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Prof. Dr. Jürgen Deiters (Osnabrück)

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Informationsveranstaltung der Initiative Pro Lilienthal e.V. am 8. Juni 2006, 20 Uhr „Eine Straßenbahn für Lilienthal!“ Überwiegt der Nutzen die Kosten des Projekts? Kritische Anmerkungen zur standardisierten Bewertung der Neubaumaßnahme. Prof. Dr. Jürgen Deiters (Osnabrück).

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prof dr j rgen deiters osnabr ck

Informationsveranstaltung der Initiative Pro Lilienthal e.V.am 8. Juni 2006, 20 Uhr„Eine Straßenbahn für Lilienthal!“Überwiegt der Nutzen die Kosten des Projekts?Kritische Anmerkungen zur standardisierten Bewertung der Neubaumaßnahme

Prof. Dr. Jürgen Deiters (Osnabrück)

slide2
Untersuchung der Bereiche

Bau, Verkehr und Betrieb,

um Kosten und Nutzen des

Einsatzes öffentlicher Mittel

bestimmen zu können

Peter Gehrmann: Reaktivierung von Schienen-

strecken im SPNV. In: Internationales Verkehrs-

wesen 1+2/2004, S. 17-19, Abb. 1

slide3
Standardisierte Bewertung von Verkehrswege-investitionen des ÖPNV und Folgekostenrechnung(Version 2000)
  • Verfahren zur Vereinheitlichung der Entscheidungsgrundlagen für den Einsatz öffentlicher Investitionsmittel nach dem Gemeinde-verkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG)
  • Beurteilung der Förderungswürdigkeit von örtlich, technisch und verkehrswirtschaftlich unterschiedlichen Vorhaben setzt einheitliche Bewertungsmaßstäbe voraus
  • Die gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit eines Investitions-vorhabens soll anhand des Nutzen-Kosten-Vergleichs nachgewiesen werden (Nutzen-Kosten-Quotient > 1)
  • Die finanziellen Auswirkungen für den Aufgabenträger bzw. Antrag-steller sollen in Form einer Folgekostenrechnung aufgezeigt werden
verfahrensschritte der standardisierten bewertung
Verfahrensschritte der standardisierten Bewertung

1. Abstimmung mit dem Auftraggeber über Abgrenzung des Vorhabens und des Untersuchungsgebiets, Auswahl der Varianten, Prognosehorizont

2. Beschreibung des Investitionsvorhabens

3. Ermittlung der Grundlagendaten: Verkehrsangebot und -nachfrage MIV, ÖV

4. Abstimmung mit Auftraggeber über ÖV-Angebotskonzepte und Verkehrs- nachfragedaten mit und ohne Neubauprojekt (Mit-/Ohnefall)

5. Ermittlung der Teilindikatoren in originären Messgrößen

6. Ermittlung der gesamtwirtschaftlichen Beurteilungskriterien

7. Folgekostenrechnung

8. Durchführung von Sensitivitätsanalysen

9. Erläuterungsbericht und Zusammenfassung der Ergebnisse

verkehrsnachfrage 1999 2000 ist zustand
Verkehrsnachfrage 1999/2000 (Ist-Zustand)

Quelle: Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubaustrecke Bremen-Borgfeld –

Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 1

v angebot 2015
ohne Straßenbahn Lilienthal

(Ohnefall)

Straßenbahnlinie 4 endet in Borgfeld

Buslinie 30 bis Endstelle der Straßenbahn in Borgfeld

Schnellbuslinie 30S wird eingestellt

Regionalbuslinien 630 und 670 weiterhin bis Bremen Hbf und Verknüpfung mit Straßenbahn-linie 4 in Borgfeld (Endstelle)

mit Straßenbahn Lilienthal

(Mitfall)

Verlängerung der Straßen-bahnlinie 4 von Borgfeld bis Lilienthal-Falkenberg; in HVZ Bedienung im 10-Minuten-Takt

Buslinie 30 wird eingestellt

Regionalbuslinien 630 und 670 enden an neuer Endstelle der Straßenbahnlinie 4 in Lilienthal- Falkenberg; Bedienung jeweils im Stundentakt wird beibehalten

ÖV-Angebot 2015
verkehrsnachfrage 2015 im ohnefall im mitfall
Verkehrsnachfrage 2015im Ohnefall im Mitfall

Der erwartete Anstieg der werktäglichen ÖPNV-Fahrten von 3.707 auf 6.808entspricht einem Zuwachs

von 84 % (!). Davon sollen allein 80 % auf die Verlagerung vom Pkw auf die Straßenbahn entfallen. Der

Rest ist Neuverkehr.

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Ergebnis dergesamtwirtschaftlichen Bewertung:Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsQuelle:Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubau-strecke Bremen-Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 36

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Ergebnis dergesamtwirtschaftlichen Bewertung:Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsQuelle:Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubau-strecke Bremen-Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 36

kein reisezeitgewinn durch verl ngerung der stra enbahnlinie 4 bis lilienthal falkenberg
Kein Reisezeitgewinn durch Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 bis Lilienthal-Falkenberg
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Ergebnis dergesamtwirtschaftlichen Bewertung:Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsQuelle:Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubau-strecke Bremen-Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 36

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Saldo der MIV-Betriebskostenvermiedene Pkw-Fahrleistungen (inner-/außerorts 70:30) durch Verlagerung von ca. 2.450 Personenfahrten pro Jahr auf die Straßenbahn als „gesamtwirtschaftlicher Nutzen“

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Saldo der MIV-Betriebskosten (Alternative 1)unter der Annahme, dass die Fahrgastzahlen in Lilienthal pro Werktag bis 2015 nicht um 84%, sondern „nur“ um 60% zunehmen

