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Die Schweiz in Zitaten

Die Schweiz in Zitaten. Einschätzungen.

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Die Schweiz in Zitaten

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Presentation Transcript


  1. Die Schweizin Zitaten

  2. Einschätzungen An einem Wochenende, an dem weder nationale noch internationale Ereignisse die Aufmerksamkeit des österreichischen Zeitungslesers auf sich lenken konnten, wurde in einem Boulvardblatt berichtet, dass das Dach des Zürcher Volksbades eingestürzt war und dieses Unglück bedauerlicherweise einige Menschenleben gefordert habe. In einem Wiener Kaffeehaus nahm eine elegante Dame von dieser Nachricht Notiz und kommentierte sie mit den Worten: “Endlich ist den Schweizern nun auch einmal etwas passiert.” James 1997:14-15

  3. Einschätzungen Berge und Täler ergeben eine riesige Oberfläche, in der sich die einzelnen Grüppchen verlaufen können. Rechts eine Felswand, links noch eine – die beste Voraussetzung für ein Brett vor dem Kopf, könnte man meinen. Die im nächsten Tal sprechen schon wieder anders, folglich kann man die gar nicht ernst nehmen. Küng 2003:13 “Mutter, gibt’s jenseits der Berge auch Menschen?” hat der Legende nach einmal ein aufgeweckter Knirps gefragt. “Kind, wir wollen nicht grübeln”, lautete die Antwort. Küng 2003:19 Die Berge und die tiefen Täler haben […] den Volkscharakter mitgeformt. Sie wirkten auf den schweizerischen Menschen, bevor dessen Geschichte begann. Sie machten ihn bedächtig und konservativ. Tschäni 1990:20

  4. Natur/Geografie Über die Schweizer Berge wurde schon so viel gesagt, gesungen und gedichtet, dass Patricia Highsmith fand: “Diese Alpen wurden zu oft fotografiert und sind seltsam langweilig geworden, wie Beethovens Fünfte.” Küng 2003:179

  5. Einschätzungen “Die Schweiz ist wunderschön.” Wir [Schweizer] fassen das nicht nur als Kompliment auf, wir sind selbst davon überzeugt. Wenn wir den Satz hören, denken wir nicht nur an Landschaftliches, sondern an ein Ganzes, und wenn schon an Landschaftliches, so erscheint uns auch diese Landschaft als Leistung. Bichsel 1997:10-11 “Die Schweiz ist schmutzig”, das ist nachweisbar falsch. Nachweisbar falsch sind für uns auch die Sätze: “Die Schweiz ist unfrei”, “Die Schweiz ist rückständig”, “Die Schweiz ist reaktionär”, weil wir davon überzeugt sind, dass der Begriff ‘Schweiz’ die Begriffe ‘Freiheit’ und ‘Fortschritt’ zum vornherein beinhalte. Bichsel 1997:11

  6. Einschätzungen Ich lebe in diesem Land. Es läßt sich in diesem Land leben. […] Ich liebe diese Gegend, und es ist mir wichtig, Bürger dieses Landes zu sein […] Doch möchte ich hier leben dürfen, ohne ständig begeistert sein zu müssen. Ich bin nicht als Tourist hier. Ich gestatte mir, unsere Sehenswürdigkeiten nicht zu bestaunen. […] Ich habe mit nichts so viel Ärger wie mit der Schweiz und mit den Schweizern. […] Das meine ich, wenn ich sage: “Ich bin Schweizer.” Bichsel 1997:19-22

  7. Einschätzungen Wir sind das Land der Freiheit und mit Schiller und den Ausländern davon überzeugt, dass wir uns die Freiheit mit Revolutionen erkämpft hätten. Das ist nicht wahr. Wir sind ganz und gar nicht das Land der Revolutionen und waren es nie. Aber wir glauben daran, dass unsere Schweiz eine typische Schweiz sei, und fügen unserem Bild der Schweiz kritiklos alles Positive bei, was Ausländer von der Schweiz halten. Wir haben uns angewöhnt, die Schweiz mit den Augen unserer Touristen zu sehen. Ein Durchschnittsschweizer hält von der Schweiz genau dasselbe, was ein Durchschnittsengländer von der Schweiz hält. Unsere Vorstellung von unserem Land ist ein ausländisches Produkt. Wir leben in der Legende, die man um uns gemacht hat. Bichsel 1997:14

