der Anderen verlassen kann …sich dadurch weitere Ansteckungen vermeiden lassen …daraus Vorteile für mich, meine Familie und meinen Partner / meine Partnerin erwachsen Was bringt das Offenlegen der HIV-Infektion? …ich Zugang zu HIV-Prävention und -Versorgung bekomme … es leichter wird, meine Medikamente zu nehmen … meine Gemeinschaft dadurch aufgeschlossener für HIV wird …dadurch das Vertrauen zwischen Menschen mit und ohne HIV wächst …Heimlichkeiten unnötig werden …Angstzustände und Depressionen seltener werden … ich weniger Stigma und Ausgrenzung erlebe 20 UNAIDS, 2000, WHO, 2004

  23. Was Frauen motiviert, ihren HIV-Status offenzulegen: Wunsch nach mehr Lebens-qualität • Bedürfnis nach sozialer Unter-stützung Moralisches Verant-wortungs-gefühl Sorge um dieGesundheit des Partners Hilfs-angebote von Beratungs-stellen 1. WHO, 2004; 2. Chandra P. et al., 2003

  24. Maßnahmen, die Frauen unterstützen, wenn sie ihren HIV-Status offenlegen wollen: …durch Richtlinien und Programme …in der Beratung …in der Öffentlichkeit • Schulung von medizinischem Personal im Umgang mit HIV • mehr Angebote zu freiwilligen und anonymen Tests mit Beratung - auch in ländlichen Gegenden und für Gruppen mit besonderen Bedürfnissen • besserer rechtlicher Schutz; z.B. bei Diskriminierung oder Verletzung der Schweigepflicht • fortlaufende (!) Beratung und Selbsthilfegruppen zu HIV • Rollenspiele • Begleitung beim Outing • Beteiligung von Frauen bei HIV-Tests und -Beratung • Kampagnen, die die breite Öffentlichkeit und die verschiedenen Zielgruppen informieren und die für Toleranz, Mitgefühl und Verständnis werben, um so gegen Ängste, Stigmatisierung und Diskriminierung zu wirken WHO 2004

  25. Die Kinder informieren? • Es gibt Broschüren und Ratgeber für Mütter mit HIV, die mit ihren Kindern über die • Infektion sprechen wollen – denn Kindern gegenüber offen mit HIV umzugehen, • kann viele Fragen aufwerfen • Manche Mütter fürchten, dass ihre Kinder sich ängstigen könnten und wollen ihnen • eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen • Bestehende Ängste und falsche Vorstellungen der Kinder können durch einen offenen • Umgang mit der Infektion ausgeräumt werden; die Mütter können sogar Zuspruch von • ihren Kindern bekommen • Das Offenlegen kann bei Kindern zu kurzfristigen Verhaltensauffälligkeiten und • Anpassungsschwierigkeiten führen • Kinder mit HIV nehmen ihre Medikamente zuverlässiger, wenn die Mutter ihre eigene • Infektion offenlegt • Auch die WHO hat Richtlinien entwickelt, die dabei helfen, Kindern gegenüber offen • über eine eigene HIV-Infektion zu sprechen Delaney R. et al., 2008; WHO, 2011; Murphy D.A. 2008

  26. Wie kann Stigmatisierung gemessen werden? Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

  27. Wozu dient das Messen von Stigma bei HIV? zur Auswertung von Maßnahmen gegen Stigmatisierung um festzulegen, wie Maßnahmenin unter-schiedlichen Zusammen-hängen anzuwenden sind um die wirksamsten Maßnahmen gegen Stigmatisierung zu bestimmen Stigmatisierung um herauszufinden, ob Programme, Maßnahmen oder Projekteunbeabsichtigte Folgen haben um HIV-bezogene Stigmatisierungen in verschiedenen Zusammenhängen miteinander vergleichen zu können um zu bestimmen,ob neue Angebotein der Beratung zu oder in der Behandlung von HIVStigmatisierung reduzieren können USAID, 2006

  28. Warum es schwierig ist, Stigmatisierung zu messen? • Beim Entwickeln von Programmen gegen Stigmatisierung und Diskriminierung wurden Fortschritte gemacht, • doch weil standardisierte Indikatoren (wissenschaftliche Hilfsmittel) zum Messen der Wirksamkeit fehlen, können bewährte Strategien oft nicht eingesetzt oder weiter entwickelt werden. • Mess-Instrumente sind darauf ausgelegt, Stigmatisierung aus zwei Blickwinkeln zu erfassen: • aus Sicht der ‚Stigmatisierenden‘, zu denen die Öffentlichkeit, aber auch einzelne Gruppen wie beispielsweise medizinisches Personal zählen können; • und aus Sicht der ‚Stigmatisierten‘, zu denen beispielsweise HIV-positive Frauen gehören können. Mahajan A et al., 2008

