Der fall galilei die vorgeschichte und die folgen
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Der Fall Galilei, die Vorgeschichte und die Folgen. Lutz Sperling. Kapitel 1. Der „Fall Galilei“ und seine Vorgeschichte. Rein beschreibende Weltbilder. Antike: rein beschreibende Verfahren für die Bewegungen am Himmel , große praktische Bedeutung, keine Physik

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Der fall galilei die vorgeschichte und die folgen

Der Fall Galilei,die Vorgeschichteund die Folgen

Lutz Sperling


Kapitel 1

Kapitel 1

Der „Fall Galilei“ und seine Vorgeschichte


Rein beschreibende weltbilder

Rein beschreibende Weltbilder

Antike:

rein beschreibende Verfahren

für die Bewegungen am Himmel,

große praktische Bedeutung,

keine Physik

Ältestes bekanntes heliozentrisches

(= sonnenzentriertes) Weltbild:

Aristarch von Samos (ca. 320 - 250 v. Chr.),

ca. 100 Jahre später Seleukos


Mythen

Mythen

Alte Weltbilder häufig verbunden

mit den Mythen der Völker

Bis ca. 500 vor Christus wie auch noch bei

Thales von Milet (ca. 600 v. Chr.):

Erde = Scheibe oder flache Schale,

schwimmend oder auf andere Weise gelagert


Philosophie

Philosophie

Hochblüte der griechischen Philosophie:

Platon (etwa 427 - 347 v. Chr.),

Aristoteles (384 - 322 v. Chr.)

Philosophisch begründete Forderung:

Erklärung der Planetenbeweung

mittels gleichförmiger Kreisbewegungen


Ptolem us ca 100 170

Ptolemäus (ca. 100 – 170)

Syntaxis Mathematike (Almagest):

Umfassendes Hilfsmittel zur Beschreibung des Weltalls auf der Basis seiner Vorgänger, besonders des Hipparch.

Kombination regelmäßiger Kreisbewegungen,

Epizyklen

Sein überzeugendes, anschaulich erdzentriertes geometrisches Modell

wurde für die griechische, arabische und mittelalterliche Astronomie der nächsten

14 Jahrhunderte maßgebend.


Moderne aspekte bei ptolem us

Moderne Aspekte bei Ptolemäus

Kugelgestalt der Erde bekannt,

wesentliche Beiträge zur Geographie,

Festlegung eines Nullmeridians,

Definition der bis heute gültigen Breitenkreise


Weltbildcharakter des ptolem ischen systems

Weltbildcharakter des Ptolemäischen Systems

Geozentrisches Weltsystem wie früher

Eudoxos (ca. 408 - 355 v. Chr.),

in Abhängigkeit von und mit Rücksicht auf

Aristotels,

daher enge Verbindung mit dessen Philosophie:

unveränderliche Natur der Gestirne und Regelmäßigkeit ihrer Bewegungen

Gott: außerweltlich, unbewegter Beweger,

in sich ruhend


Aporie der aristotelischen philosophie

Aporie der Aristotelischen Philosophie

Philosophische Ausweglosigkeit ::

Mensch = Abbild des göttlichen Geistes,

aber:

in die Sterblichkeit irdischer Behausung verbannt

Widersprüche zur christlichen Offenbarung:

Welt ewig und ungeschaffen,

Gottes Wesen ist das Bei-sich-selbst-sein des vollkommenen Geistes


Thomas von aquin um 1225 1274

Thomas von Aquin (um 1225 – 1274)

Modifikation des aristotelischen Weltbildes,

Durchdringung mit christlichem Denken,

aber noch keine Auflösung der genannten Aporie

Potential der christlichen Offenbarung:

Überwindung der Verbannung der Menschen auf den sterblichen Wohnort der Erde


Nikolaus von cues 1401 1464 cusanus

Nikolaus von Cues (1401 – 1464)(Cusanus)

Kardinal!