  8. Gesellschaft/Geschichte So glauben wir auch, ein genaues Bild vom Schweizer zu haben, und ordnen all seine Handlungen positiv und negativ in typisch und untypisch ein. Halbstarke sind aus diesem Grund keine Schweizer […]. Nonkonformisten sind keine Schweizer […]. Dienstverweigerer sind keine Schweizer. Wer ungern arbeitet, ist kein Schweizer. Wer nicht dauernd mit Stolz verkündet: “Ich bin Schweizer”, der ist kein Schweizer. Und der ‘echte Schweizer’ ärgert sich darüber, dass all diese Unschweizer ein Bürgerrecht haben und so den Fortbestand der typischen Schweiz nicht garantieren. Hätten die Leute von 1830 und 1848 den Fortbestand der typischen Schweiz garantiert, gäbe es das nicht, was wir als Schweiz bezeichnen. Bichsel 1997:22-23

  9. Geschichte 1991 versuchten die Schweizer, eine 700-Jahr-Feier durchzuziehen. 700 Jahre Eidgenossenschaft? Eigentlich nicht schlecht. Vielleicht rührt die Inselmentalität der Schweizer daher, dass sie sich auf die Eidgenossen berufen, die ihren heiligen Schwur leisteten, als die Erde noch eine Scheibe war. Küng 2003:18 Wie entstand die Schweiz? Wie so oft war Weltoffenheit, dem Volk in homöopathischen Dosen verabreicht, der Anlass für Unzufriedenheit und Selbstbewusstsein. Grund genug für einen kleinen Aufstand. Küng 2003:19 Unter Freiheit verstanden die damaligen Bewohner der Urschweiz insbesondere die Unabhängigkeit ihrer Talschaften und weniger die Individualfreiheit, wie wir sie heute sehen. Tschäni 1990:42

  10. Geschichte Wie eingeengt, wie erbärmlich ist der Sinn der neuen Helvetier! Sind das die Sieger bei Murten und Sempach? […] Jeder sieht nur seine sieben Kartoffeln, seinen Distrikt, seinen Herd, seine Familieninteressen allein und zankt sich darum mit den andern. Ist dies nicht das wahre Krähwinkel unter den Staaten? General Knesebeck, 28.9.1814: Denkschrift an den preußischen Minister Freiherr vom Stein, zit. N. Kutter 1995:99 Die Gemengelage der […] 22 kantonalen Republiken in einem rundum monarchisch auferstandenen Europa konnte vernünftigerweise nur stillgelegt und sich selbst überlassen werden. Von daher datiert der Verzicht der Schweiz auf eine aktive Außenpolitik. Kutter 1995:104 [Von 1830 bis 1847] machte die Schweiz einen Gärungsprozess von ungewöhnlicher Heftigkeit durch. […] Es ist bezeichnend für die Härte jener Zeit, dass die Radikalen die Provokation jedem Kompromiss vorzogen. […] Tschäni 1990:46-47

  11. Geschichte Mit der Bundesverfassung von 1848 beginnt die Geschichte der modernen Eidgenossenschaft. Diese frühe Schweiz […] ist dank der aggressiven Politik der Liberalen […] zustandegekommen. Tschäni 1990:49 Die im Geist des klassischen Liberalismus errichtete Schweiz von 1848, durch böse Erfahrungen in der napoleonischen Epoche auf das Credo der Neutralität eingeschworen, ist als einer der damals fortschrittlichsten Staaten in einem Maße erfolgreich gewesen, das sie sich sogar selber nicht zugetraut hätte. Sie ist darum – und nicht trotzdem – ein konservatives Land. Kutter 1997:15 Eine gewisse Ausnahmesituation für die Schweiz besteht vor allem in der Kontinuität einer 150jährigen Verfassung. Da gleicht die Schweiz mehr den USA als europäischen Nationen. Kutter 1995:136

  12. Geschichte Hat der Mensch das Recht frei zu seyn? Sind die Weiber auch Menschen? Haben sie daher ein gleiches Recht frei zu seyn? […] Wenn nun die Freiheit des Menschen auf diesen [politischen] Rechten beruht, warum ist denn die eine ganze Hälfte der Menschheit das weibliche Geschlecht von der Theilnahme an diesem Rechte ausgeschlossen. Johann Jacob Leuthy (1833): Das Recht der Weiber, zit. n. Joris1997:75-76 Erst nach vielen Niederlagen konnten mit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahre 1971 [und] dem Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung von 1981 […] die angestrebten Ziele verwirklicht werden. Die Inkonsequenz der Liberalen hatte einen langen Schnauf. Joris1997:89

