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Die Finanzkrise

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Die Finanzkrise. It is better to fail conventionally than to succeed unconventionally. John Maynard Keynes. Mainstream. Geld ist neutrales Tauschmittel im Wirtschaftskreislauf

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Presentation Transcript
die finanzkrise
Die Finanzkrise

It is better to fail conventionally than to succeed unconventionally

John Maynard Keynes

mainstream
Mainstream

Geld ist neutrales Tauschmittel im Wirtschaftskreislauf

Quantitätstheorie: Die Geldmenge ist exogen bestimmt. Eine steigende/sinkende Geldmenge hat keinen realen Effekt auf das Wirtschafts-geschehen

Tauschwertparadigma

Vollbeschäftigungsgleichgewicht bei flexiblen Löhnen

Die Zinsrate bestimmt das Investitionsverhalten

mainstream1
Mainstream

Die Märkte sind effizient

Alle Informationen sind in den Märkten enthalten

Die Märkte regulieren sich selbst und streben „von selbst“ auf ein Gleichgewicht zu

Das System ist endogen stabil

Krisen treten nur durch exogene Schocks auf

... oder durch staatliche Interventionen

.... oder durch Kartellbildungen (auch Gewerkschaften)

mainstream2
Mainstream

Sind Krisen erst einmal da, sollte nur auf die „Selbstheilungskräfte der Märkte“ gesetzt werden

Arbeitslosigkeit als Phänomen starrer Löhne

Lohnflexibilisierung als Lösung, d. h. Arbeitslosigkeit wird durch niedrigere Löhne beseitigt

Der Staat sollte sich aus dem Wirtschafts-geschehen soweit wie möglich heraushalten

die general theory 1936 von john maynard keynes
Die „General Theory“ (1936) von John Maynard Keynes

Bedürfnis nach einer neuen Theorie infolge der „Großen Depression“

Bruch mit der klassischen Ökonomie

„MoneyMatters“

Vollbeschäftigung als Ausnahme im Konjunkturzyklus

Erwartungen unter Unsicherheit bestimmen die Investitionen

Wall-Street-Paradigma vs Tauschwertparadigma

john maynard keynes
John Maynard Keynes

Niedrigere Löhne führen zu noch höherer Arbeitslosigkeit – Lohndeflation

Die Märkte verfügen nicht über vollständige Informationen

Unsicherheiten über die Zukunft bestimmen das Marktgeschehen

Investitionen schwanken um Erwartungen künftiger Erträge

Das System ist nicht stabil und zyklisch

Die Systemzustände variieren in der Zeit

john maynard keynes1
John Maynard Keynes

Private Investitionen sind volatil

Öffentliche Investitionen können die Volatilität begrenzen

Die Kapitalknappheit sollte reduziert werden

Bei einer schwachen privaten Nachfrage kann diese durch staatliche Nachfrage unterstützt und stimuliert werden

Transformation des Kapitalismus

standardtheorien von keynes
Standardtheorien von Keynes

Konsumfunktionsmodelle

IS/LM-Diagramm

Neoklassische Synthese

das multiplikatormodell
Das Multiplikatormodell

Y= C+I

C= a0 + a1Y a0 > 0, 0 < a1 < 1

I = I0

Y= a0 + I / 1 – a1, wobei 1/ 1- a1 = k = Multiplikator

so dass Y = ka0 + kI

akzelerator multiplikator
Akzelerator-Multiplikator

Die Konsumfunktion Ct=a0+a1Y kann mit einer Investitionsformel kombiniert werden, wobei gilt:

ß = Kapital je Outputeinheit

It = ß(Yt-1-Yt-2), wobei

(Y t-1 – Yt-2) = die letzte Änderung des Einkommens, deren Umfang zum Zeitpunkt (t) bekannt ist.

Aus Gründen der Symmetrie schreiben wir:

C t = ɑYt-2,

sodass der Konsum vom letzten Einkommen abhängt, das bekannt ist.