Erde = „göttlich“, Planet unter anderen Planeten ,

gesetzhafte Verhältnisse auch im Irdischen,

Eigendrehung der Erde,

Fixsterne = Himmelskörper,

Universum zeitlich und räumlich grenzenlos,

keine genauen Kreisbahnen,

keine unbeweglichen Himmelspole,

Sonnenflecken erkannt,

Messen, Quantifizieren,

Welt für Menschen erkennbar konstruiert


Weitere vorl ufer des kopernikus

Weitere Vorläufer des Kopernikus

Johannes Buridan (auch Jean Buridan)

(um 1300 - kurz nach 1358):

Keim des Trägheitsgesetzes

Nicolas d‘Orêsme,

Bischof von Lisieux (1320 - 1382 ):

Achsendrehung der Erde

Prälat Celio Calcagnini, Ferrara (1479 – 1541),

um 1520: Himmel steht fest, Erde bewegt sich


Kopernikus 1473 1543

Kopernikus (1473 – 1543)

Nepot des Bischofs von Ermland,

intuitive Ahnung vom Trägheitsgesetz ,

"De revolutionibus orbium coelestium" (1543),

Heliozentrisches Weltsystem

Aber weiterhin:

von Kreisbewegungen ausgegangen,

Korrektur mittels Epizyklen bleibt notwendig,

keine Physik,

Weltsystem immer noch Geschmacksache


Reaktion der katholischen kirche auf kopernikus

Reaktion der katholischen Kirche auf Kopernikus

Berater hinsichtlich Kalenderreform

auf 5. Laterankonzil (1512 - 1517),

Positive Reaktionen der Päpste

Clemens VII. (1523 bis 1534),

Gregor XIV. (1590 - 1591)

Universität Salamanca: Lehre der Astronomie

seit 1561 auch und ab 1594 nur noch

nach Kopernikus.

1581 Gedenktafel für ihn im Dom zu Frauenburg


Tycho brahe 1546 1601

Tycho Brahe (1546 – 1601)

1572 Beobachtung einer Supernova

1577 Berechnung:

Bahn eines Kometen durch die Sphäre der Venus

Tychonisches = ägyptisches System

(ähnlich System des Heraklit (375 – 310 v. Chr.)):

Sonne und Mond um Erde,

Planeten um Sonne

kinematisch korrekt:

Relativbewegung richtig erfaßt

Exakte Messungen -> Rudolfinische Tafeln


Tycho brahes system

Tycho Brahes System


Johannes kepler 1571 1630

Johannes Kepler (1571 - 1630)

1609:

1. Gesetz: Planeten durchlaufen Ellipsenbahnen, in deren einem Brennpunkt: die Sonne

2. Gesetz: Verbindungsgerade Sonne - Planet überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen

1619: Harmonices mundi (Weltharmonik)

3. Gesetz: Gleiche Verhältnisse für

Quadrate der Umlaufzeiten je zweier Planeten u.Kuben der großen Halbachsen ihrer Bahnellipsen

Wichtige Quelle für Newtons Gesetze,

aus diesen herleitbar


Erg nzung zu johannes kepler

Ergänzung zu Johannes Kepler

Dynamische Idee:

Sonne als Quelle der Schwere vermutet

Religiöse Ideen:

Ellipse = Kombination von Kreis und Gerader

Ästhetische Ideen:

Pythagoreische Zahlensymbolik,

musikalische Intervalle und Polyedermodell für Sonnensystem


Galilei 1564 1642 mit 60 jahren

Galilei (1564 – 1642) mit 60 Jahren


Galileis hauptwerke

Galileis Hauptwerke

1632: "Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme"

(kurz "Dialog" oder "Dialogo" genannt)

1638: "Discorsi"

Stilmittel:

Einteilung in Tage.


Galileis wissenschaftliches vorgehen

Galileis wissenschaftliches Vorgehen

Verbindung von:

Experiment und Mathematik,

von induktiver und deduktiver Methode

Francis Bacon (1561 – 1626):

„dissecare naturam“

Einfachheit der Naturgesetze:

Beschleunigung, Fallgesetze, Trägheitsgesetz

Keimhafte Erkenntnisse zu vielen heute bekannten

Gesetzen in Mathematik und Natur


Galileis astronomische entdeckungen

Galileis astronomische Entdeckungen

1609 systematischen Himmelsbeobachtungen

mittels Fernrohr,

1610: "Sidereus Nuncius" (Sternenbote)

Gebirgige Struktur des Mondes, 40 Plejaden,

Galaxis = viele Sterne,

7.1.1610: „Sideri Medicea“, (4 Jupitermonde)