  29. Der “People Living with HIV Stigma Index” …ist ein Instrument, um zu erfassen, welche Stigmatisierung oder Diskriminierung Menschen mit HIV erleben …besteht aus einer Umfrage, die Informationen zu der Frage sammelt, ob und wie Menschen mit HIV Stigmatisierung, Diskriminierung oder die Verletzung ihrer Rechte erleben http://www.stigmaindex.org/

  30. Der “People Living with HIV Stigma Index” Der Index will …Menschen mit HIV, ihre Netzwerke und ihre Gemeinschaften stärken, damit sie Mut zur Veränderung entwickeln können …an bestimmten Stellen für ein besseres Verständnis von Stigma- und Diskriminierungs- Erfahrungen sorgen ...ermitteln, ob und wie sich Stigma-Erfahrungen im Laufe der Zeit verändern http://www.stigmaindex.org/

  31. Stigma-Index: 10 Schlüsselbereiche für das Erfassen und Messen Erfahrungen mit Stigma /Diskriminierungund derenUrsachen Problemeund Herausfor-derungen wegenHIV Innere Stigmatisierung medizinische Versorgung und Behandlung Zugänglichkeitvon Arbeit und Versorgung Veränder-ungen herbei- führen Kinder habenund bekommen Offenlegen/Schweige- Pflicht/Vertraulichkeit HIV-Test Rechte,Gesetze und Richtlinien 29 http://www.stigmaindex.org/

  32. Der Stigma-Index in Deutschland • In Deutschland sammelt das Projekt „Positive Stimmen“ Daten für den Stigma-Index • Die Deutsche Aids-Hilfe trägt das Projekt • Informationen unter www.positive-stimmen.de

  33. Wie lassen sich Stigmatisierung und Diskriminierung überwinden? Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

  34. Wer kann etwas gegen Stigma und Diskriminierung unternehmen? Mikro • Frauen mit HIV • Familie/Betreuungspersonen • Medizinisches Personal • ArbeitgeberInnen • Andere wichtige Bereiche wie Migrations- und Glaubensgemeinschaften Meso • Politische und gesellschaftliche EntscheidungsträgerInnen • Allgemeinbevölkerung Makro Logie C. et al., 2011

  35. Das GIPA-Prinzip • GIPA = Greater Involvement of People living with HIV and AIDS (stärkeres Einbeziehen von Menschen mit HIV und Aids) • … umfasst das Recht zur Selbstbestimmung und Beteiligung bei Entscheidungsprozessen • … gründet auf der Tatsache, dass eigene Erfahrungen und eigenes Engagement durch nichts zu ersetzen sind: • Niemand kann die Interessen von Menschen mit HIV besser vertreten als Menschen mit HIV selbst • … ist weithin anerkannt und akzeptiert • … sollte bei jeder Gelegenheit angewandt werden, wenn Organisationen oder Einzelpersonen zusammenarbeiten UNAIDS, 2007

  36. Vorteile von GIPA GIPA fördert Selbst- und Mitbestimmung sowie die persönliche Entwicklung von Frauen mit HIV • Frauen mit HIV • engagieren sich in Projekten und/oder leiten diese • werden als Expertinnen anerkannt • entwickeln ein größeres Selbstwertgefühl • leiden seltener unter Depressionen oder sozialer Isolation • können sich leichter an ihre Therapie-Vorgaben halten (= größere Adhärenz) • sind auf dem Arbeitsmarkt besser vermittelbar • erleben insgesamt mehr Gesundheit und Wohlbefinden • Organisationen im HIV-Bereich werden gestärkt UNAIDS, 2007

  37. Vorteile von GIPA Mit GIPA lässt sich vor Ort besser auf HIV reagieren und es bilden sich stärkere Gemeinschaften • Stigmatisierung geht zurück • wichtige Bevölkerungsgruppen sind eingebunden • Gemeinschaften können selbst auf ihren Bedarf reagieren • gegen Diskriminierung wird angegangen • es entstehen starke, unterstützende und leicht zugängliche Gesundheitsangebote • Ungleichheiten werden offengelegt • vor Ort entwickeln sich stärkere Gemeinschaften und bessere Angebote • Rechte werden anerkannt 37 UNAIDS, 2007