  13. Geschichte Im 20. Jahrhundert perfektionierte die Schweiz die Taktik, sich überall herauszuhalten und doch dabei zu sein. Aber stets darauf bedacht, dass man im Zweifelsfalle nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnte. Küng 2003:25-26 Das Bild der “sauberen” Schweiz ist auf jeden Fall Vergangenheit. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts durchlief die Schweiz die Entwicklung vom rohstoffarmen Landwirtschaftsland über die Industrienation zum perfektionierten Dienstleistungsbetrieb, dessen Funktionieren nicht durch soziale Spannungen gefährdet werden durfte. Küng 2003:27

  14. Geschichte Dass in der Schweiz alles seine Geschichte hat, die überdies immer immens wichtig genommen wird, ist ihnen mittlerweile geläufig … Küng 2003:143

  15. Gesellschaft Die Schweizer Armee ist […] wegen der Tatsache berühmt, dass ihr jeder männliche Schweizer Bürger im Alter zwischen zwanzig und fünfzig angehört. Bilton 1997:100 Die Schweizer Armee […] wurde schon in der Bibel erwähnt: “Sie hüllten sich in Lumpen und irrten ziellos umher.” Küng 2003:133 Es wurde die Meinung vertreten, dass der Grund für den kriegslosen Zustand der Schweiz in der enormen Abschreckungswirkung ihrer beeindruckenden Selbstverteidigungskräfte liege. Die Wahrheit dürfte eher sein, dass kein machtgieriger Diktator das Land angreifen wird, wo er seine Millionen versteckt hat. Bilton 1997:100-101 Die “Armee als Brauchtum” [ist] Teil der Folklore, die integriert, über einen Kamm schert, einen Zusammenschluss und Austausch über Sprach- und Kulturgrenzen sichert. Max frisch, zit. n. Küng 2003:133

  16. Gesellschaft Wenn es in einem Land vier offizielle Landessprachen gibt, wird die Verständigung bisweilen kompliziert. Die Milchkartons sind in der Schweiz mit Hinweisen zur optimalen Lagerung bei 3-5 Grad Celsius und der Aufschlüsselung der Nahrungsbestandteile auf deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch so dicht bedruckt, dass kaum noch Platz für die Abbildung einer Kuh bleibt. Bilton 1997:105 Bilton 1997:8

  17. Gesellschaft/Sprache Eine Landkarte, auf der die Schweiz in Sprachzonen aufgeteilt ist, könnte suggerieren, dass in der Schweiz mehrheitlich Deutsch gesprochen wird. Eine solche Annahme wäre falsch. Die von den Deutschschweizern geprochene Sprache ist das Schwizerdütsch oder Schwiizerdütsch oder Schwyzertütsch, je nachdem, welche Schreibweise beliebt. Es gibt keine zwei Schweizer, die sich auf eine einheitliche Schreibweise dafür einigen könnten […] Bilton 1997:102 Den Romands geht das Schwyzerdütsch auf die Nerven. Küng 2003:160

  18. Gesellschaft/Sprache Das Verhältnis zwischen Deutschschweizern und Romands ist manchmal getrübt.. […] Individuelle Freiheiten werden in der Romandie höher eingestuft. […] Nur jeder siebte Deutschschweizer empfindet die Romandie als Ausland, aber jeder vierte Romand fühlt sich in der Deutschschweiz völlig fremd. […] Die Romands scheinen einen Teil der Charakterzüge übernehmen zu müssen, die der Deutschschweizer an sich vermisst. Küng 2003:157 Küng 2003:158

  19. Gesellschaft Die Schweiz ist ein Konglomerat von Minderheiten, ein Schutzverband der Minderheiten. Die Schweiz ist ein Versuch, Harmonie herzustellen zwischen den zentrifugalen Kräften, die uns auseinandertreiben, und den zentripetalen, den verbindenden, die vor allem dann funktionieren, wenn ein äusserer Druck da ist. Marco Solari, Organisator der 700-Jahresfeier, zit. N. Küng 2003:105