Kombiniert erhält man:

Yt = (ɑ+ ß) Yt-1 – ß Yt-2

der einfluss der faktoren
Der Einfluss der Faktoren

Ist ß > 1, wird die Zeitreihe explosiv

Ist ß < 1 wird die Steigerung abgedämpft

Ist (ɑ + ß)² - 4ß< 0 ist die Zeitreihe zyklisch

Wird die Ungleichung umgekehrt, ist sie monoton.

das is lm modell
Das IS/LM-Modell

Y = C (Y-T) + I(i) + G = IS

M/P = L(i,Y) = LM

die neoklassische synthese
Die neoklassische Synthese

Nd (W/P) = N = Ns (W/P) =

Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt

Y = f (N)

S (Y) = I (i) = IS

M/P = L (i,Y) = LM

Im Gegensatz zum IS/LM-Modell nach Hicks enthält diese Formulierung das Preisniveau P nicht mehr als exogene, sondern als endogene Größe.

Mittels IS und LM-Funktion können i und P bestimmt werden.

W = (W/P) * P = Gleichgewichtslohn

standardtheorien
Standardtheorien

Rückkehr zu Gleichgewichtsfunktionen

Ungleichgewichte (nur temporär) können durch Interventionen wieder in in neues Gleichgewicht gebracht werden

Das Zinsniveau bestimmt das Investitionsverhalten

Vollständige Information der Marktteilnehmer

Das Vollbeschäftigungsgleichgewicht ist durch Interventionen erreichbar

kritik von minsky 1975
Kritik von Minsky 1975

Die grundlegenden Gedanken von Keynes wurden entstellt

Nicht das Zinsniveau bestimmt das Investitionsverhalten, sondern Erwartungen unter Unsicherheit

Die Geldmenge wird endogen durch die Kreditvergabe der Banken bestimmt und beeinflusst Investitionsverhalten und –tempo

Vollbeschäftigung existiert nur temporär in einem zyklischen Umfeld

Wall-Street-Paradigma / Tauschwertparadigma

kritik von minsky 19751
Kritik von Minsky 1975

Die Theorie von Keynes ist prozessorientiert

Historische Zeit in einem dynamischen System wechselseitiger Beziehungen

Gleichgewichtszustände sind nur temporär in einem zyklischen Geschehen

Die Märkte sind nicht effizient

Die Eigenschaften des Systems verändern sich in einem dynamischen Prozess

Bestimmte Zustände haben in einer anderen Phase eine andere Wirkung

analyse von minsky 1986
Analyse von Minsky 1986

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis 1966 war eine Phase der Ruhe

Die erste Finanzkrise begann 1966 als die Banken begannen ihre Risiken zu erhöhen

Risikostufen der Finanzierung:

Hedge Finance

Speculative Finance

Ponzi-Finance

analyse von minsky 19861
Analyse von Minsky 1986

In Phasen des Aufschwungs nimmt die Risikobereitschaft zu

analyse von minsky 19862
Analyse von Minsky 1986

Wenn der Aufschwung nachlässt, verschieben sich die Verbindlichkeitsstrukturen

analyse von minsky 19863
Analyse von Minsky 1986

Der Abschwung setzt ein und verstärkt sich, wenn die Schulden nicht mehr bedient werden können

analyse von minsky 19864
Analyse von Minsky 1986

Das System ist endogen instabil =

Hypothese der finanziellen Instabilität

minsky 1986
Minsky 1986

Lösung: Big Government

Steuerpolitik

Arbeitsmarktpolitik (ELR)

Finanzreformen

Zentralbanken als „lender-of-last-resort“

der geldmanagerkapitalismus
Der Geldmanagerkapitalismus

Orientierung am Shareholder Value

Kurzfristige Renditeerwartungen

Der Arbeitsmarkt als „Spotmarkt“

Geldmanager, die fremde Gelder verwalten, üben Einfluss auf die Unternehmenspolitik aus

Unterordnung aller Unternehmensziele nach kurzfristigen Renditeerwartungen

M&A / Private Equity = „Effizienzsteigerung“ durch den Abbau von Arbeitsplätzen

Ungleiche Einkommensverteilungen

geldmanagerkapitalismus
Geldmanagerkapitalismus

Die Ausdehnung der Geldmengen und der Aufstieg des Finanzkapitals hat in seiner letzten Konsequenz die „Subprime Loan Crisis“ erst ermöglicht

Aufsichtsorgane der Banken haben in vielen Fällen nicht funktioniert

„Off-Balance“ – Geschäfte

„Too Big To Fail“ = Sozialisierung der Verluste

„Effizienz der Märkte“ als bloße Marketingstrategie für wenige Wohlhabende

alternative nach minsky
Alternative nach Minsky

Reformagenda

Strenge Regulierung der Finanzmärkte

Ausweitung der Kompetenzen der Fed auch auf Finanzinstitutionen, die nicht von der Fed kontrolliert werden

