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Einführung in die Germanistische Linguistik

Einführung in die Germanistische Linguistik. 2. Sitzung Anfänge der modernen Sprachwissenschaft und Semiotik (Saussure; Peirce) Was ist Sprache? Was ist ein Zeichen?. Ferdinand de Saussure.

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Einführung in die Germanistische Linguistik

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Presentation Transcript


  1. Einführung in die Germanistische Linguistik 2. Sitzung Anfänge der modernen Sprachwissenschaft und Semiotik (Saussure; Peirce) Was ist Sprache? Was ist ein Zeichen?

  2. Ferdinand de Saussure • Ferdinand de Saussure (1857-1913) war Französisch-Schweizer, studierte in Genf, Leipzig und Berlin und lehrte zuerst 1881-1891 in Paris an der École des Hautes Études, später in Genf. Dort gab er 1906-1911 in seinen Einführungsvorlesungen zur Allgemeinen Sprachwissenschaft eine Skizze der (wünschenswerten) zukünftigen Sprachwissenschaft. 1916, d.h. nach dem Tode von F. de Saussure, fassten seine Schüler (Charles Bally und Albert Sechehaye) anhand ihrer Mitschriften seine Lehre zusammen im Buch „Cours de Linguistique Générale“. http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_de_Saussure

  3. Zwei wichtige Schriften 1879 Mémoire sur le système primitif des voyelles dans les langues indo-européennes. Leipzig: B.G. Teubner [erschienen 1978]. [Erste umfassende und i.w. zutreffende Darstellung des idg. Vokalsystems] 1916 Cours de linguistique générale. Redigé par Charles Bally et Albert Séchehaye ... Paris & Lausanne: Payot. 2., geringfügig geänd. Aufl. 1922. Dt. Übers. 1931, Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin: W. de Gruyter. 2. Aufl. 1967. Ende des 20. Jhs wurden Manuskripte gefunden und ediert, welche einen direkteren Einblick in sein (geplantes) Hauptwerk geben.

  4. F. de Saussures Lehre war und ist hauptsächlich für die romanischsprachige Linguistik bestimmend. • Zwischen den beiden Weltkriegen bezogen sich die Prager Funktionalisten/Strukturalisten auf F. de Saussure als den Beginn des Strukturalismus in der Sprachwissenschaft. • In Deutschland wurde F. de Saussure erst seit Ende der 60er Jahre zum Vater der modernen Linguistik erklärt, d.h. eigentlich gleichzeitig mit der Rezeption der generativen Grammatik von Chomsky. • So verweist Manfred Bierwisch (1963) in seiner „Grammatik des deutschen Verbs“ in der ersten Fußnote (S. 165) auf de F. de Saussure: „Zahlreiche Arbeiten haben seit F. de Saussures erstem großen Ansatz zu einer wesentlichen Präzisierung der linguistischen Theorie geführt.“

  5. In derselben Fußnote wird gleich anschließend gesagt: „diese Entwicklung [wurde] von CHOMSKY zusammengefasst und erweitert“ (ibidem). Der Bezugspunkt sind die „Syntactic Structures“ von Chomsky (1957), d.h. der Autor macht einen Sprung von annähern einem halben Jahrhundert von Saussure zu Chomsky (von Genf zum MIT in Cambridge (Mass.). • Diese Traditionslücke sollte besonders die deutsche Linguistik der zweiten Hälfte des 20. Jh. charakterisieren. Die Arbeits-stelle in Ost-Berlin war in Deutschland eine innovative Keimzelle, die nach einem Kurswechsel in der Bewertung der amerikanischen Linguistik in der Sowjetunion und der DDR schließlich in West-Deutschland (favorisiert durch den universitären Umbruch nach 1968) ihre Wirkungen entfaltete. • Generell kann man die Linguistik des 20. Jh.s als strukturalistisch (motiviert) bezeichnen.

  6. Die Dichotomien Saussures • ‚langue‘  ‚parole’, • Synchronie  Diachronie, • ‚signifiant‘‚  signifié’, • Form  Substanz, • arbiträr  motiviert, • syntagmatisch  assoziativ