  20. Politik Die Schweiz kommt ohne Präsident oder dergleichen aus. Sieben Bundesräte teilen sich die Macht, und seit 1959 kommen die immer aus denselben Parteien. Nach der sogenannten Zauberformel pokern zwei Christdemokraten, zwei Freisinnige (Wirtschaftspartei), zwei Sozialdemokraten und ein Vertreter der Schweizerischen Volkspartei (rechts-konservativ) untereinander um die Departemente. Damit sind die vier größten Parteien (Wähleranteil gut 80 Prozent) zu einer Art Koalition vereint. […] Die Bundesräte dürfen die Meinungsverschiedenheiten, die sie untereinander hoffentlich haben, nicht an die Öffentlichkeit tragen. Das nennt man Kollegialitätsprinzip. Küng 2003:170

  21. Politik [Im Bundeshaus Bern] Ich habe in der Schule gelernt, dass im Parlament Kompromisse zustande kommen. Das ist nicht wahr. Hier werden keine Kompromisse geschlossen, hier wird alles bereits als Kompromiss vorgetragen […] Bichsel 1997:33 In diesem Parlament wird keine Revolution stattfinden, nicht einmal eine stille, friedliche, denn in diesem Parlament finden nur Dinge statt, die es bereits gibt. Damit haben wir uns abzufinden. Es gibt hier keine Opposition. […] Denn hier geht es um das Erhalten, auch um das Erhalten von erhaltenswerten Dingen. Hier sitzen die Gralshüter der Demokratie. Bichsel 1997:35 Unser Parlament ist eine Verwaltung. Wenn es außer dem Parlament nichts anderes gibt, dann haben wir nicht einmal eine parlamentarische, sondern eine verwaltete Demokratie […] – [einer] Demokratie ohne Diskussion. Sie wäre die schlechteste Staatsform der Welt. Bichsel 1997:41

  22. Politik Der Gegensatz zwischen Regierung und Opposition ist nicht Teil des politischen Systems der Schweiz […]. In diesem Sinne gibt es gar keine institutionalisierte Opposition […]. Allenfalls bildet das Schweizer Volk selbst diese Opposition; und es tut dies sogar in zunehmendem Maß, indem es Entscheidungen der eigenen Regierung konterkariert. Bilton 1997:74 Aus solchem Denken kommt das Nein des Schweizers gegen den Staat […]. Noch heute kann man bei jeder eidgenössischen Abstimmung mit einem festen Bestand von grundsätzlichen Neinsagern gegen das Neue rechnen. […] Es ist noch nicht lange her, dass ein Appenzeller Politiker grösstes Verständnis für diesen unterschwelligen Widerstand gegen alles zeigte, was von “oben” kommt, als er sagte: “Mir graut vor dem Augenblick, da die Bürger meines Kantons, von der neuen Zeit angenagt, nicht mehr im voraus zu den eidgenössischen Vorlagen Nein sagen werden.” Tschäni 1990:20-21

  23. Politik Es besteht durchaus die Gefahr, dass die Schweizer den größten Teil ihrer Freizeit mit Wahlen und Abstimmungen verbringen Bilton 1997:74 In der Schweiz ist das demokratische Prinzip auf die Spitze getrieben. Wenn eine Gruppe von Bürgern genügend Unterschriften zusammenkratzen kann, dann muss das Volk über jede beliebige Maßnahme abstimmen. Lediglich der Schweizer Vernünftigkeit ist es zu verdanken, dass absurde Vorschläge wie “Freibier für alle” bisher noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt wurden. Bilton 1997:73f. Alles wird gut. Man muss nur lange genug darüber abstimmen. Küng 2002:148

  24. Politik Bei Abstimmungen [gehen] nur etwa ein Drittel, bei Wahlen knapp die Hälfte der Berechtigten zu den Urnen. […] Der Schriftsteller Peter Bichsel sagte: “Der Schweizer hält alles, was politisch ist, für eine Belästigung.” Küng 2002:167 Dennoch setzt die Verantwortung dafür, das eigene Land mitregieren zu müssen, die Schweizer offenbar einem nur schwer erträglichen Stress aus: Nicht weniger als 12% der Menschen unter 72 Jahren sterben von eigener Hand. Bilton 1997:75.

