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[28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalitäre Ausdrucksmittel in Politik und Medien aus der Si PowerPoint Presentation
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[28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalitäre Ausdrucksmittel in Politik und Medien aus der Si

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[28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalitäre Ausdrucksmittel in Politik und Medien aus der Si

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  1. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache [I]: totalitäre Ausdrucksmittelin Politik und Medien aus der Sicht der Kritischen Diskursanalyse Vorlesung, 2 SWS Modul: MSW_2/1 Kommunikationslinguistik der russischen/polnischen Sprache [Kommunikationslinguistik I] Prof. Dr. Peter Kosta Mi 09.15-10.45 1.09.213 19.04.

  2. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die Vorlesung beschäftigt sich mit dem Verhältnis von institutioneller Macht und den sprachlichen Mitteln, durch welche Macht in der Kommunikation ausgeübt werden kann.

  3. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Ausgehend von der Textsorte „Schauprozess“ wie er in der Zeit des stalinistischen Totalitarismus gegen den sog. antisowjetischen „Block der Rechten und Trotzkisten“ im Jahre 1938 (vgl. Freidhof 1996:95) manifestiert und durchexerziert worden ist und unter Einbeziehung weiterer Korpora des totalitären Diskurses (etwa Slánský-Prozesse in den 50er Jahren in der Tschechoslowakei), werden wir uns mit Fragen der forensischen Linguistik auseinandersetzen.

  4. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Neben der direkten Machtausübung durch Sprache (in der Sprache der Politik, der Medien, der Werbung) werden wir uns mit einschlägigen Bereichen der alltäglichen (Alltagsdiskurs, Partygespräche) und institutionellen Kommunikation (Arzt-Patient-Gespräche, Behörden- und Amtssprache, Polizeiver-höre, Auskunftsgespräche) beschäftigen, in der Be-einflussung durch Sprache auf äußerst subtile und in-direkte Weise, quasi unbemerkt von den Kommuni-kationsteilnehmern, vor sich geht.

  5. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Wir stützen uns u. a. auf Theorien und Methoden, die in der Frankfurter und Potsdamer Schule der Diskursanalyse und Sprechhandlungsmusteranalyse entwickelt worden sind (vgl. Freidhof 1995, 1996; Kosta 1995, 1996, 1998; Kuße 1998, 2004; Mann 2000), beziehen dabei aber vor allem auch die Arbeiten der sog. Kritischen Diskursanalyse ein (Wodak ed. 1989, Wodak/Meyer eds. 2003, Wodak/Chilton eds. 2005).

  6. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die Lehrveranstaltung richtet sich an alle Studiengänge. Gäste aus den Nachbardisziplinen, die die geplanten Masterstudiengänge Fremdsprachen- und Kommunikationslinguistik besuchen, sind willkommen. • Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme, Kurzreferat oder Klausur • Leistungsbewertung: 2 LP + 2 LP prüfungsrelevante Leistungen

  7. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Gliederung und Ablauf der Lehrveranstaltung • Womit beschäftigt sich die forensische Linguistik? Theoretische Grundlagen • Grundlage der Kritischen Diskursanalyse • Grundlagen der Sprechhandlungsmusteranalyse (SHMA) • Synthese: Forensische Linguistik, Kritische Diskursanalyse und SHMA

  8. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache 5. Textsorte Schauprozess/Polizeiverhör 6. Zur Sprache der Politik 7. Analyse der Sprache der Medien und der Werbung 8. Analyse von Arzt-Patient-Gespräch 9. Amtssprache, Behördensprache 10. Beeinflussung in der Alltagssprache

  9. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Womit beschäftigt sich die forensische Linguistik? Theoretische Grundlagen Definitionen:

  10. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Forensik • aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Der Begriff der Forensik stammt vom lat. forum = der Marktplatz, das Forum, da vormals Gerichtsverfahren, Untersuchungen, Urteilsverkündungen sowie der Strafvollzug öffentlich und meist auf dem Marktplatz durchgeführt wurden. Daher bezeichnet das Attribut forensisch alles, was gerichtlichen oder kriminologischen Charakter hat. Der Begriff beschränkt sich damit nicht nur auf die Bereiche des Strafrechtes (z.B. die Rechtsmedizin und die forensische Psychiatrie), sondern umfasst jede berufliche Tätigkeit innerhalb eines jeden Gerichtsverfahrens.