Phasen der Venus, Saturnringe, Sonnenflecken,

Neptunbeobachtung,

Vermutung riesiger Entfernung der Fixsterne


Galileis grundposition gegen ber den objekten der astronomie

Galileis Grundposition gegenüber den Objekten der Astronomie

Mehr an Physik des Universums als an astronomischen Systemen interessiert,

an Aufbau des Universums

hinsichtlich Ruhe und Bewegung

Erkenntnis der Gleichartigkeit von irdischer und kosmischer Welt

Keine Beschäftigung mit den Keplerschen Gesetzen


Galileis wirken bis zu seinem ruhm als astronom

Galileis Wirken bis zu seinem Ruhm als Astronom

Einfluß durch Collegio Romano der Jesuiten,

besondere mathematische Kompetenz,

besonders: Christoph Clavius (1537/38 - 1612),

Lehrstühle für Galilei: 1589 Pisa, 1592 Padua

1609: öffentliche Fernrohrvorführung auf dem Campanile von San Marco,

„Sidereus nuncius“: Druckerlaubnis durch Zensor

Dominikaner Niccolò Riccardi (1565 - 1639)

1611 sehr erfolgreicher Rombesuch

besonders auch am Collegio romano,

6. Mitglied der berühmten "Academia dei Lincei"


F rst cesi

Fürst Cesi


Papst paul v 1605 1621

Papst Paul V. (1605 – 1621)


Kardinal bellarmino

Kardinal Bellarmino


Die inquisition und roberto bellarmino 1542 1621

Die Inquisition und Roberto Bellarmino(1542 – 1621)

Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis,

1542 nach Reformation gegen Häresien gegründet

1908 Sacra Congregatione Sancti Officii

1965 Kongregation für die Glaubenslehre

Jesuit Bellarmin, 1930 heiliggesprochen,

tief fromm und bescheiden,

gegen weltliche Macht des Papstes,

entschiedener Gegner der Reformation

Bestätigung der Richtigkeit der Beobachtungen Galileis durch Jesuiten eingeholt,

Eintrag in Inquisitionsakten


Fragen der bibelauslegung

Fragen der Bibelauslegung

Gewisse Peripatetiker verbanden

bei Ablehnung des heliozentrischen Systems

ihre Aristoteles-Abhängigkeit mit

Heranziehung von Bibelzitaten

Galilei nimmt gegen guten Rat Kampf auf,

ohne schon Beweise vorlegen zu können,

Berufung z. B. auf Jesuiten Diego Zuñiga

1612: 3 Briefe über Sonnenflecken

Brief an Benediktiner Benedetto Castelli


Gegens tzliche positionen

Gegensätzliche Positionen

1614: Attacke durch Dominikaner Caccini,

Anzeige beim Hl. Offizium,

Galileis Rechtgläubigkeit bestätigt,

Rat zur Vorsicht

1615: "Brief" an die Großherzogin Mutter Cristina

mit Argumenten des Karmeliters Foscarini

und des 1607 verstorbenen Kardinals Baronius

Antwort Bellarminos vom 12.4.1615:

Auslegung der Hl. Schrift durch die Väter

bis zum Vorliegen von Beweisen


Das dekret von 1616

Das Dekret von 1616

Das Heilige Offiziumlegt 10 Theologen

2 Thesen zur Begutachtung vor ->

Bewegungslosigkeit der Sonne = formell häretisch

Erdbewegung = irrig im Glauben

Aber: abgemildertes Dekret nur von Indexkongregation ohne Häresievorwurf

Mehrere Verbote

Zu Galilei: lediglich zwei Eintragungen

+ Ehrenerklärung von Bellarmin im Mai 1616


Streit mit pater grassi

Streit mit Pater Grassi

Drei Kometen und ein Vortrag des Jesuiten Grassi darüber im Jahre 1618 führten zu einem üblen Streit Galileis mit ihm, wobei Galilei nach einhelliger Ansicht der Fachwelt zu einem erheblichen Teil wissenschaftlich unrecht hatte. Das hielt ihn aber nicht von üblen Beschimpfungen ab, in deren Zusammenhang er auch noch gleich den Jesuiten Scheiner zu unrecht des Plagiats beschuldigte, so daß er das bisherige Wohlwollen der Jesuiten gänzlich verspielte.