  25. Politik Folgende, durch Zeugen belegte Geschichte müssen Sie kennen, wenn Sie in die Schweiz kommen: Treffen sich vier Knirpse im Laufgitter. Der kleine Deutsche, Italiener und Franzose debattieren hitzig über die Frage, woher die Kinder kommen, der Schweizer hört interessiert zu. Der Deutsche ereifert sich: “Ich weiss es genau […]. Der Storch bringt die Babys in der Reihenfolge des Bestellungseinganges.” Der Italiener schüttelt den Kopf: “Die kleinen Kinder wachsen aus den Kohlköpfen.” Dazu kann der Franzose nur grinsen: “Im Detail darf ich’s euch nicht erklären. Nur soviel: Es hat etwas mit Mann und Frau zu tun, viel mit dem Ehebett und vor allem mit Schwangerschaft.” Die drei können sich nicht einigen. Der Deutsche fragt schliesslich nach der Meinung des Schweizers: “Nun”, sagt der, “bei uns wird das natürlich von Kanton zu Kanton verschieden gehandhabt.” Küng 2003:7-8

  26. Politik Confoederatio Helvetica […] ist ein Bundesstaat mit 26 Kantonen, wovon drei Kantone aus je zwei Halbkantonen bestehen. Ein halber Kanton ist besser als keiner. Diese Kantone sind wie Miniaturstaaten. […] In der Vergangenheit ware einige dieser Kantone in der Tat unabhängige Staaten, und in einigen glauben die Einwohner heute noch, dem wäre so. […] Bilton 1997:11 Erst wenn man sich über die Verästelungen und die wirklich weitgehenden Rechte im föderativen System der Schweiz und über all die Unterschiede hinsichtlich Sprache, Kultur und eigenständiger Tradition innerhalb der Schweiz vollends klar geworden ist, kann man ermessen, was sich hinter dem […] Ausspruch “Den Schweizer gibt es eigentlich gar nicht”, verbirgt. Bilton 1997:12

  27. Politik Das Geheimnis, warum die Schweiz als Staat nicht auseinanderbricht, liegt einfach darin begründet, dass die Bevölkerung dank des einzigartigen Systems der direkten Demokratie nicht lange fackelt und etwaige Konflikte selbst löst. Es ist allerdings auch nicht unrealistisch […], wenn man davon ausgeht, dass allfällige Reibungen in der Schweiz mit dem wirkungsvollsten Schmiermittel der Welt behoben werden: mit Geld. Bilton 1997:14

  28. Politik Kompromiss war und ist das Zauberwort, dessen Magie vor allem Politiker erliegen. Ihnen darf man nachsagen, dass sie bereits den Kompromiss suchen, bevor die Standpunkte, die zu einer Auseinandersetzung führen könnten, dargelegt sind. Ein chinesischer Philosoph pflanzt vielleicht am Tag vor dem angekündigten Weltuntergang noch einen Baum. Ein Schweizer Politiker würde an diesem letzten Tag eine Kommission ins Leben rufen. Eine derart wichtige Sache ohne Vernehmlassungsverfahren, Fristenerstreckung und Volksabstimmung? Überall, aber nicht in der Schweiz! Und überhaupt: Wenn die Welt untergeht, heisst das noch lange nicht, dass das die Schweiz einschliesst. Küng 2003:16

  29. Politik Im Vergleich zur organisierten Effizienz der Schweizer Verwaltungsbürokratie wirken die Behörden anderer Länder wie Heimwerkerveranstaltungen. Bevor man in der Schweiz auch nur eine Hand rühren kann, benötigt man als allererstes eine Genehmigung. Bilton 1997:78 Dieser bürokratische Würgegriff scheint höchst ineffizient zu sein. Nicht so in der Schweiz. Jedesmal, wenn eine Genehmigung erteilt, geändert, verlängert oder entzogen wird, ist eine Gebühr fällig. […] So ist es den Schweizern gelungen, eine äußerst träge, mit viel Personal aufgeblähte Behördenorganisation in ein sich selbst finanzierendes und höchst effizientes Dienstleistungsgewerbe zu verwandeln. Bilton 1997:79

  30. Politik Dennoch haben die Schweizer das Gefühl, ihr Land habe den Idealzustand erreicht. Jede Veränderung kann mithin nichts anderes als eine Verschlechterung bringen. Alles scheint in einem so subtilen Gleichgewicht organisiert, dass das Ländchen einem hingeworfenen Mikado gleicht. Wer auch nur ein Gesetzchen verändern möchte, muss auf das behutsamste vorgehen, damit sich ja nicht etwas anderes bewegt, etwas Grösseres in Bewegung kommen könnte. […] Das ist die Kehrseite der friedlichen Alpenrepublik: die von Kompromissen und föderalistischen Eigenständigkeiten gelähmte Schweiz. Küng 2003:17