  11. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die forensische Linguistik (eher forensische Phonetik) untersucht Sprache auf einen kriminologischen Aspekt hin, z.B. bei der Feststellung des Urhebers eines Erpres-serbriefes.

  12. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Schauprozess • Als Schauprozesse werden im Allgemeinen öffentliche Gerichtsverfahren bezeichnet, bei den die Verurteilung des Beklagten bereits im Vorhinein feststeht. Das verbleibende Ziel ist, die Gründe der Bestrafung in die Öffentlichkeit zu bringen. Typisch werden Schauprozesse als Mittel zur Verfolgung politischer Gegner oder anderer unerwünschter Personen eingesetzt.

  13. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Schauprozesse werden besonders häufig in diktatorischen Systemen verwendet, um missliebige Personen auszuschalten. Sie finden dann oft unter Missachtung aller rechtsstaatlicher Prinzipien statt und dienen zur Eliminierung, Entwürdigung und Zurschaustellung der Beklagten in der Öffentlichkeit. Daher werden sie oft als große Medienspektakel inszeniert und dienen der Abschreckung und Disziplinierung Andersdenkender.

  14. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Im Wesen dieser Prozesse liegt die Aufbauschung vermeintlicher oder unwesentlicher Vergehen zu staats- oder gesellschaftszersetzenden Verbrechen. So wird z. B. Kritik an der gegenwärtigen Regierung zu Hochverrat, Spionage oder ähnlichem hochstilisiert. Die andere Variante ist die Erfindung von irgendwelchen Delikten, die die Angeklagten begangen haben sollen.

  15. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die Angeklagten haben praktisch keine Möglichkeit der Verteidigung und die Geständnisse werden meist im Prozessvorfeld erpresst oder unter Folter gemacht. Die Urteile stehen in den meisten Fällen schon vorher fest. Die Anklage wird in polemischer Form vorgetragen und das Urteil ist unverhältnismäßig hart.

  16. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die bekanntesten historischen Schauprozesse sind: • Die Verfahren gegen die politischen Gegner Stalins während der Stalinschen Säuberungen in der Sowjetunion in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, wobei fast alle vorherigen Kampfgenossen, insbesondere die Verbündeten Lenins, große Teile der Parteiprominenz sowie Millionen Menschen entweder hingerichtet oder in den Straflagern des Gulag zugrundegerichtet wurden.

  17. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Nach dem Vorbild der Moskauer Schauprozesse ließ Stalin später ähnliche Prozesse in den Satellitenstaaten inszenieren. Diese Prozesse dienten als Kampf- und Propagandainstrument in der Auseinandersetzung mit Tito. Die Angeklagten wurden meist des Hochverrats und der Spionage im Dienste Jugoslawiens beschuldigt. Auch diese Prozesse endeten teilweise mit Todesurteilen oder langjährigen Zuchthausstrafen. Diese Prozesse fanden gerade in der Hochzeit des Kalten Krieges Ende der 1940er und in den 1950er Jahren: Ungarn (József Mindszenty, Laszlo Rajk), CSSR (Rudolf Slansky), Bulgarien (Kostoff). Ähnlich drakonische Strafen wurden in Geheimprozessen wie den Waldheimer Prozessen in der DDR verhängt.