Papst urban viii 1623 1644

Papst Urban VIII. (1623–1644)


Papst urbanviii il saggiatore

Papst UrbanVIII. , „Il saggiatore“

6.8.1623 Kardinal Maffeo Barberini -> Urban VIII.

Widmung von Galileis polemischer Antwort an Grassi „Die Goldwaage“ angenommen

1624: Erfolgreicher Besuch Galileis in Rom

Weiterhin freundschaftliches Verhältnis zu

Urban VIII., 6 lange Audienzen


Galileis dialog

Galileis „Dialog“

1629 vollendet, in Italienisch,

auf Breitenwirkung zielend

Riccardi jetzt Magister Sacri Palatii,

für Druckerlaubnis zuständig

Papst sichert Galilei kirchliche Pension zu,

die ihm bis zum Lebensende gezahlt wird


Galileis fehler

Galileis Fehler

Auflage des Papstes, Kopernikanische Lehre

nur als Hypothese zu vertreten,

nicht überzeugend erfüllt

Position des Papstes ausgerechnet dem in alten Denkweisen verhafteten, etwas begriffsstutzigen Simplicius in den Mund gelegt

Mißbrauch der Teildruckerlaubnis von Riccardi,

Buch schon in Florenz aufgeliefert,

in Rom durch Riccardi beschlagnahmt

Begeisterte Zuschriften


Gutachten der kommission

Gutachten der Kommission

Papst noch um Schonung Galileis bemüht,

beruft Kommission unter dem Vorsitz des Galilei wohlgesonnenen KardinalnepotenFr. Barberini

8 Anklagepunkte, u.a.:

- Kopernikanismus als bewiesen dargestellt,

- Ebbe und Flut fälschlich als Beweis angeführt,

- Mißbrauch des römischen Imprimaturs,

- Zerzausung der Gegener

Papst erfährt vom Galilei 1616 auferlegten Verbot,

Übergabe an Hl. Offizium, Vorladung Galileis


Proze von 1633

Prozeß von 1633

Zuvorkommende Behandlung, Galilei verstrickt sich unter Eid in Widersprüche, erklärt sich zum Eingeständnis seines „Irrtums“ bereit

Galileis „Dialogo“ und Keplers „Grundriß“ verboten

Galilei verurteilt zu:

- Verlesen der Abschwörungsformel

(„der Häresie stark verdächtig“),

- „Kerkerhaft“ im Hl. Offizium,

- Wöchentliches Gebet der 7 Bußpsalmen,

3 Kardinäle, darunter Francesco Barberini

unterschrieben nicht


Nach der verurteilung

Nach der Verurteilung

Galilei wohnte zunächst im Palast seines Freundes, des Erzbischofs Ascanio Piccolomini, durfte aber Ende 1633 in seine Villa Arcetri bei Florenz zurückkehren.

Druck seiner Werke (außer „Dialog“) in Leyden,

Spätwerk „Discorsi“ begründete Galileis Weltruhm als Begründer der modernen Physik

W. Brandmüller: „Galilei war weder als Forscher noch als Katholik gescheitert, als man ihn in

St. Croce zu Florenz bestattete."


Galilei mit 71 jahren

Galilei mit 71 Jahren


Weiteres schicksal des kopernikanismus im kath bereich

Weiteres Schicksal des Kopernikanismus im kath. Bereich

Gründung der berühmten Academia del Cimento bald nach Galileis Tod

(Fürst Cesi war 1630 gestorben),

Vergleichbare Einrichtungen in Siena, Padua, Neapel, Brescia und Bologna

Academia Fisico-Matematica in Rom:

- Magalotti Kometenstudien,

- Cassini Saturntrabanten,

- Ciampini berühmte Teleskope,

- Borelli Vermutungen im Sinne Newtons


Kirchlich geduldeter prokopernikanismus

Kirchlich geduldeter Prokopernikanismus

1639, 1645 Bullialdus und Gassendi (kath.Priester) verteidigten Lehre des Kopernikus

1651 Riccioli: großer prokopernikanischer Astronomie-Atlas

1656, 1667 und 1669: Erscheinen weiterer

prokopernikanischer Werke

1710: Erscheinen des „Dialogs“ mit kirchlicher Druckerlaubnis

1757 (Benedikt XIV.): Streichung heliozentrischer Werke aus dem Index der verbotenen Bücher