Den Zentralbanken sollten nicht nur die Rolle der Geldmengensteuerung übernehmen, sondern auch ihre Funktion als lender-of-last -resort ausüben

alternative nach minsky1
Alternative nach Minsky

Vollbeschäftigung durch Stabilisierung der Arbeitsmärkte durch ein ELR-Programm

Regionalisierung des Bankensystems

Schaffung einer gerechteren Einkommensver-teilung durch ein gerechteres Steuersystem

Anhebung der unteren Lohngruppen

Verminderung der Zyklizität durch automatische Stabilisatoren

modern money economics
Modern Money Economics

Das heutige Geldsystem ist auf Grund des Verständnisses von Geldwertstabilität noch immer vom Goldstandard abgeleitet

Standards wie Verschuldung zum BIP liefern in Wirklichkeit keine Informationen

Austeritätspolitik der Notenbanken ist kontraktiv und kontraproduktiv

Die Notenbanken sollten sich als „Scorekeeper“ der Geldmenge verstehen

konsequenzen der mme
Konsequenzen der MME

In Abschwungphasen sollte die Geldmenge erhöht werden. Eine höhere Verschuldung bedeutet de facto nur eine höhere Geldmenge, wenn sich der Staat in eigener Währung verschulden kann

In Abschwungphasen sollten die unmittelbar nachfragewirksamen Steuern verringert werden

In Aufschwungphasen wird der Prozess wieder umgekehrt

ELR als Stabilisator auf dem Arbeitsmarkt

john maynard keynes2
John Maynard Keynes

But apart from this contemporary mood, the ideas of economists and political philosophers, both when they are right or when they are wrong, are more powerful than they are commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influences, are usually the slaves of some defunct economists...

But, soon or late, it is ideas, not vested interests, which are dangerous for good or evil.

slide40

Gliederung

  • Wer war Karl Marx ?
  • Um welche Krisen handelt es sich ?
  • Kritik bürgerlicher Krisentheorien
  • Marx Erklärung der zyklischen Wirtschaftskrisen
  • Marx Erklärung der Finanzkrisen
  •   Was tun ?
karl marx lebte von 1818 bis 1883
Karl Marx lebte von 1818 bis 1883

Marx ist schon lange tot, aber seine Gedanken und Theorien sind aktueller denn je.

60 Jahre

21Jahre

das leben von karl marx
Das Leben von Karl Marx

Geboren am 5. Mai 1818 in Trier und Gymnasialbesuch in Trier.

Studium: Philosophie, Jura, Geschichte in Bonn und Berlin (1835 – 1841)

1841: Promotion in Philosophie, Ablehnung als Professor aus politischen Gründen

1841: Marx wird Journalist bei der Kölner Rheinischen Zeitung

1842/43: Marx wird aus politischen Gründen entlassen

1842: Beginn der engen Freundschaft und Zusammenarbeit mit Friedrich Engels

1843: Marx heiratet Jenny von Westphalen und flieht nach Paris

1845: Ausweisung aus Paris, Umsiedlung nach Brüssel

1847: Mitglied des Bundes der Kommunisten.Er verfasst mit Engels das Manifest der kommunistischen Partei

das leben von karl marx1
Das Leben von Karl Marx

1848: Ausweisung aus Brüssel, Rückkehr nach Köln, wieder Journalist

1849: Emigration nach London, Beginn des Londoner Exils

1864: Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation (Erste Internationale)

Herausgabe seines Hauptwerkes: Das Kapital I-III (1867-1883)

1883: Im Januar stirbt Tochter Jenny, im März Marx

Was war seine Hauptforschungstätigkeit ?

Er untersuchte die Bewegungsdynamik der kapitalistischen Gesellschaft und ihre Gesetzmäßigkeiten.

welche krisen untersuchte marx
Welche Krisen untersuchte Marx ?

1. die zyklische Wirtschaftskrise

2. die Finanzkrise

3. die Staatsschuldenkrise

3. die Arbeitskrise

4. die Profitratenkrise

5. die Verelendungskrise, die Umweltkrise

An dieser Stelle sollen nur die zyklische Wirtschaftskrise und die Finanzkrise analysiert werden.

j ngste finanzkrisen
Jüngste Finanzkrisen

Währungskrisen

Asien 1996/98

Mexico 1994/95

Brasilien 1998

Russland 1998

Immobilien-Kredit-Krise

USA 2007/08

slide49

Wie erklären die Neoklassiker und die Keynesianer die Wirtschafts- und Finanzkrisen ?