  38. Selbsthilfegruppen und Aufklärung durch andere Betroffene („Peer Groups“) • … ermöglichen den Austausch über Gefühle und von Informationen • … bieten gegenseitige Unterstützung und helfen Frauen dabei • zu erkennen, dass sie nicht alleine sind • die HIV-Infektion zu akzeptieren • die HIV-Infektion gegenüber der Familie oder Nahestehenden offen zu legen • … bieten viele Möglichkeiten für HIV-positive Frauen, andere Frauen zu unterstützen und zu ermutigen • als aktives Mitglied in einer Selbsthilfegruppe • durch das Halten von Vorträgen • durch Weitergabe eigener Erfahrungen • indem sie sich selbst als Mitbetroffene engagieren • … können helfen, Fälle zu verstehen, in denen Andere nicht gut über HIV informiert sind, z. B. auch Personal im Gesundheitswesen ohne Fachkenntnisse zu HIV 38

  39. Selbsthilfeinitiativen und -projektefür Frauen mit HIV

  40. Glaubens- und Religionsgemeinschaften • Glaube und Religion können sich positiv auf das Wohlbefinden und die emotionale Gesundheit auswirken.1-3 • Glaubens- und Religionsgemeinschaften können die Einstellungen und das Verhalten ihrer Mitglieder beeinflussen, die wiederum in engem und regelmäßigem Kontakt mit allen Altersgruppen in der Gesellschaft stehen. • Manche Glaubens- und Religionsgemeinschaften bieten Menschen mit HIV Geborgenheit, Freundschaft und praktische Unterstützung. • Mehr und mehr HIV-Initiativen bilden die FührerInnen der Glaubens- und Religionsgemeinschaften fort, damit sie HIV-bezogener Stigmatisierung und Diskriminierung in ihren Gemeinden entgegenwirken können. 40 1. Ironson G. et al., 2006; 2. Woodard E. et al., 2001; 3. Ridge D. et al., 2008

  41. Fachpersonal im Gesundheitswesen für Stigmatisierung sensibilisieren • Fachpersonal im Gesundheitswesen sollte den Einfluss von Stigmatisierung auf die Gesundheit kennen. • Insgesamt geht es den Menschen besser, wenn sie individuell passende Unterstützung erhalten. • Fachpersonal im Gesundheitswesen sollte größeres Verständnis entwickeln für Frauen mit HIV, ihre Probleme und Bewältigungs-strategien. • Mit einer HIV-Infektion klarzukommen, kann als positiver Mechanismus zur Stigma-Reduktion dienen. • Pharmakologische und verhaltensspezifische Maßnahmen können Frauen helfen, mit ihrer Infektion und ihrer Zukunftsplanung umzugehen. 41 Makoae L. et al., 2008

  42. Diskriminierung und Adhärenz • Thrasher et al. (2008) untersuchten, wie sich diskriminierende Erfahrungen im Gesundheitswesen und Misstrauen gegenüber Ärztinnen und Ärzten auf die Therapietreue auswirken. • Über 33 % der Teilnehmenden berichteten von diskriminierende Erfahrungen im Gesundheitswesen. • 24% vertrauten dem medizinischen Personal nicht. • Je mehr Diskriminierung, desto größeres Misstrauen, desto geringer die positiven Wirkungen der Behandlung und desto schlechter die Therapietreue. • Das Misstrauen beeinflusste die Therapietreue insofern, als dass es die psychische Belastung im Zusammenhang mit der Behandlung erhöhte und den Glauben an die Vorteile der Behandlung verringerte. 42 Thrasher A. et al., 2008

  43. Was hilft Frauen im Umgang mit Stigmatisierung? • Fachpersonal im Gesundheitswesen kann ein Reihe von Vorschlägen machen, damit betroffene Frauen besser mit Stigmatisierung und Diskriminierung bei HIV umgehen können Emotionale Bewältigungsstrategien Problemlösungsstrategien • rationalisieren • sich selbst okay finden • es einfach vorbeigehen lassen • sich an Gott wenden • die Hoffnung nicht aufgeben • mit Humor nehmen • aktiv/beschäftigt bleiben • einer Selbsthilfegruppe beitreten • den HIV-Status offenlegen • mit anderen reden • sich beraten lassen • Wissen von anderen Betroffenen sammeln • das eigene Verhalten ändern • von anderen lernen / sich an Vorbildern orientieren 43 Makoae L. et al., 2008

  44. Fallbeispiele:Wie Stigma und Diskriminierung überwunden werden können Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

  45. Fallbeispiel: Weißrussland • Positive Movement: eine Initiative mit dem Ziel, stigmatisierenden Haltungen gegenüber Menschen mit HIV entgegenzuwirken Ziele Maßnahmen Ergebnisse • weitere Ausbreitung von HIV in Weißrussland verhindern • psychosoziale Unterstützung und Aktivitäten gegen Stigmatisierung anbieten • Zugang zu Informationen und zu Selbsthilfe-gruppen • landesweite Seminare • Berichte zu und Geschichten von Menschen mit HIV in den Medien • wöchentliche Selbsthilfegruppen • Gruppen- und Einzeltherapie • Telefon-Hotline • Rechtsberatung • Einbindung von Menschen mit HIV http://data.unaids.org/publications/irc-pub06/jc999-humrightsviol_en.pdf

