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Dr. Joscha Beckmann Master Econ . Florian Verheyen

Vorlesung „Arbeits-, Konsum- und Gesellschaftsökonomik“ Termin: Mi 16:15 - 17:45 Uhr Raum: R11 T05 C84. Dr. Joscha Beckmann Master Econ . Florian Verheyen. Finanz-und Wirtschaftskrisen. Teil 1: Chronologie der aktuellen Finanzkrise Teil 2: Staatliche Fiskalpolitik als Gegenmaßnahme?.

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Presentation Transcript


  1. Vorlesung „Arbeits-, Konsum- und Gesellschaftsökonomik“Termin: Mi 16:15 - 17:45 UhrRaum: R11 T05 C84 Dr. Joscha Beckmann Master Econ. Florian Verheyen

  2. Finanz-und Wirtschaftskrisen • Teil 1: Chronologie der aktuellen Finanzkrise • Teil 2: Staatliche Fiskalpolitik als Gegenmaßnahme?

  3. 1. Chronologie der aktuellen Finanzkrise • Eine Immobilienblase entsteht um 2005. Immobilien werden zunehmende durch verbriefte Hypotheken finanziert. • Trotz zweifelhafter Qualität der Hypotheken erhalten die entsprechenden verbrieften Wertpapiere (MortgageBacked Securities oder MBS) AAA-Ratings.

  4. 1. Chronologie der aktuellen Finanzkrise • Finanzinstitute wie Banken unterliegen direkten Belastung durch den Immobilienmarkt. Grund sind direkte Bestände an Gewerbeimmobilien und direkte Beteiligungen an MBS. • Hinzu kommen implizite Garantien infolge von selbst aufgelegten Special Investment Vehicles. Diese halten MBS und finanzieren sich über forderungsbesicherte Wertpapiere.

  5. Exkurs: Grundstruktur von Verbriefungsgeschäften

  6. Schlechte Nachrichten über den Immobilienmarkt im Sommer 2007 überraschen Investoren der in AAA-gerateten MBS • Es kommt zu erheblichen Störungen an den Finanzmärkten • Aggressive Interventionen der Federal Reserve, einschließlich Kreditvergabe an die Marktteilnehmer gegen riskanteSicherheiten stabilisieren die Märkte während des Sommers 2008 trotz anhaltender schlechter Nachrichten über den Häusermarkt

  7. Im September 2008 lösen mehrere Ereignisse, darunter ein Run auf Geldmarktfonds, die Verstaatlichung von AIG und vor allem der Zusammenbruch von Lehman Brothers eine massive Finanzkrise aus. • In den Bilanzen der Banken kommt es zu massiven Abschreibungen auf Vermögenswerte sowie Verschlechterungen der kurzfristigen Finanzierungsmöglichkeiten • Dies führt zur Veräußerung von Vermögen sowie Notverkäufen. Als Folge der Notverkäufe steigt die Unsicherheit bezüglich der Solvenz von Banken sowie der Politik der Regierungen.

  8. Die Kombination staatlicher Interventionen stabilisiert dieFinanzmärkte im Frühjahr 2009 • Trotz expansiver Geld-und Fiskalpolitischer Maßnahmen verlief die Erholung der Realwirtschaft zunächst nur schleppend • Diskussion über Politikimplikationen und Entstehung der Krise halten an • Auswirkungen auf die Eurozone: Kapitel 2

  9. Alternative Interpretationen/Sichtweise der Finanzkrise • 2.1 A hundred year flood • 2.2 Too big to fail • 2.3 Probleme mit Agenten und Risikoneigung innerhalb von Banken • 2.4 Vernachlässigte Risiken / falsche Modelle

  10. A hundred year flood • Risiken werden verstanden und optimal behandelt • In regelmäßigen Abständen kommt es zu FinanzkrisenToobigtofail • Management von Systemrelevanten Banken geht bewusst Risiken ein und spekuliert auf einen Bailout der Regierung

  11. Probleme mit Agenten und Risikoneigung innerhalb von Banken • Bezahlung der Trader in Banken hängt von Gewinnen ab. Für Verluste besteht zuwenig Verantwortung • Führungsebene versteht die eingegangenen Risiken nicht vollständig • Händler haben einen starken Anreiz, hohe Risiken bewusst in kauf zu nehmen

  12. Risikobereitschaft von Händlern schafft Gefahr für die Institutionen • Das Eingehen von Risiken durch Institutionen schafft systemisches Risiko.