Neoklassik

Keynesianismus

u.a. Say, Walras, Marshall

Keynes

Krisen sind endogen nicht möglich

Krisen sind endoges

vorhanden

neoklassische erkl rungen
Neoklassische Erklärungen

Aus neoklassischer Sicht erzeugt die kapitalistische Marktwirtschaft keine periodisch wiederkehrenden Wirtschaftskrisen und keine Finanzkrisen. Sie behaupten: Die kapitalistische Marktwirtschaft ist stabil.

Störungen wirken von außen auf das System. Hierzu gehören vorrangig

a. Störungen (Schocks) durch die Gewerkschaften

b. Störungen (Schocks) durch den Staat und/oder

c. Störungen (Schocks) durch das Ausland.

Die Neoklassiker verweisen zur Begründung ihrer Unmöglichkeitsbehauptung u.a. auf Say.

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Nach Jean-Baptiste Say und seinen neoklassischen Nachfolgernerzeugt der Kapitalismus keine zyklischen Wirtschaftskrisen.

Nach ihm schafft sich in der kapitalistischen Marktwirtschaft jedes Angebot seine eigene Nachfrage.

= Saysches Theorem

Konsequenz: Krisen sind nicht durch eine systemendogen entstandene Überproduktion oder durch einen systemendogen entstandenen Nachfragemangel erklärbar, sondern nur durch systemexogene Kräfte.

Er lebte von 1767-1832.

slide52

Gestützt wird diese These durch die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith (britischer Ökonom 1723 – 1776)

die „unsichtbare Hand“ des Marktes führt das Gewinnstreben des Kapitalbesitzers zum Allgemeinwohl der volkswirtschaftlichen Effizienz.

Smith: Der Wohlstand der Nationen, S.371

wie erkl rte keynes die wirtschafts und finanzkrisen
Wie erklärte Keynes die Wirtschafts-und Finanzkrisen ?

Wie entstehen im Kapitalismus

Wirtschafts- und Finanzkrisen ?

John Maynard Keynes

britischer Ökonom

(1883 – 1946)

keynes grundgedanken
Keynes Grundgedanken

Nach Keynes ist der Kapitalismus krisenanfällig.

Konjunkturzyklen entstehen bei gegebener Produktions-technik durch Investitions- und diese über die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals durch psychologische Erwartungsschwankungen (Keynes, Allgemeine Theorie,S.122)

Die Krise bricht aus, wenn sich Enttäuschungen ausbreiten.

Damit werden Wirtschaftskrisen wie bei den Neoklassikern durch äußere Faktoren erklärt.

kommen wir zur marxschen krisenerkl rung
Kommen wir zur Marxschen Krisenerklärung

Bevor ich einsteige, möchte ich als Hintergrundwissen kurz die Marxsche Bestimmung des heutigen Wirtschaftssystems, die kapitalistische Marktwirtschaft, aufzeigen, weil sich daraus die Marxschen Ursachenfaktoren für die Wirtschafts- und Finanzkrisen ergeben.

merkmale der kapitalistischen marktwirtschaft
Merkmale der kapitalistischen Marktwirtschaft

Nur wenige besitzen die Produktionsmittel(Minderheitsbesitz an Produktionsmittel).

Die Produkte und Arbeitskräfte werden als Waren getauscht(Marktwirtschaft).

Die Mehrheit der Erwerbstätigen verfügt über keine Produktionsmittel und verkauft ihre Arbeitskraft gegen Lohn, um Leben zu können (Lohnarbeit).

Das Wirtschaftsziel ist die Kapitalverwertung . (vgl.MEW 25, S.261)

merkmale der marktwirtschaft nach marx
Merkmale der Marktwirtschaft nach Marx

Die Informationen sind unvollständig und ungleich verteilt (vgl. MEW 25, S.203f, MEW 25,S.836).

Unsicherheiten, Risiken, Ineffizienzen, Volatilitäten und Spekulationen prägen das Marktgeschehen.

Es besteht eine Geldwirtschaft. Das Geld ist nicht neutral. Es beeinflusst die Realwirtschaft.