  18. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die Verfahren gegen die Hitler-Attentäter und Verschwörer des 20. Juli1944. Es fand beim Volksgerichtshof unter dessen PräsidentenRoland Freisler statt. Die Prozesse wurden für Hitler und die Wochenschau heimlich gefilmt, kamen jedoch nicht in die Kinos, weil der unter wütendem Geschrei Freislers geführte Prozess der NS-Propaganda als nicht öffentlichkeitswirksam empfunden wurde.

  19. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Auch Kriegsverbrecherprozesse werden regelmäßig als Siegerjustiz kritisiert. Im Gefolge der demonstrativen juristischen Aufarbeitung wird besonders von Anhängern des besiegten Regimes jede Unregelmäßigkeit im Verfahren als Indiz einer Farce im Sinne eines Schauprozesses gewürdigt. Dies trifft selbst geschichtlich respektierte Vorgänge wie den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. • Die Stalinschen Schauprozesse wurden literarisch von Arthur Koestler in seinem Roman "Sonnenfinsternis" verarbeitet.

  20. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Stalinsche Säuberungen • aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie • Stalinsche Säuberungen (Чистки,Tschistki) ist ein Euphemismus für politische Verfolgungen unter Josef W. Stalin in der Sowjetunion. Diese Säuberungen hatten ihren Höhepunkt in der sogenannten Großen Säuberung von 1936 bis 1938. Damit ist der systematische Terror gegen angeblich gegen Stalin konspirierende Unschuldige gemeint, der oft als gerichtlicheVerfolgung getarnt und durch unter Folter erpresste Geständnisse begründet (Schauprozess), Hunderttausenden den Tod brachte.

  21. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Inhaltsverzeichnis • [Verbergen] • 1 Hintergrund • 2 Opfer • 3 Straflager • 4 Einige der prominenten Opfer • 5 Anzahl der Opfer • 6 Stalins Propaganda • 7 Literatur • 8 Verwandte Themen

  22. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Hintergrund • Hintergrund waren verschiedene, einander ablösende Verschwörungstheorien, unter anderem gegen Trotzkisten, Titoisten und die der Ärzteverschwörung bezichtigten jüdischen Mediziner. Ebenso wie ein großer Teil der Gründer der III. Internationale wurden nahezu alle bedeutenden Theoretiker der KPdSU(B) während der Revolutionsjahre Opfer dieser Säuberungen. Chefankläger von 1936 bis 1938 war der Generalstaatsanwalt der Sowjetunion Andrej Januarjewitsch Wyschinski.

  23. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Außerdem wurde ein Großteil der militärischen Führungsspitze um Marschall Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski - unter Mithilfe der Gestapo - einer Verschwörung bezichtigt und ausgelöscht. Auch viele Kommunisten anderer Herkunft, die in die Sowjetunion emigriert waren, fielen den Verfolgungen zum Opfer. Im Jahre 1940 wurde der Hauptverantwortliche für die Durchführung der SäuberungenNikolai Iwanowitsch Jeschow (1895-1940) (nach ihm auch Jeschowtschina genannt), der von 1936 bis 1938 Chef des NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) und Mitglied des Zentralkomitees der KPDSU(B) gewesen war, ebenso wie bereits sein Vorgänger Genrich Grigorewitsch Jagoda (1891-1938), selbst zum Opfer des stalinistischen Terrors.

  24. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Opfer • Stalin ließ nicht nur seine vermeintlichen politischen Gegner, darunter zahlreiche ausländische Kommunisten, die in der Sowjetunion lebten oder vor Verfolgung dorthin emigriert waren, in Schauprozessen aburteilen, sondern es wurden ganze Völker der Sowjetunion, ethnische Minderheiten, in Lager (Gulag) deportiert. "Kulaken" (Großbauern) und willkürlich als solche Deklarierte, Priester und Mönche sowie kirchlicheLaien fielen den Säuberungen zum Opfer. Selbst die Angehörigen der Verhafteten blieben nicht verschont. So wurden regelmäßig selbst unpolitische Menschen verhaftet, um das dafür vorgegebene Plansoll zu erfüllen und damit Gefängnisse sowie Straflager zu füllen.