  13. Vernachlässigte Risiken • Investoren beurteilen Risiko historisch und Vernachlässigen die geringe Wahrscheinlichkeit nicht herausragender Ereignisse • Als Folge sehen sie Investitionen, die in der Vergangenheit ein attraktives Risiko / Rendite-Profile hatten als attraktiv an • Es existieren starke Anreize Wertpapiere mit solchen Eigenschaften zu konzipieren

  14. Wenn Investoren glauben, Wertpapiere seinen sicher nutzen sie diese Investitionen als Hebel • Das wiederum schafft Gefahr für Institutionen und systemische Risiken • Welche Risiken wurden vernachlässigt? • Ausmaß des Rückgangs der Immobilienpreise • Sensibilität der Preise von Sicherheiten für Häuser • Ausmaß des Bankenengagement und der Bankenverpflechtung • Ausfälle von Versicherungen (Kontrahentenrisiko)

  15. Vergleich: Die Titanic: Ein Schiff mit AAA-Rating • Beim Bau galt sie als das sicherste und größte Schiff, welches jemals gebaut wurde • „Insider“ und Investoren waren mit an Bord, da sich glaubten die Titanic sei sicher • Es gab, wie von den Behörden vorgeschrieben, genug Rettungsboote (für 1/3 der Passagiere)

  16. Sie segelte wegen der Eisberge weiter Südlich, jedoch ignorierte der Funker Warnungen vor Eisbergen • 1500 Menschen starben. Einige Rettungsboote waren nicht voll besetzt. Fast die ganze Besatzung kam ums Leben • Investoren konnten sich die Kriese zwar vorstellen, hielten es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass sie eintritt.

  17. Finanz-und Wirtschaftskrisen • Teil 1: Chronologie der aktuellen Finanzkrise • Teil 2: Staatliche Fiskalpolitik als Gegenmaßnahme?

  18. Keynesianer vs. Neoklassiker • Zwei alternative Sichtweisen 1.Neoklassik • Markt funktioniert bzw. ist effizient • Staatseingriffe sind eher schädlich • Fiskalpolitik ist unwirksam • Finankrisen können auch bei effizienten Märkten aufreten

  19. Keynesianer vs. Neoklassiker 2. Keynesianer • Staatseingriffe sind notwendig wenn der Markt nicht funktioniert • Aktuelle Finanzkrise zeigt dass Märkte nicht perfekt funktionieren • Antizyklische Fiskalpolitik als Instrument zur Konjunktursteuerung?

  20. Keynesianer vs. Neoklassiker Kernfrage: Funktioniert der Staat besser als der Markt? Im folgenden: Betrachtung der keynesianischen Argumentation

  21. Implikationen des keynesianischen Modells bzgl. möglicher Staatseingriffe • Die Selbstheilungskräfte des Marktes sind begrenzt • Eine Wirtschaft kann in ein Gütermarkt-Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung geraten. • Potenzielle Auslöser: • Rückgang der Investitionen durch Verunsicherung der Unternehmen • erhöhte Sparneigung der Privaten wegen Unsicherheit über Altersvorsorge • Rückgang der Auslandsnachfrage wegen Einbruch auf Immobilienmärkten

  22. § 1 Stabilitäts- und Wachstumsgesetz • „Bund und Länder haben bei ihren finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten“ • Zumindest: keine Destabilisierung durch Fiskalpolitik („prozyklische Politik“) • Ideal: Fiskalpolitik kompensiert die Schwankungen der anderen Nachfragekomponenten („antizyklische Politik“)

  23. Wirtschaftskrise 2009:Rückgang des Bruttoinlandsprodukts Quelle: OECD, Economic Outlook No. 87.

  24. Antizyklische Fiskalpolitik durch hohe Haushaltsdefizite

  25. Die Große Depression in Deutschland (1929-1933) Quelle: Deutsche Bundesbank, Deutsches Geld- und Bankwesen in Zahlen 1876-1975.