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Saldo der MIV-Betriebskosten (Alternative 2)mit der Maßgabe, dass die vermiedene Pkw-Fahrleistung durch Umstieg auf die Straßenbahn mit der steuerlichen Entfernungspauschale (0,30 € je Entf.-km) bewertet wird

ermittlung des nutzen kosten indikators bei ver nderten miv betriebskosten alternativen 1 und 2
Ermittlung des Nutzen-Kosten-Indikatorsbei veränderten MIV-Betriebskosten (Alternativen 1 und 2)
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Ergebnis dergesamtwirtschaftlichen Bewertung:Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsQuelle:Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubau-strecke Bremen-Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 36

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Ergebnis dergesamtwirtschaftlichen Bewertung:Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsQuelle:Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubau-strecke Bremen-Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 36

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Unfallkosten auf der Basis aktualisierter Unfallraten* ermittelt nach:Verkehr in Zahlen 2005/2006, Hamburg 2005, S. 169 ff.
ermittlung des nutzen kosten indikators r ckgang der unfallzahlen vermindert unfallfolgekosten
Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsRückgang der Unfallzahlen vermindert Unfallfolgekosten
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Ergebnis dergesamtwirtschaftlichen Bewertung:Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsQuelle:Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubau-strecke Bremen-Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 36

kosten f r fahrpersonal im mit und ohnefall
Kosten für Fahrpersonal im Mit- und Ohnefall

Straßenbahn Lilienthal(Mitfall)

  • Umlaufzeit Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg 20 Minuten
  • 34.609 Umläufe pro Jahr
  • Kostensatz für Fahrpersonal 32,- Euro
  • Personalkosten pro Jahr (in 1000 €) 369,12

Buslinie 30 zur Straßenbahn 4 Borgfeld(Ohnefall)

  • Umlaufzeit 40 Minuten
  • 30.203 Umläufe pro Jahr
  • Kostensatz für Fahrpersonal 32,- Euro
  • Personalkosten pro Jahr (in 1000 €) 644,33

Saldo Mitfall minus Ohnefall (in 1000 €) - 275,21

Buslinien 630 und 670 (Saldo Mit-/Ohnefall)

  • Umlaufzeit von 180 auf 120 bzw. 120 auf 60 Min. verkürzt
  • 8.489 Umläufe pro Jahr, Fahrpersonal 32,- €/Std.

Saldo Personalkosten pro Jahr (in 1000 €) - 271,65

Saldo Fahrpersonalkosten (in 1000 €) - 546,86

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Ermittlung des Nutzen-Kosten-Indikatorsrealistische Einschätzung der Einsparpotenziale Fahrerkosten
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Ergebnis dergesamtwirtschaftlichen Bewertung:Ermittlung des Nutzen-Kosten-IndikatorsQuelle:Intraplan Consult GmbH: Standardisierte Bewertung der Straßenbahnneubau-strecke Bremen-Borgfeld – Lilienthal-Falkenberg. Zusammenfassung der Ergebnisse. München, Nov. 2002, S. 36

investitionskosten bzw kapitaldienst v fahrweg kosten der nutzen kosten bewertung
Investitionskosten bzw. Kapitaldienst ÖV-Fahrweg= Kosten der Nutzen-Kosten-Bewertung
  • Die Investitionskosten für den Fahrweg inkl. Oberleitung, Signale, Brücken und Unterführungen sowie Haltestellen und Grünanlagen werden im Gutachten mit 46,855 Mio. Euro angegeben. Sie wurden nach dem Preisstand 1.1.2000 ermittelt und enthalten keine Mehrwertsteuer.
  • Der Betrag für den jährlichen Kapitaldienst ÖV-Fahrweg müsste mindestens um den künftigen Mehrwertsteuersatz (19%) und die Preissteigerungen bis zum geplanten Baubeginn (2007) erhöht werden. Für die Kapitalverzinsung müsste ein höherer Satz als 3% p.a. zugrunde gelegt werden.
  • Die Unterhaltungskosten für den ÖV-Fahrweg von rund 580.000 Euro pro Jahr sind im Saldo der ÖV-Gesamtkosten (als negativer Nutzen) „versteckt“. Sie sollten in einer Folgekostenrechung als Bestandteil der Standardisierten Bewertung offen gelegt werden.
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Ermittlung des Nutzen-Kosten-Indikatorsrealistische Einschätzung der Einsparpotenziale Fahrerkosten
fazit
Fazit
  • Der potenzielle Nutzen der Straßenbahnverbindung nach Lilienthal liegt nicht im Reisezeitgewinn – wie sonst bei ÖV-Investitionsmaß-nahmen (z.B. Stadtbahn-Projekte) – sondern in Rationalisierungs-vorteilen für die BSAG (zu Lasten des Regionalbusverkehrs).
  • Übersteigt der berechnete Nutzen nur knapp die Kosten des Vor-habens (wie im vorliegenden Fall) und können die Datengrundlagen nur mit gewisser Bandbreite zuverlässig ermittelt werden, sollten Sensitivitätsanalysen durchgeführt werden, z.B. mit unterschied-lichen Annahmen über den künftigen Modal Split.
  • Die Standardisierte Bewertung lässt keinenVergleich verschiedener ÖPNV-Konzepte zu, z.B. der optimierten Busbedienung einer Stadt-randgemeinde im Vergleich zur Straßenbahnanbindung.
  • Das Problem der Folgekosten ist im vorliegend Fall nicht gelöst. Mit dem Ausgleich der nicht gedeckten Kosten des Straßenbahnbetriebs würde die Gemeinde Lilienthal ein hohes Risiko tragen.
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Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit

Prof. Dr. Jürgen Deiters

Fachgebiet Geographie

Universität Osnabrück

ad