  25. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Straflager • Die Opfer von Stalins Willkür wurden in Arbeitslager (Gulag) gebracht, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen Waldarbeiten, Straßenbau, Kanalbau, Eisenbahnbau, Städtebau, Arbeit in Bergwerken, sowie Erdarbeiten verrichten mussten. Beispielsweise wurde der Weißmeer-Ostsee-Kanal, Teile der Transsibirischen Eisenbahn sowie Teile der Baikal-Amur-Magistrale von Häftlingen gebaut. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren äußerst schlecht. Teilweise erhielten die Häftlinge lediglich 300 Gramm und zudem feuchtes Schwarzbrot und einen Teller Brennnesselsuppe am Tag, verfügten auch im Winter nur über leichte Sommerbekleidung und lebten in hölzernen Baracken. Das Plansoll entschied über die Länge des Arbeitstages, der oft mehr als 12 Stunden betrug. • Viele Menschen wurden nach Folterungenexekutiert: Während der Großen Säuberung wurden im Mittel tausend Menschen am Tag ermordet.

  26. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Einige der prominenten Opfer • Den Säuberungen fielen • 40 Mitglieder oder ehemalige Mitglieder des Zentralkomitees der KPdSU(B) • 9 frühere Mitglieder des Politbüros der KPdSU(B) • 3 von 5 Marschällen der Sowjetunion • 13 von 15 Armeekommandeuren • alle 16 Politkommissare der Armeen • 25 von 28 Korpskommissaren • alle elf Stellvertreter des Volkskommissars für Verteidigung • 98 von 108 Mitgliedern des Obersten Militärrats zum Opfer.

  27. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache 2. Doppelstunde: Grundlagen der Kritischen Diskursanalyse „Wir wollen übrigens das Wort nicht verachten. Es ist doch ein mächtiges Instrument, es ist das Mittel, durch das wir einander unsere Gefühle kundtun, der Weg, auf den anderen Einfluss zu nehmen. Worte können unsagbar wohl tun und fürchterliche Verletzungen zufügen. Gewiss, zu allem Anfang war die Tat, das Wort kam später, es war unter manchen Verhältnissen ein kultureller Fortschritt, wenn sich die Tat zum Wort ermäßigte. Aber das Wort war ursprünglich ein Zauber, ein magischer Akt, und es hat noch viel von seiner alten Kraft bewahrt“ (Freud, 1976, XIV, S. 214).

  28. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • In diesem Zitat unterstreicht Freud die Macht des Wortes, der Sprache, gleichzeitig dessen Bedeutung für den „Fortschritt“ der Menschheit und der Kultur: Von zunächst wortlosen, stummen Handlungen habe sich der Mensch weiterentwickelt, sei über Sprache und Kommunikation in der Lage, Taten zu planen und nachher zu reflektieren. Worte können zwar Schmerzen zufügen, aber nicht sogleich töten… Freud relativierte jedoch seine Aussage: Nur unter manchen Verhältnissen kann dieser Fortschritt als positiv angesehen werden. Es kommt natürlich darauf an, wer zu wem, wann, wo, mit welchen Motiven, welchen Mitteln und mit welcher Macht ausgestattet spricht.

  29. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Kritische Diskursanalyse, inspiriert von den Schriften Michel Foucaults und orientiert an kultur- und literaturwissenschaftlichen Analyse- und Interpretationsverfahren, erfreut sich zunehmender Beliebtheit in allen Disziplinen, die mit Texten zu tun haben. Sowohl Pädagogen wie Psychologen, Sozial-, Sprach- und Literaturwissenschaftler, Medien- und Kommunikationswissenschaftler haben inzwischen erfolgreich mit den Vorschlägen, die die Kritische Diskursanalyse enthält, Diskurse analysiert und interpretiert. Das kritische Potential, das dieses Verfahren enthält, macht dieses besonders geeignet, gesellschaftlich brisante Themen zu analysieren, ihre Formen und Inhalte zu problematisieren und zu kritisieren, ungerechtfertigte Wahrheitsansprüche offen zu legen, Widersprüche aufzudecken und die suggestiven Mittel diskursiver Ansprache aufzuzeigen.