Endg ltige legalisierung

Endgültige Legalisierung

1820 Guiseppe Setteles Buch „Sapienza“,

Druckerlaubnis von Hl. Offizium

mit päpstlicher Unterstützung gegen Oberzensor

Gutachten Kardinal Olivieri:

Astronomische Auffassung widerspricht nicht dem katholischen Glauben

Im Index Gregors XVI. von 1835:

sämtliche prokopernikanische Werke getilgt

Kirchliche Entscheidungen der Galileizeit mußten nicht desavouiert werden


Papst johannes paul ii

Papst Johannes Paul II.

10.11.1979: Albert Einsteins 100. Geburtstag

Johannes Paul II. wünscht:

Vertiefung der Überprüfung des Falles Galilei,

aufrichtige Anerkennung des Unrechts,

gleich von welcher Seite,

Beseitigung von Mißtrauen,

fruchtbare Zusammenarbeit von Glaube und Wissenschaft

31.10.1992: Galileo Galileis 350. Todestag

Überreichung des Ergebnisses,

tiefgründige Ansprache des Papstes


Kapitel 2

Kapitel 2

Motive und Urteile


Rolle der mathematik

Rolle der Mathematik

Galilei:

„Das Buch der Natur ist mit mathematischen Symbolen geschrieben.“

„Ohne diese Mittel ist es dem Menschen unmöglich, ein einziges Wort davon zu verstehen.“


Messung und experiment

Messung und Experiment

Galilei:

„Man muß messen, was meßbar ist, und meßbar machen, was es nicht ist."

Max Thürkauf:

„Einengung der Natur auf das Meß- und Berechenbare“

Galilei huldigt jedoch keinem reinen Empirismus


Kausales denken und finalursachen

Kausales Denken und Finalursachen

Galilei hatte entscheidenden Anteil daran, daß das Ptolemäische Weltbild zum Einsturz gebracht wurde

neues kausales, naturgesetzliches Denken,

Vorbereitung der Newtonschen Gesetze

Bevorzugung der Wirkursachen vor den Finalursachen,

Verstummen der Fragen nach dem Zweck

Konsequenzen für Philosophie und Theologie


Galileis kopernikanismus

Galileis Kopernikanismus

Noch 1606 ein Lehrwerk im Sinne des Ptolemäus

Ausgeprägter Kopernikanismus wohl erst nach Himmelsbeobachtungen 1609

Albert Einstein:

Dieser sei bei Galilei "nicht etwa eine bloße Konvention, sondern eine Hypothese, die 'wahr' oder 'falsch' ist".

Aber: „... so sind doch alle diese Argumente nur qualitativer Art“.

Also: Galilei hatte noch keine stringenten Beweise.


Offenbarung aus dem buch der natur

Offenbarung aus dem Buch der Natur

Galilei: zwei Offenbarungen Gottes:

Buch der Natur und Heilige Schrift

für Trennung von Physik und Philosophie,

gegen Autorität kirchlicher Stellen bei wissenschaftlichen Schlußfolgerungen

Johannes Paul II.:

Galilei unterschied jedoch nicht ausreichend

„zwischen dem wissenschaftlichen Zugang zu den Naturerscheinungen und der philosophischen Reflexion über die Natur“.


Galileis bibelauslegung

Galileis Bibelauslegung

Für Galilei zwischen Naturwissenschaft und Bibel kein Widerspruch möglich,

weil beide "aus dem göttlichen Wort" kommen

Bezugnahme auf hochentwickelte exegetische Standpunkte seiner Zeit

Aber: Wissenschaft könne bei Aussagen zu Naturphänomenen auch helfen,

den wahren Schriftsinn zu entdecken

Auch willkürliche Auslegung der Bibel

Hemleben: "Er interpretiert als Naturforscher die Bibel zu seinen Gunsten."


Galileis charakter

Galileis Charakter

Anklagepunkt „Zerzausung der Gegner“ berechtigt

Schlimmste Beschimpfungen und Schmähungen

Rechthaberei, Prioritätsstreite

"Dagegen ist nun nichts zu machen, Herr Sarsi [Pseudonym für Pater Grassi], daß es mir allein vergönnt ist, alles Neue am Himmel zu entdecken, und niemand anderem auch nur etwas."


