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Hinweis: Die Vorlesung findet am 23.01.06 im Museum für Völkerkunde, Maximilianstr. 42, im großen Vortragssaal statt. Politikethnologie.

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Hinweis: Die Vorlesung findet am 23.01.06 im Museum für Völkerkunde, Maximilianstr. 42, im großen Vortragssaal statt.

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Hinweis die vorlesung findet am 23 01 06 im museum f r v lkerkunde maximilianstr 42 im gro en vortragssaal statt

Hinweis: Die Vorlesung findet am 23.01.06 im Museum für Völkerkunde, Maximilianstr. 42, im großen Vortragssaal statt.

Einführung in die Ethnologie Heidemann – LMU – WS 05/06


Politikethnologie

Politikethnologie

Die Politikethnologie – im Englischen political anthropology - beschäftigt sich mit Politik in fremden Kulturen sowie zwischen Kulturen und führt einen kulturvergleichenden Diskurs über Aspekte des Politischen, über Herrschaft, Macht, Hierarchie etc.

In der deutschen Sprache ist der Begriff Politik weit gefasst, im Englischen stehen drei verwandte Wörter zur Verfügung: polity, Gemeinwesen, Staatsorgane, policy, Absichten, Maßnahmen, Strategien und politics, reale Prozesse, Handhabung von Macht.

Einführung in die Ethnologie Heidemann – LMU – WS 05/06


Problemstellungen

Problemstellungen

Als Ausgangspunkt der Betrachtung dienen unsere eigene Begrifflichkeit und unsere eigene Vorstellung, ein terminologisches und ideelles Instrumentarium aus einem säkularen, demokratischen und staatlichen Kontext, und dennoch wollen wir fremde Kulturen von innen heraus, also emisch, verstehen.

Ein zweites Problem geht aus dem ersten hervor, weil wir Politik als einen Bereich oder einen Aspekt betrachten, dessen separate Behandlung als sinnvoll vorausgesetzt wird. Wir antizipieren also eine politische Sphäre, die auch in anderen Kulturen ein hinreichendes Maß an Eigenständigkeit aufweisen muss, um sie überhaupt beschreiben zu können.

Einführung in die Ethnologie Heidemann – LMU – WS 05/06


Die entdeckung des politischen

Die Entdeckung des Politischen

Aus den ersten beiden Problemen, eine emische Betrachtung trotz eigener Kategorien und Holismus trotz analytischer Abgrenzung, hat sich ein drittes ergeben, das Nichterkennen des Politischen.

Das Politische blieb dem Auge des Beobachters lange verborgen, es hat sich „versteckt“, bis es „entdeckt“ wurde. Die Jahreszahl 1940 wird oft mit dem Beginn der Politikethnologie gleichgesetzt, weil zu dieser Zeit das von Fortes und Evans-Pritchard herausgegebene Werk „African Political Systems“ erschien.

Einführung in die Ethnologie Heidemann – LMU – WS 05/06


Die hochkonjunktur der politik

Die Hochkonjunktur der Politik

Eine Konjunktur der Politikethnologie fällt bereits beim Durchblättern der Verlagskataloge auf. Die Neuerscheinungen der vergangenen zwanzig Jahre tragen im Titel oft „The Politics of ...“. Behandelt werden, um nur einige Beispiele zu nennen, in kleinen Gemeinschaften die Beziehungen der Geschlechter zueinander, die gesamtgesellschaftliche Relevanz von Ritualen, das einer Rechtssprechung zugrunde liegende Weltbild, in den jungen Nationalstaaten (den ehemaligen Kolonien) die Minderheitenpolitik und die Verteilung von Ressourcen, der Zugang zur Bildung und die Patronage, und in einem internationalen Zusammenhang die Folgen der Globalisierung.