  7. Kreislauf des Sprechens (Saussure 1967, 14 )

  8. Wir haben beim Kreislauf des Sprechens gesehen, dass die im sprachlichen Zeichen enthaltenen Bestandteile alle beide psychisch sind, und dass sie in unserm Gehirn durch das Band der Assoziation verknüpft sind. Diesen Punkt müssen wir im Auge behalten. Das sprachliche Zeichen vereinigt in sich nicht einen Namen und eine Sache, sondern eine Vorstellung und ein Lautbild. Dieses letztere ist nicht der tatsächliche Laut, der lediglich etwas Physikalisches ist, sondern der psychische Eindruck dieses Lautes, die Vergegenwärtigung desselben auf Grund unserer Empfindungswahrnehmungen; es ist sensorisch, und wenn wir es etwa gelegentlich "materiell" nennen, so ist damit eben das Sensorische gemeint im Gegensatz zu dem andern Glied der assoziativen Verbindung, der Vorstellung, die im allgemeinen mehr abstrakt ist." Der psychische Charakter unserer Lautbilder wird ganz klar, wenn wir uns selbst beobachten. Ohne die Lippen oder die Zunge zu bewegen, können wir mit uns selbst sprechen oder uns im Geist ein Gedicht vorsagen. Gerade deshalb, weil die Worte der Sprache für uns Lautbilder sind, sollte man nicht von den Lauten als Phonemen sprechen, aus denen sie zusammengesetzt sind. Denn dieser Ausdruck deutet auf mündliche Sprechtätigkeit und passt nur zum gesprochenen Wort, zur Verwirklichung des inneren Bildes in der Rede. Man muss sich stets daran erinnern, dass es sich nur um das innere Bild der lautlichen Erscheinung handelt.

  9. Das sprachliche Zeichen ist also etwas im Geist tatsächlich Vorhandenes, das zwei Seiten hat und durch folgende Figur dargestellt werden kann: Diese beiden Bestandteile sind eng miteinander verbunden und entsprechen einander. Ob wir nun den Sinn des lat. Wortes arbor suchen oder das Wort, womit das Lateinische die Vorstellung "Baum" bezeichnet, so ist klar, dass uns nur die in dieser Sprache geltenden Zuordnungen als angemessen erscheinen, und wir schließen jede beliebige andere Zuordnung aus, auf die man sonst noch verfallen könnte.

  10. Beliebigkeit des Zeichens • Das Band, welches das Bezeichnete mit der Bezeichnung verknüpft, ist beliebig; und da wir unter Zeichen das durch die assoziative Verbindung einer Bezeichnung mit einem Bezeichneten erzeugte Ganze verstehen, so können wir dafür auch einfacher sagen: Das sprachliche Zeichen ist beliebig. • So ist die Vorstellung "Schwester" durch keinerlei innere Beziehung mit der Lautfolge :Schwester: verbunden, die ihr als Bezeichnung dient; sie könnte ebenso wohl dargestellt sein durch irgendeine andere Lautfolge: das beweisen die Verschiedenheiten unter den Sprachen und schon das Vorhandensein verschiedener Sprachen: das Bezeichnete "Ochs" hat auf dieser Seite der Grenze als Bezeichnung o-k-s, auf jener Seite b-ö-f (böuf). • Der Grundsatz der Beliebigkeit des Zeichens wird von niemand bestritten; aber es ist oft leichter, eine Wahrheit zu entdecken, als ihr den gehörigen Platz anzuweisen. Dieser Grundsatz beherrscht die ganze Wissenschaft von der Sprache; die Folgerungen daraus sind unzählig.

  11. Der lineare Charakter des Zeichens Das Bezeichnende, als etwas Hörbares, verläuft ausschließlich in der Zeit und hat Eigenschaften, die von der Zeit bestimmt sind: a) es stellt eine Ausdehnung dar, und b) diese Ausdehnung ist messbar in einer einzigen Dimension: es ist eine Linie. • Der ganze Mechanismus der Sprache hängt davon ab. Im Gegensatz zu denjenigen Bezeichnungen, die sichtbar sind (maritime Signale usw.) und gleichzeitige Kombinationen in verschiedenen Dimensionen darbieten können, gibt es für die akustischen Bezeichnungen nur die Linie der Zeit; ihre Elemente treten nacheinander auf; sie bilden eine Kette. Diese Besonderheit stellt sich unmittelbar dar, sowie man sie durch die Schrift vergegenwärtigt und die räumliche Linie der graphischen Zeichen an Stelle der zeitlichen Aufeinanderfolge setzt.

  12. Philosophie der Linguistik • F. de Saussure verstand unter „Linguistique Générale“ („Allgemeine Sprachwissenschaft“) eine neue Disziplin, die e auch als „une philosophie de la linguistique“ bezeichnete. Sie hatte als Hauptziel: • Kritik der Wissenschaft „Linguistik“ (ihrer Methoden und Voraussetzungen). • Analytik der Sprache und anderer semiotischer Systeme, d.h. als Sprachphilosophie. • Die Zukunftsvision der Disziplin und die Programmatik einer noch zu entwickelnden Sprachwissenschaft (vgl. Einleitung zu Saussure, 2002: 8).