Galilei mit 42 jahren

Galilei mit 42 Jahren


Galileis kritik der peripatetiker

Galileis Kritik der Peripatetiker

Zitat aus dem Dialog:

"...nennt Euch Historiker oder Doktoren der Auswendiglernerei;

denn wer nicht philosophiert,

darf den Ehrentitel eines Philosophen

nicht beanspruchen."


Ebbe und flut

Ebbe und Flut

Ursprüngliche Titel des „Dialogs“ war durch Gezeiten bestimmt,

dieser „Beweis“ für Erdumlauf sollte inhaltlicher Höhepunkt sein,

Änderung war Auflage des Papstes

Keplers Vermutung des Mondes als Ursache

von Galilei als „Kindereien“ bezeichnet

Galileis Theorie der Gezeiten war fehlerhaft und widersprach auch den Beobachtungen


Vorwort und verbreitete deutung

Vorwort und verbreitete Deutung

Vorwort zum Dialog enthält:

Lob des Edikts von 1616 und des Forschungsniveaus in Rom

Scheinbare Bewertung des Kopernikanismus als Hypothese, aber auch Behauptung seiner Überlegenheit; widersprüchliche Aussagen

Eiertanz, blanker Hohn?


Hauptziel galileis nach stillman drake

Hauptziel Galileis nach Stillman Drake

Galilei = „katholischer Eiferer“

„Rom handelte, um dem immer wieder auftretenden Skandal einer Interpretation der Bibel durch unqualifizierte Forscher zuvorzukommen.“

Ziel Galileis: Kompetente Beratung der Kirche

Galileis Äußerungen im Vorwort seien ernst gemeint


W hrend des prozesses und danach

Während des Prozesses und danach

Brandmüller:

Abschwörung = Akt der kirchlichen Loyalität

unter Beibehaltung der Überzeugung

Denn: Innerste Glaubenszustimmung nur gegenüber authentischem (unfehlbarem) Lehramt,

nicht gegenüber römischen Behörden

innere „Tragödie eines Mannes, der zutiefst an dem Auseinanderklaffen zwischen religiösem Glauben und rationalem Denken verzweifelt."

Galilei bewußt innerhalb der Kirche, Wallfahrt


Schuld von repr sentanten der kirche

Schuld von Repräsentanten der Kirche

Benedikt XVI.:

„Denn der Preis für die Verschmelzung von Glauben und politischer Macht besteht zuletzt immer darin, daß der Glaube in den Dienst der Macht tritt und sich ihren Maßstäben beugen muß.“

Eine richtige Apologetik verschweigt oder bestreitet nicht die Fehler und Sünden, die im Namen der Kirche auch begangen wurden.

Gerechte Bewertung ohne generelle Distanzierung


Die inquisition

Die Inquisition

Giordano Bruno = "Märtyrer der Aufklärung" ?

Der Kirche übergeben und nach langem Prozeß aus rein theologischen (nicht naturwissen-schaftlichen) Gründen der Häresie beschuldigt,

1600 von weltlichen Instanzen in Rom verbrannt

Todesstrafe war immer Verfehlung

gegen die Lehre Christi

Brandmüller: Nach „neueren Forschungen“: Inquisition war nicht „Gruppe von machtlüsternen, sadistischen, blindwütigen und düsteren Fanatikern“ für „Knebelung des freien Denkens“ und „Machtposition der Kirche“.


Pastorale auswirkungen von neuerungen

Pastorale Auswirkungen von Neuerungen

Verantwortung für das Seelenheildarf nicht als

„Macht über Seelen“ diskreditiert werden

Johannes Paul II.:

Kirche muß auf die pastoralen Auswirkungen ihrer Predigt achten

Zu Kopernikanismus:

„Es wäre nötig gewesen, gleichzeitig Denkgewohnheiten zu überwinden und eine neue Pädagogik zu entwickeln, die dem Volk Gottes weiterhelfen konnte."

Scandalum pusillorum zu vermeiden suchen!