Einführung in die Ethnologie Heidemann – LMU – WS 05/06


Minimalisten und maximalisten

Minimalisten und Maximalisten

Die begriffliche Klärung von „Politik“ erweist sich schon innerhalb unserer eigenen Gesellschaft als problematisch. Erstaunlich ist auch die Unschärfe des Begriffs unter Fachvertretern. Bei einer Befragung deutscher Politikwissenschaftler nach den unverzichtbaren Begriffen ihrer Disziplin nannten die 256 Befragten 639 verschiedene Begriffe, von denen 414 jeweils nur einmal auftauchten (Böhret 1979:9). Man könnte das Politikverständnis der Politologie als „minimalistisch“ bezeichnen (Kutz 2001), während die Ethnologie einen eher „maximalistischen“ Ansatz (Balandier 1972) verfolgt.

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Ein definitionsvorschlag

Ein Definitionsvorschlag

Sinnvoll erscheint, jegliches Handeln, das die Herstellung, Veränderung oder bewusste Wahrung von allgemeinen Verbindlichkeiten, Normen, Regeln und Gesetzen beabsichtigt oder bewirkt, als politisch zu begreifen.

Politik kann jedoch als ein beobachtbarer Prozess oder als ein abstraktes Prinzip verstanden werden. Aussagen, die die Politik einer Gesellschaft als demokratisch bzw. als undemokratisch bezeichnen, müssen nicht im Widerspruch zueinander stehen, sondern können sich auf unterschiedliche Abstraktionsebenen, auf die Praxis bzw. auf die Verfassung, beziehen.

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Analytische ebenen

Analytische Ebenen

Zur Annäherung an eine Bestimmung des Politischen schlage ich die Differenzierung von drei Ebenen nach Needham vor. Der ersten Ebene sind die sichtbaren Handlungen zuzuordnen, der zweiten die Normen, Institutionen und Verfassungen, die den Handelnden bewusst sind und aufgrund eines Konsenses auch leicht verändert werden können und der dritten die Wertideen, die „hinter“ den Normen und Regeln stehen. Dieses Modell soll jedoch nicht starr gedacht werden, weil ein Kontinuum das Konkrete mit dem Abstrakten verbindet und hier zum Zweck der Vereinfachung mit drei Ebenen ausgestattet wurde.

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Intention rezeption wirkung

Intention, Rezeption, Wirkung

Jede Handlung ist vielschichtig, der Beobachter reduziert seine Eindrücke und interpretiert eine Handlung aus seiner Sicht. Die Beurteilung, ob es sich um Politik handelt oder nicht, kann zudem von der Absicht der Akteure, also von der Intention, oder von der Rezeption, der Auslegung durch Dritte, oder durch die Wirkung an sich erfolgen. Es ist unmöglich, einen privilegierten Standpunkt festzulegen, von dem aus ein widerspruchsfreies Urteil gefällt werden kann.

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Evolutionismus

Evolutionismus

Die Leitfragen schaffen ihre Objekte und waren ihrerseits Teil eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses. Überdeutlich wird dies bereits beim ersten Forschungsansatz, dem Evolutionismus, der ungeachtet der Unhaltbarkeit seiner frühen Thesen bis in die Gegenwart in populärer Form in Talkshows und selbst seriösen Tageszeitungen zwischen den Zeilen zu finden ist. Diese Theorie ging zum einen von einer Einheit aller Menschen, zum anderen von einer ständig fortschreitenden Entwicklung aus und betrachtete somit das Politische als Teil einer allgemeinen Evolution. [Verwandtschaft – Territorium // societas – civitas]

Barbarei – Wildheit – Zivilisation (Morgan 1877)

Eigentumsbegriff (Engels 1884)

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Klassifikationsversuche

Klassifikationsversuche

In den 1960er Jahren erfolgte u.a. von Service (1962) eine Klassifikation, deren Begriffe aus heutiger Sicht als problematisch eingestuft werden müssen: „Horden“, im Englischen bands, die besser als egalitäre Kleingruppen zu bezeichnen sind, haben tendenziell informelle Führerrollen und alle Mitglieder nehmen am Meinungsbildungsprozess teil. Stämme können größere Verbände aus mehreren gleichge-stellten Lineages mit bis zu sechsstelligen Mitgliederzahlen bilden, benötigen jedoch keine permanente Zentralautorität, um sich bei Bedarf, etwa im Kriegsfall, zusammenzuschließen.Häuptlingstümer verfügen hingegen über ein politisches Zentrum, über offizielle und klar umrissene Ämter und ein Monopol auf Rechtssprechung.