  30. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die Kritische Diskursanalyse (CDA) knüpft an Untersuchungen der frühen 70er Jahre des 20. Jh. an. Die CDA geht von den folgenden kritischen sozio- und textlinguistischen Fragen aus, die man bei Brecht (Darstellung von Sätzen in einer neuen Enzyklopädie, Werke 20:14) wie folgt vorfindet: • 1. What is the use of the sentence? • 2. To whom does it pretend to be useful? • 3. What is its challenge? • 4. What is its practical purpose? • 5. Which sentence follows which sentence? What sentences support it? • 6. In which situation is it spoken? By whom? (Bertold Brecht, Darstellung von Sätzen in einer neuen Enzyklopädie, Werke 20:14)

  31. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die CDA stellt sich ebenfalls die folgenden Fragen, wobei sie nicht wie Brecht von Sätzen, sondern von Sprechhandlungen bzw. Diskurs/Texten ausgeht: • Wie sieht die Sprecherabsicht (Intention) einer Sprechhandlung aus? • Was passiert danach? • Welche anderen Handlungsziele konstituieren die sog. illokutionäre Kraft der Äußerung/des Sprechakts? • Wie sehen die sozialen und politischen Praktiken solcher Äußerungen aus? • Daneben sind folgende Fragen der Rederechtvergabe und Rederechtsteuerung von immanenter Bedeutung: „Who takes the floor? Who controls? Who chooses? Who defines what is good or bad (language) behaviour?

  32. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • CDA ist im Gegensatz zu anderen Forschungsrichtungen der pragmatisch orientierten Linguistik (z. B. Konversationsanalyse der US-Ethnolinguistik: Sacks/Schegloff; oder die klassische SA-Theorie) nicht rein deskriptiv und keinesfalls neutral angelegt. • Die Leitidee der CDA (cf. Habermas 1971) besteht darin, Ungerechtigkeit und Ungleichheit offensiv und „parteiisch“ aufzudecken, zu entblößen, zu enttarnen, eindeutige Stellung zu beziehen, sich für die Machtlosen und Unterdrückten einzusetzen. • Damit soll nicht unterstellt werden, dass diese Forschungsrichtung „einseitig“ oder gar unwissenschaftlich sei. • Die CDA geht nach dem Leitmotiv vor: „diagnosis first and therapy to follow.“ (cf. Wodak et al. 1985, 1986ab; Wodak/Quasthoff eds. 1985; Wodak ed. 1989, xiv).

  33. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Summary Critical Linguistics (CDA) • The most important characteristics of critical research are: • A. Research interests: Uncovering inequality and injustice. • B. Object under investigation: Language behaviour in natural speech situations of social relevance (institutions, media, minority problems, racism etc.) is to be investigated. All situations which are threatening or involve power play between individuals are of interest. • C. Interdisciplinary research: Social phenomena are too complex to be dealt with adequately in only one field. • D. Empirical research: Data from natural speech situations are to be analyzed. Nevertheless, theory and methodology, values and aims are to be discussed explicitly.

  34. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Summary Critical Linguistics (CDA) • E. Inclusion of thehistorical perspective: Social processes are dynamic, not static. This has to be reflected in the theory and in the methodology. • F. “Leitmotif” of critical research: “Diagnosis” first, interpretation and “therapy” to follow! • G. Researchers are forced to take sides: Especially in empirical research, the “subjects under investigation” cannot be treated as objects any longer. Research includes the “researched” and, eventually, ought to help them (if possible). • H.Social and political practice is aimed at: Results of research not only imply success in the academic field, but they should also include proposals for practical implementation.