Die Geldbesitzer können Geld horten/ speku-lieren und damit Absatz- und Finanzkrisen auslösen.

Es ist die „Sphäre der Konkurrenz“ (MEW 25,S.836).

Es erscheint alles verkehrt (MEW 25,S.835).

bedeutung der marktkonkurrenz
Bedeutung der Marktkonkurrenz

Die „Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als äußere Zwangsgesetze auf.." (MEW Bd. 23, S. 618)

Diese Gesetze des Kapitals gelten für die Industriekapitalisten und ebenfalls für die Finanzkapitalisten.

das wichtigste kapitalgesetz ist m glichst gro e kapitalverwertung
Das wichtigste Kapitalgesetz ist: möglichst große Kapitalverwertung

Aus dem Konkurrenzdruck resultiert nach Marx

der bestimmende Zweck des kapitalistischen Produktionsprozesses:

„ [die] „möglichst große Selbstverwertung des Kapitals“ (MEW 23,S. 350 ) über

„die Produktion von Mehrwert“ (MEW 23,S.243).

„Mit Profit wird das Kapital kühn, bei 20% wird es lebhaft, bei 50% waghalsig und bei 300% existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert“ (MEW 23,S.788).

was sind weitere gesetze des kapitals
Was sind weitere Gesetze des Kapitals ?

Die Konkurrenz zwingt den Kapitalisten, „sein Kapital fortwährend auszudehnen, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur vermittelst progressiver Akkumulation“ (MEW 23,S.618).

Das kapitalistische System revolutioniert ständig den Produktionsprozess (MEW 23,S.511) und zwingt „zur Produktion um der Produktion willen“ (MEW 23,S.618).

Produktions- und Finanzunternehmen, die keinen Profit machen und nicht expandieren, verlieren ihren Marktanteil und ihre Existenzfähigkeit.

woher kommt der profit
Woher kommt der Profit ?

Arbeiter/innen verkaufen ihre Arbeitskraft an Unternehmen

Kapitalisten eignen sich die unbezahlte Arbeit (die Mehrarbeit) an

Der Arbeitstag teilt sich in

bezahlteArbeit

unbezahlte Arbeit

ist der

ist die

Mehrarbeit wird mit

Produktverkauf zum

Mehrwert und zum Profit

Mehr-arbeit

Lohnarbeiter erhalten Lohn,Der Lohn dient

Lohn

Akkumulation des Kapitals

Der Mehrwert, der Profit, wird wieder angelegt

zur Existenzsicherung,zur Abdeckung der Reproduktions-kosten

Neuer Profit

profitverteilung
Profitverteilung

Der Profit, der in der Produktion erzeugt wird, verteilt sich gesamtwirtschaftlich auf die folgenden Bereiche verteilt:

1. auf den Unternehmensgewinn

2. auf den Zinsertrag , die Grundrente und

3. auf den Spekulationsgewinn

Wenn gesamtwirtschaftlich der Profit nicht steigt, kann auch der Finanzgewinn nicht dauerhaft zunehmen.

Der Warentausch und die Finanzgeschäfte schaffen keinen Gewinn.

slide64

Marx Krisentheorie

Für Marx sind die Krisen „momentane gewaltsame Lösungen der vorhandenen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wiederherstellen“

(MEW 25, S. 259)

Anders formuliert: Die Krise ist „die reale Zusammenfassung und gewaltsame Ausgleichung aller Widersprüche der bürgerlichen Ökonomie.“ (MEW 26.2., S. 510)

marx krisenuntersuchungen
Marx Krisenuntersuchungen

Zu Marx Zeiten traten in England 7 Wirtschaftskrisen auf:

1. die 25er Krise

2. die 36er Krise

3. die 47er Krise

4. die 57er Krise

5. die 66er Krise

6. die 73er Krise

7. die 82er Krise

Marx analysierte diese Krisen und ermittelte die Gesetze: Sie resultieren aus der industriell kapitalistischen Produktionsweise und kommen im Kapitalismus alle 7 – 11 Jahre wieder.

Aus heutige Sicht beachtenswert ist: Marx Aussagen zur der Krisenperiodizität und zu den Krisenlängen haben bis heute Gültigkeit. Die Konjunktur-zyklen dauern nach wie vor 7 – 11 Jahre und sind immer wieder aufgetreten (siehe folgende Folie).

slide66

Konjunkturzyklen in Deutschland

1843 - 2009

Quelle: - Spiethoff, Arthur: Die wirtschaftlichen Wechsellagen (Mohr/Siebeck u.