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Der staat

Der Staat

Nach Clastres (1976) haben die genannten Gesellschaftstypen erfolgreich jener politischen Form widerstanden, die uns heute prägt. Gemeint ist der Staat. Er verfügt nach unserer Vorstellung über ein klar definiertes Territorium, über eine Zentralgewalt mit einer Bürokratie und erhebt den Anspruch auf Souveränität. All diese Begriffe wurden jedoch normativ und organisatorisch verstanden, was jedoch sowohl mit der Praxis wie auch mit den Wertorientierungen wenig zu tun hat. Ein Staat kann demokratisch oder diktatorisch, defensiv oder expandierend verfasst sein.

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Staatsentstehungstheorien

Staatsentstehungstheorien

Eine Kettenreaktion, so die These der marxistischen Schulen, führte von neuen Technologien über einen Produktions-überschuss zur Akkumulation von Privateigentum, welches schließlich durch eine permanente und stabile Herrschaft geschützt werden musste. Wittfogel stellt die Entwicklung und Organisation von Bewässerungssystemen in den Vordergrund und sprach von „hydraulischen Staaten“. Carniero bezieht die Umweltfaktoren mit ein und sieht in den natürlichen Grenzen der frühen, an Flüssen gelegenen Staaten, einen entscheidenden Faktor. Wüsten und Berge verhinderten eine Zersiedelung und das staatliche System habe sich gegenüber anderen durchgesetzt.

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Strukturfunktionalismus

Strukturfunktionalismus

Die Strukturfunktionalisten interessierten sich für die Organisationsweise einer Gesellschaft in der Gegenwart. Besonderes Interesse fanden die segmentären Gesellschaften, die ohne zentrale Instanz, ohne ein politisches oder religiöses Zentrum auskamen, und dennoch, wie die Nuer, hunderttausend Krieger in kurzer Zeit rekrutieren konnten. Evans-Pritchard und Fortes entwickelten ein einfaches Konzept, das afrikanische Gesellschaften nach „primitive states“, die sich durch ein Zentrum, eine Verwaltung und Gerichtsbarkeit sowie einen Herrschaftsanspruch über ein Territorium auszeichnen, und „stateless societies“ oder segmentäre Gesellschaften unterscheiden.

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Handlungstheorien

Handlungstheorien

Die Handlungstheorie verlagerte den Fokus von Struktur auf Prozess. Leach (1954) sprach sich zunächst gegen die Vorstellung von Evans-Pritchard und Fortes eines gesell-schaftlichen Gleichgewichts aus und betonte den dynamischen Charakter von Gesellschaft. Andere stellten das aus eigenen Motivationen handelnde Individuum in den Vordergrund und bedienten sich der Spieltheorie. Gluckmann (1960) interessierte, wie Regeln und Normen bewusst manipuliert und verändert werden, und begriff Rebellion - im Gegensatz zur Revolution - als systemerhaltenden Mechanismus in südafrikanischen Gesellschaften.

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Big men

Big men

Der Führertypus in Melanesien wird big man genannt und zeichnet sich durch erfolgreiches Handeln, Konfliktlösung und Organisation von Festen aus. Ein big manvergrößert seinen Machtbereich durch geschicktes Taktieren und beeindruckende politische Reden sowie durch gezielte Heiratsallianzen. Prestige erfahren die big men nicht durch materiellen Besitz, sondern durch Verdienstfeste, bei denen eine große Anzahl Schweine gespendet werden. Die Wirtschaftsweise und die Pflicht zum Geben verhindern eine langfristige Akkumulation von Gütern, die ohnehin keinen Wert in diesen Gesellschaften darstellen.