Eigentliches anliegen der kirche damals

Eigentliches Anliegen der Kirche damals

Philosophisches Weltbild der Zeit wurde nur

irrtümlich und nur von einem Teil der Zeitgenossen als kirchliches, theologisch unmittelbar im christlichen Glauben inhaltlich enthaltenes Weltbild angesehen

Stillman Drake:

„Das Edikt [von 1616] schadete der Kirche Jahre später im Ausland nur deshalb, da seine wahre Absicht - nicht in die astronomische Hypothesenbildung einzugreifen - nicht verstanden wurde."


Keine willk r

Keine Willkür

Den von den Kongregationen der Kirche eingesetzten Fachkommissionen wurde

vielfach Verantwortungsbewußtsein, Rationalität und Gerechtigkeit bescheinigt.

Nach Carl Friedrich von Weizsäcker hat die

Inquisition in den Prozessen von 1616 und 1633 „von Galilei nicht mehr verlangt als daß er nicht mehr sagen sollte, als er beweisen konnte.“

Alle Urteile und Dekrete waren „prinzipiell überprüfbar, widerruflich“ ,

heliozentrisches Weltsystem nicht als häretisch bewertet


Motivationen urbans viii

Motivationen Urbans VIII.

Dialoge mit Galilei:vertrauensvoll, von Hochschätzung seitens des Papstes bestimmt

Vermutlich tiefe Enttäuschung über Inhalt des Dialogs hinsichtlich seiner von Thomas von Aquin übernommenen Position

Sein Handeln war aber eher durch seine Einbeziehung in Galileis „Spiel“ bestimmt,

selbst unter Vorwürfen, der katholischen Seite zu schaden, meinte er, die Strategie gegenüber der protestantischen Welt beachten zu müssen

Sorge um Unversehrtheit des Glaubens


Streben nach eindeutigem ordnungsmodell

Streben nach eindeutigem Ordnungsmodell

Johannes Paul II.:

"Damals glaubte man, man müsse ein eindeutiges Ordnungsmodell vorlegen. ... Dieser einheitliche Charakter einer Kultur, der an sich auch heute positiv und wünschenswert wäre, war einer der Gründe für die Verurteilung des Galilei."

Rainer Specht:

Ein eindeutiges Ordnungsmodell wäre „wesentlicher Bestandteil einer damals aussichtsreichen Friedensstrategie" gewesen.


Scheinbar astronomische aussagen der bibel

Scheinbar astronomische Aussagen der Bibel

Josua 10, 12 – 14: "Sonne steh still über Gibeon, und Mond über Ajalons Tal!"

Buch 1 Chronik 16, 30: „Der Erdkreis ist ja fest gegründet, wanket nicht.“

Galilei las - wie viele und gewichtige Stimmen aus der Theologie - die Bibel nicht als Naturkundelehrbuch


Die auslegung der heiligen schrift

Die Auslegung der Heiligen Schrift

Albertus Magnus und Thomas von Aquin:

Wahrheit der Heiligen Schrift habe zwar als unverletzlich zu gelten,

Erklärung des Schrifttextes sei aber nicht starr aufrecht zu erhalten, wenn Kenntnisse zu irdischen oder astronomischen Phänomenen sie als falsch erscheinen läßt.

Von alters her verschiedene mit Kopernikanismus vereinbare Schriftauslegungen


Konzil von trient

Konzil von Trient

Reaktion auf die Reformation

„daß fortan niemand, der eigenen Klugheit vertrauend, wagen dürfe, in Dingen des Glaubens und der zum Aufbau der christlichen Lehre gehörenden Sitten die Heilige Schrift nach eigenem Sinne zu verdrehen und auszulegen gegen den Sinn, den die Heilige Mutter Kirche angenommen hat und annimmt, sie, der es zukommt, über den wahren Sinn und die Auslegung der Heiligen Schrift zu entscheiden oder auch gegen die einmütige Übereinstimmung

der Väter."


Protestantische und katholische position

Protestantische und katholische Position

Luther, Melanchthon und Calvin sofort scharf gegen Kopernikus

Reformatorisches Prinzip „sola scriptura",

einseitiger Biblizismus bis zur Annahme einer

Verbalinspiration der Bibel,

gegen Lehrautorität der katholischen Kirche.

Osiander (im Vorwort zu Kopernikus):

„daß solche Hypothesen keineswegs wahr, ja nicht einmal wahrscheinlich zu sein brauchten, wenn sie nur ihrem Zweck dienten".