Polygraphischer Verlag) 1955, S. 145 – 147 - Henning, F.W.: Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1972, UTB Schöningh 1974, S.104

- Statistisches Bundesamt, eigene Darstellung

slide67

Marx zur Periodizität der Krisen

Die Krise ist nach Marx eine periodische Dauererscheinung der industriell kapitalistischen Produktion.

Marx: „Es verhält sich mit diesem industriellen Zyklus so, dass derselbe Kreislauf, nachdem der erste Anstoß einmal gegeben, sich periodisch reproduzieren muß.“

(MEW 23, S. 506)

Entscheidend ist, dass nach Marx der Krisenzyklus nicht mit der allgemeinen kapitalistischen Produktionsweise, sondern erst mit der Industria-lisierung Anfang des 19. Jahrhunderts begann. (MEW 23 ,S.20 ; MEW 4,S.97 )

slide68

Marx unterteilt den Konjunkturzyklus in vier Phasen

langfristiger

Trend

Inlandsprodukt

o.W.

Krise

Konjunkturwelle

Überproduktion

Stagnation

UntererWendepunkt

Prosperität

Zeit

Aufschwungsphase

Sie besteht aus einer ersten

Aufschwungsphase

und einer zweiten Aufschwungsphase

Abschwungsphase

Diese Phase besteht aus der ersten

Abschwungphase

und der zweiten Abschwungphase

slide69

Marx zur Ursache der zyklischen Wirtschaftskrise

Nach Marx bleiben die Neoklassiker und die Keynesianer bei der Krisenerklärung dem Markt

verhaftet.

Bei der Untersuchung der Krisenursachen ist es nach Marx nicht ausreichend, sich um das Marktgeschehen zu kümmern. (vgl. MEW 26.2, S. 515; MEW 25,S.199)

Marx: Die bürgerlichen Ökonomen „lieben es, diese selbstverständliche Form (den Zahlungsausfall, A.M.) als Ursache der Krisen vorzuschützen“.(MEW 26.2, S.515)

So erklären sie häufig die regelmäßigen industriellen Zyklen durch die Spekulation, und machen damit das Fieber „zum wahren Grund aller Krankheiten“. ( MEW 12, S. 336)

slide70

Marx trennt in seiner Krisenerklärung zwischen der Möglichkeit und der Wirklichkeit der zyklischen Krise

Aus dem Marktgeschehen ergeben sich nach Marx die Möglichkeiten der Krise:

Sie bestehen a. im Überangebot an Waren und b. in der Zahlungsunfähigkeit. (vgl. MEW 26.2, S. 511 ff)

Aus den Krisenmöglichkeiten, dem Marktprozess, entsteht bei Marx nicht die Wirklichkeit, die Ursache der Krise.

(vgl. MEW 26.2, S. 515)

Die Krise bricht aus, wenn die Akkumulation zurückgeht. Dann fehlt die effektive Nachfrage und es entstehen mit den Nachfrageausfällen eine allgemeine Überproduktion und Zahlungsausfälle. Die Frage ist, warum geht die Akkumulation zurück ?

slide71

Eine Ableitung der zyklischen Wirtschaftskrisen aus der Geldzirkulation lehnt Marx ab. Zyklische „Krisen können“ so Marx, „nicht stattfinden ohne Geldzirkulation“ (MEW 13,S.77), sie ist aber nicht deren Ursache (vgl. MEW 26.2, S. 516).

Damit scheiden der Markt- und der Finanzbereich bei Marx als Ursache der zyklischen Wirtschaftskrisen aus.Woher kommen dann die Konjunkturkrisen ?

Die zyklische Krise entsteht nach Marx aus dem Produktionsbereich, weil hier der Profit erzeugt wird.

Es wird im Vergleich zum Kapitaleinsatz nicht genug Mehrwert (Profit) produziert.