  31. Gesellschaft/Kultur Da die Schweizer keinen Glauben an sich selbst haben, glauben sie stattdessen an viele andere Dinge. Ganz oben auf dieser Liste stehen Arbeit, Büroarbeit, Erziehung, Arbeit, Ausbildung, der Schweizer Franken, Arbeit und selbst der liebe Gott. Bilton 1997:27 Die Wochenarbeitszeit beträgt zweiundvierzig Stunden, und jeder Schweizer erzählt einem, dass er selbst bei weitem länger arbeitet. Warum haben die Schweizer sich nicht selbst längst per Gesetz eine kürzere Arbeitszeit beschert? Der Vorschlag wurde bereits gemacht, aber es wurde mehrheitlich dagegengestimmt. Bilton 1997:84-85

  32. Gesellschaft/Kultur Die Schweiz ist praktisch und zweckmässig – und ein wenig langweilig. […] Es ist schön, als Schweizer geboren zu werden; es ist schön, als Schweizer zu sterben. Doch was macht man in der Zwischenzeit? Meine Antwort lautet gut schweizerisch: Ich vertue diese Zeit mit Arbeiten. Friedrich Dürrenmatt, zit. n. Küng 2003:8

  33. Gesellschaft/Kultur Sparsamkeit ist ein Grundzug des schweizerischen Wesens: Zeit sparen, Energie sparen, aber am Wichtigsten: Geld sparen, das heißt, nicht nur Geld, sondern Schweizer Franken. […] Sparen vor dem Kaufen ist das Vernünftigste, vorausgesetzt man ist nicht schon vorher an Langeweile gestorben. Bilton 1997:29 Vielleicht ist es als Reaktion auf den pflichtbewußten Arbeitseifer ihrer Eltern zu deuten, dass die schweizerischen Jugendlichen zu den radikalsten in ganz Europa gehören. Sie können es sich gut leisten, radikal zu sein, da angenommen werden kann, dass die Höhe ihres Sackgeldes (Taschengeld) dem Bruttosozialprodukt kleinerer afrikanischer Staaten entspricht. Bilton 1997:27

  34. Gesellschaft/Kultur

  35. Gesellschaft/Kultur Wenn die Schweizer von anderen als behäbig und langweilig, gleichwohl rücksichtslos effizient und über die Maßen fleißig angesehen werden, so kommt diese Einschätzung der Wirklichkeit verdammt nahe. Wenn man mit der Schweiz Alpengipfel, Präzisionsuhren, Käse (mit und ohne Löcher), Schokoladenriegel und Goldschätze in Banktresoren verbindet, so stimmen diese Klischeevorstellungen mit der Wirklichkeit vollkommen überein. Bilton 1997:21

  36. Wirtschaft/Sozialsystem Eine Gesellschaft von Kleinbauern ist eine klassenlose Gesellschaft, und daher sind die Schweizer eine klassenlose Gesellschaft. Man unterscheidet einzig zwischen reich und sehr reich. Die Einstellung der Schweizer zum Geld lautet: Man spricht nicht darüber, man hat es.” Bilton 1997:29 Der Schweizer Lebensstandard ist einer der höchsten in der Welt, und die hohen Preise werden nur durch die noch höheren Einkommen wettgemacht. Der relative Reichtum der Schweizer kommt allerdings nicht protzig daher. […] Die Schweiz ist ein ausgezeichneter Beleg für die intuitiv plausible, aber nie schlüssig zu beweisende These, dass Geld und Ästhetik auf ebenso ungerechte wie innige Weise miteinander verbunden sind. Ärgern Sie sich nicht; geniessen Sie’s neidlos – ein paar Ferientage oder –wochen können Sie’s allemal mithalten. Küng 2003:9

  37. Wirtschaft/Sozialsystem Die Einkommensteuer wird am Wohnort erhoben. […] Im Durchschnitt bezahlen die Schweizer nur 16% Steuern und knirschen dabei immer noch mit den Zähnen. Bilton 1997:86-87 Kapitalertragssteuern gibt es in vielen Kantonen gar nicht, Erbschaftssteuern sind minimal, und Mehrwertsteuer […] liegt bei […] 6,5%. Es gibt eine Vermögenssteuer [von maximal] 1%. Bilton 1997:86 Durchschnittlich 13,31 Prozent des Einkommens muss ein Junggeselle abliefern […]. Im Kanton Jura sind’s 16,64 Prozent, im Kanton Zug lediglich 2,87 Prozent. Das ist wahr! Küng 2003:39 Das Neuenburger Stimmvolk will keine radikalen Lösungen: weder tiefere Steuern noch höhere Sozialausgaben. Die Stimmenden schickten sämtliche Vorlagen bachab - darunter eine Initiative für eine Steuersenkung und eine kantonale Mutterschaftsversicherung. Swissinfo, 28.3.2004