  35. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Summary Critical Linguistics (CDA) • I. Necessity fornew notions and extensions of traditional concepts of “language behaviour” and “meaning”: Social phenomena are very complex, irrational and rational. Many different and ambivalent, conscious and subconscious motives are relevant. Thus multiple methods, manifest and latent meanings, cognitive and affective aspects are important. Finally, the historical and social context should not be neglected. • Quellen: • Wodak, Ruth. (ed.). 1989. Language, power, and ideology: studies in political discourse. Amsterdam, Philadelphia: Benjamins. (Critical Theory, 7). [ES 155 LAN].

  36. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Jäger, Siegfried. 1993. Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung. • ISBN: 3-89771-732-8. Ausstattung: br., 404 SeitenPreis: 24.00 Euro. • Inhalt: • Soziolinguistik und Qualitative Sozialforschung · Die Tätigkeitstheorie A.N. Leontjew· Vom Text zum Diskurs – diskurstheoretische Ansätze im Überblick – Die Diskurstheorie Michel Foucaults – Kollektivsymbolik – Die Macht der Diskurse – Zum Verhältnis von Diskurs und „Wirklichkeit“ – Diskurs, Wissen, Macht, Subjekt – Wirkung von Diskursen auf individuelles und kollektives Bewusstsein - Analyseverfahren· Kritische DiskursanalyseEthisch begründete Kritik – Kritik gegen Herrschaft – Relativität von Kritik· Musteranalysen

  37. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache 3. Grundlagen der Sprechhandlungsmusteranalyse (SHMA) 3.1 Ausgangsthesen der klassischen Sprechakttheorie Der englische Philosoph John Langshaw Austin (1911-1960) hat in seinen berühmten Harvard-Vorlesungen von 1955, die erst nach seinem Tode im Jahre 1962 (siehe Literaturliste, Position 1.) veröffentlicht wurden, die Frage gestellt, wie wir etwas mit Worten tun.

  38. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Diese Frage hat seitdem viele Philosophen und Sprachwissenschaftler zu einem Umdenken ihrer bisherigen Vorstellungen über Sprache geführt; fast wie selbstverständlich reden wir heute von Sprachhandlungen und Sprechakten. Dennoch ist der theoretische und praktische Kontext, in dem wir diese Begriffe sinnvoll gebrauchen können, noch relativ unklar und ungeklärt.

  39. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Welche Arten von Sprachhandlungen lassen sich unterscheiden? • Was ist die Funktion von Sprachhandlungen für die Weiterführung von Kommunikation, für die Entwicklung sozialer Beziehungen, für die gesellschaftliche Praxis im allgemeinen? • Welche Wörter, Ausdrücke und Konstruktionen müssen wir gebrauchen, um bestimmte Sprachhandlungen auszuführen und den mit diesen Sprachhandlungen intendierten Effekt beim Hörer zu erzielen?

  40. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Diese und ähnliche Fragen sollen im Mittelpunkt der heutigen Vorlesung stehen. • Seit einigen Jahren befasse ich mich mit den von Austin zu Bewusstsein gebrachten Problemen. Einen wesentlichen Einfluss hatten auf meine Arbeit zum einen die philosophischen Schriften von Paul Grice (siehe Position 4. der Literaturliste) und John Searle (siehe Position 2. und 3.); sie haben auf einige Probleme bei Austin hingewiesen, andere jedoch hinzugefügt, andere wiederum vernachlässigt.

  41. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Diese philosophischen Arbeiten versuchen, teils logische, teils sprachpsychologische Klärungen vorzubereiten, sie stehen aber leider in keiner direkten Beziehung zu empirischen Untersuchungen und haben auch keine Methodik dafür entwickelt. Um den Abfolgezusammenhang von Sprachhandlungen in der menschlichen Interaktion und den Bezug auf soziale Bedürfnisse, wie er uns vorschwebt, hat sich keiner der genannten Philosophen gekümmert.