(vgl. MEW 26.2, S. 516)

Mit der Profitrate sinkt die Akkumulation und die Wirtschaftskrise bricht aus.

slide72

Marx zur Ursache der zyklischen Krisen

Akkumulations- rückgang

Auslöser der Wirtschaftskrise: Fall der Profitrate

KRISENVERLAUF

Überproduktion,Gewinneinbruch

Kapital- übersteigt Profitzuwachs

Profitrate fällt weiter

Geldhortung

Hohe Akkumulation

Innovationsschub

Profitrate steigt weiter

Kapitalentwertung

Profitbelebung

Wirtschaftsauf-schwung

Profitrate p´= m/K steigt

kommen wir zu den finanzkrisen
Kommen wir zu den Finanzkrisen

Bei Finanzkrisen bricht das Finanzsystem zusammen, ausgelöst durch Einbrüche der Waren- und Finanzpreise und durch folgende Zahlungsunfähigkeiten der Unternehmen.

Marx unterscheidet zwischen zyklischen und selbständigen Finanzkrisen (vgl. MEW 23,S.152).

Zyklische Finanzkrisen sind eine „besondere Phase jeder allgemeinen Produktions- und Handelskrise“ (MEW 23, S.152).

die zyklischen finanzkrisen
Die zyklischen Finanzkrisen

Für Marx bestand bei der zyklischen Finanzkrise folgender Kausalablauf, der auch noch heute gilt:

Konjunkturaufschwung ->

Börsenkurse steigen ->

Spekulationsgelüste nehmen zu ->

steigende Kreditaufnahme der Spekulanten

Börsenkurse brechen ein ->

große Spekulationsverluste, Zahlungsausfälle, Bankenpleiten ->

Panik bricht aus ->

Ergebnis: Finanzkrise (vgl. MEW 25, S.421 – 425)

Ausbruch der Wirtschaftskrise

slide75

Marx (MEW 26.2/515): Tritt eine Krise ein, „weil Kauf und Verkauf auseinanderfallen, so entwickelt sie sich als Geldkrise“:

Erlöse, Gewinne und Kurse brechen ein,

Zahlungsmittel fehlen,

Unternehmen können Kredite nicht zurückzahlen,

Unternehmen erhalten keine Kredite mehr,

Banken gehen Pleite.

Es besteht allgemeine Zahlungsunfähigkeit.

die selbst ndigen finanzkrisen
Die selbständigen Finanzkrisen

Wo treten nach Marx die selbständigen Finanzkrisen auf ?

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Selbständige Finanzkrisen finden nach Marx statt:

Finanzkrisen

Kreditsektor

Wertpapiersektor

Währungssektor

vgl. Karl Marx, Grundrisse, S.191

ursachen der finanzkrisen

Ursachen der Finanzkrisen

Auslösende Faktoren der Finanzkrisen sind nach Marx:

die schwankenden Gewinne und Marktpreise,der Verwertungszwang (die Profitorientierung), der Privatbesitz an Finanzvermögen, die Macht der Finanzkonzerne, das hohe und steigende Finanzvermögen, und die hohe Rendite der Finanz- im Vergleich zu den Sachanlagen.

(vgl. MEW 25, S.421, 495, 485ff, 495,498 ; MEW 12, S.26 -36, 53-82, 202-209,234-237,289-292,314-326,335-352,359-368,388-398, 539-549,570-573)

wie erkl rt marx die finanzkrisen
Wie erklärt Marx die Finanzkrisen ?

Der gesamtwirtschaftliche Profit und damit die gesamtwirtschaftliche Rendite kommt nach Marx nur aus dem Produktionsbereich.,

Bei niedriger Rendite im Sachbereich ist den Geldbesitzern die Sachrendite zu gering. Sie spekulieren mit ihrem Geld im Finanzbereich.

Die Finanzunternehmen, bei denen das Geld angelegt wird, müssen durch den Konkurrenzdruck die höheren spekulativen Finanzrenditen nutzen und erzeugen so eine Spekulationswelle nach der anderen.

Solange die Profitrate im Produktionsbereich (die Sachrendite) niedrig bleibt, muss die hohe Finanzrendite irgendwann zusammenbrechen. Um ihre Geld zu realisieren, verkaufen viele ihre Spekulationspapiere, die Kurse brechen zusammen und die Finanzkrise bricht aus.

welche rolle spielt bei marx die spekulation
Welche Rolle spielt bei Marx die Spekulation ?

Es ist nach Marx das „Gesetz der Spekulation“, das Wertrevolutionen Spekulationen auslösen (MEW 23/224).

Spekulationen dienen dem Ziel, erwartete Preis-, Kurs-, Renditeschwankungen gewinnorientiert zu nutzen (vgl.MEW 25,S.319,MEW 25, S.421).