  38. Wirtschaft/Sozialsystem Die schweizerische Arbeitnehmerschaft ist bestens ausgebildet, bestens befähigt und bestens bezahlt. Der sogenannte Arbeitsfrieden aus den späten dreißiger Jahren, aufgrund dessen Streiks ausgeschlossen sind, sorgt seither dafür, dass es keine Produktionsausfälle in der Industrie gibt. Und in der Tat ist es so, dass die Schweizer Mühe hätten, sich etwas auszudenken, für das sich zu streiken lohnte. Bilton 1997:87 Staunen Sie […] über die völlige Absenz von Arbeitskonflikten: Denn 1937 hatten die rauhen Klassenkampfsitten ein Ende. Im Friedensabkommen verpflichteten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften, […] auf Kampfmassnahmen wie Streiks oder Aussperrung zu verzichten. […] Das hat sich ausgezahlt. Küng 2003:28

  39. Wirtschaft Man nehme: Pharmazeutika, Schokolade, Käse, Uhren, Präzisionsinstrumente, Maschinenbau. Man füge hinzu: Banken, Finanzdienstleistungen, Versicherungen und schließlich noch einen tüchtigen Schuß Tourismus – und heraus kommt eine Volkswirtschaft, die das höchste Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt der Welt erwirtschaftet. Bilton 1997:83

  40. Wirtschaft Mineralwasser ist das ideale Beispiel, um zu zeigen, wie die Schweiz funktioniert. Den meisten Nicht-Schweizern wird kaum ein Name einfallen, wenn sie aufgefordert würden, eine Schweizer Mineralwassermarke zu nennen. Perrier vielleicht? Fast getroffen. Die Mineralwasserquelle liegt in Frankreich, aber, was wichtiger ist, die Anteile an der Firma, die das Wasser abfüllt, befinden sich in Schweizer Besitz. Bilton 1997:59

  41. Wirtschaft Die Schweizer haben schon vor langer Zeit die Hoffnung aufgegeben, irgend etwas preiswert herstellen zu können, daher haben sie ihre Nische in den entgegengesetzten Marktsegmenten gefunden. Natürlich kann man teure Dinge nur verkaufen, wenn sie höchste Qualität aufweisen – und die Schweiz ist ein Synonym für Qualität. Qualitätsbewußtsein ist auch so ein Fimmel der Schweizer. Bilton 1997:45 Obwohl die Schweiz nie Kolonien besass – da bewahrte der fehlende Meereszugang die Alpenrepublik vor offensichtlichen Dummheiten und Verbrechen -, ist sie überall auf der Welt mit diversen Produkten präsent. Küng 2003:10

  42. Wirtschaft Jahrhundertelang haben sich die Schweizer damit begnügt, auf ihren Alpwiesen Kühe grasen zu lassen und in Alphörner zu blasen. Seit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts geht hier ein Wandel vonstatten, der in seinen Anfängen auf die Freizeitaktivitäten der britischen Oberschicht zurückzuführen ist. Bilton 1997:48

  43. Wirtschaft Die Schweizer Wirtschaft erfreut sich eines seit vierzig Jahren praktisch ungebrochenen Booms. Während dieser ganzen Zeit mussten die Schweizer keinen Gedanken auf Probleme wie Arbeitslosigkeit verschwenden […]. Mittlerweile hat sich die Schweiz dem Standard in der westlichen Welt angenähert. Bilton 1997:83

  44. Wirtschaft Die Schweizer haben das höchste Pro-Kopf-Einkommen auf der Welt, und es ist kein Trost, dass sie kein bisschen Freude daran haben. […] Was die Schweizer zu solchen Überfliegern macht, […] ist die tiefsitzende Furcht davor, eines Tages all das zu verlieren, wofür man sein Leben lang gearbeitet hat. Bilton 1997:10 Die Studien unterstreichen […], dass die starke Wettbewerbsposition der Schweizer Wirtschaft sowie das Wohlstandsniveau unseres Landes in Gefahr geraten […] Es bleibt der besorgniserregende Fakt, dass die Schweiz in einem ganzen Jahrzehnt als einziges OECD-Land im Durchschnitt ein Negativwachstum hinnehmen musste. […] Die wirtschaftlichen Leistungen in der Schweiz stagnieren. Eine Erhöhung des Sozialprodukts tritt kaum ein. Hotz-Hart et al. 2003:18-19