  26. Brünings prozyklische Finanzpolitik Defizit des Reichs in % des Bruttoinlandsprodukts

  27. Die makroökonomischen Instrumente der Fiskalpolitik Sehr vereinfachte Darstellung: • Staatsausgaben (G) • Steuern (T) bzw. Steuersatz (t)

  28. Gesamtwirtschaftliches Modell mit Staatsausgaben (G) (gesamtw.Nachfrage) (gesamtw.Angebot) (Gleichgewicht) Die Lage des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts kann also durch Staatsausgaben bestimmt werden Kurfristiges Modell: Annahme konstanter Preise

  29. Prinzip des Multiplikators • Beispiel: Erhöhung der Staatsausgaben um 1 Million erhöht Gleichgewichtsoutput um 2 Millionen • Multiplikator: • Grund: Bei der Zunahme des gesamtwirtschaftlichen Einkommens durch zusätzliche Staatsausgaben entstehen auch zusätzliche Konsumausgaben in Höhe von 1 Million (= bY) • Gleichgewicht:

  30. Prinzip des Multiplikators Partielle Ableitung des Gleichgewichtswertes nach G

  31. Extreme Sicht von Keynes (1973, S. 129) • "Wenn sich das Finanzministerium entscheiden würde, alte Flaschen mit Banknoten zu füllen, diese in ausreichender Tiefe in nicht mehr benutzten Kohlenminen vergraben ließe, das Ganze mit Müll auffüllte und dann ein privates Unternehmen beauftragte, die Banknoten wieder auszugraben, bräuchte es keine Arbeitslosigkeit mehr zu geben. Durch die dadurch ausgelösten Effekte wäre das Realeinkommen der Menschen und auch ihr Vermögen um einiges höher als es derzeit ist. Es wäre natürlich sehr viel sinnvoller, Häuser und ähnliches zu bauen. Aber wenn es dabei politische oder praktische Hindernisse gäbe, wäre die oben genannte Lösung besser als nichts.”

  32. Vergleich des Instruments der Staatsausgaben mit dem der Steuern • 1 Mio. Staatsausgaben schaffen 2 Mio. zusätzliche Nachfrage • 1 Mio. Steuersenkung schaffen nur 1 Mio. zusätzliche Nachfrage • Multiplikator der Staatsausgaben ist im Modell höher als der der Steuern

  33. Wie hoch ist der Multiplikator der Staatsausgaben in der Realität? Sehr grobe Schätzung für 100 Euro an zusätzlicher Wertschöpfung 100 Euro zusätzliches Arbeitseinkommen - 42 Euro Sozialabgaben - 15 Euro Lohnsteuer = 47 Euro Nettoeinkommen - 5 Euro Ersparnis - 17 Euro Importe = 25 Euro zusätzliche Konsumnachfrage b (umfassend definiert) = 0,25 Multiplikator: 1/0,75= 1,33

  34. Schätzungen des IWF für große (blau) und kleine (rot) Volkswirtschaften • Ausgabenprogramme • Steuersenkungen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in % von Normalverlauf bei Anstieg des Defizits um 1 Prozentpunkt im ersten und 0,5 Prozentpunkte im zweiten Jahr. IMF, World Economic Outlook October 2008, S. 184.

  35. Automatische Stabilisatoren haben einen starken Einfluss auf die Haushaltsdefizite • Steuereinnahmen und ein Teil der Staatsausgaben (Zahlungen für Arbeitslose) hängen wesentlich von der konjunkturellen Entwicklung ab • Bei guter Konjunktur: geringe Defizite oder Überschüsse im Haushalt • Schlechte Konjunktur: hohe Defizite

  36. Tatsächliches und konjunkturbereinigter (struktureller) Budgetsaldo für Deutschland Quelle: IMF, World Economic Outlook (2009).

  37. Probleme der antizyklischen Fiskalpolitik • Die Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung ist mit hoher Unsicherheit behaftet • Antizyklik ist in der Rezession leichter zu praktizieren als in Boom-Jahren: • Wenn die Ausgaben in guten Zeiten nicht zurückgefahren werden besteht die Gefahr einer steigenden Staatsverschuldung

  38. Staatsverschuldung in % des BIP (Schuldenstandsquote) Quelle: OECD, Economic Outlook No. 87.

  39. Wirtschaftsprognosen für Deutschland und Realität SVR-Prognose für das reale Bruttoinlandsprodukt

  40. Antizyklische Wirtschaftspolitik in Großbritannien und den USA Struktureller Budgetsaldo in % des BIPQuelle: OECD, Economic Outlook No. 87.

  41. Höheres und stabileres Wirtschaftswachstum als in Deutschland Zuwachsrate des realen BruttoinlandsproduktsQuelle: OECD, Economic Outlook No. 87.

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