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Symbole

Symbole

Abstrakte Größen wie „Macht“, „Herrschaft“, „Staat“, „Nation“ etc. können nur in symbolisierter Form kommuniziert werden (Cohn 1969, Turner 1969). Symbole haben zudem die Eigenschaft, dass sie zwar von Menschen geschaffen werden, jedoch die Illusion erwecken, als seien sie gegebene, quasi „natürliche“ Größen. Wir erlernen die Bedeutungen von Dingen, indem wir die symbolisierte Form verstehen. Politiker nutzen diese Formen, um sich mitzuteilen, um zu überzeugen, und um imaginäre Einheiten zu schaffen. Der gezielte Einsatz von Symbolen repräsentiert somit nicht nur Politik, sondern Politik wird erst durch sie geschaffen.

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Symbolisches handeln

Symbolisches Handeln

Nach Kertzer (1988:11) vereinen Symbole erstens eine Vielzahl von Bedeutungen auf sich, ohne jedoch widersprüchlich zu werden. Sie sind nicht präzise fassbar, und entziehen sich einer eindeutigen Auslegung. Zweitens weisen sich Symbole durch eine Vielstimmigkeit aus, denn verschiedene Betrachter verstehen jeweils etwas anderes unter der gleichen Sache. Es wird somit nicht immer ein wirklicher Konsens benötigt, um Menschen zusammenzuführen. Drittens verdichten symbolische Handlungen Bedeutungen, sie stehen nicht nur zugleich für mehrere Dinge und Eigenschaften, sondern die Bedeutungs-pluralitäten interagieren im Kopf des Betrachters und werden so wirkungsmächtig.

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Macht

Macht

Max Weber definiert Macht als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Weber 1922). Dieser Ansatz geht von einer dyadischen Beziehung aus und unterscheidet Machthaber und Unter-worfene. Ein anderer Ansatz geht auf Foucault (1978) zurück, der zudem klar zwischen Herrschaft und Machtbeziehungen unterscheidet. Er sieht Menschen in verhandelbare und folglich dynamische Netzwerke, in Dispositive (Pädagogik, Politik, Psychiatrie, Sexualität, Wissen etc.) eingebunden. Diese Dispositive wirken nicht ausschließlich repressiv, sondern zugleich auch produktiv.

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Feldforschung u repr sentation

Feldforschung u. Repräsentation

Das veränderte Verständnis von Macht und Politik führte auch zu einer neuen Reflexion über das eigene Fach, vor allem über den Prozess der Feldforschung und Form der Repräsentation von Forschungsergebnissen. Es entstand die Einsicht, dass ethnologische Forschung stets in einen politischen Kontext eingebettet ist und dieser bei jeder Forschung als eine der Rahmenbedingungen für Erkenntnis mitgedacht werden muss. Jede Begegnung mit kulturell Fremden findet in einem historischen und politischen Umfeld statt, das die Form der Interaktion, die Standorte der Betrachter, ihre Interessen und die Möglichkeiten des Verstehens beeinflusst.

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Die doppelte relationalit t

Die doppelte Relationalität

Nach Kohl (1993) ist der Gegenstand der Ethnologie relational, weil der Beobachter seinen Gegenstand bestimmt. Ich verstehe die Bedeutung „relational“ jedoch in einem weiteren Sinn, denn es ist immer eine Beziehung, die wir zu anderen Menschen aufbauen. Diese Beziehungen, das Verhältnis zwischen uns und ihnen, ist genau die Relation, die uns etwas über die anderen und über uns selbst vermittelt. Nun gibt es aber keine Beziehung ohne Machtverhältnis. Die Aufarbeitung dieser doppelten Relationalität, auf Mikro- und Makroebene, historisch und zeitgenössisch, transnational oder in der eigenen Gesellschaft, zählt zu den herausragenden Aufgaben der Politikethnologie.

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Hinweis die vorlesung findet am 23 01 06 im museum f r v lkerkunde maximilianstr 42 im gro en vortragssaal statt

Fallbeispiel SüdasienSubaltern StudiesPostkoloniale EthnologieAneignungsprozesseFallbeispiel: District Collector

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