  13. Semiologie • 1996 wurden in der Orangerie des Genfer Stadthauses der Familie Saussure Manuskripte entdeckt, die als Vorarbeiten für ein Buch zur Allgemeinen Sprachwissenschaft dienen sollten; vgl. auch die verstreuten Anmerkungen F. de Saussures zu einer Semiologie seit 1901 (Saussure, 2003: 117 ff.). • So berichtet Adrien Naville in seinem Buch „Nouvelle classification des sciences“ von einer sehr allgemeinen Wissenschaft, der Semiologie, die F. de Saussure vorschlage und welche die Gesetze der Schaffung und Veränderung von Zeichen zum Gegenstand habe (vgl. Saussure, 2003: 117). • F. de Saussure geht generell von einer dualistischen Ontologie (in der Tradition des Cartesianismus) aus und stellt sich damit gegen die monistischen Tendenzen bei Schleicher (Glottik als Naturwissenschaft) und auch die ausnahmslosen, da naturwissenschaftlich begründeten Lautgesetze der Jung-Grammatiker (allerdings mit Einschränkungen).

  14. Wenn F. de Saussure das sprachliche Zeichen in seiner Heterogenität mit der Luft vergleicht, die eben eine ganz bestimmte Mischung von Sauerstoff und Stickstoff darstellt, ohne dass die beiden Teile eine chemische Verbindung eingingen, so bemerkt er doch abschließend den fundamentalen Unterschied zwischen Chemie (als Naturwissenschaft) und Linguistik (als Geistes-wissenschaft): • „Les deux éléments de l’air sont dans l’ordre matériel, et les deux éléments du mot sont réciproquement dans l’ordre spirituel ; notre point de vue constant sera de dire que non seulement la signification mais aussi le signe est un fait de conscience pure. »

  15. Damit lehnt er für die Sprache auch eine Dualität von Materie und Geist ab; beide Seiten des Zeichens sind geistiger, konzeptueller Natur. Man müsste statt von Form und Inhalt besser von: • figure vocale vs. forme - sens • (Laut-Figur) (Sinn - Form) sprechen (ibidem: 17). Das Ganze des Zeichens (z.B. des Wortes) und dessen Teilaspekte sind geistiger Natur; sowohl der „nackte“ Laut als auch der „nackte“ Inhalt erhalten ihre Figur/Form erst im Zeichensystem und sind auf der Ebene des „reinen Bewusstseins“ („conscience pure“) anzusiedeln. Daraus folgt, dass sowohl Semiotik/Semiologie als auch Linguistik Geisteswissenschaften sind.

  16. F. de Saussure macht allerdings ein Zugeständnis an die Jung-Grammatiker, indem er sagt, dass in einer historischen Perspektive, das sprachliche Zeichen, diesen Charakter verliert, nicht mehr dual, sondern einfach sei. • Dies bedeutet, dass außerhalb der eigentlichen Existenz der Sprache im „Bewusstsein“ von Sprechern/Hörern das geistes-wissenschaftliche Objekt zu einem naturwissenschaftlichen Objekt, z.B. beschreibbar in Begriffen der Physiologie der Lautorgane wird. • Man kann dies insofern nachvollziehen, als die historische Phonetik, die sich nur noch mit den Verschiebungen der Vokale und Konsonanten im phonetischen Raum beschäftigt, die Inhaltsseite ausblenden muss. Ihr kommt quasi die Doppelnatur der Zeichen abhanden. • Dies begründet die semiologische Unvollständigkeit der diachronen Sprachwissenschaft

  17. Gibt es eine Materie des Sinns? • Eigentlich müsste dieser Verlust auch für die „forme-sens“ gelten, d.h. der geistige Inhalt würde unzugänglich. Es fehlt in diesem Falle aber der naturwissenschaftliche Rahmen, in dem die Materie des Sinns (sens) ohne seine Form verortet und in seiner Bewegung beschrieben werden könnte. Eine historische Semantik müsste im Prinzip eine Naturwissen-schaft des Sinns sein. Diese Idee sollte im Zeitalter der Gehirnforschung weniger Befremden auslösen als zu Beginn des 20. Jh. (man konnte sich damals immerhin schon mechanische Operationen des Geistes im Sinne von Herbarts mechanistischer Psychologie vorstellen). • In der weiteren Entwicklung der Linguistik im 20. Jh. zeigt sich die Nähe des Strukturalismus zu einer sensualistisch-mechanischen Position zuerst bei Bloomfield und Harris (auf dem Hintergrund der in Amerika seit 1920 dominanten behavioristischen Psychologie) und erneut im Übergang vom Rationalismus von Noam Chomsky zu den Sprachautomaten der K.I. (Künstlichen Intelligenz) ab 1960.

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