Jede Spekulationsblase endet mit einem Unwetter (vgl.MEW 23,S.285).

Der Fortschritt der kapitalistischen Produktion beschleunigt die Spekulation (vgl. MEW 23,S.620, MEW 25,S.452).

Faktoren sind die Ausdehnung des Kredit-, des Börsenwesens, der Staatschuld, die Entwicklung neuer Finanzinnovationen

Zusammenfassend ist bei Marx die Spekulation kein Auslöser, sondern ein Verstärker von Finanzkrisen.

woher kommt die spekulationsgier
Woher kommt die Spekulationsgier ?

Der Konkurrenzdruck zwingt die Finanzunternehmen bei Strafe des Untergangs zur Finanzspekulation.

Sobald aufgrund von Preisschwankungen die Gewinnaussichten im Finanz- höher als im Produktionsbereich sind, legen sie ihr Geld in Finanzpapiere an.

Die gesamte Geschäftswelt wird dann nach Marx vom Schwindel ergriffen ( vgl. MEW 23,S.421).

daraus folgt
Daraus folgt:

Nicht die Profitgier der Spekulanten, das Marktversagen, das Fehlverhalten des Staates (wie niedrige Zinssätze, mangelnde Bankenaufsicht, Deregulierung) oder die Instabilität der Portfolios lösen nach Marx die Finanzkrisen aus, sondern:

die Systemeigenschaften der kapitalistischen Markwirtschaft :

die Volatilitäten der Gewinne und Märkte,

die Konkurrenz,

der Verwertungszwang und

privat einsetzbares Finanzvermögen.

daraus folgt nach marx weiter
Daraus folgt nach Marx weiter :

Diese Systemmerkmale werden, solange sie existieren, immer wieder Finanzkrisen hervorbringen.

Dagegen können Finanzkrisen vermieden werden:

durch konstante Preis-, Kurs-, Gewinnverläufe;

durch fehlendes privat einsetzbares Finanzvermögen und

durch einen fehlendem Konkurrenzdruck und Verwertungszwang des Geldes.

Da der Staat die Volatilitäten der Gewinne und Marktpreise, die privaten Eigentumsverhältnisse, den Verwertungszwang und die Macht der Finanzkonzerne nicht beheben kann, kann er auch nicht im Kapitalismus über die Finanzmarktregulierung die Finanzkrisen beseitigen.

Dies heißt: Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt.

marx krisenerkenntnisse
Marx Krisenerkenntnisse

Die kapitalistische Produktionsweise erzeugt aus sich heraus Wirtschafts- und Finanzkrisen.

Weder die Marktkräfte noch die Staatseingriffe können diese beseitigen.

Die zyklischen Wirtschafts-Krisen und die Finanzkrisen folgen aus der endogenen

Dynamik der kapitalis-tischen Funktionsweise.

karl marx
Karl Marx

Die Wirtschafts- und Finanzkrisen lassen sich nur durch eine Überwindung der kapitalistischen Marktwirtschaft beseitigen.

karl marx1
Karl Marx

Der wichtigste Schritt einer krisenfreien Wirtschaft ist nicht wie bei Keynes die Staatsregulierung, sondern die umfassende Demokratisierung der Wirtschaft .

wie k nnte nach marx die umgestaltung des finanzbereichs aussehen
Wie könnte nach Marx die Umgestaltung des Finanzbereichs aussehen ?
  • SchrittAufbau eines demokratischen und gemeinwohlorientierten Bankensystems
  • SchrittReduzierung der Bankenaufgaben auf die Kernfunktionen (Abwicklung des Zahlungsverkehrs, Einlagen-, Kreditgeschäft)
  • 3. SchrittKreditvergabe nach ökonomischen, sozialen und ökologischen Kriterien
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4. SchrittEinführung fester Wechselkurse

5. Schritt Abschaffung der spekulativen Instrumente (wie Fonds, Börsen, Derivate, Kredithandel, Kreditverbriefung, Ratingagenturen)

6. SchrittEinheitliche tarifbezogene Arbeitsvergütung für alle Beschäftigten

7. Schritt

Verknüpfung der Bankendemokratisierung mit einer allgemeinen Demokratisierung der Wirtschaft

Ziel der allgemeinen Finanzumgestaltung:Aufbau einer krisenfreien, solidarischen Wirtschaft, die den individuellen, sozialen und ökologischen Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger dient.

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