  45. Ökologie Nachdem die Schweizer den höchsten Lebensstandard der Welt erreicht hatten, widmeten sie all ihr Trachten und Sinnen den Umweltproblemen. […] Bilton 1997:41 Beton […] ist eines der beliebtesten Baumaterialien in der Schweiz. […] Beton ist so allgegenwärtig, dass man zu keinem anderen Schluss kommen kann: Die Schweizer halten ihn für schön. Bilton 1997:46

  46. Ökologie Schmerzlich ist, dass die Bergidylle oft einer zweiten Betrachtung nicht standhält. Die Berglandwirtschaft, die die gepflegte Schönheit der Alpenlandschaft erst schafft, bedeutet für die beteiligten trockenes Brot. Küng 2003:180 60% der Schweiz werden dem Alpenmassiv zugerechnet. Nicht mehr als 18 Prozent der Bevölkerung leben in diesem Gebiet. Die Alpen bildeten […] jahrtausendelang eine schier unüberwindliche Klima-, Vegetations- und Bevölkerungsgrenze […] und haben sich eher zufällig und ungefragt zu einem grossen Teil in der Schweiz aufgetürmt. Sicher ist: Wenn die Schweizer die Alpen selbst gebaut hätten, wären sie bescheidener geraten. Da sie nun mal da sind, muss man das Beste daraus und darauf machen. Die Lösung scheint das Skilaufen. Küng 2003:180

  47. Ökologie Nein zur zweiten Gotthard-RöhreWiderstand gegen einen zweiten Gotthard-Strassentunnel und Angst vor Milliardenausgaben: Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wollen vom "Avanti"-Gegenvorschlag nichts wissen.68,2% lehnen die Vorlage von Regierung und Parlament ab. Quelle: http://www.swisspolitics.org, 30.3.04

  48. Gesellschaft/Medien In der Schweiz wird im Durchschnitt weniger ferngesehen als in anderen Ländern. Daran zeigt sich aber weniger, wie intelligent die Schweizer sind, sondern vielmehr wie dürftig die Qualität der Sendungen ist. Jedes Land hat das Fernsehprogramm, das es verdient, und die Schweiz bildet hierbei keine Ausnahme. Bilton 1997:54 Küng 2003:187

  49. Gesellschaft/Bildungssystem In vieler Hinsicht ist die Schweiz ein sehr altmodisches Land. Manches, was man woanders längst ad acta gelegt hat, funktioniert hier ausgezeichnet, etwa das öffentliche Verkehrssystem und die staatliche Schul- und Hochschulausbildung. Bilton 1997:97 Nach der Schulzeit kommt die Ausbildung. Alle Schweizer haben eine Ausbildung, inklusive der Hausfrauen. Bilton 1997:97-98 [Dass] Do-it-yourself in der Schweiz nie so recht Fuß fassen konnte […], liegt einfach daran, dass die Schweizer es sich nicht vorstellen können, dass man kompliziertere Dinge wie das Auswechseln einer Glühbirne, ohne einschlägige Fachausbildung ordnungsgemäß zustande bekommt. Bilton 1997:97-98

  50. Gesellschaft/Bildungssystem Auf den Universitäten sieht es nicht anders aus. […] Der Zugang zu den heiligen Hallen der Schweizer akademischen Welt ist nur demjenigen eröffnet, der sich dafür nach Schweizer Art qualifiziert hat. Die Schweizer werden einem unmissverständlich klar machen, dass ihr eigener Standard bei weitem höher liegt als alles, was man sich sonstwo aneignen könnte. Bilton 1997:97 Auch im Bildungsbereich scheinen sich besorgniserregende Tendenzen abzuzeichnen: “Pisa-Studie: Wie weiter?” war eine Schlagzeile des Tagesanzeiger […]. Es wurde die Frage gestellt, warum Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit in der Schweiz schlechter lesen als ihre Altersgenossen in Finnland? Hotz-Hart et al. 2003:16

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