  46. Fallbeispiel: Thailand • Sangha-Metta-Projekt: Eine Initiative, die religiöse Führer dazu motiviert, sich an der Prävention zu beteiligen sowie Respekt und Mitgefühl für Menschen mit HIV/Aids zu fördern. Ziele Maßnahmen Ergebnisse • Religiöse Führer für ihre Rolle zu schulen, die sie dabei übernehmen, wie ihre Gemeinde mit HIV umgeht • Religiöse Führer unterstützen Menschen mit HIV, die ihren HIV-Status noch nicht offengelegt haben • Menschen mit HIV übernehmen eine aktivere Funktion in der Gemeinde • Frauengruppenim Norden Thailands haben HIV-positive Frauen aufgenommen • Religiöse Führer: • veranstalten Seminare mit ihren religiösen Gruppen vor Ort • machen Haus-besuche bei Menschen mit HIV • bieten Hilfe für und Unterstützung von Aids-Waisen an • leiten Selbsthilfe-gruppen vor Ort http://data.unaids.org/publications/irc-pub06/jc999-humrightsviol_en.pdf

  47. Fallbeispiel: Südafrika • Soul City: Initiative im „Edu-Tainment“-Format, die die Lebensqualität für Menschen verbessern will Ziele Maßnahmen Ergebnisse • Fünf Serien der TV-Sendung Soul City und eine Serie der TV-Sendung Soul Buddyz 1 wurden ausgestrahlt • Radiobeiträge • Eine Broschüren-Reihe, unter anderem AIDS in our Community (Aids in unserer Gemeinde) und Living Positively with HIV/AIDS (Positiv leben mit HIV/Aids) • Haltungen und Einstellungen gegenüber Menschen mit HIV haben sich verbessert, insbesondere in jüngeren Altersgruppen • Erkenntnis, dass Menschen mit HIV ein normales und gesundes Leben führen können • Eine größere Offenheit für Sexualität von Jugendlichen wurde festgestellt • Die Einstellungen gegenüber Menschen mit HIV ändern • Die Lebensqualität von Menschen mit HIV verbessern • Dazu gehören die Themen: • Stigma und Diskriminierung • Positiv leben mit HIV • Bedeutung von Aufklärung http://data.unaids.org/publications/irc-pub06/jc999-humrightsviol_en.pdf

  48. Fallbeispiel: Wann ist der beste Zeitpunkt, sich zu outen? Eine Frau erhielt ihre positive HIV-Diagnose. Sie vertraute sich ihrem Ehemann an und hoffte auf seine Hilfe. Doch er beschuldigte sie der Untreue und verließ sie. Die nächsten fünf Jahre lang litt sie allein, ohne jemandem von ihrer Infektion zu erzählen: sie legte ihre Infektion gegenüber ihrer Familie nicht offen, denn sie dachte, dass sie Vorurteile zu HIV haben, und sie fürchtete, ausgegrenzt und stigmatisiert zu werden; sie verlor viel Gewicht, weil sie nicht mehr gut für sich sorgen konnte. Nach fünf Jahren nahm sie an einer Beratung teil und das veränderte ihr Leben: sie erfuhr, dass sie nicht allein war; sie hörte auf, allein zu trauern, und fasste Vertrauen in ihre Fähigkeit, ein erfülltes Leben zu führen; sie ernährte sich besser und nahm wieder zu.

  49. Fallbeispiel (Fortsetzung): Zuerst sprach sie mit ihren FreundInnen und ihrer Familie ganz allgemein über HIV. Dabei merkte sie, dass sie ganz gut über HIV Bescheid wussten. So entschied sie sich, sich zu outen und ihre Infektion offen zu legen: ihre Familie war nicht schockiert, aber sie sagten, sie hätten immer gefühlt, dass sie etwas vor ihnen geheim hielt; ihre Familie unterstützt sie sehr – emotional und praktisch. Inzwischen spricht sie auf der Arbeit, zu Hause und bei Selbsthilfegruppen ganz offen über ihren HIV-Status. Sich outen ist ein Prozess, kein einmaliges Ereignis Mit Hilfe von Beratung können Frauen ihre Fähigkeiten für den Umgang mit der Infektion erkennen und entwickeln, um so besser mit Problemen fertig zu werden. Beratung und die Hilfe anderer Betroffener können Frauen im Laufe des Outings unterstützen.

  50. Beispiele für Initiativen gegen Stigmatisierung und Diskriminierung Women for Positive Action wird von Abbott unterstützt

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