  42. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Diese Sichtweise rückt gerade heute wieder stärker ins Blickfeld, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas. Einen dritten wichtigen Einfluss hatten auf meine Arbeit die interaktionssoziologischen Untersuchungen, besonders von Harvey Sacks, Emanuel Schegloff und John Gumperz. Sie haben vor allem die interaktionale Ausarbeitung von sozialen Situationen hervorgehoben und eine sehr diffizile Methodik empirischer Untersuchungen entwickelt, besonders im Hinblick auf die formalen Aspekte der Interaktion.

  43. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Der zweite Teil der Lehrveranstaltung ist - wie schon der Titel verrät - der sprachwissenschaftlichen Analyse von Gesprächen gewidmet. Seit mehr als 20 Jahren lässt sich in der Linguistik eine deutliche Abkehr von Sprache als System und eine gleichzeitige Hinwendung zur Sprache in ihrem natürlichsten Vorkommen: im Dia- bzw. Polylog beobachten. Die Beschäftigung mit Sprache in Verwendung hat mehrere konkurrierende Richtungen hervorgerufen, so u. a.:

  44. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • - die Konversationsanalyse • - die Diskursanalyse • - die Dialoganalyse • - die Gesprächsanalyse

  45. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Diese Variation der Begriffe und Termini darf nicht täuschen: Was sich nämlich unter wechselndem Namen versteckt, reflektiert in Wirklichkeit eine Rezeption der amerikanischen "conversational analysis" dar oder ist doch im wesentlichen durch diese ins Leben gerufen worden.

  46. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Am Ende dieser Lehrveranstaltung soll der Versuch unternommen werden, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Sprechakttheorie und der Gesprächsanalyse herauszuarbeiten • Literaturverweise siehe: http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/mike/discurs/lit.htm

  47. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Die Distinktion konstativ vs. performativ • Ich möchte zunächst einige wichtige Begrifflichkeiten einführen, die für das allgemeine Verständnis der späteren Ausführungen zur "Bewertung als Sprachhandlung" eine unbedingte Voraussetzung bilden.

  48. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • 1. Die erste wichtige Dichotomie in der SA-Theorie Austins ist das Paar performativ vs. konstativ. • Zunächst möchte ich kurz auf den sprachphilosophischen "background" zu sprechen kommen, der den Ausgangspunkt dieser Unterscheidung bildet: • Seit GOTTLOB FREGELS (1892) Unterscheidung von Sinn und Bedeutung einer Aussage wird die Bedeutung einer Satzaussage durch den Wahrheitswert bestimmt:

  49. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Der Satz: "Die Katze ist kleiner als die Maus." stimmt entweder mit der Wirklichkeit überein, und ergo der Satz ist wahr oder nicht und ergo der Satz ist falsch: • Ich zitiere: "So werden wir dahin gedrängt, den Wahrheitswert eines Satzes als seine Bedeutung anzuerkennen. Ich verstehe unter dem Wahrheitswert eines Satzes den Umstand, dass er war oder falsch ist. Weitere Wahrheitswerte gibt es nicht." (Zitiert nach der Ausgabe von G. PATZIG (ed.), Funktion, Begriff, Bedeutung. Göttingen 1969, S. 48.)

  50. [28101] Die Sprache der Macht und die Macht der Sprache • Problematisch an dieser Bestimmung ist die Tatsache, dass von dieser Definition nur die assertorischen Sätze erfasst werden. • Diese logisch-positivistische Satzbedeutungstheorie betrifft ausschließlich Sätze mit dem Modus der "Assertion", d. h. Aussagen, Behauptungen, Beschreibungen etc. oder eben Propositionen, die ohne Modus sind. Insofern werden auch Fragen bzw. Befehle aus dem Begriff ausgeklammert.