Sp tere entwicklung im protestantismus

Spätere Entwicklung im Protestantismus

Naturwissenschaft folgte früh Kopernikus

Ablehnung des Kopernikanismus hielt in der protestantischen Theologie noch lange an


Katholische reaktion auf die reformation

Katholische Reaktion auf die Reformation

Zunächst entspannte Unbefangenheit gegenüber dem Wortlaut der Heiligen Schrift verloren

Wegen protestantischer Leugnung der Wesensverwandlung in der Eucharistielehre keine eigenmächtige Auslegung der Hl. Schrift,

andererseits protestantischer Vorwurf:

der Papst habe das 'reine Wort' verraten

Katholisches Lager zu dieser Zeit strategisch in höchster Gefahr

Galileis Auffassung: genuin katholisch


Positive fr chte f r den christlichen glauben

Positive Früchte für den christlichen Glauben

. Die vom Kopernikanischen System verursachte Reflexion darüber, wie die biblischen Wissenschaften zu verstehen seien, hat nach Johannes Paul II. später überreiche Früchte für die modernen exegetischen Arbeiten erbracht.

Brandmüller nannte es pointiert ein Paradox,

"daß Galilei in der Naturwissenschaft

und die Kurie in der Theologie geirrt,

während die Kurie in der Naturwissenschaft

und Galilei in der Bibelerklärung recht behalten hat."


Entstehung der wissenschaft im christlichen europa

Entstehung der Wissenschaft im christlichen Europa

Strikte Ansiedelung des Göttlichen in der transzendenten Heiligen Dreifaltigkeit

Schon im Mittelalter Hinwendung zur irdischen Realität, die den von Gott geschaffenen Gesetzen seiner Ordnung gehorcht

->Vermeidung jeder Form des Pantheismus,

Betrachtung des Universums als ein Reich der Ordnung und Vorhersehbarkeit


Positionen von zeitgenossen galileis

Positionen von Zeitgenossen Galileis

Blaise Pascal (1623 – 1662) sprach von Hypothesen nach „Ptolemäus, Kopernikus, Tycho Brahe und vielen anderen“:

„Wer wird ohne die Gefahr eines Irrtums die eine auf Kosten der anderen vorziehen können!“

Francis Bacon (1561 - 1626), Lordkanzler:

Annahme einer Bewegung der Erde unzulässig

René Descartes (1596 - 1650) Kopernikaner,

respektiert kirchliche Forderung, Heliozentrismus nur als Hypothese zu vertreten

Viele Wissenschaftler damals unentschieden


Unzutreffende klischees

Unzutreffende Klischees

19. Jahrhundert:

Rationalismus und Materialismus vorherrschend, Galilei als Galionsfigur einer bewußt atheistischen Wissenschaft mißbraucht,

Prozeß zum Mythos der Aufklärung überhöht

religions- und kirchenfeindlicher Liberalismus bezichtigt Kirche des Obskurantismus und der Wissenschaftsfeindlichkeit.

Johannes Paul II.: tragisches gegenseitiges Unverständnis


Flammarion universum

Flammarion: Universum


Galilei als held

Galilei als Held


Richard fleury galilei im proze

Richard Fleury: Galilei im Prozeß


Galilei als atlas

Galilei als Atlas?


Zum inhalt der klischees

Zum Inhalt der Klischees

Behauptung einer Divergenz zwischen kirchlichen Dogmen und dem Kopernikanischen System oder anderen naturwissenschaftlichen Theorien, Kirche hätte im Falle Galilei Verstöße gegen Dogmen geahndet.

Verbreitung solcher Klischees von Ideologen,

aber auch von selbst fehlinformierten Multiplikatoren bis hin zu namhaften Wissenschaftlern in Medien und Schulen,

aber sogar auch in Fachbüchern von Einzelwissenschaften


Position johannes pauls ii fehlgedeutet

Position Johannes Pauls II. fehlgedeutet

Es wären erst jetzt Galileis Erkenntnisse durch den Papst offiziell anerkannt worden, wofür die Kirche also 350 Jahre gebraucht hätte.

Auch für Papst und Kirche drehe sich nun endlich die Erde auch um die Sonne.

Es wäre ein neuer Prozeß gegen Galilei geführt worden, der dann aber mit einem Freispruch enden sollte.


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